Klaus geb. 1957 in Hohenlimburg

Liebe Besucher!

Wie ich schon an anderer Stelle hervorhob, werden Sie ähnlichen Webseiten, wie sie hier
auf www.ex-heimkinder.de zu finden sind, nicht von Menschen erwarten dürfen, die einst nicht selber von den darin beschriebenen Widrigkeiten betroffen waren.
Einfach, weil es sonst, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum jemand geben würde, um notwendige gesellschaftliche Reformen einzufordern.

Dass es hier nicht einfach nur um Nebensächlichkeiten oder gar bedauerliche Einzelfälle geht, auch dies dürfte auf diesen Seiten recht deutlich geworden sein.
Indes gibt es nur relativ wenige Betroffene, denen der Wille, die Kraft und ein wenig Talent gegeben ist, um einen eklatanten gesellschaftlichen Mangel in dieser Form in Worte zu fassen.

Vielfach liegt es aber auch einfach "nur" daran, weil sich einst gewaltbetroffene Menschen ihrer Situation selbst noch gar nicht so bewusst sind, da sie ihre Erfahrungen als selbstverständlichen Bestandteil ihres bisherigen Lebens betrachteten und deshalb weder für sich selbst noch für andere Menschen einen erforderlichen Handlungsbedarf erkannten.

Zumindest erging es mir bis 2003 in ähnlicher Weise.
Mir waren meine Erfahrungen zwar schon irgendwie bewusst, aber es gab für mich bis dahin keinen Anlass, diese einer besonderen Betrachtung zu unterziehen, da sie zu meinen ganz normalen Erfahrungen gehörten. Punkt aus.
Warum sollte ich sie auch betrachten, wenn sie mir auf der anderen Seite nur schmerzhaft in Erinnerung waren und deshalb besser unberührt in dicker Watte verpackt blieben.

Immerhin habe ich, mit mehr oder weniger holprigen Anläufen, die letzten 15/20 Jahre doch noch meinen Weg gefunden und hätte irgendwann mein Leben als unscheinbarer Mensch beschlossen, von dem die eigenen Kinder später besonders meine Vorliebe für ruhige Abgeschiedenheit in Erinnerung behalten hätten.
Doch es kam anders, wie auch für mich völlig unverhofft.

Vermutlich biografiebedingt hatte ich schon seit früher Jugend ein offenes Ohr für Themen, die sich mit Unrecht und Ungerechtigkeit befassten. Schließlich kann ich mich noch erinnern, mich schon als 12/13 Jähriger mit Fragen beschäftigte zu haben, warum der angebliche liebe Gott zunächst mich nicht vor Leid bewahrte, wenn er mich fern der Familie den fürchterlichen Trennungsschmerz ertragen ließ. Denn ja, paradoxerweise litt ich außerordentlich stark unter der Trennung von meiner gewalttätigen Familie. Leidet nicht gar jedes Kind darunter?

Ab einem Alter von etwa 15/16 Jahren befasste ich mich eingehend mit dem Unrecht des Nationalsozialismus und verschlang Biografien von Nazigrößen, um zu ergründen, wie Mitmenschen nur zu dermaßen gefühllosen Entscheidungen fähig waren, wie sie im Naziregim längst nicht nur in himmelweisenden Schornsteinen finale Höhepunkte unerbittlicher Gleichgültigkeit fanden.

Wenn man die Geschichte weiter verfolgt, dann bleibt festzustellen, dass sich sich an der Gewaltbereitschaft nichts grundlegendes verändert hat, wenn unserer Nachkriegsgesellschaft bis in die Gegenwart noch immer massive Gewalt, Vernachlässigungen und Missbrauch gegenüber ihren Kindern toleriert. Denn so lange Tag und Jahr noch immer an die hunderttausend Kinder und Jugendlichen von Gewalt und Vernachlässigung betroffen sind, um ihnen staatlicherseits beistehen zu müssen - jedes Jahr nachweislich rund 15000 Kinder sexuell missbraucht werden, hinter dessen Zahlen sich noch weit größere Dunkelziffern verbergen, mit deren Leidensverwaltung ein blühender Wirtschaftsbereich betrieben wird, soll mir niemand erzählen, dass es in diesem Land glaubhafte Bemühungen gibt, um möglichst allen Kindern/Mitmenschen eine gewaltfreie und förderliche Kindheit zu ermöglichen.
Dabei hat es weder an Mahnungen noch Richtungsweisungen gefehlt.
Womit erkennbar wird, dass auch heute noch die selben Grundlagen von Gewalt und Gleichgültigkeit bestehen, die den millionenfachen Mord an Erwachsenen und Kindern während der Nazizeit ermöglichten siehe Ursachen, Folgen und Ziele.
- Doch zurück zu meinen eigenen Erfahrungen.


Wenig später verbrachte ich ein paar Ferienwochen zu Hause. - Heimat?
Statt draußen mit meinen Geschwistern herumzustromern, half ich meinen Eltern bei der Heimarbeit, wenn auch nur in der Absicht, mir das nötige Geld zu verdienen, um mir damals das gerade neu herausgegebene Buch von Alexander Solschenizyn "Der Archipel Gulag" kaufen zu können.

So habe ich zwar auch später noch sehr viel vom Leid anderer Menschen erfahren, jedoch ohne mich dabei selbst jemals als ein Gewaltopfer wahrzunehmen.
Dies änderte sich schlagartig, als ich im Jahre 2003 im Internet zufällig einen Jahrsbericht von Amnesty-International zu Gesicht bekam, in dem von brutalen Foltermethoden auf dem afrikanischen Kontinent die Rede war.

Ich war zutiefst erschüttert! - Denn was ich da las, war mir zum Teil nur zu gut aus meiner eigenen frühen Kindheit bekannt, wenngleich ich dies zuvor nie als Folter erachtet hätte, sondern stets als Teil meines NORMALEN Lebens verinnerlicht hatte und deshalb bis zu diesem Moment nie ein anderer Mensch von meinen Erfahrungen etwas wußte..
In diesem Bericht ging es um Delinquenten, denen mit Rohrstöcken die nackten Fußsohlen traktiert wurden, um ihnen mit dieser äußerst schmerzhaften Methode irgendwelche Geständnisse abzupressen.

So im Nachhinein, frage ich mich immer noch, woher meine Mutter diese "Strafmaßnahme" kannte, denn mit Ausnahme dieses Amnesty-Berichts, habe ich bis zum heutigen Tag noch nie davon gehört, dass wer - und schon gar keine Kinder irgendwo auf ähnlich brutale Weise malträtiert wurden/werden, mit der mich ausschließlich meine Mutter aus nichtigsten Anlässen behandelte, wie z.B. wenn ich den Vater nur mal darum bat, eine verbogene Achse eines Spielzeugwagens gerade zu richten, oder wenn sie mich beim "klauen" von Brot, Wasser oder anderer Nahrung erwischte.
Um meine Schmerzensschreie zu ersticken, steckte sie mich zu dieser Prozedur stets unter einen Berg von Bettdecken, sodass nur noch die nackten Füße herausragten und bearbeitete dann teils bis zur Taubheit meine Fußsohlen.
Damit endete sie erst, wenn ich zu schreien aufgehört hatte.
Offenbar lag ihr doch viel daran, dass die Hausbewohner unter uns nicht zu viel mitbekamen, denn sicherlich werden sie so schon genug zu hören bekommen haben.
Mit ausreichendem Nachdruck wies sie mich stets an, nur ja kein Wort davon an den Vater zu verlieren.
Ob es ihn überhaupt interessiert hätte? Ich weiß es nicht einmal.


Genauso wie ich heute kaum etwas darüber weiß, wie ausgerechnet er als Pole, in ein Land kam, das sich noch längst nicht seiner fremdenfeindlichen Ideologien entledigt hatte, um während eines Faschingballs an meine Mutter aus einer kleinbürgerlichen Beamtenfamilie zu geraten. Deren jüngste Tochter (meine Mutter) offenbar den Mief des erdrückenden Elternhauses und den vorherrschenden Mangel in eigenen Fluchten suchte, wie sie Menschen mit 18-19 Jahren nun mal häufig zu eigen sind.
Allerdings mit dem höchst fragwürdigem Ergebnis, dass sie erstmals mit 19/20 Jahren Mutter eines unehelichen Sohnes wurde.
Zum damaligen Zeitpunkt, ein moralisch höchst anrüchiges "Vergehen", zumal wenn dieses Kind aus einer Verbindung mit einem Besatzungssoldaten hervorging.

Vermutlich standen demnach häusliche Auflehnungsbestrebungen wie eigene Versorgungsängste im Vordergrund, um aus dieser Zufallsbekanntschaft als Ehepaar hervorzugehen.
Dazwischen gebar sie zwar noch eine ältere Halbschwester, doch diese wurde Gottlob zur Adoption freigegeben.

Meine ersten 8 Kinderjahre glichen demnach einem wahren Albtraum, dessen positivste Eigenschaft darin bestand, diese 8 Jahre überlebt zu haben.
Meine Mutter leitete ihre "Behandlungen" stets mit den Worten ein, "Du kriegst gleich Deine Wucht."
Beliebt war auch mich einfach in eine große Tüte, Sack oder Wäschekorb zu stecken und mich dort den eigenen Ängsten zu überlassen. Es konnte aber auch passieren, dass sie mich zu einem unbeweglichen Paket verschnürt, den ganzen Tag hinter einer Tür vergaß.
Gewöhnlich war ich jedoch in einer kleinen Dachkammer hinter der Treppe eingesperrt, in dem eine Luke genügend Licht spendete, um mich mit dem ausreißen von Spinnenbeinen, Fliegen, oder anderen Insekten zu beschäftigen, ohne dabei ihre Körper zu zerdrücken.

Nachts durchlebte ich hier unzählige panische Ängste, von denen ich bis 2004 tatsächlich noch felsenfest überzeugt war, von Geistwesen heimgesucht worden zu sein. Erst seit dieser jüngeren Zeit weiß ich, dass diese durchlebten Ängste mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Missbrauch zurückzuführen sind, an denen ich bis auf eine einzige, mir bis dahin unbedeutende Sequenz, keine Erinnerung mehr habe.
Jedoch 2004 ein Ahnung davon bekam, als mir im Rahmen einer 1. Probesitzung mit einer Psychotherapeutin, der ich auch von meinen Geisterscheinungen erzählte, die überraschende Frage stellte, was denn mein Vater nächtens in meinem Bett verloren hätte, statt bei seiner Ehefrau zu liegen?
Ich glaube niemand kann sich vorstellen, wie perplex ich war. Denn bis zu diesem Augenblick, wäre ich nicht mal im Traum auf die Idee gekommen mir solch eine Frage zu stellen. War es doch für mich völlig normal, dass mein Vater öfter mit mir in meinem Bett in der Dachkammer übernachtete und ihn bis dahin eher als Beschützer in Erinnerung hatte, der mich bei weitem nicht so fürchterlich misshandelte wie meine Mutter. Sie, die sich nicht mal zu schade war, selbst meine Geschwister zu ermuntern gemeinsam mit Stöcken auf mich einzuschlagen.

Dennoch kann ich mich weder seitens des Vater, geschweige denn der Mutter an positive Zuwendungen, oder gar liebvolle Umarmungen erinnern.
Ähnlich wie ich Erinnerungen an ein Wohnzimmer an einer Hand abzählen kann, da sich die Lebenserfahrungen meiner ersten 8 Lebensjahre überwiegend auf die geschätzten 4/5 qm meiner Dachkammer beschränken, in der ich gewöhnlich eingeschlossen blieb.
Diese Erfahrungen spiegeln sich später im Aufnahmebogen meiner Heimakte folgendermaßen wieder:

Essen und Trinken bekam ich natürlich auch nicht ausreichend und wenn, machten sich meine älteren Geschwister einen Spaß daraus mir Dreck, Niespulver, oder andere Sachen unter das Essen zu mischen.
So kam es vor, dass mein Vater dann irgendwann mal meine Mutter zwang mir genügend aufzutischen.
Da habe ich mich so überfressen, dass mir wenig später im Krankenhaus der Magen abgepumpt werden musste.
In Bezug auf´s Trinken, sei noch angemerkt, dass
ich froh war, noch das zurückgebliebene Wasser aus dem Eimer trinken zu können, der mir für die Notdurft in die Kammer gestellt wurde.
Dabei kam es mehr als einmal vor dass der Eimer zuvor nicht mit Wasser ausgespült wurde.

Dass mein 10 Jahre älterer Halbbruder mit mir Fußball spielen durfte, indem er mich aufhob und im Herunterfallen nach mir trat, bis mein Hintern nur noch schwarz war, daran habe ich schon gar keine Erinnerung mehr und wüsste es bis heute nicht, wenn mir eine ältere Schwester im Rahmen meiner Aufarbeitungen nicht von diesen Begebenheiten erzählt hätte. So wie auch ihr aufgefallen war, dass ich stets besonders entwürdigend behandelt wurde, wie z.B. als einziger bei Schwimmbadbesuchen nicht auf mitgebrachten Decken sitzen zu dürfen. Denn dass ich stets als letzter aller Geschwister im dreckigen Badewasser gebadet wurde, dass war für mich genauso normal, wie überhaupt an sehr wenigen Gemeinsamkeiten beteiligt worden zu sein.
Dafür habe ich noch die Lichter der Stadt in Erinnerung, wie mich meine Mutter mal nachts kopfüber, nur noch an den Beinen haltend aus dem Dachfenster hielt und loszulassen drohte. Auf diese Episode angesprochen, meinte die vorab bereits erwähnte Psychologin, dass ich dabei doch sicher Todesangst gehabt haben muss, worauf ich ihr spontan erwiderte, mich an diese Angst gar nicht mehr entsinnen zu können.
Womit mir später bewusst wurde, wie vollkommen der Mensch zu seinem Selbstschutz schlimme Erfahrungen auf unerklärlicher Weise komplett aus seinem Bewusstsein verlieren kann.
Aber wehe, sie treten dann eines fernen Tages unvermittelt wieder hervor!

Es gibt durchaus auch positive Erinnerungen, die jedoch weitgehend unwirklichen Fragmenten gleichen.
Ein Tag im Wohnzimmer, während ein schwarz/weiß-Fernseher einen Rosenmontagszug übertrug, zu dem sogar ich Lakritzschnecken bekam. Ein Weihnachtsabend, an dem ich auf dem Schoß von meinem Vater saß, nachdem mein älterer Bruder mir gerade zuvor mein Geschenk in Form eines Autos absichtlich zertreten hatte.
Am tiefsten ist jedoch eine Szene in meiner Erinnerung geblieben, in der ich mich allein mit meinem Vater auf einer Wiese am Lenneufer von Hohenlimburg Ball spielen sehe, während die Abendsonne die Backsteinmauern der umliegenden Häuser in ein tiefes Rot tauchte und vom anderen Ufer her friedstimmende Kirchturmglocken herüber klangen.
Doch diese Idylle erwies sich lediglich als kurzes Zwischenspiel eines ansonsten überwiegend schmerzlichen Alltags, der sich gewöhnlich in der Einsamkeit meiner Dachkammer abseits meiner übrigen Geschwister abspielte, an dessen Gesamtheit bis zu einem Alter von rund 10 Jahren auffällig wenige Erinnerungen geblieben sind.

Aus diesen Beschreibungen müsste eigentlich für jeden halbwegs normalen Menschen erkennbar werden, dass sich unter derart lebensfeindlichen Umständen kein Kind normal entwickeln kann.
Folgerichtig wurde ich zunächst wegen geistiger und körperlicher Rückstände von der Einschulung zurückgestellt, um ein Jahr darauf im Rahmen der weiteren Vorschuluntersuchung wegen meines desolaten physischen und psychischen Zustand in eine Kinderpsychiatrie eingewiesen zu werden.

Ich hatte "Glück" im Unglück.
Glück, da ich 1965 als fast 8-Jähriger, als eines der ersten Kinder an einem Pilotprojekt zur individuellen Förderung milieugeschädigter Kinder innerhalb der Kinderpsychiatrie in Hamm teilnehmen durfte.
Bin ich tatsächlich hochdankbar drum, da aus meinen vorliegenden Amtsakten Überlegungen hervorgingen, die vorsahen, mich in eine Behinderteneinrichtung auszusondern.

So hingegen wurde ich in Hamm im Gegensatz zu einer Parallelgruppe von rund 30 Kindern, innerhalb einer winzig kleinen Gruppe von vier/sechs weiteren Kindern eingeschult, individuell gefordert und ja verhältnismäßig erfolgreich gefördert.
Natürlich war auch diese Zeit kein Zuckerschlecken, da ich nicht nur extremst aggressiv auf mich und meine Umwelt reagierte. Nein, leider ließ auch in solchen Einrichtungen das pädagogische Verständnis noch sehr zu wünschen übrig.
Wie z.B. in einer Szene, in der ich mich in einem Gitterbett dass im Flur aufgestellt war, als schreiendes etwas erkenne, dessen Arme und Beine an den Gitterstäben fixiert waren und drei oder vier "Betreuungskräfte" über meinen Kopf hinweg darüber stritten, mir auch den Mund zuzukleben.
Nun ja, die harte Fraktion setzte sich letztlich durch und weist mir heute den Weg, dass es schon damals ein Unrechtsbewusstsein unter den Angestellten gegeben hat.
Weiter erkenne ich in der Rückschau, wie verheerend sich zum Ende meiner 2-jährigen Psychiatriezeit die völlig deplazierten Drohungen in mein Gedächtnis einprägten, in ein ganz strenges Heim verlegt zu werden.

Gemessen an meinen vorhergehenden Erfahrungen erwiesen sich diese Ankündigungen in meinem späteren Heim Gotteshütte in Kleinenbremen jedoch längst nicht als eine jener Fürsorgehöllen, wie sie in jüngerer Zeit bekannt wurden.
Klar, wurden auch hier Kleiderbügel, Handfeger, Schlappen und ähnliches auf dem Rücken und nackten Hintern der Kinder verdroschen, aber dass war für mich eher normal, als dass ich darin die Notwendigkeit kritischer Infragestellungen gesehen hätte.
Heute weiß ich indes, dass auch diese Zustände in Hinblick auf den "Rechtsanspruch," milieugeschädigten Kindern in Heimen einen geschützten Rahmen zu bieten, um sie gedeihlich zu fördern, weder verbindlichen Sozialgesetzen, noch den moralischen Selbstannsprüchen christlich orientierter Heimträgerschaften entsprachen.
Denn Gewalt und Unterdrückung war "natürlich" auch hier an der Tagesordnung, dem ich mich als einer der eher schwächeren Gruppenmitglieder weitgehend durch Rückzug und feinsinnigen Fähigkeit drohendes Unheil vorausschauend zu erfassen, anpasste.
Tatsächlich werde ich in Akten, die mir heute vorliegen, durchweg als Einzelgänger beschrieben, der bis zuletzt Mühe hatte, sich dem allgemeinen Gruppengeschehen anzuschließen. Wenngleich ich mich weniger als abseitsstehenden Menschen empfand, kann ich mich aber durchaus erinnern, bei gemeinsamen Spaziergängen soweit möglich einen großen Abstand zur Gruppe gehalten und später leidenschaftlich gern über Stunden hinweg allein und gedankenversunken durch die Schlossteich- und Wiesenanlagen von Bückeburg gewandert zu sein.
Ansonsten vergrub ich mich regelmäßig hinter Büchern. Phantasie diente hier als willkommener Ersatz meiner realen Welt.

Anfangs tat ich mich natürlich mit dem Personal und heimschuleigenen Lehrkräften schwer.
Besonders eine Lehrerin, (Ranke) bei der ich später zu einem recht guten Schüler avancierte, tat sich als besonders rabiate "Fachkraft" hervor, indem sie mir büschelweise die Haare ausriss und mir dermaßen die Ohren langzog und verdrehte, dass diese mir hin und wieder noch heute unvermittelt anfangen zu schmerzen.
Warum und wie auch immer, wurde ich jedenfalls ein recht guter Schüler, dem das Privileg zuteil wurde, als einer von wenigen Heimkindern eine auswärtige Hauptschule zu besuchen.
Während wir Heimkinder von den anderen "normalen" Kindern aus der Umgebung recht gut akzeptiert wurden, stellte sich mein Klassenlehrer, wie auch einige andere seiner Kollegen/innen als weit weniger vorurteilsfrei dar.
Demgemäß gingen auch meine Noten wieder deutlich in den Keller. Besonders belastend der Englischunterricht.
Den gab es in der Heimschule nicht. So dass ich um zwei Jahre hinterherhinkte und diesen Vorsprung nie einholen konnte.

Es war auch die Zeit der ersten Jugendliebe, (eine auswärtige Klassenkameradin) die sich auf eine wundervoll zarte Weise entfaltete, wie ich sie nie wieder danach kennen lernen durfte. Noch heute denke ich an sie und bedauere sehr, dass sie auf einen Jahrzehnte späteren Kontaktversuch mit erschreckender Schroffheit reagierte. Was weniger mit mir als vielmehr ihren eigenen späteren Lebenserfahrungen zu tun hatte.
Denn wir verloren uns, nachdem ich 1974 mit ach und krach die Hauptschulabschlussprüfung bestand und mit 17 Jahren eine Lehre aufnehmen sollte, obwohl ich nicht die geringste Vorstellung hatte, wohin ich mich beruflich orientieren sollte.
Klar, als Heimkind wurde mir in einem 15 Minuten-Gespräch von einem eingeschalteten Berufsberater Verkäufer vorgeschlagen.
Vermutlich mit Blick auf zu erwartende Verdienste, habe ich meine Augenmerk auf eine Ausbildung zum Klempner gelegt. Dazu sollte ich innerhalb von zwei Wochen, die ich zu diesem Zweck vom Heim in meinen rund 200 km entfernten Familienhaushalt beurlaubt wurde, zusammen mit meinen Vater eine entsprechende Ausbildungsstelle finden.
Meine Zeugnisnoten waren indes so schlecht, dass sich kein Klempnerbetrieb zu einer Ausbildungszusage bereit fand.
Mein Vater hätte es eh lieber gesehen, wenn ich ohne Ausbildung als Hilfsarbeiter in der selben Fabrik geschafft hätte, in der er als angelernter Arbeiter tätig war.
Doch darauf ließ man sich seitens des Jugendamtes nicht ein.
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt eh nicht viel zu sagen.
Wer hatte mich denn zuvor schon je nach meinen Wünschen gefragt?
So wurde entschieden, dass ich zunächst in ein Lehrlingsheim 20 km von meiner Familie entfernt wohnen und in Ruhe nach einer Lehrstelle suchen sollte.
Doch die Zeit eilte.

So wurde ich am 5. Juli aus der Gotteshütte zunächst nach Hause entlassen, um mich kurz darauf am 8. Juli 74 in einem Lehrlingsheim in Hemer anzumelden.
Dort angekommen, wurde mir zu meiner Überraschung eine gerade frei gewordene Ausbildungsstelle zum Maler und Lackierer offeriert.
Tja, schon damals waren Lehrstellen knapp. Also nahm ich kurzerhand das Angebot an und begann bereits zwei Tage später die Ausbildung.
Es war nicht die schlechteste Entscheidung. Ein kleiner Handwerksbetrieb mit einem für heutige Verhältnisse fast schon zu toleranten Chef, der mich heute immer noch ein wenig an den liebenswerten Herrn Röhrich aus den lustigen Wernerfilmen erinnert, ohne deshalb einfältig zu sein. Nur ähnlich wie im Wernerfilm hatte auch seine weitaus bestimmter auftretende Frau das Sagen im Hause, wenngleich dies wirklich niemals bos- oder nachteilhaft zum Tragen kam. Aber dennoch von seinen Angestellten immer mal wieder mit Belustigung zur Kenntnis genommen wurde. Ich kann mich noch erinnern, dass einer der zwei Gesellen in der Werkstatt mal so richtig über den Chef herzog, der gerade in diesem Augenblick hinter seinem Rücken stand.
Oh wie peinlich. Auf der anderen Seite aber auch so wunderbar menschlich, dass es selbst der Chef mit Humor nahm. Doch wirklich ein ganz tolles Ehepaar! (Döbbeler in Ihmert.)

Die mir auch beistanden, als sich mein Vater, am 2.1.75 das Leben nahm, nachdem sich meine nächst ältere Schwester ihrem Mann offenbarte, früher vom eigenen Vater missbraucht worden zu sein.
Erst im Rahmen meiner eigenen Aufarbeitung erfuhr ich, dass es sich dabei nicht nur mal um einen einmaligen Fall handelte, wie ich bis dahin annahm, sondern sich dieser Missbrauch über zahlreiche Jahre hinwegzog, an dessen Beginn sich diese Schwester nicht mal mehr erinnern kann, während die älteste Schwester mit vergleichsweise überschaubaren Übergriffen noch verhältnismäßig "glimpflich" davon kam. Was diesen beiden Schwestern indes nicht die Bekanntschaft mit den Ledergürteln des Vaters ersparte, mit der er gerade sie mit Vorliebe malträtierte.
(Ironie an:) Etwa, um sie für ihren physischen Liebreiz zu strafen, denen er immer wieder zum Opfer fiel? Oder ist es nicht so, dass sich zahlreiche Täter gern selbst als Opfer definieren (Ironie aus)
Dass auch diese Schwestern zum Teil auf hochproblematische Lebensläufe zurückblicken, ohne dass ihnen jemand hilfreich zur Seite stand, dürfte bei den Hintergünden einleuchten.
So setzten sich die Spiralen der Gewalt unvermindert von einer zur anderen Generation fort.
Denn keinem der Kinder meiner älteren Geschwister blieben mit Ausnahme von Missbrauch ähnlich schmerzliche Erfahrungen erspart. Insbesondere Frau und Kinder meines ältesten Bruder taten mir ausgesprochen Leid, der seinen elterlichen Vorbildern mit ähnlich rücksichtsloser Bedenkenlosigkeit gefolgt war. Aber auch ich kann mich nicht davon freisprechen, meinen eigenen Kindern in ihren jungen Jahren Gewalt angetan zu haben, bis ich von selbst erkannte, wie Gewalt die eigenen Kinder entwürdigt, Vertrauen zerstört und als erzieherisches Mittel vollkommen nutzlos bleibt.
Ach, was könnte, möchte und werde ich hierzu später vielleicht noch mal alles schreiben.
doch zurück.

Da ich zur Zeit der Neujahrsfeier zufällig das Wochenende bei meiner Familie verbrachte, bzw. wir die Nacht der Offenbahrung bei meiner Schwester verbrachten, hatte ich am nächsten Tag das zweifelhafte Vergnügen den Vater zusammen mit meinem Schwager aufzufinden, der sich mit unbändiger Willenskraft, an einer Türklinke in der Familienwohnung qualvoll erdrosselt hatte.
Ein Umstand, der mir vom jüngsten Bruder bis zuletzt den Verdach/Vorwurf einhandelte wir, (mein Schwager und ich) hätten den Vater gemeinsam umgebracht.

Trotz des Schreckens, habe ich ihm keine Träne nachgeweint. Dafür war er mir bereits durch meine langen Heimaufenthalte zu fremd geworden, zumal ich ihn überwiegend als jähzornigen Despoten in Erinnerung hatte, vor dem die ganze Familie angstvoll zitterte. Und wehe, wenn er mal ein gemeinsames Gsellschaftsspiel verlor, dann flogen im wahrsten Sinn des Wortes die Klamotten. Im günstigen Fall flog das Spiel in eine Ecke, im ungünstigeren Fall konnte es aber auch schon passieren, dass ein schwerer Kristallaschenbecher in die Bildröhre des Fernsehers krachte. Eben ein cholerischer Despot der Seinesgleichen suchte.
Aus meinen ersten Kinderjahren kannte ich ihn noch als haltlosen Alkoholiker, der uns einst als Kinder wiederholt zum Trinken seiner selbst zusammengeschütteten Schnäpse, Likör und dergleichen nötigte.
Noch heute hasse ich jeden scharfen Alkohol.
Einmal war ich drei Tage und Nächte mit ihm als Schnapsleiche in "meiner" Kammer eingeschlossen. Erst nach drei Tagen wurde er vollgekotzt und bepisst von Sanitätern abgeholt, während ich inmitten dieser dampfenden Ausdünstungen zurückblieb. Grauenvoll, aber eben auch vorbei.

Im Lehrlingsheim kam ich ganz gut zurecht und blieb mit einen meiner Kameraden längere Zeit befreundet, obwohl wir nicht unterschiedlicher sein konnten. Er ein Hans Dampf in allen Gassen, der den Mädchen hinterher stieg wie kein zweiter. Ja dadurch sogar in erheblichen Stress geriet, währenddessen ich stets ein ausgesprochener Einzelgänger blieb, an den von wenigen Ausnahmen so gut wie niemand herankam.
Klar lernte ich hier und da auch mal nette Mädchen kennen, aber da ich durch meine früh (mit etwa 16/17 Jahren) einsetzenden Automaten-Spielsucht nie Geld hatte um Bekanntschaften zu vertiefen, blieb ich am Ende doch immer allein. Später wurde diese Sucht sogar so schlimm, dass ich just mehrmals über die Weihnachtsfeiertage nichts mehr zu essen hatte.
Schlimmeres wurde nur deshalb verhütet, weil meine Vermieterinnen in Unwissenheit meiner Lage mich mit einer Weihnachtstüte bedachten. Zum Überleben hat´s alle mal gereicht.

Nun, ganz so allein war ich auch wieder nicht. Denn schon bald sollte sich mein handwerkliches Geschick und meine geradezu unerschöpfliche Ausdauer als recht zukunfts- und einkommensträchtig erweisen.
Denn die Malergesellen in meinem Lehrbetrieb waren nebenbei schwer mit privaten Aufträgen beschäftigt. Nur zum Fensterstreichen hatten die wenigsten Lust und Geduld. Dazu nahmen sie mich bereits recht früh zu unser aller Zufriedenheit zu ihrer Kundschaft mit.

Verdient habe ich damit jedoch nie wirklich etwas, da ich das verdiente Geld entweder kurz darauf wieder verspielte, oder es für dringenden Lebensbedarf benötigte.
Denn nach einem Jahr im Lehrlingsheim wurde ich volljährig und bezog bei einer Bekannten meines Chefs ein einzelnes kleines möbliertes Zimmer mit Verpflegung.
Eine Wirtschaft, die von einer Witwe mit ihren weitgehend erwachsenen Kindern betrieben wurde.
Sie versuchten zwar, mich in ihr Gemeinschaftsleben zu integrieren, wie zum Beispiel im Vereinssport, als ich mich als recht guter Luftgewehrschütze erwies, oder sie mich zum Angeln am Sorpesee mitnahmen, aber so richtig ist es auch ihnen nicht gelungen, mich sozial zu integrieren.
Diese scheiß Spielsucht brachte mich fast noch um meine Ausbildung und Zimmer.

Dabei soll hier nur mal angemerkt sein, wie verheerend sich der Umstand erwies, dass sich mein Domizil oberhalb einer Schankwirtschaft befand, in der ich meine Spielsucht so richtig ausleben konnte, ohne dass die Wirtin dagegen einschritt, die dieses Elend ja live mitbekam.
So kam was kommen musste, ich war irgendwann zu klamm, um noch die Miete zu begleichen.
Das Konto war ohnehin chronisch überzogen.
Also fasste ich den Plan, letzte Habseligkeiten in einem Pfandhaus zu versetzen.
Doch was für ein Pech, der Laden hatte geschlossen. Auf der anderen Seite erwartete meine Hauswirtin berechtigterweise ihre überfällige Mietzahlung.
Also setzte ich mich in eine Kneipe und ließ mir 5 DM-Stücke auf meinen Deckel schreiben, mit denen ich einen Automaten in der verzweifelten wie dümmlichen Hoffnung fütterte, vielleicht doch den entscheidenden Gewinn zu erzielen. Die Realität fiel im Gegensatz zu mir weit ernüchternder aus.

Mit rund 1,2 Promille machte ich mich aus dem Staub, weil ich den inzwischen auf 50-60 DM angelaufenen Betrag gar nicht mehr bezahlen konnte. Auf meiner Flucht über mehrere Hinterhöfe entdeckte ich dann einen alten offenen Lieferwagen, indem noch der Zündschlüssel steckte.
Ich weiß selber nicht mehr, wie ich es als völlig Fahrunkundiger geschafft habe, mit dem Teil in die nächste Ortschaft zu kommen, um in einer sehr scharfen Linkskurve direkt vor den Augen der Polizei, die zufällig genau auf der anderen Straßenseite standen, den Wagen durch die Leitplanken zu brettern und dahinter ein großes Warnhinweisschild nebst Betonsockel aus der Erde zu heben.
Der Wagen war Schrott, dagegen trug ich ohne Sicherheitsgurt nur eine kleine Zerrung davon.
Die vorherigen Ängste, erwiesen sich als völlig unbegründet, da mich weder mein Chef, noch meine Vermieterin vor die Tür setzten und auch vor dem späteren Gericht fand ich einen gnädigen Richter, der mir lediglich zur Auflage machte, die Schadenssumme von Rund 7700 DM abzustottern.
Da war ich 19 und gerade im zweiten Lehrjahr.

Die folgenden Jahre waren des notorischen Geldmangels wegen recht einsam und entbehrungsreich.
Mein Glück bestand in meinem handwerklichen Geschick, mit dem es mir möglich weil nötig war, ständig noch etwas nebenher verdienen zu müssen.

Irgendwo zwischen 27-30 Jahren konnte ich mich dann endlich aus eigener Kraft von dieser elenden Spielsucht befreien. Fand später sogar einen sozial engagierten Arbeitgeber, der mir half, mich aus meiner Schuldenfalle ca. (35000 DM) zu befreien, indem er mit meinen rund 10 Gläubigern Vergleiche abschloss und ich anschließend die verbliebene Restsumme von etwa 23000 DM durch Überstunden abarbeiten konnte.
Und ja, was habe ich geackert, selbst über Oster- oder Weihnachtsfeiertage hinweg.
War für mich überhaupt kein Problem, da ich ja ohnehin keine Familie besaß und bis auf ein bekanntes Ehepaar aus meiner Lehrzeit weder Freund noch Freundin hatte.
Wie auch, wenn ich zuvor nie die finanziellen Mittel besaß, um an meiner Umwelt richtig teilnehmen zu können.
Jedenfalls habe ich innerhalb von zwei/drei Jahren meine Schulden vollständig abgearbeitet und konnte mir mit 35 Jahren erstmals in meinem Leben einen Urlaub erlauben.
14 Tage Marokko für ca. 600/700 DM.
Es war ein schöner Urlaub, der für mich jedoch angesichts der vielen Pärchen und offensichtlich allgegenwärtig glücklichen Menschen meine Erkenntnis hervorrief, wie einsam mein Leben eigentlich war.

Wieder zurück habe ich mich aktiv bemüht, eine Frau zu finden und habe sie auch in meiner heutigen Frau gefunden. Die ich nach mittlerweise 14 Jahre Ehe (2007) nicht nur immer noch von ganzen Herzen liebe, sondern diese Liebe ist inzwischen so tief geworden, dass ich voller Überzeugung davon sprechen kann, dass wir in den zurückliegenden Jahren zu einer untrennbaren Einheit zusammengewachsen sind.
Dabei, gab es anfänglich durchaus erhebliche Irritationen, weil ich auch zu meiner Überraschung feststellen musste, welche Schwierigkeiten es mir selbst heute noch bereitet, Nähe ertragen zu können.
Ja nicht mal meine Kinder ohne einer bewussten Überwindung in den Arm nehmen kann und fühle mich geradezu hilflos, wenn Frau oder Kinder Trost bedürfen. Da baut sich eine unsichtbare Wand auf, die ich nur sehr schwer zu überwinden vermag. Woran ich dann merke (gottlob selten), dass mir da irgendwo ein wichtiger Lebensbaustein fehlt.
Wir standen zwar früher 2 mal kurz vor einer Trennung, aber eigentlich völlig unnötig, da wir uns trotz meiner Macken bereits viel zu sehr liebgewonnen hatten und mit Hilfe einer guten Eheberatungsstelle bis heute ein Herz und eine Seele geblieben sind.

Doch war ich irgendwie noch immer auf einer imaginären Flucht, arbeitete und arbeitete wie eine aufgezogene Uhr, die nicht zur Ruhe kam. Erst als ich/wir nahezu ohne Ruhepausen nach zwei Jahren Bauzeit unser neues Haus bezogen, spürte ich erst wie leer und ausgebrannt ich innerlich war.
Da saß ich dann Abend für Abend an meinem PC und wusste gar nicht mehr so recht, etwas mit mir anzufangen. Bis ich 2003 diesen Jahresbericht von Amnesty International zu Gesicht bekam.
Es war der Beginn des Erwachens, der noch einmal um Einiges beschleunigt wurde, als mir kurz darauf eine Biografie bekannt wurde, die den Beschreibungen nach meinen Erfahrungen und Gefühlen sehr ähnlich war.
Damit begann erst so richtig die Entdeckung meiner eigenen Geschichte, die ich bis dahin als weitgehend NORMAL betrachtet hatte! Nicht zuletzt, weil meine Ursprungsfamilie stets betonte, dass ich selber Schuld an meinem Werdegang war, da ich so ein schwieriges Kind gewesen sei.

Dieser Entdeckungsprozess stellte nach meinem Selbstmordversuch, im August 1979, die schwerste Herausforderung meines bisherigen Lebens dar und hätte diese Achterbahnen tiefer Depressionen und höchster Wutgefühle ohne meine Frau und inhaltlichen Auseinandersetzungen in verschiedenen Foren wahrscheinlich nicht überlebt. Ich muss wahrlich einen außerordentlich begabten Schutzengel haben, der mir nicht nur half meine Kindheit, als auch jüngere Aufarbeitung zu überstehen, sondern 1979 einige Überstunden eingelegt haben dürfte, um gemäß den Aussagen der Ärzte die damaligen Verletzungen wie durch ein Wunder zu überleben. Die insbesondere durch den Umstand der zerstörerischen Druckwelle auftraten, die ein am Körper aufgesetztes Gewehr verursacht.
Die Kugel selbst richtete dabei selbst nur den geringsten Schaden an. 1-2 cm unter Herz, Rippentrümmerbruch, offener Pneumothorax. Schaden durch die Druckwelle: hypovolämischer Schock durch etwa 3-4 Liter Blutverlust, zerfetzte Niere. zerfetzte Milz, zerfetzter Darm, zerfetzter Magen. Letztere konnten dank ärztlicher Kunstfertigkeit wieder hergestellt werden, der Rest ist wie ich seit dieser Zeit weiß nicht überlebensnotwendig.
Einzig was mich damals schon etwas gewundert hat, dass nicht mal in den behandelnden Krankenhäusern jemand auf die Idee kam, das WARUM zu hinterfragen. Wäre vielleicht ganz hilfreich gewesen.
So musste ich halt bis 2003 warten, bis ich mir so manche Antworten auf offene Fragen selbst erarbeiten konnte.
Denn noch ein halbes Jahr nach meinem dreimonatigen Krankenhausaufenthalt schrieb ich in einem Leserbrief zu einem Sternartikel über Selbstmörder: "dass ich meinen Rettern nicht dankbar sei", nicht zuletzt, da sich ja nichts verändert habe.
Heute hingegen bin ich für die zahlreichen glücklichen Momente die ich bis jetzt noch erleben durfte außerordentlich dankbar und kann nur jedem mit ähnlichen Gedanken raten, besser nach Hilfe zu suchen, statt all die Chancen zu verpassen, die unser Leben so einmalig lebenswert machen!

Jahre später (etwa 1985) machten mir von von einem Tag auf den anderen urplötzlich auftretende Panikattacken das Leben zur Hölle. Die überwiegend auftraten, wenn ich allein war. Kaum war ein Mensch in der Nähe beruhigte sich die Situation wieder einigermaßen.
Das wurde stellenweise so schlimm, dass ich nicht mehr allein sein konnte und ich mich unversehens in einer teuflischen Spirale von Angst vor der Angst wiederfand.

Doch statt mir irgendwie zu helfen, wurde ich später immer wieder als angeblicher Simulant vom leitenden Stationsarzt meines damaligen Stadtkrankenhauses in Hemer abgewiesen, sowie später aus der psychiatrischen Fachklinik in Frönsberg von einer Minute zur anderen rausgeschmissen, weil ich mir erlaubt hatte, meinen Sicherheitsvorrat an Beruhigungstabletten zu behalten, (nicht benutzt) der nach sechs Wochen bei mir im Rahmen einer Spinddurchsuchung gefunden wurde.
Damit strafte man mich für eine schriftliche Beschwerde gegenüber der Klinikleitung ab, in der ich meiner Empörung Luft machte, dass mir am Abend zuvor auf extremst einsetzende Kopfschmerzen die Nachtschwester keine Schmerzmittel zur Verfügung stellen wollte.
Ein Unding, über das ich mich heute noch aufregen kann, wenn man ihrer Argumentation zu folgen versucht, in der sie mir jede Hilfe mit dem Hinweis verweigerte, ein Arzt müsse zuvor eine Medikamentengabe genehmigen und meine anschließende Bitte einen Arzt zu rufen, mit dem Argument zurückwies, dass so etwas nur in Notfällen möglich wäre, was bei mir nicht der Fall sei!!!

Interessant auch zu erwähnen, dass innerhalb meines sechswöchigen Klinikaufenthalts, vom obligatorischen Aufnahmegespräch abgesehen, bis zu meinem Rauswurf kein einziges weiteres Gespräch mehr stattgefunden hatte.
Angeblich weil über die Weihnachtszeit und Jahreswechsel hinweg zu viele Fachkräfte Urlaub hatten. Das war mir damals noch ziemlich egal, da mir die Umgebung einigermaßen Sicherheit vor weiteren Panikattacken bot. Schade, denn möglicherweise hätte ich damit manches früher erkennen und mir und meiner Familie ersparen können.

Na, jedenfalls stand ich nun da und musste fortan sehen, wie ich mit den einsetzenden Panikattacken klar kam. Gott sei Dank nahmen mich mein früherer Geselle und seine Frau in ihrer Wohnung auf und den Rest besorgte mein Hausarzt mit Gaben von Tavor, Lexotanil und Valium.
Sehr wahrscheinlich trug nach gut einjähriger Dauer die intensive Auseinandersetzunge mit Fragen zu Gott und unserem Leben, die ich zur damaligen Zeit mit Zeugen Jehovas erörterte zum Abklingen dieser elenden Plage bei. Zumindest lernte ich durch sie das Gefühl kennen sich nicht mehr des eigenes Todes fürchten zu müssen, bis ich dann voller Überzeugung das richtige zu tun der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas beitrat, mich taufen ließ und andere Menschen mit der frohen Botschaft zu beglücken versuchte. Bin dann etwa 15 Jahren später wieder meiner eigenen Wege gegangen, weil mir so manche Gepflogenheiten nicht mehr sonderlich christlich vorkamen.
Nun ja, 2003/2004 war für mich eine sehr schwere Zeit der Spurensuche, in der sich mir Abgründe und Albträume eröffneten, die ich nie für möglich gehalten hätte.
Aber je länger ich mich damit befasste, desto mehr verblassten die Schrecken dieser Bilder.
Für eine Konfrontation mit meiner Mutter war es zu spät, da sie bereits zu dement war und Ende 2005 verstarb.
Ich habe einen familienhistorischen Abriss erstellt, aus dem ersichtlich wird, woher die Drangsal innerhalb meiner Ursprungsfamilie entstammte und habe diese Dokumentation meinen fünf Geschwistern zugesandt.
Reaktionen erfolgten keine.
In welcher Zeit sich meine Geschwister noch immer aufhalten, wurde mir durch eine Aussage meines Halbbruders als ältester meiner Geschwister bewusst, den ich zuvor nach etwa 25-jähriger Distanz erstmals anrief, um mit ihm über die einstigen Vorgänge zu sprechen.
Der mir zunächst antwortete, er könne sich an keine Misshandlungen erinnern und mir dann auf meinen Einwand, dass man nicht mal einen Hund wie mich behandelt hätte, mit gepresster Stimme entgegnete, dass an allem nur unser Vater schuld sei, der mich gegen unsere Mutter aufgehetzt hätte!!!
Boah, ich konnte es kaum fassen, dass dieser inzwischen 60-jährige Mensch und erfolgreiche Unternehmer noch immer nicht begriffen hatte, dass ausgerechnet ich damals die wenigsten Chancen hatte, um mich als physisch und psychisch deutlich zurückgebliebenes Kind gegen den erdrückenden Fels Mutter zu erheben.

Für mich stellte diese biografische Auseinandersetzung eine anstrengende, wenn auch notwendige Aufgabe dar, sonst wäre ich vermutlich auch heute noch Gefangener einst verinnerlichter Ängste und Schuldgefühle geblieben.
Doch dies ist nun endgültig vorbei.

Ich habe mich zuletzt ganz bewusst von den düsteren Banden meiner Ursprungsfamilie getrennt und fühle mich seit dieser Aufarbeitung einigermaßen frei. Einzig um meine Schwester M. tut es mir Leid, doch wollte ich um keinen Preis der Welt mehr nur noch irgendeinen Kontakt zu dieser Familie haben, die mit Ausnahme dieser Schwester zu feige ist, sich ihrer düsteren Vergangenheit zu stellen und mich mit ihrem ausgrenzenden Schweigen nur mehr weiter verletzen.

Natürlich habe ich noch immer "Macken", aber damit kann ich inzwischen leben, weil ich heute weiß, dass sie bei einer derartigen Biografie völlig normal sind und deshalb keinen Anlass mehr sehe, mich wie zuvor immer wieder und wieder selbst in Frage stellen zu müssen.
Erst seit meiner Rückschau 2003/2004 ist mir bewusst geworden, welche bedeutenden Anteile mir an Lebensfreude, Glück und Zufriedenheit durch diese missratene Kindheit verloren gingen und weiß aus zahlreichen Kontakten zu anderen ex-Heimkindern oder anderweitig gewaltbetroffenen Menschen, dass sehr viele von ihnen ähnlich empfinden.

Ich denke jeder halbwegs gebildete Mensche würde für sich oder seine Kinder niemals vergleichbare Zustände akzeptieren. Dass es sich bei solchen Beschreibungen nicht nur um bedauerliche Einzelfälle vergangener Zeiten handelt, darüber geben uns nahezu tägliche Pressemeldungen über neue Fälle von Kindesmisshandlungen, Vernachlässigungen und Missbrauch Auskunft, die als Spitzen unserer gesellschaftlichen Verelendung erkennbar werden.

Es beweist mithin, dass unsere Gesellschaft einen erkennbaren Nachholbedarf aufweist, um unterschiedslos jedem Kind eine unbeschwerte Kindheit und Erwachsenenleben zu ermöglichen.
Um dies auch für Außenstehende nachvollziehbar zu machen, habe ich mich entschlossen, mit dieser persönlichen Darlegung im Sinne von "Aus Kindern werden Leute", solchen an sich verborgenen "Geschichten" ein Gesicht und Stimme zu geben.
Dabei bin ich mir vollkommen darüber im Klaren, dass es zahlreiche weitere Menschen gibt, denen es noch weit schlechter ergangen ist und weiteren ergehen wird wie mir. Ihnen allen gilt meine stille Anteilnahme und der Versuch mit dieser Webseite für einen gesellschaftlichen Umbruch zu werben. Einzig diesem Wunsch ist die Entwürdigung geschuldet, diese zutiefst persönlichen Erfahrungen in ein öffentliches Licht zu tragen.

Mir geht es inzwischen wieder insoweit gut, dass ich mich wieder gefangen habe, um mit dieser Biografie als unabänderlichen Bestandteil meiner selbst leben zu können, zu müssen.
Sie hat verständlicherweise Spuren und Narben hinterlassen und erklärt damit wohl auch ein wenig, warum sich in meinem Gesicht so selten eine entspannte Fröhlichkeit ablesen läßt.
Womit ich mich aber keinesfalls als kranker oder verbitterter Mensch definieren möchte.
Bei weitem nicht, da ich meinem Leben inzwischen zahlreiche positive Seiten abgewinnen kann. Ja, bin sogar ziemlich sicher, dass ich Liebe, Glück und Selbstzufriedenheit auf einer anderen Ebene noch wesentlich intensiver wahrnehmen kann, als Menschen die das Glück hatten nur wenige Berührungen mit den Schattenseiten des Lebens zu bekommen und wünschenswert auf eine glückliche und behütete Kindheit zurückblicken dürfen.

Mit diesem Mann an ihrer Seite, bekam meine Mutter zunächst noch zwei ältere Schwestern und zuletzt noch einen älteren Bruder, bevor ich dann mit 7 Monaten als "Problemkind" folgte.
Hier dürfte bereits die unheilvolle Vorbelastung unerwünschter Kinder zum Vorschein gekommen sein, wie sie in der Bremer Studie zum Thema: Das Leben unerwünschter Kinder ausführlich zur Sprache gebracht werden.

So dürfte aus heutiger Sicht der Tod meines älteren Bruders an einer angeblichen Lungenentzündung, die ihn mit knapp einem Jahr dahin raffte, wohl ebenfalls auf das Konto mangelnder Zuwendung zurückzuführen sein. Zumindest machte meine Mutter nie einen Hehl daraus, um hervorzuheben, dass wir alle, einschließlich meiner zwei jüngeren Geschwister unerwünschte Kinder waren.

Vermutlich hat nicht nur meine Frühgeburt, sondern auch der Umstand, erstlebender Sohn meines Vaters zu sein,
dazu beigetragen, um mich seitens meiner Mutter einschließlich ihres ältesten instruierten Sohnes mit Ablehnung und Gewalt zu bedenken. Gewalt, die aus dem ständigen Hass genährt wurde, ihren Ehemann, der sich als gewalttätiger Despot und Trinker zu erkennen gab, nicht verlassen zu können.
Schließlich gab es früher noch kein reformiertes Scheidungsrecht, so dass Frauen in den meisten Scheidungsprozessen gesellschaftlich geächtet, ziemlich verlassen und ohne Versorgungsansprüche auf sich allein gestellt blieben.
Noch ein Wort zum Schluss.
All jene, die mich persönlich kennen und angesichts dieser groben biografischen Zusammenfassung verunsichert sind, wie sie in Hinblick dieser "Zumutung", oder Betroffenheit heraus weiter mit mir umgehen sollen, möche ich ganz einfach bitten,
mir weiterhin so unbefangen zu begegnen, wie es noch vor dieser Betrachtung möglich war. Denn trotz der Entdeckung meiner selbst 2003, bin ich dennoch stets die gleiche Person geblieben, auch wenn zuvor niemand wusste, welche "Geschichte" sich hinter mir verbarg.
Weiter möchte ich ergänzen:

1. Dass die dargelegten Inhalte der ungeschönten Wahrheit entsprechen, die ich mir weder aussuchen, noch selbst auf deren Entwicklungen Einfluss nehmen konnte.
2. Die beschriebenen Geschehnisse Vergangenheit sind, für die ich weder bedauert werden möchte, noch darauf basierende Rücksichtnahmen beanspruche. Erkennbar bin ich zu jener Persönlichkeit gereift, die nichts mehr mit der Hilflosigkeit meiner Kindheit gemeinsam hat.
3.Ich hiermit herausstellen möchte, warum es mir heute so wichtig ist, bildungspolitische Reformen einzufordern, die dazu beitragen sollten, künftige Generationen von Kindern und Mitmenschen möglichst vor ähnlich monströsen Negativerfahrungen zu bewahren, da schon ein Bruchteil dessen ausreicht, um Kinder und Mitmenschen für ihr ganzes weitere Leben zu beschädigen.

Bitte unterstützen Sie diese Bemühungen, indem Sie diese Problematik nicht aus Ihrem Alltag ausblenden, sondern versuchen Sie bitte in der Politik, gegenüber Sozialverbänden und auf wirtschaftsverantwortliche Kreise einzuwirken, damit sich für unsere Kinder und somit für uns alle etwas Positives verändern kann.

Klaus Klüber

verfasst 2007
2010 aktualisiert

Der Grund dieses so persönlichen Erfahrungsberichts:

Sie haben völlig Recht, wenn Sie sich als Leser dieser Ausführungen nun die Frage stellen, warum ich Ihnen und mir die Veröffentlichung dermaßen privater und detaillierter Erfahrungen zumute..

Ich will es Ihnen sagen - weil ich genauso entsetzt und in meinen Grundfesten erschüttert wurde, - wie Sie es jetzt vielleicht an dieser Stelle sind. 2003 wurde mir erstmals die verheerende Dimension meiner fürchterlichen Kindheit und Folgebiografie bewusst, die mir bis dahin in einem seligen Verdrängungsprozess noch einigermaßen normal vorkam.

Doch damit war es noch längst nicht getan.

Denn wie oben erwähnt, sah ich mich gleich im ersten Anlauf eines therapeutischen Aufarbeitungsversuchs unvermittelt des Verdachts eigenen frühkindlichen Missbrauchs konfrontiert.
Konnte und wollte ich mir gar nicht vorstellen, da es bis auf eine bis dahin mir unbedeutende "Lappalie" keine Erinnerungen daran gab/gibt.
Also suchte ich im Internet nach Hinweisen, die diesen Verdacht erhärten oder besser entkräften konnten, denn meine Heimakten kannte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Daraufhin habe ich im Internet eine Welt gefunden, die mir bis dahin vollkommen unbekannt war.
Nämlich eine geradezu konspirativ anmutende Unterwelt des Schmerzes und unendlicher Leiden, wie sie sich mir in Form von Foren eigens von und für Missbrauchsopfer oder deren Angehörigen eröffneten.
Was ich dort an Unglück und Zerstörung zu lesen bekam, stellte nahezu all meine literarischen Erfahrungen zum Thema Gewalt in den Schatten und ließen mich schnell vergessen, dass sich dort beschriebene Folgesymptome durchaus mit eigenen Auffälligkeiten deckten.

Was mir aber erst so richtig zu schaffen machte, war die Erkenntnis, dass mich diese Thematik selbst im Wissen um des Missbrauchs an meinen Schwestern, zuvor nie interessierte, mich nie erreicht hatte, obwohl ich eigentlich schon immer ein offenes Ohr zu Themen wie Unrecht und Gewalt hatte.
Erst jetzt - durch die zufällige Eröffnung der eigenen Betroffenheit - bekam ich angesichts der zahlreichen Erfahrungen anderer Missbrauchsopfer ein Gefühl für die Schwere an Folgeschäden, die mit Missbrauch verbunden sind.
Nehme mich hiervon aber ausdrücklich aus. Denn bislang hatte ich daran keine Erinnerungen - kein Bewusstsein und muss darum Gottlob nicht leiden, wie es mir von anderen Missbrauchsopfern bekannt wurde, deren Wege der Bewältigung ich über mehr als zwei Jahre hinweg recht intensiv in verschiedenen Foren verfolgte.
Dabei habe ich Opfer kennen gelernt, die es nicht geschafft haben und war wiederum von anderen überrascht, deren Überlebenskampf mir geradezu hoffnungslos erschien, sich dann aber über längere Zeit hinweg doch wieder stabilisierten und hoffentlich noch zu einem erträglichen Leben gefunden haben.

Es ist demnach mein eigenes vorheriges Desinteresse, trotz des Wissens um meine Schwestern, das mich zutiefst getroffen hat und mir ein Bewusstsein dafür vermittelte, dass all die gutgemeinten Ansätze von Präventionsbemühungen geradezu ins Leere laufen müssen, wenn sie nicht in der Lage sind, jungen oder auch älteren Menschen ein nachvollziehbares Gefühl für die verheerenden Folgeschäden zu vermitteln, die mit dem Seelenmord sexuellem Missbrauchs bzw. Gewalt verbunden sind.

Es war die Geburtsstunde meines Wunsches, dass hier weit mehr getan werden muss, als bisher in gelegentlichen Schulstunden/Workshops in guter Absicht geleistet wurde/wird.
Denn wenn mich zuvor schon das Thema nicht erreichen konnte, wie viel weniger wird es dann erst Menschen erreichen, die nie mit dieser Problematik in Berührung kamen/kommen???

Diese Erkenntnisse haben demnach dazu geführt, dass ich WACHRÜTTELN möchte, damit an dieser komplexen Aufgabe endlich Grundlegendes zum Schutz von Kindern und unserer Gesellschaft getan wird!

Genau aus diesem Grund gehören Erfahrungen wie diese mit dem dringlichen Appell veröffentlicht:
- hinzuschauen -
um zu erfassen, dass in unserem Land weit mehr getan werden muss, um möglichst jedes Kind/Mitmenschen,
vor solchen oder ähnlich katastrophalen Lebenserfahrungen zu bewahren.

Glauben Sie nur nicht, dies wäre lediglich eine bedauerliche Erfahrungen aus ferner Vergangenheit.

falsch:

- wie 2-3 tote Kinder pro Woche belegen, die ihr häusliches Martyrium nicht überleben.
- wie etwa 32000 stationäre Heimeinweisungen allein im Jahr 2009 belegen.
- wie die jährlich etwa 100000 erforderlichen Interventionen durch Jugendämter anzeigen.

- wie die jährlich 15000 angezeigten Missbrauchsfälle aufzeigen. (hohe Dunkelziffer)
- wie die jährlich neu erstellten Gewalt und Vernachlässigungsstatistiken nachweisen.
- die Betroffenen jüngerer Zeit haben nur noch nicht zu ihrer eigenen Stimme gefunden.
- wie aggressiv, respektlos, ehrlos, gleichgültig, egoistisch und misstrauisch diese Gesellschaft, trotz ihrer vorgeblich christlichen Prägung noch immer miteinander umgeht.

Ich persönlich empfinde es als tiefste Schande, wenn die ethischen und moralischen Werte die uns Heimkindern einst unbarmherzig eingeprügelt wurden, heute von verantwortlichen Stellen durch ihr schweigendes Unterlassen geradezu absurdum geführt werden. Umsonst an unerklärten Fronten gefallen zu sein. - SEELENMORD -

Deshalb meine Idee und Forderung eines neuen, oder angepassten Schulfaches, in dem junge Menschen über einen angemessen langen Zeitraum hinweg die Möglichkeit bekommen, sich mit den Ursachen und Folgen von Gewalt so intensiv auseinanderzusetzen, bis sie selbst ein spürbares Gefühl für die Dimension dieser gesellschaftlichen Problematik entwickeln können.

Denn unser Wissen ist die einzige Möglichkeit, um auf bestehende Probleme und Herausforderungen zu reagieren.
Davon kann,
wie die gesamten Inhalte meiner Webseite aufzeigen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt, weder in Bezug auf Vernachlässigung, Gewalt, noch Missbrauch auch nur annähernd die Rede sein.

Einzig um das hierfür erforderliche Verständnis zu notwendigen Veränderungen zu werben,
habe ich diese Webseite mitsamt meinen persönlichen Erfahrungen zur Betrachtung gestellt.

Ich bedanke mich für Ihr Verständnis und mögliches Aufgreifen in eigene Anstrengungen.