Anerkennungsdefizite = Gewaltgesellschaft - Ursache/Ausweg

Verantwortung im Spiegelbild der Realitäten.

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Klaus-alt
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Anerkennungsdefizite = Gewaltgesellschaft - Ursache/Ausweg

Beitragvon Klaus-alt » So 12. Dez 2010, 11:07

Geschrieben: 19.02.2010 11:43
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Immer wieder hören und sehen wir Meldungen von roher Gewalt, von meist jugendlichen Gewalttätern, denen es erkennbar an Respekt und Anerkennung von Grenzen mangelt, wenn sie zum Teil in angetrunkenem Zustand ihre Mitmenschen anpöbeln, sofern diese es nur gewagt haben sie anzuschauen, oder sich in öffentlichen Verkehrsmitteln das Rauchen, abspielen lauter Musik, oder sonstiger ungebührlicher Belästigen anderer Fahrgäste verbeten wollten.
Diese Einforderungen an sozialverbindliche Standards werden zunehmend zum Anlass völligen Ausrastens genommen, in der Täter mit jeder Gleichgültigkeit selbst schwerste Verletzungen und Tod ihrer Opfer in Kauf nehmen.
siehe: http://magazine.web.de/de/themen/nachri ... lizei.html

Doch wenn man sich mal die daraufhin einsetzenden öffentlichen Debatten um Strafzumessungen für derartige Verbrechen betrachtet, dann spiegelt sich in ihnen eine Gewaltlust wieder, die den real verübten Gewalttaten kaum nachsteht und zudem von auffälliger Ausländerfeindlichkeit begleitet ist.
siehe:
http://meinungen.web.de/forum-webde/post/7978835

Dabei ist allein schon an solchen Kommentaren erkennbar, dass Gewalttätig- und Respektlosigkeit kein Alleinstellungsmerkmale von Mitbürgern mit Migrationhintergrund darstellen, wenn all jene nach unnachgiebiger Härte und Sündenböcken rufen, die offensichtlich selbst erhebliche Probleme haben, ihren festen Platz in unserer Gesellschaft zu finden.

Etwa, weil sie sich selbst nicht anerkannt fühlen?

Keinen befriedigenden Job ausüben?

Andere nicht lieben oder respektieren können, weil sie selbst nicht geliebt und respektiert wurden?

Auf Härte setzen, weil sie selbst hart behandelt wurden?


Genau daran, wird bereits deutlich, dass man Härte nicht sinnvoll mit Härte begegnen kann.
Eben, weil damit alle Betroffenen immer weiter verhärten und gefühlsmäßig abstumpfen.

Demnach bringt es also nicht wirklich etwas, Gewalttäter nur einfach lange und damit kostenintensiv hinter Schloss und Riegel zu sperren, oder ihnen mit der gewalttätigsten Form von Gewalt, der Todesstrafe zu begegnen.
Sinnlos wie jedes Beispiel von Ländern aufzeigt in denen die Todesstrafe vollzogen wird und dennoch keine wirklich abschreckende Wirkungen aufweisen.

Genauso wenig, wie Verbrecher im Knast zu besseren Menschen resozialisiert werden.
Denn so lange unser Strafsystem weiter darauf abzielt Straftaten mit stupidem Absitzen von Haftstrafen zu ahnden, wird sich an unserer „Gewaltgesellschaft“ auch nichts ändern.

Als sinnvollere Alternative schwebt mir ein Strafsystem vor, dass unsere Gesellschaft so lange vor Straftätern beschützt, bis diesen nach einer intensiven Auseinandersetzung mit ihren Opfern und Straftaten auch eine gefühlsmäßig Einsicht ihrer Unrechtstaten attestiert werden konnte.
Diese Idee birgt zwar auch keine 100% Sicherheit, würde aber sehr wahrscheinlich zu einem erheblichen Rückgang von Wiederholungstaten beitragen. Zumal in diesem Rahmen auch dem Aspekt einer angemessnen Opferentschädigung mehr Aufmerksamkeit zukommen würde.

Diese Idee stellt jedoch nur eine erste Akutmaßnahme dar.
Denn das eigentliche Problem unserer Gesellschaft liegt meiner Ansicht nach in der Gleichgültigkeit des gemeinsamen Zusammenlebens, in der die meisten überwiegend darauf bedacht sind, es den großen Vorbildern gleichzutun. Nämlich eigene Vorteile zu suchen um möglichst rasch reich und damit anerkannt zu sein.

Schon meine Mutter versuchte mir mit dem Spruch „Haste was, dann biste was,“ den Sinn unserer angeblichen Wertegesellschaft einzuimpfen.
Es hat fast 50 Jahre bedurft, bis ich endlich begriffen habe, das genau dieses Bestreben zu immer mehr Rücksichtslosigkeit und explosiven Gewaltausbrüchen führen muss, wenn zunehmend mehr junge Menschen durch unser selektives Bildungssystem ein Bewusstsein dafür vermittelt bekommen, dass sie schon zu den Verlieren zählen, noch bevor sie die Möglichkeit bekamen ihren selbstbestimmten Platz in unserer Gesellschaft zu finden.

Doch ich denke, dass ist mit einer der Hauptgründe, die zu jener frühen Resignation führen, die sich immer häufiger ihr Ventil in verzweifelten Gewaltexplosionen und Amokläufen suchen.

Die einen, weil sie die Erfolgserwartungen ihrer Familie nicht genügen können, oder andere die von Anfang an als Versager gefoppt und gemoppt wurden.
Nicht selten von solchen Eltern getrieben, die sich, nach dem Motto, „meine Kinder sollen es einmal besser haben als ich“ eben an ihren eigenen (Erfolgs)Kindern für ihre unbewussten Anerkennungsdefizite schadlos zu halten versuchen.

Genau ANERKENNUNGSDEFIZIT, dass ist ganz klar das Hauptmerkmal der meisten Gewaltformen.
Dieses Merkmal ist dermaßen in unserem Alltag präsent, dass kaum noch jemand auf die Idee kommt, dieses weiter zu Hinterfragen.

Oder werden wir nicht von früh bis spät mit stakkatoartiger Werbung bombardiert, die uns einzigartige Glückseligkeit verheißt, wenn wir uns nur zu den Schönen und Reichen dieser Welt zählen dürfen, während die näherliegenden Niederungen des normalen Alltags nahezu vollkommen ausgeblendet bleiben?

Wo ist der Alltag der normalen Familie,
der schwer Arbeitenden,
der ins Abseits gedrängten Kranken,
vereinsamten Alten,
oder eine bewusste Auseinandersetzung mit unser aller Sterblichkeit?


Nein, dies bleibt alles ausgeblendet, während aller Fokus einzig auf vermeintlichen Erfolg gerichtet bleibt.
Eine Scheinwelt, die allein schon aus ökologischen Gründen nicht wirklich erstrebenswert ist und erkennbar sozial degenerierte und missmutige Menschen erzeugt, wenn sie begreifen, dass sie ihren überstrapazierten Idealen nicht mal annähernd zu entsprechen vermögen.
Zu dem unser selektives Bildungswesen http://www.ex-heimkinder.de/Bildungsnot.htm ebenfalls einen gewaltigen Anteil trägt, weil es zu keiner Zeit der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen zugedacht war, sondern von Anfang an Erfüllungsaufgaben der Wirtschaft wahrnehmen sollte.
siehe: www.ex-heimkinder.de/Bildungszweck.htm

Diese gilt es zu ändern, um die individuellen Fähigkeiten und Neigungen künftiger Kinder und Jugendlicher so weit zu fördern, um ihnen ein Leben in Zufriedenheit und Selbstgenügsamkeit zu ermöglichen.
Denn ein selbstgenügsamer Mensch wird es kaum mehr nötig haben, ein mangelndes Anerkennungsbedürfnis mit sinnlosen Anhäufungen vermeintlicher Statussymbole zu befriedigen, sondern dürfte vielmehr darum bedacht sein, seine Mitmenschen gemäß dem Motto „geteiltes Glück ist doppeltes Glück“, gleichfalls in seine Umwelt der Zufriedenheit einzubeziehen.
Auf diese Weise sollte es zu schaffen sein, dass es niemand mehr nötig hat, andere Menschen ausgrenzend herabzuwürdigen, um sich der Illusion von fragwürdiger Macht und damit Erhöhung des eigenen Egos hinzugeben.

Die Frage ist nur, wie man die Verantwortlichen aus Politik, Sozialwesen und Wirtschaft zu der Erkenntnis bewegt, dass es uns allen besser bekommt, wenn wir unterschiedslos jedem Menschen die Möglichkeit einräumen, seinen individuellen Weg zur Selbstzufriedenheit zu finden?
Denn spätestens ab diesem Moment wäre vielen Formen der Gewalt, der Resignation, Konsumzwang, religiösem Fanatismus und andere Formen der Kompensation von Minderwertigkeitskomplexen der destruktive Nährboden entzogen und würden damit viel Geld für sinnvollere Dinge einsparen, dass wir gegenwärtig in Milliardenhöhe für die Betreuung von Gewalttätern und deren Opfer aufwenden müssen.

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