Entschädigungsempfehlung = Mogelpackung für ex-Heimkinder

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Klaus
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Entschädigungsempfehlung = Mogelpackung für ex-Heimkinder

Beitragvon Klaus » Mo 13. Dez 2010, 19:23

Das vorgestellt Entschädigungsmodell http://www.rundertisch-heimerziehung.de ... ht_000.pdf des runden Tisches kann nur als selten plumper Affront gegenüber ehemaligen Heimkindern bezeichnet werden, mit dem sich nach jahrelanger Kungelei http://www.ex-heimkinder.de/runde-tische.htm hinter verschlossenen Türen, Kirchen und Staat darauf verständigt haben, der Öffentlichkeit ein geläutertes Gewissen von moralischen Anstand zu demonstrieren, den sie in den Anfängen der Heimkinderklagen http://www.wensierski.info/html/petition.html noch unverhohlen missen ließen. :traurig Etwa indem sie die Klagen und Begehren der ehemaligen Heimkinder zunächst entrüstet abzuwimmeln viewtopic.php?f=25&t=208 versuchten, um später auf Druck öffentlicher Medien http://www.wensierski.info/index.html scheibchenweise einen der schauderlichsten Skandale http://veh-ev.info/download/Prof%20Kappler.pdf dieser Bundesrepublik einräumen zu müssen. :traurig :icon_wuetend

Niederträchtig auch die Versuche der Kirchen den ehemaligen Heimkindern für ihren konstruktiven Vorschlag einer einmaligen Entschädigungspauschale für alle gelittenen Heimkinder von etwa 50000 Euro, oder einer monatlichen Rente von etwa 300 Euro Habgier http://de.news.yahoo.com/17/20100427/tw ... 9d0_1.html zu unterstellen. :icon_wuetend Etwa durch Kardinal Lehmann, dessen ehrverletztenden Äußerungen auf wundersame Weise nicht mehr im Internet abzurufen sind.
Oder das unverschämte Verleugnen expliziter Entschädigungsforderungen http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 20,00.html der ehemaligen Heimkinder, wie sie vom Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz Herrn Stücker-Brüning auf der Abschlusspressekonferenz kaum kaltschnäutziger zu bennenen vermieden wurde.
Siehe offizielle Pressekonferenz, ab etwa 25, Minute http://de.sevenload.com/sendungen/Top-T ... merziehung
Absolut empfehlenswert auch die alternative Pressekonferenz der ehemaligen Heimkinder.
http://de.sevenload.com/sendungen/Top-T ... merziehung

Geradeso als wüssten sie nicht, dass solch ein Betrag für gravierende Menschenrechtsverletzungen, wie sie in den vergangenen Jahren an gewissenlosen Heimbehandlungen bekannt wurden, im internationalen Vergleich sogar noch ausgesprochen günstig ausfällt.

Aber so sind unsere Kirchen nun mal. :icon_kotzen
Solange sie an Menschen und deren teils mitverursachtem Leid Geld verdienen können,
siehe Link 1: http://www.ex-heimkinder.de/Ursachen-Vorwort.htm
siehe Link 2: http://www.ex-heimkinder.de/Ursachen-im-Detail.htm

sind sie sofort zur Stelle, aber wehe sie sind einmal gefordert für ihre unchristlichen Verfehlungen gerade zu stehen. Nein, da zeigen sie ihr wahres Gesicht und ziehen alle Register um ihren Opfern in der Gewissheit ihrer gesellschaftlichen Unantastbarkeit die kalte Schulter zu zeigen. :dudu:

Sie erweisen sich dem erfahrenen Leid der Betroffenen mit dieser verfassten Entschädigungsofferte genauso ignorant, wie nahezu sämtliche Medien in Funktion ihres sozialen und demokratischen Wächteramtes, zu all den skandalösen Begleitumständen des runden Tisches stumm blieben.
Angefangen vom Druck, binnen Tagesfrist Heimkinder-Delegierte für den runden Tisch zu benennen, die später entgegen getroffener Absprachen doch nicht mehr durch legitimierte Mandatsträger/innen ersetzt werden durften.
Niemand der hinterfragt warum der runde Tisch ausschließlich hinter verschlossenen Türen tagte.
Skandalös die konspirative Verpflichtung der 3 stimmberechtigten Heimkinder, Gesprächsinhalte des runden Tisches, weder an die Öffentlichkeit zu tragen, ja nicht einmal mit ihrer Vereinsbasis, oder deren Vorstandschaft für weitere Absprachen mitteilen zu dürfen.
Auch war ihnen eine fachpädagogische, oder juristische Begleitung verwehrt. So dass ihnen stets 16 intellektuell und organisatorisch weit überlegene Fach- und Rechtsexperten gegenübersaßen, denen es ein leichtes war, den drei einsam agierenden Heimkindervertretern das Zugeständnis abzuringen, dass Zwangsarbeit und systematische Menschenrechtsverletzungen im Abschlussbericht nicht als solche benannt werden durften, obwohl anderseits die Glaubwürdigkeit zu den Erfahrungsberichten der ehemaligen Heimkinder explizit herausgestellt wurde.

Ein durchsichtiges Vermeidungsmanöver. Denn wären die Begriffe Zwangsarbeit und Systematik im Abschlussbericht eingegangen, hätte die einstigen Heimkinder ein verbindliches Anrecht auf Entschädigung bekommen.
So spricht denn auch niemand darüber, dass die sich verweigernden Heimkindervertreter am Ende unter Androhung im Verweigerungsfall gar nichts zu bekommen, zur Unterschrift dieser erbärmlichen Entschädigungsvereinbarung erpresst wurden.

Bis zur Veröffentlichung des Abschlussberichts http://www.rundertisch-heimerziehung.de ... ht_000.pdf des runden Tisches haben die Kirchen rein gar nichts dazu beigetragen, um ihren geschädigten Opfern von selbst eine eigenständige Entschädigungslösung anzubieten. :icon_verlegen
Und sollen nun gemäß der runden Tisch-Vereinbarung sogar noch am günstigsten aus der Affäre kommen.

Unglaublich!! :icon_wuetend
Obwohl sie 80% aller Kinderheime betrieben und entsprechend zahlreiche Seelenqualen auf dem Gewissen haben, tragen sie vom verfassten 120-Millionen-"Entschädigungspaket" den geringsten Anteil von 20 Millionen Euro je katholischer und evangelischer Kirche.

Dabei entpuppt sich das Entschädigungsmodell bei näherer Betrachtung als schamlose Mogelpackung, wie man sie der Öffentlichkeit und ehemaligen Heimkindern nicht unverfrorener als großmütige Gewissensgabe unterzujubeln versucht.

Denn was haben die ersten festgelegten 20 Millionen mit Entschädigungen zu tun, wenn ehemaligen Heim-Zwangsarbeiter/innen aus diesem Topf lediglich ihre einst vorenthaltenen Löhne und Rentenbeiträge zurück erhalten?
Als bewusste Augenwischerei müssen hier auch jene sinnentleerten Zahlen betrachtet werden, mit denen von verantwortlichen Stellen über durchschnittliche Entschädigungssummen zwischen 2000 - 4000 Euro schwadroniert wird.

Pure Augenwischerei. :dudu:

Diese Summen wären nur zutreffend, wenn die gesamten 120-Millionen zu realen Entschädigungszahlungen verwendet würden.
Doch davon werden die allermeisten ex-Heimkinder real nicht einen müden Cent sehen, da der Hauptanteil von 100-Millionen Euro für die Behandlung der zahlreichen Traumaschäden und Altershilfen vorgesehen ist.
Um jedoch in den "Genuss" einer (nötigen?) Traumatherapie, Mietzuschüssen, oder Pflegehilfe im Alter zu kommen, sollen die ex-Heimkinder erst einmal den Nachweis der im Heim erlittenen Verletzungen erbringen und glaubhaft darlegen wie konkret ihre einstigen Heimerfahrungen heute ihre gegenwärtige Lebensführung beeinträchtigt.

Diese demütigende Hürde, einfach nur abstoßend. :icon_wuetend

Wie gesagt aus diesem 100-Millionen Topf sehen ex-Heimkinder real keinen müden Cent.
Entsprechend relativieren sich nun auch ganz schnell die Höhen für den kleineren Topf von 20 Millionen aus denen die ehemaligen jugendlichen Zwangsarbeiter/innen "entschädigt" werden sollen.
Ich nenne es passender Zwangsarbeitsentgeltnachzahlung.

Hier wurde eine geschätzte Zahl von 30000 Anspruchsberechtigten zugrunde gelegt
Wenn diese 20 Millionen nun auf diese 30000 ex-Heimkinder umgelegt wird, dann erhält jede berechtigte Person gerade mal eine einmalige Durchschnittssumme von 666 €.BildBildBild
Sollten mehr als die geschätzten 30000 früheren Arbeitskräfte ihr entgangenes Entgelt einfordern, verringert sich dieser Betrag entsprechend niedriger.

Also was die Beteiligten des runden Tisches da ausgehandelt, bzw. die Heimkindervertreter/innen erpresst haben, kann nur als vorsätzliche Verhöhnung der ehemaligen Heimkinder bezeichnet werden. :icon_wuetend
Siehe die bestechende Ergebnisanalyse http://www.ex-heimkinder.de/Analyse-Abs ... -Tisch.htm
von Professor Kappeler, der sich als einer der ganz wenigen Fachkräfte mit beispielhaftem Engagement für die Opfer der einstigen Heimerziehungspraktiken einzusetzen versucht, während das Gros aller FACHKRÄFTE zu all den bekannt gewordenen Unrecht schweigt. Wo bleibt deren Bekenntnis zum Schutz von Kindern und einer sozialen Staatsgemeinschaft?

Denn dieses Entschädigungsmodell bietet doch überhaupt keine Entschädigungen an, sondern besteht lediglich aus Entgelt/Rentennachzahlungen und fragwürdigen Hilfsangeboten im therapeutischen Sinne, die ich seitens Täterorganisationen gegenüber ihren einstigen Opfern als banale Selbstverständlichkeiten erachte.


Ehemalige Heimkinder wünschen sich indes eine reale Entschädigung für all den Schmerz und Pein, die sie in vorgeblich beschützenden Heimeinrichtungen unter christlich und moralisch lauteren Ansprüchen, über sich ergehen lassen mussten.

Sie erwarten demnach von unserem sozialen Rechtsstaat, für all die lebenslangen Benachteiligungen entschädigt zu werden, die durch vorenthaltene Bildungsmöglichkeiten, zerschlagenes Selbstvertrauen und anerzogene Unselbstständigkeit verursacht wurden.

Dazu zählen Folge-SCHÄDEN, wie Verarmung, Suchtverhalten, Kriminalität, Minderwertigkeitskomplexe Depressionen, sozialen Angstzustände und andere Dinge mehr, die diese Menschen zeitlebens an der Entfaltung von Lebensfreuden/Glück und Erfolgen hinderten, wie sie Menschen mit behüteten Kindheiten naturgegeben sind.


So selbstverständlich wie heute jeder für sich die Unverletzlichkeit seiner persönlichen Integrität in Anspruch nimmt, so selbstverständlich dürfte jeder Mensch das besondere Anrecht schutzbedürftiger Heimkinder auf körperliche und seelische Unversehrtheit erkennen.
Doch genau dies haben unsere Kirchen und sozialer Staat durch ihre Versäumnis christlicher Achtung und amtlichen Pflichtverletzungen gegenüber diesen einstigen Heimkindern nicht nur geduldet, sondern gleichwohl aktiv beschädigt.

Und zwar soweit geschädigt, dass sich zahlreiche ehemalige Heimkinder aufgrund ihrer seelischen Beschädigungen bereits frühzeitig von eigener Hand das Leben genommen haben und noch viel mehr diesen Schritt versucht haben.
Bedarf es eines größeren Beweises, wie verzweifelt sich diese Menschen in seelischer Not befanden/befinden, deren Lebensgrundfesten unter kirchlicher und staatlicher Verantwortung massivst beschädigt wurden? :traurig

Als bittere Farce erweisen sich mit diesem Entschädigungsmodell nun alle staatstragenden Beteuerungen von Betroffenheit, wenn sich damit erweist, dass bei kirchen- und staatsverantwortlichen Führungskräften damals wie heute die Einsicht für verantwortungsbewusstes Handeln fehlt und man sich nun dermaßen beschämend aus der gesellschaftlichen Gesamtverantwortung zu stehlen versucht.

Ja sich nicht einmal zu schade ist gleichwohl staatsgelittene Holocaustopfer als Schutzschild zur Abwehr von angemessenen Entschädigungsansprüchen zu missbrauchen! :icon_schock


Warum?

1. Weil es nach Ansicht von Frau Vollmer nicht angeht das Heimkinder mit einem Vielfachem der 4,4 Milliarden Euro entschädigt werden, mit dessen Summe sich die BRD zwischen 2004 - 2007 ihrer moralischen Verpflichtung gegenüber 1,7 Millionen Zwnagsarbeitern des 3. Reiches entledigte.

2. Bewusst alles vermieden wurde, um jugendliche Zwangsarbeit uns systembedingte Menschenrechtsverletzungen anzuerkennen, da diese beiden Tatbestände nicht verjähren können.
Währe der Begriff Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen anerkannt worden, hätten ausnahmslos alle ehemaligen Heimkinder jener Zeit einen rechtsverbindlichen Entschädigungsanspruch gehabt. Doch dies hat der runde Tisch zugunsten einer öffentlichen Blamage vereiltelt, um nicht als Rechtsstaat mit einem inneren Unrechtssystem am weltweiten Pranger zu stehen.

So ein Verhalten ist eines sozialen Rechtstaates unwürdig. Insbesondere wenn man daran denkt, wie eilfertig unsere Staatsführung darbenden Großbanken, die sich an den internationalen Börsen selbstverschuldet verzockt hatten, sofort milliardenschwere Rettungsschirme andienten, um auf der anderen Seite von Kirche und Staat geschädigte und geschändete Menschen mit lauen Worten abzuspeisen.
Erbärmlich. :icon_kotzen

Dabei haben die Forderungen überhaupt nichts mit Habgier zu tun, andernfalls niemand eine Versicherung in Anspruch nehmen dürfte, um für einen ereilten Schaden ENTschädigt zu werden.
Diesen Anspruch kann dieser Staat heute nicht unter Hinweis rechtstaatlicher Verjährungsfristen abweisen, da sich dieser Staat auch zu jener Zeit als Rechtsstaat definierte, als er nach rechtstaatlichen Grundsätzen Kinder und Jugendliche den beklagten Kinderheimen zuführte.

Ohne Zweifel bestand eine durchgehend schädigende Systemrelevanz, http://www.gewalt-im-jhh.de/Kappeler_zu_ZB_RTH.pdf die meiner Ansicht nach den Anspruch einer umfassenden Pauschalentschädigung rechtfertigt und zwar für Ost und Westheimkinder gleichermaßen.
Warum die ostdeutschen Heimkinder und noch ärger betroffene behinderte Heimkinder von allen bisherigen Verhandlungen völlig ausgeschlossen blieben, kann nur als weitere Steigerung aller bisherigen Skandalvorgänge http://hpd.de/node/10868 registriert werden. :traurig

Diese gehören selbstverständlich genauso für ihr erlittenes Leid entschädigt, wie all jenen eine weitere und höhere Entschädigung zustehen sollte, die in ihren Heimen besonders grausam misshandelt oder sexuellem Missbrauch ausgesetzt waren.



Zusammenfassend zeigt das bisherige Vermeidungsverhalten von Kirchen- und Staatsverantwortlichen, dass sie nichts aus dem erlittenen Unrecht der ehemaligen Heimkinder gelernt haben. :icon_muede

Weder gegenüber all den unberücksichtigten Heimkindern, die ihrem Leben bereits durch eigene Hand ein Ende gesetzt haben. :traurig

Weder gegenüber jenen die ihr Martyrium überlebt haben. :icon_gruss

Und noch weniger gegenüber jenen Kindern, die auch künftig noch auf Erziehungsheime angewiesen sein werden, weil unser Staat nicht bereits ist, auf erkennbare gesellschaftliche Defizite mit adäquaten Bildungsangeboten http://www.ex-heimkinder.de/Ziele.htm entgegenzuwirken für dessen Erfordernisse ich schon seit einiger Zeit vergeblich um Aufmerksamkeit http://www.ex-heimkinder.de/Aktion.htm bitte. :traurig

Mit der abschließenden Entschädigungsempfehlung des runden Tisches wurden diese gezeichneten Menschen ein weiteres mal mit der kalten Fratze eines "christlich" gesinnten Rechtstaates konfrontiert, um völlig berechtigte Forderungen nach ausgleichender Entschädigung mit Hinweis auf Habgier seiner Opfer und mangelnden Zuständigkeiten ein weiteres mal zu demütigen.


Ein Skandal wie er kaum schlimmer zum Tragen kommen könnte.

Deshalb kann ich an dieser Stelle nur an alle ehemaligen Heimkinder appellieren, sich von dieser abgekarteten Inszenierung zwischen Kirche und Staat nicht entmutigen zu lassen, sondern lasst uns in einer jetzt erst Recht Protesthaltung alle gemeinsam statt einsam für ANGEMESSENE Entschädigungen eintreten! :icon_stark

Da es hierzu organisatorisch an jeder ernstzunehmenden Alternative fehlt, sehe ich im Verein ehemaliger Heimkinder http://www.veh-ev.info die einzige verbleibende Chance, um etwa über den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte http://www.coe.int/t/d/menschenrechtsgerichtshof unsere Verantwortlichen aus Kirche und Staat zu zwingen ihrer Verpflichtung gegenüber ihren einstigen Opfer endlich in angemessener Weise nachzukommen.

Angesichts des demonstrativen Vermeidungshaltung unserer kirchlichen und staatlichen Führungskräften kann ich nur noch einmal hervorheben, wie schauderhaft sich in der bisherigen Entschädigungsvereinbarung des runden Tischen das wahre Antlitz unseres christlichen, sozialen Rechtstaat widerspiegelt.

Ich sage nur noch armes Deutschland. :traurig
Klaus Klüber

13. Dezember 2010
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glocke
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Re: Entschädigungsempfehlung = Mogelpackung für ex-Heimkinde

Beitragvon glocke » Do 6. Jan 2011, 16:33

Lieber Klaus,
natürlich ist das Ganze eine Mogelpackung, aber überrascht bin ich nicht. Ich habe nichts anderes erwartet.
Leider treten die Betroffenen noch immer nicht massiv genug auf, der Schrei ist nicht laut genug und ich
habe das Gefühl, dass viele Menschen dieses Thema`s überdrüssig sind. Leider!
Leider haben sich damals der Demonstration in Berlin nicht genug Ehemalige angeschlossen, so war der
Effekt nicht groß genug.
Wenn das möglich wäre, sollte man eine Sammesklage vor dem Europäischen Gerichtshof einreichen.
Was meint Ihr?



die Glocke

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Klaus
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Re: Entschädigungsempfehlung = Mogelpackung für ex-Heimkinde

Beitragvon Klaus » Do 6. Jan 2011, 20:50

:icon_hallo Glocke

Nachdem ich obige Gedanken bereist über drei Wochen hier eingestellt habe, freu ich mich mit Deinem Beitrag das erste Feedback zu erhalten. :icon_freu
Ich denke dies als Indiz für die biografiebedingte Resignation und demonstrative Desinteresse aller ex-Heimkinder, wie auch der Mehrheit aller Mitbürger an diesem schändlichen Gesellschaftsskandal werten zu dürfen.

Die Gründe dafür sind sicher weit zahlreicher, als die geheuchelte Betroffenheit von Kirchen- und Staatsverantwortlichen.
Ich kann Dir gar nicht sagen, wie erbärmlich und verlogen ich diese ganze Inszenierung halte. :icon_kotzen
Denn Kirchen und Staat hatten wahrlich genug Gelegenheiten um aufrichtige Zeichen der Reue und Wiedergutmachung zu setzen.
Dieser Schandfleck an Unmoral und Gewissenlosigkeit halte ich für weit unerträglicher, wie die unchristliche Gewalt selbst, mit der einst anvertraute Kinder und Jugendliche malträtiert wurden. :traurig

Hier bleibt nur zu hoffen, dass sie sich tatsächlich einmal vor einem jüngsten Gericht für ihre Habgier; Verlogenheit und Anmaßung im Geiste Christ zu handeln verantworten müssen.

Die Heimkindergeschichte hat mit dem Abschluss des runden Tisches jedenfalls ein weitgehendes Ende gefunden.
Denn auffällig bleibt hier, dass nicht einmal mehr der Initiator der medialen Kampagne Wensirski zu diesen skandalösen Beschluss eine kritisches Wort verloren hat.

Seis drum.
Von den Heimkindern erwarte ich jedenfalls keine breitenwirksamen Aktionen mehr.
Schon in der Vergangenheit gab es da viel zu viele hässliche Auseinandersetzungen.
Ich erinnere nur an den verheerenden Flurschaden, den Mitchel und Konsorten bereits im Vorfeld der Buchveröffentlichung angerichtet hatten.
Allein deren Aktionen haben zu einer tragischen Polarisierung und extremst schädlichen Misstrauen unter ex-Heimkindern beigetragen.
Ich kenne einige die nur aufgrund der damaligen Vorfälle mit wehenden Fahnen Reißaus von allem genommen haben, was sie nur im entferntesten mit dem Geruch von ex-Heimkindern in Verbindung bringen konnte.
Deshalb wundere ich mich absolut nicht, über die weitschweifende Stille in Heimkinderkreisen.
Auch die Demonstration in Berlin stand erkennbar im Schattend der Instrumentalisierung von 1. Klasse Missbrauchsopfer aus Internaten und Privatschulen und hat letzten Endes nichts weiter als eine kurze Erwähnung in den Abendnachrichten gebracht.
Völlig wurscht, ob da nun ein Vielfaches der hochgerechnet 500 Anwesenden teilgenommen hätten oder nicht.

Bedauerlich das erkennbare Desinteresse unserer Gesellschaft, diesen Skandal als solchen in seiner wahren Dimension aufzugreifen, um sowohl die ehemaligen Heimkinder in ihrem Bestreben um Gerechtigkeit und Entschädigung zu unterstützen, oder endlich etwas zum durchgreifenden Schutz künftiger Kindergenerationen und nachhaltigem Glück der Gesellschaft beizutragen.

Nein, diese Gesellschaft ist dermaßen von Egoismus und Desinteresse am Nächsten durchseucht, dass ich kaum mehr nachvollziehen kann, warum sich überhaupt noch wer an Gesetzmäßigkeiten verpflichtet fühlen sollte.
Ok, die Reichen und Unternehmer haben sich bereist weitgehend vom Solidaritätsprinzip eines Sozialstaates verabschiedet und denke, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch die kleinen Leute begriffen haben, dass sie mit Unverschämtheiten, Lug und Trug schneller den zweifelhaften Erfolg von Reichtum gewinnen können.
Von daher müsste ich jedem raten, ebenso jede Gelegenheit wahrzunehmen um mitzunehmen solange man noch etwas mitnehmen kann, wenn…., ja wenn da nicht doch ständig ein mahnendes Gewissen mit der Regelmäßigkeit einer perfekt funktionierenden Uhr zur Umsicht und Anteilnahme gegenüber der Umwelt und ihren Menschen schlagen würde.
Aber diese Eigenschaft ist wohl weniger ein Verdienst fragwürdiger Erziehungspraktiken, als vielmehr eine kostbare Gegebenheit des freien Geistes, der jedem Menschen innewohnt.
Umsomehr kann ich noch weniger die Verhärtung der Herzen und verstandesgemäßen Handlungen unserer kirchen- und staatsverantwortlichen Kräfte nachvollziehen.
Naja, vielleicht erhalten wir auf derartige Fragen in einem späteren Leben mal die entsprechenden Antworten.

Hier und jetzt müssen demnach einzelne Heimkinder antreten um in beispielhaften Musterprozessen anderen den Weg zu angemessenen Entschädigungen zu eröffnen.
Ich glaube kaum, ob sich da ein richtungsweisendes Urteil aus Straßburg binnen 10-Jahresfrist realisieren lässt.
Naja ein paar werden sich schon finden lassen, die sich auf diesen langen Weg begeben wollen.
Von diesem Staat und dieser Gesellschaft haben ex-Heimkinder jedenfalls nichts mehr zu erwarten. Ich würde mir anderes, insbesondere eine geschlossene Solidarität wünschen, aber wie Du siehst, ist es inzwischen verdammt ruhig geworden.
Trotzdem wünsche ich Dir, wie jedem anderen auch weiterhin viel Glück und Erfolg.
Mit besten Grüßen :icon_gruss
Klaus
Eine gerecht Welt fängt damit an, unsere Mitmenschen an unserer eigenen Lebensfreude teilhaben zu lassen.

glocke
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Re: Entschädigungsempfehlung = Mogelpackung für ex-Heimkinde

Beitragvon glocke » Fr 7. Jan 2011, 13:01

Tja Klaus,
wie Du schon so schön sagtest: noch nicht einmal eine einzige Reaktion auf Deinen Beitrag,
eigentlich unglaublich!
Ich denke auch, dass viele längst resigniert haben. Die wenigen Kräfte, die sie noch haben
brauchen sie um zu überleben. Ich sehe das täglich an meinem Bruder, der auch im Heim
aufgewachsen ist und dort zerbrochen wurde.
Eigentlich verständlich, obwohl sich alles in mir dagegen wehrt.
Na ja, Schnee von gestern!

Alles Gute wünscht

Glocke

fliegerin
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Re: Entschädigungsempfehlung = Mogelpackung für ex-Heimkinde

Beitragvon fliegerin » Fr 7. Jan 2011, 13:30

Hi tezame,
ich habe im Heim die Hoelle mitgemacht.
Aber schon im Kindesalter war mir klar, dass ich mir selbst helfen muss.
So habe ich trotz aller Wiederstaende, Mobbing, und Gewalt die Volksschule abgeschlossen.
Auch bei der Wahl meines Berufes habe ich nach eigenen Gesichtspunkte gehandelt,
anstatt diesem Geselschaftsklische zu gehorchen.
Somit hatte ich erstmal eine Grundlage um meinen Traum zu verwirklichen.
Mit 20 Jahren bin ich abgehauen und habe mich selbst durchgeschlagen.

Der Lohn war der Pilotenschein. Mein Traum wurde wirklichkeit.

Wie gut, dass ich mich nicht nach dieser primitiven Gesellschaftsnorm fuer Frauen
gerichtet habe, denn wenn ich dem gehorcht haette, haette ich nicht in
die Fliegerei gekonnt.

Auch heute lehne ich diese Gesellschaftsklisches ab, weil sie nur dafuer da sind
eine Selbstverwirklichung im Wege steht.

Ich weiss noch bei meinen ersten Flug:
"Die Hände schweißnaß, . . . . das Herz rast, . . . . die C150 rollt, . . . . hebt ab, . . . .
fliegt . . . . "

Und wie sieht es heute aus,
ich bin immer noch aktiv, habe eine ausreichende Rente. Muss nicht zum Sozialamt oder
Arge.

Haette ich mich nach Gesellschaftsklisches gerichtet waere ich unzufrieden und haette
nur eine mickrige Rente.

bis denne
Mary

alrosch
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Kontaktdaten:

Re: Entschädigungsempfehlung = Mogelpackung für ex-Heimkinde

Beitragvon alrosch » Sa 30. Apr 2011, 19:31

Hallo Fliegerin,

freue mich, das Du es aus eigenen kräften geschaft hast und aus dir etwas geworden ist.

Bedenke, es gibt aber viele HK, die es nicht geschaft haben, ich denke da nicht an mich,
siehe ich kann schreiben und bewege mich im Internet, man kann sagen, auch Er hat es geschaft?
(76 J.) von 1936 bis 1947 in verschiedene Heime und Anstalten zugebracht.

Trotzdem empfehle ich, sich dem Protest mit aller Schärfe anzuschließen und auch helfen
das Prodestschreiben zu verbreiten, bei Aufforderung. :icon_hilfe

Freundliche Grüsse an alle
alrosch


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