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Klaus
geb. 1957 in Hohenlimburg
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Liebe Besucher!
Wie ich schon an
anderer Stelle hervorhob, werden Sie ähnlichen Webseiten, wie sie
hier
auf www.ex-heimkinder.de
zu finden sind, nicht von Menschen erwarten dürfen, die einst nicht
selber von den darin beschriebenen Widrigkeiten betroffen waren.
Einfach, weil es sonst, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum jemand geben
würde, um notwendige gesellschaftliche Reformen einzufordern.
Dass
es hier nicht einfach nur um Nebensächlichkeiten oder gar bedauerliche
Einzelfälle geht, auch dies dürfte auf diesen Seiten recht deutlich
geworden sein.
Indes gibt es nur relativ wenige Betroffene, denen der Wille, die Kraft
und ein wenig Talent gegeben ist, um einen eklatanten gesellschaftlichen
Mangel in dieser Form in Worte zu fassen.
Vielfach liegt es aber auch einfach "nur" daran, weil sich einst
gewaltbetroffene Menschen ihrer Situation selbst noch gar nicht so bewusst
sind, da sie ihre Erfahrungen als selbstverständlichen Bestandteil
ihres bisherigen Lebens betrachteten und deshalb weder für sich selbst
noch für andere Menschen einen erforderlichen Handlungsbedarf erkannten.
Zumindest erging
es mir bis 2003 in ähnlicher Weise.
Mir waren meine Erfahrungen zwar schon irgendwie bewusst, aber es gab
für mich bis dahin keinen Anlass, diese einer besonderen Betrachtung
zu unterziehen, da sie zu meinen ganz normalen Erfahrungen gehörten.
Punkt aus.
Warum sollte ich sie auch betrachten, wenn sie mir auf der anderen Seite
nur schmerzhaft in Erinnerung waren und deshalb besser unberührt
in dicker Watte verpackt blieben.
Immerhin habe ich, mit mehr oder weniger holprigen Anläufen, die
letzten 15/20 Jahre doch noch meinen Weg gefunden und hätte irgendwann
mein Leben als unscheinbarer Mensch beschlossen, von dem die eigenen Kinder
später besonders meine Vorliebe für ruhige Abgeschiedenheit
in Erinnerung behalten hätten.
Doch es kam anders, wie auch für mich völlig unverhofft.
Ab einem Alter von etwa 15/16 Jahren befasste ich mich eingehend mit dem Unrecht des Nationalsozialismus und verschlang Biografien von Nazigrößen, um zu ergründen, wie Mitmenschen nur zu dermaßen gefühllosen Entscheidungen fähig waren, wie sie im Naziregim längst nicht nur in himmelweisenden Schornsteinen finale Höhepunkte unerbittlicher Gleichgültigkeit fanden.
Wenn man die Geschichte
weiter verfolgt, dann bleibt festzustellen, dass sich sich an der Gewaltbereitschaft
nichts grundlegendes verändert hat, wenn unserer Nachkriegsgesellschaft
bis in die Gegenwart noch immer massive Gewalt, Vernachlässigungen
und Missbrauch gegenüber ihren Kindern toleriert. Denn so lange Tag
und Jahr noch immer an die hunderttausend Kinder und Jugendlichen von Gewalt
und Vernachlässigung betroffen sind, um ihnen staatlicherseits beistehen
zu müssen - jedes Jahr nachweislich rund 15000 Kinder sexuell missbraucht
werden, hinter dessen Zahlen sich noch weit größere Dunkelziffern
verbergen, mit deren Leidensverwaltung ein blühender Wirtschaftsbereich
betrieben wird, soll mir niemand erzählen, dass es in diesem Land glaubhafte
Bemühungen gibt, um möglichst allen Kindern/Mitmenschen eine gewaltfreie
und förderliche Kindheit zu ermöglichen.
Dabei hat es weder an Mahnungen noch Richtungsweisungen gefehlt.
Womit erkennbar
wird, dass auch heute noch die selben Grundlagen von Gewalt und Gleichgültigkeit
bestehen, die den millionenfachen Mord an Erwachsenen und Kindern während
der Nazizeit ermöglichten siehe Ursachen,
Folgen
und Ziele.
- Doch zurück zu meinen eigenen Erfahrungen.
Wenig später verbrachte ich ein paar Ferienwochen zu Hause.
- Heimat?
Statt draußen mit meinen Geschwistern herumzustromern, half ich meinen
Eltern bei der Heimarbeit, wenn auch nur in der Absicht, mir das nötige
Geld zu verdienen, um mir damals das gerade neu herausgegebene Buch von
Alexander Solschenizyn "Der
Archipel Gulag" kaufen zu können.
So habe ich zwar auch später noch sehr viel vom Leid anderer Menschen
erfahren, jedoch ohne mich dabei selbst jemals als ein Gewaltopfer wahrzunehmen.
Dies änderte sich schlagartig, als ich im Jahre 2003 im Internet zufällig
einen Jahrsbericht von Amnesty-International zu Gesicht bekam, in dem von
brutalen Foltermethoden auf dem afrikanischen Kontinent die Rede war.
Ich war zutiefst erschüttert! - Denn was ich da las, war mir zum Teil
nur zu gut aus meiner eigenen frühen Kindheit bekannt, wenngleich ich
dies zuvor nie als Folter erachtet hätte, sondern stets als Teil meines
NORMALEN Lebens verinnerlicht hatte und deshalb bis zu diesem Moment nie
ein anderer Mensch von meinen Erfahrungen etwas wußte..
In diesem Bericht ging es um Delinquenten, denen mit Rohrstöcken die
nackten Fußsohlen traktiert wurden, um ihnen mit dieser äußerst
schmerzhaften Methode irgendwelche Geständnisse abzupressen.
So im Nachhinein, frage
ich mich immer noch, woher meine Mutter diese "Strafmaßnahme"
kannte, denn mit
Ausnahme dieses Amnesty-Berichts, habe ich bis zum heutigen Tag noch nie
davon gehört, dass wer - und schon gar keine Kinder irgendwo auf ähnlich
brutale Weise malträtiert wurden/werden, mit der mich ausschließlich
meine Mutter aus nichtigsten Anlässen behandelte, wie z.B. wenn ich
den Vater nur mal darum bat, eine verbogene Achse eines Spielzeugwagens
gerade zu richten, oder wenn sie mich beim "klauen" von Brot,
Wasser oder anderer Nahrung erwischte.
Um meine Schmerzensschreie zu ersticken, steckte sie mich zu dieser Prozedur
stets unter einen Berg von Bettdecken, sodass nur noch die nackten Füße
herausragten und bearbeitete dann teils bis zur Taubheit meine Fußsohlen.
Damit endete sie erst, wenn ich zu schreien aufgehört hatte.
Offenbar lag ihr doch viel daran, dass die Hausbewohner unter uns nicht
zu viel mitbekamen, denn sicherlich werden sie so schon genug zu hören
bekommen haben.
Mit ausreichendem Nachdruck wies sie mich stets an, nur ja kein Wort davon
an den Vater zu verlieren.
Ob es ihn überhaupt interessiert hätte? Ich weiß es nicht
einmal.
Vermutlich standen
demnach häusliche Auflehnungsbestrebungen wie eigene Versorgungsängste
im Vordergrund, um aus dieser Zufallsbekanntschaft als Ehepaar hervorzugehen.
Dazwischen gebar sie zwar noch eine ältere Halbschwester, doch diese
wurde Gottlob zur Adoption freigegeben.

Meine ersten 8 Kinderjahre
glichen demnach einem wahren Albtraum, dessen positivste Eigenschaft darin
bestand, diese 8 Jahre überlebt zu haben.
Meine Mutter leitete ihre "Behandlungen" stets mit den Worten
ein, "Du kriegst gleich Deine Wucht."
Beliebt war auch mich einfach in eine große Tüte, Sack oder
Wäschekorb zu stecken und mich dort den eigenen Ängsten zu überlassen.
Es konnte aber auch passieren, dass sie mich zu einem unbeweglichen Paket
verschnürt, den ganzen Tag hinter einer Tür vergaß.
Gewöhnlich war ich jedoch in einer kleinen Dachkammer hinter der
Treppe eingesperrt, in dem eine Luke genügend Licht spendete, um
mich mit dem ausreißen von Spinnenbeinen, Fliegen, oder anderen
Insekten zu beschäftigen, ohne dabei ihre Körper zu zerdrücken.
Nachts durchlebte ich hier unzählige panische Ängste, von denen
ich bis 2004 tatsächlich noch felsenfest überzeugt war, von
Geistwesen heimgesucht worden zu sein. Erst seit dieser jüngeren
Zeit weiß ich, dass diese durchlebten Ängste mit hoher Wahrscheinlichkeit
auf Missbrauch zurückzuführen sind, an denen ich bis auf eine
einzige, mir bis dahin unbedeutende Sequenz, keine Erinnerung mehr habe.
Jedoch 2004 ein Ahnung davon bekam, als mir im Rahmen einer 1. Probesitzung
mit einer Psychotherapeutin, der ich auch von meinen Geisterscheinungen
erzählte, die überraschende Frage stellte, was denn mein Vater
nächtens in meinem Bett verloren hätte, statt bei seiner Ehefrau
zu liegen?
Ich glaube niemand kann sich vorstellen, wie perplex ich war. Denn bis
zu diesem Augenblick, wäre ich nicht mal im Traum auf die Idee gekommen
mir solch eine Frage zu stellen. War es doch für mich völlig
normal, dass mein Vater öfter mit mir in meinem Bett in der Dachkammer
übernachtete und ihn bis dahin eher als Beschützer in Erinnerung
hatte, der mich bei weitem nicht so fürchterlich misshandelte wie
meine Mutter. Sie, die sich nicht mal zu schade war, selbst meine Geschwister
zu ermuntern gemeinsam mit Stöcken auf mich einzuschlagen.
Dennoch kann ich mich weder seitens des Vater, geschweige denn der Mutter
an positive Zuwendungen, oder gar liebvolle Umarmungen erinnern.
Ähnlich wie ich Erinnerungen an ein Wohnzimmer an einer Hand abzählen
kann, da sich die Lebenserfahrungen meiner ersten 8 Lebensjahre überwiegend
auf die geschätzten 4/5 qm meiner Dachkammer beschränken, in
der ich gewöhnlich eingeschlossen blieb.
Diese Erfahrungen spiegeln sich später im Aufnahmebogen meiner Heimakte
folgendermaßen wieder:
Essen und Trinken
bekam ich natürlich auch nicht ausreichend und wenn, machten sich
meine älteren Geschwister einen Spaß daraus mir Dreck, Niespulver,
oder andere Sachen unter das Essen zu mischen.
So kam es vor, dass mein Vater dann irgendwann mal meine Mutter zwang
mir genügend aufzutischen.
Da habe ich mich so überfressen, dass mir wenig später im Krankenhaus
der Magen abgepumpt werden musste.
In Bezug auf´s Trinken, sei noch angemerkt, dass ich
froh war, noch das zurückgebliebene Wasser aus dem Eimer trinken
zu können, der mir für die Notdurft in die Kammer gestellt wurde.
Dabei kam es mehr als einmal vor dass der Eimer zuvor nicht mit Wasser
ausgespült wurde.
Dass mein 10 Jahre älterer Halbbruder mit mir Fußball spielen
durfte, indem er mich aufhob und im Herunterfallen nach mir trat, bis
mein Hintern nur noch schwarz war, daran habe ich schon gar keine Erinnerung
mehr und wüsste es bis heute nicht, wenn mir eine ältere Schwester
im Rahmen meiner Aufarbeitungen nicht von diesen Begebenheiten erzählt
hätte. So wie auch ihr aufgefallen war, dass ich stets besonders
entwürdigend behandelt wurde, wie z.B. als einziger bei Schwimmbadbesuchen
nicht auf mitgebrachten Decken sitzen zu dürfen. Denn dass ich stets
als letzter aller Geschwister im dreckigen Badewasser gebadet wurde, dass
war für mich genauso normal, wie überhaupt an sehr wenigen Gemeinsamkeiten
beteiligt worden zu sein.
Dafür habe ich noch die Lichter der Stadt in Erinnerung, wie mich
meine Mutter mal nachts kopfüber, nur noch an den Beinen haltend
aus dem Dachfenster hielt und loszulassen drohte. Auf diese Episode angesprochen,
meinte die vorab bereits erwähnte Psychologin, dass ich dabei doch
sicher Todesangst gehabt haben muss, worauf ich ihr spontan erwiderte,
mich an diese Angst gar nicht mehr entsinnen zu können.
Womit mir später
bewusst wurde, wie vollkommen der Mensch zu seinem Selbstschutz schlimme
Erfahrungen auf unerklärlicher Weise komplett aus seinem Bewusstsein
verlieren kann.
Aber wehe, sie treten dann eines fernen Tages unvermittelt wieder hervor!
Aus diesen Beschreibungen
müsste eigentlich für jeden halbwegs normalen Menschen erkennbar
werden, dass sich unter derart lebensfeindlichen Umständen kein Kind
normal entwickeln kann.
Folgerichtig
wurde ich zunächst wegen geistiger und körperlicher Rückstände
von der Einschulung zurückgestellt, um ein Jahr darauf im Rahmen der
weiteren Vorschuluntersuchung wegen meines desolaten physischen und psychischen
Zustand in eine Kinderpsychiatrie eingewiesen zu werden.
Ich hatte "Glück" im Unglück.
Glück, da ich 1965 als fast 8-Jähriger, als eines der ersten Kinder
an einem Pilotprojekt zur individuellen Förderung milieugeschädigter
Kinder innerhalb der Kinderpsychiatrie in Hamm teilnehmen durfte.
Bin ich tatsächlich hochdankbar drum, da aus meinen vorliegenden Amtsakten
Überlegungen hervorgingen, die vorsahen, mich in eine Behinderteneinrichtung
auszusondern.
So hingegen wurde ich in Hamm im Gegensatz zu einer Parallelgruppe von rund
30 Kindern, innerhalb einer winzig kleinen Gruppe von vier/sechs weiteren
Kindern eingeschult, individuell gefordert und ja verhältnismäßig
erfolgreich gefördert.
Natürlich war auch diese Zeit kein Zuckerschlecken, da ich nicht nur
extremst aggressiv auf mich und meine Umwelt reagierte. Nein, leider ließ
auch in solchen Einrichtungen das pädagogische Verständnis noch
sehr zu wünschen übrig.
Wie z.B. in einer Szene, in der ich mich in einem Gitterbett dass im Flur
aufgestellt war, als schreiendes etwas erkenne, dessen Arme und Beine an
den Gitterstäben fixiert waren und drei oder vier "Betreuungskräfte"
über meinen Kopf hinweg darüber stritten, mir auch den Mund zuzukleben.
Nun ja, die harte Fraktion setzte sich letztlich durch und weist mir heute
den Weg, dass es schon damals ein Unrechtsbewusstsein unter den Angestellten
gegeben hat.
Weiter erkenne ich in der Rückschau, wie verheerend sich zum Ende meiner
2-jährigen Psychiatriezeit die völlig deplazierten Drohungen in
mein Gedächtnis einprägten, in ein ganz strenges Heim verlegt
zu werden.
So wurde ich am 5.
Juli aus der Gotteshütte zunächst nach Hause entlassen, um mich
kurz darauf am 8. Juli 74 in einem Lehrlingsheim in Hemer anzumelden.
Dort angekommen, wurde mir zu meiner Überraschung eine gerade frei
gewordene Ausbildungsstelle zum Maler und Lackierer offeriert.
Tja, schon damals waren Lehrstellen knapp. Also nahm ich kurzerhand das
Angebot an und begann bereits zwei Tage später die Ausbildung.
Es war nicht die schlechteste Entscheidung. Ein kleiner Handwerksbetrieb
mit einem für heutige Verhältnisse fast schon zu toleranten Chef,
der mich heute immer noch ein wenig an den liebenswerten Herrn Röhrich
aus den lustigen Wernerfilmen erinnert, ohne deshalb einfältig zu sein.
Nur ähnlich wie im Wernerfilm hatte auch seine weitaus bestimmter auftretende
Frau das Sagen im Hause, wenngleich dies wirklich niemals bos- oder nachteilhaft
zum Tragen kam. Aber dennoch von seinen Angestellten immer mal wieder mit
Belustigung zur Kenntnis genommen wurde. Ich kann mich noch erinnern, dass
einer der zwei Gesellen in der Werkstatt mal so richtig über den Chef
herzog, der gerade in diesem Augenblick hinter seinem Rücken stand.
Oh wie peinlich. Auf der anderen Seite aber auch so wunderbar menschlich,
dass es selbst der Chef mit Humor nahm. Doch wirklich ein ganz tolles Ehepaar!
(Döbbeler in Ihmert.)
Die mir auch beistanden, als sich mein Vater, am 2.1.75 das Leben nahm,
nachdem sich meine nächst ältere Schwester ihrem Mann offenbarte,
früher vom eigenen Vater missbraucht worden zu sein.
Erst im Rahmen meiner eigenen Aufarbeitung erfuhr ich, dass es sich dabei
nicht nur mal um einen einmaligen Fall handelte, wie ich bis dahin annahm,
sondern sich dieser Missbrauch über zahlreiche Jahre hinwegzog, an
dessen Beginn sich diese Schwester nicht mal mehr erinnern kann, während
die älteste Schwester mit vergleichsweise überschaubaren Übergriffen
noch verhältnismäßig "glimpflich" davon kam. Was
diesen beiden Schwestern indes nicht die Bekanntschaft mit den Ledergürteln
des Vaters ersparte, mit der er gerade sie mit Vorliebe malträtierte.
(Ironie an:) Etwa, um sie für ihren physischen
Liebreiz zu strafen, denen er immer wieder zum Opfer fiel? Oder ist es nicht
so, dass sich zahlreiche Täter gern selbst als Opfer definieren
(Ironie aus)
Dass auch diese
Schwestern zum Teil auf hochproblematische Lebensläufe zurückblicken,
ohne dass ihnen jemand hilfreich zur Seite stand, dürfte bei den Hintergünden
einleuchten.
So setzten sich die Spiralen der Gewalt unvermindert von einer zur anderen
Generation fort.
Denn keinem der Kinder meiner älteren Geschwister blieben mit Ausnahme
von Missbrauch ähnlich schmerzliche Erfahrungen erspart. Insbesondere
Frau und Kinder meines ältesten Bruder taten mir ausgesprochen Leid,
der seinen elterlichen Vorbildern mit ähnlich rücksichtsloser
Bedenkenlosigkeit gefolgt war. Aber auch ich kann mich nicht davon freisprechen,
meinen eigenen Kindern in ihren jungen Jahren Gewalt angetan zu haben, bis
ich von selbst erkannte, wie Gewalt die eigenen Kinder entwürdigt,
Vertrauen zerstört und als erzieherisches Mittel vollkommen nutzlos
bleibt.
Ach, was könnte, möchte und werde ich hierzu später vielleicht
noch mal alles schreiben.
doch zurück.
Da ich zur Zeit der Neujahrsfeier zufällig das Wochenende bei meiner
Familie verbrachte, bzw. wir die Nacht der Offenbahrung bei meiner Schwester
verbrachten, hatte ich am nächsten Tag das zweifelhafte Vergnügen
den Vater zusammen mit meinem Schwager aufzufinden, der sich mit unbändiger
Willenskraft, an einer Türklinke in der Familienwohnung qualvoll erdrosselt
hatte.
Ein Umstand, der mir vom jüngsten Bruder bis zuletzt den Verdach/Vorwurf
einhandelte wir, (mein Schwager und ich) hätten den Vater gemeinsam
umgebracht.
Trotz des Schreckens, habe ich ihm keine Träne nachgeweint. Dafür
war er mir bereits durch meine langen Heimaufenthalte zu fremd geworden,
zumal ich ihn überwiegend als jähzornigen Despoten in Erinnerung
hatte, vor dem die ganze Familie angstvoll zitterte. Und wehe, wenn er mal
ein gemeinsames Gsellschaftsspiel verlor, dann flogen im wahrsten Sinn des
Wortes die Klamotten. Im günstigen Fall flog das Spiel in eine Ecke,
im ungünstigeren Fall konnte es aber auch schon passieren, dass ein
schwerer Kristallaschenbecher in die Bildröhre des Fernsehers krachte.
Eben ein cholerischer Despot der Seinesgleichen suchte.
Aus meinen ersten Kinderjahren kannte ich ihn noch als haltlosen Alkoholiker,
der uns einst als Kinder wiederholt zum Trinken seiner selbst zusammengeschütteten
Schnäpse, Likör und dergleichen nötigte.
Noch heute hasse ich jeden scharfen Alkohol.
Einmal war ich drei Tage und Nächte mit ihm als Schnapsleiche in "meiner"
Kammer eingeschlossen. Erst nach drei Tagen wurde er vollgekotzt und bepisst
von Sanitätern abgeholt, während ich inmitten dieser dampfenden
Ausdünstungen zurückblieb. Grauenvoll, aber eben auch vorbei.
Im Lehrlingsheim kam ich ganz gut zurecht und blieb mit einen meiner Kameraden
längere Zeit befreundet, obwohl wir nicht unterschiedlicher sein konnten.
Er ein Hans Dampf in allen Gassen, der den Mädchen hinterher stieg
wie kein zweiter. Ja dadurch sogar in erheblichen Stress geriet, währenddessen
ich stets ein ausgesprochener Einzelgänger blieb, an den von wenigen
Ausnahmen so gut wie niemand herankam.
Klar lernte ich hier und da auch mal nette Mädchen kennen, aber da
ich durch meine früh (mit etwa 16/17 Jahren) einsetzenden Automaten-Spielsucht
nie Geld hatte um Bekanntschaften zu vertiefen, blieb ich am Ende doch immer
allein. Später wurde diese Sucht sogar so schlimm, dass ich just mehrmals
über die Weihnachtsfeiertage nichts mehr zu essen hatte.
Schlimmeres wurde nur deshalb verhütet, weil meine Vermieterinnen in
Unwissenheit meiner Lage mich mit einer Weihnachtstüte bedachten. Zum
Überleben hat´s alle mal gereicht.
Verdient habe ich damit
jedoch nie wirklich etwas, da ich das verdiente Geld entweder kurz darauf
wieder verspielte, oder es für dringenden Lebensbedarf benötigte.
Denn nach einem Jahr im Lehrlingsheim wurde ich volljährig und bezog
bei einer Bekannten meines Chefs ein einzelnes kleines möbliertes Zimmer
mit Verpflegung.
Eine Wirtschaft, die von einer Witwe mit ihren weitgehend erwachsenen Kindern
betrieben wurde.
Sie versuchten zwar, mich in ihr Gemeinschaftsleben zu integrieren, wie
zum Beispiel im Vereinssport, als ich mich als recht guter Luftgewehrschütze
erwies, oder sie mich zum Angeln am Sorpesee mitnahmen, aber so richtig
ist es auch ihnen nicht gelungen, mich sozial zu integrieren.
Diese scheiß Spielsucht brachte mich fast noch um meine Ausbildung
und Zimmer.
Dabei soll hier nur mal angemerkt sein, wie verheerend sich der Umstand
erwies, dass sich mein Domizil oberhalb einer Schankwirtschaft befand, in
der ich meine Spielsucht so richtig ausleben konnte, ohne dass die Wirtin
dagegen einschritt, die dieses Elend ja live mitbekam.
So kam was kommen musste, ich war irgendwann zu klamm, um noch die Miete
zu begleichen.
Das Konto war ohnehin chronisch überzogen.
Also fasste ich den Plan, letzte Habseligkeiten in einem Pfandhaus zu versetzen.
Doch was für ein Pech, der Laden hatte geschlossen. Auf der anderen
Seite erwartete meine Hauswirtin berechtigterweise ihre überfällige
Mietzahlung.
Also setzte ich mich in eine Kneipe und ließ mir 5 DM-Stücke
auf meinen Deckel schreiben, mit denen ich einen Automaten in der verzweifelten
wie dümmlichen Hoffnung fütterte, vielleicht doch den entscheidenden
Gewinn zu erzielen. Die Realität fiel im Gegensatz zu mir weit ernüchternder
aus.
Mit rund 1,2 Promille machte ich mich aus dem Staub, weil ich den inzwischen
auf 50-60 DM angelaufenen Betrag gar nicht mehr bezahlen konnte. Auf meiner
Flucht über mehrere Hinterhöfe entdeckte ich dann einen alten
offenen Lieferwagen, indem noch der Zündschlüssel steckte.
Ich weiß selber nicht mehr, wie ich es als völlig Fahrunkundiger
geschafft habe, mit dem Teil in die nächste Ortschaft zu kommen, um
in einer sehr scharfen Linkskurve direkt vor den Augen der Polizei, die
zufällig genau auf der anderen Straßenseite standen, den Wagen
durch die Leitplanken zu brettern und dahinter ein großes Warnhinweisschild
nebst Betonsockel aus der Erde zu heben.
Der Wagen war Schrott, dagegen trug ich ohne Sicherheitsgurt nur eine kleine
Zerrung davon.
Die vorherigen Ängste, erwiesen sich als völlig unbegründet,
da mich weder mein Chef, noch meine Vermieterin vor die Tür setzten
und auch vor dem späteren Gericht fand ich einen gnädigen Richter,
der mir lediglich zur Auflage machte, die Schadenssumme von Rund 7700 DM
abzustottern.
Da war ich 19 und gerade im zweiten Lehrjahr.
Die folgenden Jahre
waren des notorischen Geldmangels wegen recht einsam und entbehrungsreich.
Mein Glück bestand in meinem handwerklichen Geschick, mit dem es mir
möglich weil nötig war, ständig noch etwas nebenher verdienen
zu müssen.
Irgendwo zwischen 27-30 Jahren konnte ich mich dann endlich aus eigener
Kraft von dieser elenden Spielsucht befreien. Fand später sogar einen
sozial engagierten Arbeitgeber, der mir half, mich aus meiner Schuldenfalle
ca. (35000 DM) zu befreien, indem er mit meinen rund 10 Gläubigern
Vergleiche abschloss und ich anschließend die verbliebene Restsumme
von etwa 23000 DM durch Überstunden abarbeiten konnte.
Und ja, was habe ich geackert, selbst über Oster- oder Weihnachtsfeiertage
hinweg.
War für mich überhaupt kein Problem, da ich ja ohnehin keine Familie
besaß und bis auf ein bekanntes Ehepaar aus meiner Lehrzeit weder
Freund noch Freundin hatte.
Wie auch, wenn ich zuvor nie die finanziellen Mittel besaß, um an
meiner Umwelt richtig teilnehmen zu können.
Jedenfalls habe ich innerhalb von zwei/drei Jahren meine Schulden vollständig
abgearbeitet und konnte mir mit 35 Jahren erstmals in meinem Leben einen
Urlaub erlauben.
14 Tage Marokko für ca. 600/700 DM.
Es war ein schöner Urlaub, der für mich jedoch angesichts der
vielen Pärchen und offensichtlich allgegenwärtig glücklichen
Menschen meine Erkenntnis hervorrief, wie einsam mein Leben eigentlich war.
Wieder zurück habe ich mich aktiv bemüht, eine Frau zu finden
und habe sie auch in meiner heutigen Frau gefunden. Die ich nach mittlerweise
14 Jahre Ehe (2007) nicht nur immer noch von ganzen Herzen liebe, sondern
diese Liebe ist inzwischen so tief geworden, dass ich voller Überzeugung
davon sprechen kann, dass wir in den zurückliegenden Jahren zu einer
untrennbaren Einheit zusammengewachsen sind.
Dabei, gab es anfänglich durchaus erhebliche Irritationen, weil ich
auch zu meiner Überraschung feststellen musste, welche Schwierigkeiten
es mir selbst heute noch bereitet, Nähe ertragen zu können.
Ja nicht mal meine Kinder ohne einer bewussten Überwindung in den Arm
nehmen kann und fühle mich geradezu hilflos, wenn Frau oder Kinder
Trost bedürfen. Da baut sich eine unsichtbare Wand auf, die ich nur
sehr schwer zu überwinden vermag. Woran ich dann merke (gottlob selten),
dass mir da irgendwo ein wichtiger Lebensbaustein fehlt.
Wir standen zwar früher 2 mal kurz vor einer Trennung, aber eigentlich
völlig unnötig, da wir uns trotz meiner Macken bereits viel zu
sehr liebgewonnen hatten und mit Hilfe einer guten Eheberatungsstelle bis
heute ein Herz und eine Seele geblieben sind.
Doch war ich irgendwie noch immer auf einer imaginären Flucht, arbeitete
und arbeitete wie eine aufgezogene Uhr, die nicht zur Ruhe kam. Erst als
ich/wir nahezu ohne Ruhepausen nach zwei Jahren Bauzeit unser neues Haus
bezogen, spürte ich erst wie leer und ausgebrannt ich innerlich war.
Da saß ich dann Abend für Abend an meinem PC und wusste gar nicht
mehr so recht, etwas mit mir anzufangen. Bis ich 2003 diesen Jahresbericht
von Amnesty International zu Gesicht bekam.
Es war der Beginn des Erwachens, der noch einmal um Einiges beschleunigt
wurde, als mir kurz darauf eine Biografie bekannt wurde, die den Beschreibungen
nach meinen Erfahrungen und Gefühlen sehr ähnlich war.
Damit begann erst so richtig die Entdeckung meiner eigenen Geschichte, die
ich bis dahin als weitgehend NORMAL betrachtet hatte! Nicht zuletzt, weil
meine Ursprungsfamilie stets betonte, dass ich selber Schuld an meinem Werdegang
war, da ich so ein schwieriges Kind gewesen sei.
Dieser Entdeckungsprozess stellte nach meinem Selbstmordversuch, im August
1979, die schwerste Herausforderung meines bisherigen Lebens dar und hätte
diese Achterbahnen tiefer Depressionen und höchster Wutgefühle
ohne meine Frau und inhaltlichen Auseinandersetzungen in verschiedenen Foren
wahrscheinlich nicht überlebt. Ich muss wahrlich einen außerordentlich
begabten Schutzengel haben, der mir nicht nur half meine Kindheit, als auch
jüngere Aufarbeitung zu überstehen, sondern 1979 einige Überstunden
eingelegt haben dürfte, um gemäß den Aussagen der Ärzte
die damaligen Verletzungen wie durch ein Wunder zu überleben. Die insbesondere
durch den Umstand der zerstörerischen Druckwelle auftraten, die ein
am Körper aufgesetztes Gewehr verursacht.
Die Kugel selbst richtete dabei selbst nur den geringsten Schaden an. 1-2
cm unter Herz, Rippentrümmerbruch, offener Pneumothorax. Schaden durch
die Druckwelle: hypovolämischer Schock durch etwa 3-4 Liter Blutverlust,
zerfetzte Niere. zerfetzte Milz, zerfetzter Darm, zerfetzter Magen. Letztere
konnten dank ärztlicher Kunstfertigkeit wieder hergestellt werden,
der Rest ist wie ich seit dieser Zeit weiß nicht überlebensnotwendig.
Einzig was mich damals schon etwas gewundert hat, dass nicht mal in den
behandelnden Krankenhäusern jemand auf die Idee kam, das WARUM zu hinterfragen.
Wäre vielleicht ganz hilfreich gewesen.
So musste ich halt bis 2003 warten, bis ich mir so manche Antworten auf
offene Fragen selbst erarbeiten konnte. Denn
noch ein halbes Jahr nach meinem dreimonatigen Krankenhausaufenthalt schrieb
ich in einem Leserbrief zu einem Sternartikel über Selbstmörder:
"dass ich meinen Rettern nicht dankbar sei", nicht zuletzt, da
sich ja nichts verändert habe.
Heute hingegen bin ich für die zahlreichen glücklichen Momente
die ich bis jetzt noch erleben durfte außerordentlich dankbar und
kann nur jedem mit ähnlichen Gedanken raten, besser nach Hilfe zu suchen,
statt all die Chancen zu verpassen, die unser Leben so einmalig lebenswert
machen!
Ich habe mich zuletzt
ganz bewusst von den düsteren Banden meiner Ursprungsfamilie getrennt
und fühle mich seit dieser Aufarbeitung einigermaßen frei. Einzig
um meine Schwester M. tut es mir Leid, doch wollte ich um keinen Preis der
Welt mehr nur noch irgendeinen Kontakt zu dieser Familie haben, die mit
Ausnahme dieser Schwester zu feige ist, sich ihrer düsteren Vergangenheit
zu stellen und mich mit ihrem ausgrenzenden Schweigen nur mehr weiter verletzen.
Natürlich habe ich noch immer "Macken", aber damit kann ich
inzwischen leben, weil ich heute weiß, dass sie bei einer derartigen
Biografie völlig normal sind und deshalb keinen Anlass mehr sehe, mich
wie zuvor immer wieder und wieder selbst in Frage stellen zu müssen.
Erst seit meiner Rückschau 2003/2004 ist mir bewusst geworden, welche
bedeutenden Anteile mir an Lebensfreude, Glück und Zufriedenheit durch
diese missratene Kindheit verloren gingen und weiß aus zahlreichen
Kontakten zu anderen ex-Heimkindern oder anderweitig gewaltbetroffenen Menschen,
dass sehr viele von ihnen ähnlich empfinden.
Ich denke jeder halbwegs gebildete Mensche würde für sich oder
seine Kinder niemals vergleichbare Zustände akzeptieren. Dass es sich
bei solchen Beschreibungen nicht nur um bedauerliche Einzelfälle vergangener
Zeiten handelt, darüber geben uns nahezu tägliche Pressemeldungen
über neue Fälle von Kindesmisshandlungen, Vernachlässigungen
und Missbrauch Auskunft, die als Spitzen unserer gesellschaftlichen Verelendung
erkennbar werden.
Es beweist mithin, dass unsere Gesellschaft einen erkennbaren Nachholbedarf
aufweist, um unterschiedslos jedem Kind eine unbeschwerte Kindheit und Erwachsenenleben
zu ermöglichen.
Um dies auch für Außenstehende nachvollziehbar zu machen, habe
ich mich entschlossen, mit dieser persönlichen Darlegung im Sinne von
"Aus Kindern werden Leute", solchen an sich verborgenen "Geschichten"
ein Gesicht und Stimme zu geben.
Dabei bin ich mir vollkommen darüber im Klaren, dass es zahlreiche
weitere Menschen gibt, denen es noch weit schlechter ergangen ist und weiteren
ergehen wird wie mir. Ihnen allen gilt meine stille Anteilnahme und der
Versuch mit dieser Webseite für einen gesellschaftlichen Umbruch zu
werben. Einzig diesem Wunsch ist die Entwürdigung geschuldet, diese
zutiefst persönlichen Erfahrungen in ein öffentliches Licht zu
tragen.
Mir geht es inzwischen wieder insoweit gut, dass ich mich wieder gefangen
habe, um mit dieser Biografie als unabänderlichen Bestandteil meiner
selbst leben zu können, zu müssen.
Sie hat verständlicherweise Spuren und Narben hinterlassen und erklärt
damit wohl auch ein wenig, warum sich in meinem Gesicht so selten eine entspannte
Fröhlichkeit ablesen läßt.
Womit ich mich aber keinesfalls als kranker oder verbitterter Mensch definieren
möchte.
Bei weitem nicht, da ich meinem Leben inzwischen zahlreiche positive Seiten
abgewinnen kann. Ja, bin sogar ziemlich sicher, dass ich Liebe, Glück
und Selbstzufriedenheit auf einer anderen Ebene noch wesentlich intensiver
wahrnehmen kann, als Menschen die das Glück hatten nur wenige Berührungen
mit den Schattenseiten des Lebens zu bekommen und wünschenswert auf
eine glückliche und behütete Kindheit zurückblicken dürfen.
Mit diesem Mann an
ihrer Seite, bekam meine Mutter zunächst noch zwei ältere Schwestern
und zuletzt noch einen älteren Bruder, bevor ich dann mit 7 Monaten
als "Problemkind" folgte.
Hier dürfte bereits die unheilvolle Vorbelastung unerwünschter
Kinder zum Vorschein gekommen sein, wie sie in der Bremer Studie zum Thema:
Das
Leben unerwünschter Kinder ausführlich zur Sprache gebracht
werden.
So dürfte aus heutiger Sicht der Tod meines älteren Bruders an
einer angeblichen Lungenentzündung, die ihn mit knapp einem Jahr dahin
raffte, wohl ebenfalls auf das Konto mangelnder Zuwendung zurückzuführen
sein. Zumindest machte meine Mutter nie einen Hehl daraus, um hervorzuheben,
dass wir alle, einschließlich meiner zwei jüngeren Geschwister
unerwünschte Kinder waren.
Der Grund dieses so persönlichen Erfahrungsberichts:
Sie haben völlig Recht, wenn Sie sich als Leser dieser Ausführungen nun die Frage stellen, warum ich Ihnen und mir die Veröffentlichung dermaßen privater und detaillierter Erfahrungen zumute..
Ich will es Ihnen sagen - weil ich genauso entsetzt und in meinen Grundfesten erschüttert wurde, - wie Sie es jetzt vielleicht an dieser Stelle sind. 2003 wurde mir erstmals die verheerende Dimension meiner fürchterlichen Kindheit und Folgebiografie bewusst, die mir bis dahin in einem seligen Verdrängungsprozess noch einigermaßen normal vorkam.
Doch damit war es noch längst nicht getan.
Denn wie oben erwähnt,
sah ich mich gleich im ersten Anlauf eines therapeutischen Aufarbeitungsversuchs
unvermittelt des Verdachts eigenen frühkindlichen Missbrauchs konfrontiert.
Konnte und wollte ich mir gar nicht vorstellen, da es bis auf eine bis dahin
mir unbedeutende "Lappalie" keine Erinnerungen daran gab/gibt.
Also suchte ich im Internet nach Hinweisen, die diesen Verdacht erhärten
oder besser entkräften konnten, denn meine Heimakten kannte ich zu
diesem Zeitpunkt noch nicht.
Daraufhin habe ich im Internet eine Welt gefunden, die mir bis dahin vollkommen
unbekannt war.
Nämlich eine geradezu konspirativ anmutende Unterwelt des Schmerzes
und unendlicher Leiden, wie sie sich mir in Form von Foren eigens von und
für Missbrauchsopfer oder deren Angehörigen eröffneten.
Was ich dort an Unglück und Zerstörung zu lesen bekam, stellte
nahezu all meine literarischen Erfahrungen zum Thema Gewalt in den Schatten
und ließen mich schnell vergessen, dass sich dort beschriebene Folgesymptome
durchaus mit eigenen Auffälligkeiten deckten.
Was mir aber erst so
richtig zu schaffen machte, war die Erkenntnis, dass mich diese Thematik
selbst im Wissen um des Missbrauchs an meinen Schwestern, zuvor nie interessierte,
mich nie erreicht hatte, obwohl ich eigentlich schon immer ein offenes Ohr
zu Themen wie Unrecht und Gewalt hatte.
Erst jetzt - durch die zufällige Eröffnung der eigenen Betroffenheit
- bekam ich angesichts der zahlreichen Erfahrungen anderer Missbrauchsopfer
ein Gefühl für die Schwere an Folgeschäden, die mit Missbrauch
verbunden sind.
Nehme mich hiervon aber ausdrücklich aus. Denn bislang hatte ich daran
keine Erinnerungen - kein Bewusstsein und muss darum Gottlob nicht leiden,
wie es mir von anderen Missbrauchsopfern bekannt wurde, deren Wege der Bewältigung
ich über mehr als zwei Jahre hinweg recht intensiv in verschiedenen
Foren verfolgte.
Dabei habe ich Opfer kennen gelernt, die es nicht geschafft haben und war
wiederum von anderen überrascht, deren Überlebenskampf mir geradezu
hoffnungslos erschien, sich dann aber über längere Zeit hinweg
doch wieder stabilisierten und hoffentlich noch zu einem erträglichen
Leben gefunden haben.
Es ist demnach mein eigenes vorheriges Desinteresse, trotz des Wissens um meine Schwestern, das mich zutiefst getroffen hat und mir ein Bewusstsein dafür vermittelte, dass all die gutgemeinten Ansätze von Präventionsbemühungen geradezu ins Leere laufen müssen, wenn sie nicht in der Lage sind, jungen oder auch älteren Menschen ein nachvollziehbares Gefühl für die verheerenden Folgeschäden zu vermitteln, die mit dem Seelenmord sexuellem Missbrauchs bzw. Gewalt verbunden sind.
Es war die Geburtsstunde
meines Wunsches, dass hier weit mehr getan werden muss, als bisher in gelegentlichen
Schulstunden/Workshops in guter Absicht geleistet wurde/wird.
Denn wenn mich zuvor schon das Thema nicht erreichen konnte, wie viel weniger
wird es dann erst Menschen erreichen, die nie mit dieser Problematik in
Berührung kamen/kommen???
Diese
Erkenntnisse haben demnach dazu geführt, dass ich
WACHRÜTTELN möchte,
damit an dieser komplexen Aufgabe endlich Grundlegendes zum Schutz von Kindern
und unserer Gesellschaft getan wird!
Genau aus diesem Grund gehören Erfahrungen wie
diese mit dem dringlichen Appell veröffentlicht:
- hinzuschauen -
um zu erfassen, dass in unserem Land weit mehr getan werden muss, um möglichst
jedes Kind/Mitmenschen,
vor solchen oder ähnlich katastrophalen Lebenserfahrungen zu bewahren.
Glauben Sie nur nicht, dies wäre lediglich eine
bedauerliche Erfahrungen aus ferner Vergangenheit.
falsch:
- wie 2-3 tote Kinder pro Woche belegen, die ihr häusliches Martyrium nicht überleben.
- wie etwa 32000 stationäre Heimeinweisungen allein im Jahr 2009 belegen.
- wie die jährlich etwa 100000 erforderlichen Interventionen durch Jugendämter anzeigen.
- wie die jährlich 15000 angezeigten Missbrauchsfälle aufzeigen. (hohe Dunkelziffer)
- wie die jährlich neu erstellten Gewalt und Vernachlässigungsstatistiken nachweisen.
- die Betroffenen jüngerer Zeit haben nur noch nicht zu ihrer eigenen Stimme gefunden.
- wie aggressiv, respektlos, ehrlos, gleichgültig, egoistisch und misstrauisch diese Gesellschaft, trotz ihrer vorgeblich christlichen Prägung noch immer miteinander umgeht.
Ich persönlich
empfinde es als tiefste Schande, wenn die ethischen und moralischen Werte
die uns Heimkindern einst unbarmherzig eingeprügelt wurden, heute von
verantwortlichen Stellen durch ihr schweigendes Unterlassen geradezu absurdum
geführt werden. Umsonst
an unerklärten Fronten gefallen zu sein. -
SEELENMORD -
Deshalb meine Idee und
Forderung eines neuen, oder angepassten Schulfaches, in dem junge Menschen
über einen angemessen langen Zeitraum hinweg die Möglichkeit bekommen,
sich mit den Ursachen und Folgen von Gewalt so intensiv auseinanderzusetzen,
bis sie selbst ein spürbares Gefühl für die Dimension dieser
gesellschaftlichen Problematik entwickeln können.
Denn unser Wissen ist
die einzige Möglichkeit, um auf bestehende Probleme und Herausforderungen
zu reagieren.
Davon kann, wie
die gesamten Inhalte meiner Webseite aufzeigen,
zum gegenwärtigen Zeitpunkt, weder in Bezug auf Vernachlässigung,
Gewalt, noch Missbrauch auch nur annähernd die Rede sein.
Einzig
um das hierfür erforderliche Verständnis zu notwendigen Veränderungen
zu werben,
habe ich diese Webseite mitsamt meinen persönlichen Erfahrungen zur
Betrachtung gestellt.
Ich bedanke mich für Ihr Verständnis und mögliches Aufgreifen in eigene Anstrengungen.