Irische Kirche verneigt sich mit Bußgeste vor ihren Opfern.

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Klaus
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Irische Kirche verneigt sich mit Bußgeste vor ihren Opfern.

Beitragvon Klaus » Sa 26. Feb 2011, 01:38

Ohne viel Worte stelle ich hier zwei Meldungen ein, die mich sehr bewegt haben und mir wünschte, dass ein ähnliches Zeichen von Einsicht und Demut auch von unseren Kirchen und Staat ersichtlich würden.
Indes bleibt in Irland als auch in unserem Land zu hoffen, dass es nicht allein bei dieser Geste bleiben wird, sondern die Bereitschaft eröffnet, all die Betroffenen der einstigen Heimerziehungsverbrechen, auch mit einem angemessen materiellen Ausgleich für die dadurch verursachten Lebensbeeinträchtigungen zu entschädigen, sowie ein bleibendes Mahnmal für all jene Opfer zu schaffen, deren Rehabilitation zu spät kommen wird.


Fußwaschung nach Missbrauch
Demutsgeste in irischer Kirche. DUBLIN (dpa).
Mit einer Fußwaschung hat die katholische Kirche in Irland Opfer von Missbrauch um Verzeihung gebeten. Die Zeremonie nahmen Dublins Erzbischof Diarmuid Martin und der vom Vatikan als Beobachter entsandte Kardinal Sean O’Malley (USA) gemeinsam vor. Opfervertreter nannten es die bisher weitreichendste Entschuldigung. An dem Gottesdienst nahmen viele Opfer teil. Kardinal O’Malley und Erzbischof Martin legten sich zu Beginn ausgestreckt auf den Boden. Später knieten sie nieder und wuschen fünf Missbrauchsopfern die Füße. "Im Namen des Heiligen Vaters bitte ich um Vergebung für den Missbrauch von Kindern, verübt von Priestern, und das zurückliegende Versagen der Kirchenhierarchie, hier und in Rom", sagte O’Malley. Der Sachbericht an den Vatikan soll veröffentlicht werden. Auch die Deutsche Bischofskonferenz plant im März in Paderborn einen Akt der Buße.
Quelle:
http://www.badische-zeitung.de/ausland- ... 54449.html


Irland: Bischöfe waschen die Füße von Missbrauchsopfern
Die irische Kirche bemüht sich weiterhin um eine Aufarbeitung der verheerenden Missbrauchs-Skandale. In der katholischen Pro-Kathedrale St. Mary`s in Dublin fand am Sonntag eine Bußliturgie statt, bei der Erzbischof Diarmuid Martin Missbrauchs-Opfern die Füße wusch. Unterstützt wurde er dabei von dem Visitator, den Papst Benedikt nach Irland geschickt hat, nämlich Bostons Erzbischof Sean O`Malley. Ähnliche Bußakte haben in den letzten Wochen u.a. im irischen Armagh stattgefunden. Michael Kelly von der Zeitung „Irish Catholic“ war am Sonntag in Dublin dabei:

„Es war eine sehr bewegende Zeremonie. Vorbereitet hatten sie einige Opfer von Missbrauch. Der zentrale Moment war die Fußwaschung, ein Zeichen der Demut: Erzbischof Martin und Kardinal O`Malley wuschen einigen Opfern die Füße. Aus meiner Sicht traf Erzbischof Martin den Nagel auf den Kopf, als er sagte: Das ist nur ein Teil des Prozesses und nicht etwa ein Schlussstrich. Es sind die ersten Schritte bei einer Suche nach Heilung, bei der Suche nach Vergebung durch Gott für die großen Sünden und Verbrechen, die in der Kirche begangen worden sind. Es wurde auch deutlich, wie sehr die Apostolische Visitation in Irland im Sinn des Papstes zu einer pastoralen Erneuerung beitragen möchte.“

Die Dubliner Kathedrale war brechend voll; die Nachrichtenagentur Reuters spricht von „einem der sichtbarsten Akte der Zerknirschung“, die Irlands Kirche bislang vollzogen habe. Missbrauchs-Opfer, von denen sich einige erst in fast letzter Minute zum Kommen entschlossen hatten, äußerten sich gegenüber Reuters bewegt: Das sei die „expliziteste Bitte um Entschuldigung“ gewesen, die sie bisher von der Kirche gehört hätten. „Für die ist das demütigend, vor uns auf die Knie zu gehen“, so ein 39-Jähriger, der als Kind von seinem Pfarrer in einer Dubliner Gemeinde missbraucht worden war. Und weiter: „Ich fand es bisher schwer, zu verzeihen, aber heute habe ich ein bisschen inneren Frieden gefunden.“

„Die Erzbischöfe und Kardinäle, die mit der Untersuchung zu tun haben, haben schon eine Reihe von Treffen mit verschiedenen Gruppen in ganz Irland abgehalten, und das Feedback nach diesen Begegnungen war ziemlich positiv. Jetzt wird ein Bericht an den Vatikan vorbereitet, der, wie Papstsprecher Federico Lombardi zusichert, auch veröffentlicht wird. Die Leute warten jetzt darauf, zu sehen, was in dem Bericht der Apostolischen Visitation drinsteht.“

Der Bericht einer unabhängigen Kommission hatte 2009 zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester im Erzbistum Dublin zwischen 1975 und 2004 aufgelistet. Die Kirche habe die Fälle „vollkommen vertuscht“. „Für dieses Vertuschen von Missbrauchs-Verbrechen und für das Leid, das dadurch über viele weitere Kinder kam, bitten wir Gott um Vergebung“, sagte Erzbischof Martin am Sonntag. Und weiter: „Das Erzbistum Dublin wird nie mehr so sein wie früher. Es wird diese Wunde immer mit sich tragen.“ Der Erzbischof und der Kardinal legten sich zu Beginn der Bußfeier ausgestreckt auf den Boden vor den Hauptaltar. Während der Fußwaschung brachen einige der Missbrauchs-Opfer in Tränen aus, andere harrten nur still aus.
(rv/reuters 21.02.2011 sk)
Quelle:
http://www.oecumene.radiovaticana.org/t ... p?c=463965
Eine gerecht Welt fängt damit an, unsere Mitmenschen an unserer eigenen Lebensfreude teilhaben zu lassen.

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