Keine Zwangsarbeit aus Sicht von Fr. Dr. Vollmer???

Verantwortung im Spiegelbild der Realitäten.

Moderator: Klaus

Coraly-alt
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Keine Zwangsarbeit aus Sicht von Fr. Dr. Vollmer???

Beitragvon Coraly-alt » So 12. Dez 2010, 09:51

Geschrieben: 24.01.2010 11:20
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Ich habe mir gerade die Pressekonferenz unter nachfolgendem Link
http://de.sevenload.com/sendungen/Top-T ... cht-Teil-2

(danke Dirky) angeschaut und mich nunmehr doch entschlossen, hier meine Meinung niederzuschreiben. Nur zur Info: ich bin selbst nicht von Heimerfahrung gebeutelt, habe allerdings Bekannte und Freunde mit dem Hintergrund.
Ich lese schon seit geraumer Zeit hier ab und zu mit. Die Äußerung von Fr. Dr. Vollmer, nachdem Herr Vocke seine leidvollen Erfahrungen als zwangsarbeitender Teenie schilderte, hat mich vollkommen auf die Palme gebracht. Es ging darum, ob man es Zwangsarbeit nennen sollte, warum eigentlich dieses Herumgeeiere?, warum nennt man das Kind nicht beim Namen?, es spielt eigentlich m.E. gar keine Rolle, ob eine Vernichtungsabsicht bestand oder nicht (vielleicht bestand sie sogar, wer weiß, damit hätte man einige Mäuler weniger zu stopfen gehabt damals, die Gruppenleiter in den Heimen damals waren sowieso überlastet), Zwangsarbeit bleibt Zwangsarbeit, basta. Wie hätte man es denn sonst nennen sollen, als 15 jähriger nachts auf die Autobahn geschickt zu werden und sich die Hände und Füße aufschneiden lassen zu müssen, bestimmt nicht als angenehmes Hobby oder? Was soll das Ganze? Und wenn dann eine rhetorisch geschulte Würdenträgerin, wie Frau Dr. Vollmer (hoffentlich habe ich keine weitere Titel vergessen) diesem Mann (H. Vocke) antwortet „Ja wenn Sie das so empfunden haben“, das ist eine schallende Ohrfeige an diesen damals geschundenen Mann, ja bitte schön, wie soll er es denn empfinden?, er leidet ja heute noch darunter. Diese Äußerung, diese miese, abwertende Äußerung zeigt bzw. entlarvt mir als Zuhörer, wie wenig Fr. Dr. Vollmer eigentlich mitfühlt mit den Betroffenen. Sie gibt mir immer mehr das Gefühl, eigentlich nur am RT zu sitzen, um das erschütternde Ausmaß der Schuld unter den Teppich zu halten, zu minimisieren und immer schön auf Einzelfälle zu plädieren und wie die Nepalesen gebetsmühlenartig diesen Einzelfallmythos immer wieder zu betonen, um von der Systematik abzulenken. Um es hier nun kurz zu machen: meine Meinung: also entweder stellt man sich der Sache und nimmt die unbequemen Wahrheiten an und lässt die Leute zu ihrem Recht kommen oder nicht. Wozu braucht man 1 Jahr und eiert um Begriffe herum?, ich bin echt erschüttert.

Serafin-alt
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Re: Keine Zwangsarbeit aus Sicht von Fr. Dr. Vollmer???

Beitragvon Serafin-alt » So 12. Dez 2010, 09:52

Geschrieben: 24.01.2010 12:57
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Hallo Coraly,
erst einmal herzlich willkommen hier im Forum.
Leider haben wir es auch im Bereich "Zwangsarbeit", wie in allen anderen Bereichen, rund um die Heimkinder, mit einer verdammten Ignoranz der Institutionen zu tun. Diese scheuen nicht davor zurück, auch weiterhin auf ihren früheren Opfern herum zu trampeln.
Du hast es schon ganz richtig erkannt, Wahrheit annehmen und Rechtsbewußtsein zeigen, wäre das Rezept zur Rehabilitierung der Opfer.

Doch Ehrlichkeit und Schuldanerkenntnis sind Begriffe, welche diesen Menschen nicht geläufig sind!

Klaus-alt
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Re: Keine Zwangsarbeit aus Sicht von Fr. Dr. Vollmer???

Beitragvon Klaus-alt » So 12. Dez 2010, 09:53

Geschrieben: 24.01.2010 15:11
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Hallo und herzlich willkommen in dieser gemütlichen Runde Coraly :icon_freu

Ich habe mich über dieses Statement einer außenstehenden Person sehr gefreut, denn damit erhalten wir Betroffenen endlich auch mal von außen eine Bestätigung unserer Befürchtungen und durchaus kritischen Sichtweisen.
Also ich empfand den herablassende Einwand von Frau Vollmer ebenfalls als völlig unangemessen und taktlos. Diese Frau hätte ich gern mal in umgekehrter Position hören wollen.
Aber soweit denken diese Gutsmenschen, zumal sie als Pastorin, schon gar nicht mehr, wie verletztend solche verbalen Schläge mitten ins Gesicht der Opfer wirken.
Gleichfalls bezeichnend wie sie den Anwalt eines Missbrauchsopfers unter Hinweis dass bei dieser Pressekonferenz keine Einzelfälle behandelt werden, einfach das Wort abschnitt.
Dabei vergisst die gute Frau, dass sich die "Heimkinderproblematik" eben aus der Fülle aller Einzelschicksale zusammensetzt, die nun berechtigterweise nach Gehör rufen.

Einfach nur erbärmlich, wenn man erkennen kann, wie sich alle Verantwortungsträger mit spitzfindigen Formulierungen noch immer aus der Verantwortung zu winden versuchen und dabei das Bemühen erkennbar wird alle Opfer auf niedrigstem Niveau möglichst über einen Kamm zu scheren.

Nein Herr Focke hat sich hier für meine Begriffe mustergültig verhalten, indem er nicht mehr bereit war zu schweigen.
Bedauerlich hingegen, wie die Fraktion der Heimkindervertretung die Chance ungenutzt ließ, um dem berechtigten Unmut über das Ergebnis dieses Zwischenberichts ein erkennbare Stimme zu geben. Oder sollte es etwa sein, dass sie sich im Kreis dieser hochakademischen Potentaten so umschmeichelt fühlten, um sich kaum mehr eine eigene kritische Meinung zuzutrauen?
Hier wurde meiner Ansicht nach in bestechender Weise die ungleiche Besetzung des runden Tisches vorgeführt, deren Heimkindervertretung ich nur zu gern einen ähnlich rhetorisch brillierenden Wortführer/In gewünscht hätte, wie sie in massiver Anhäufung auf der Gegenseite bereit standen um jedes kritische Argument aus der Hüfte heraus niederzumähen.
Schade, denn hier profitieren die Täterorganisationen vom schwach ausgebildeten Selbstbewusstsein der meisten ex-Heimkinder, selbst noch im Nachhinein von den Früchten ihrer unseligen Arbeit.

Daher bedanke ich mich nochmal ganz herzlich für diese beipflichtende und zutreffende Stellungnahme.
MfG. Klaus


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