Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkret?

Karriere, Absturz und Erwachen.

Moderator: Klaus

Klaus-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:29

Geschrieben: 27.08.2008 08:34
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Hi Erika

Vielen Dank für Deine Erklärung.
Da habe ich wohl doch etwas zu viel Sorge gehabt, dass wie z.B. Dein Schlusssatz

(da hatte ich Dir zu einem amderen Thema noch eine Frage gestellt. Hattest Du die übersehen??? Man muß auf Fragen keine Antwort geben, ein klares Nein wäre mir da hilfreich.)


den ich nicht nachvollziehen konnte und auf mich irgendwie bedrohlich wirkte, so in dem Sinne, Zwergenkönig solle endlich auf eine Frage von Dir antworten.

Bin wirklich heilfroh, wenn sich meine Befürchtungen damit aufgelöst haben. Denn es ist nicht das erste mal, (nein, nicht durch Dich) dass in diesem Forum durch derart banale Missveständnisse unnötiger Knatsch entstanden wäre.
Also bitte nicht verletzt sein, wenn Du Dich durch mich unberechtigt in Frage gestellt sahst.
Ich denke es war in jedem Fall gut, dass ich nachgefragt habe, als auch wie Du darauf reagiert hast.
Also alles in bester Butter. Ich sage Danke und auf ein Neues. :icon_freu :icon_freu
Liebe Grüße von
Klaus

Berlintrix-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Berlintrix-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:30

Geschrieben: 27.08.2008 13:40

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Hallo Zwergenkoenig,

es ist für mich immer wieder erstaunlich festzustellen, dass du über ein ungewöhnlich gutes Erinnerungsgedächtnis verfügst. Du schreibst an vielen Stellen über Details deiner Kindheit und Jugend, als seien sie erst gestern passiert. Sollte ich versuchen so bilder- und detailreich über mich zu schreiben, wäre ich total überfordert. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich als Kind und Jugendlicher keine Bindungen welcher Art auch immer zu Jüngeren, Gleichaltrigen oder Älteren hatte. Meine Vergangenheit ist abstrakt, es fehlt ihr an Leben. Ich weiß auch nicht, ob ich es werten sollte, ob sowas gut oder nicht gut ist. Verdrängen kann eine nützliche Schutzbarriere sein, sie hilft zu vergessen. Vergessen hinterlässt aber auch eine große Leere.

Das hiesige Thema heißt : Die Zeit danach. Wie aber knüpft man an eine Zeit an, die man verdrängt hat? :icon_haeh Genaugenommen, war die Zeit danach - also nach der Heimentlassung ein endloses Erwachen, das vielleicht immer noch anhält.

Aus Berlin sendet ganz liebe Grüße

Alex

(Berlintrix)

Erika-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Erika-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:31

Geschrieben: 27.08.2008 18:34
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Hallo Klaus,
scheinbar ist auch für mich "alles in Butter", so dachte ich heute morgen.
Ich bin jetzt im Forum und wollte gerade etwas schreiben und da merke ich schon, dass es mir nicht möglich ist.
Meine Gedanken gehen dahin, dass ich mir jedes Wort überlege was ich schreiben möchte, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Das aber genau hindert meine spontane Art und macht für mich keinen Sinn.
Vielleicht ist das ja nur ein momentaner Zustand und er legt sich wieder. Im Moment möchte ich aber lieber auf Distanz gehen und deswegen wundere Dich bitte nicht, wenn ich erst einmal von der "Bildfläche" verschwinde. Ich wollte das nicht Schweigend tun und werde mich eventuell auch wieder melden, wenn ich zu meiner spontanen Art wieder gefunden haben. Seid alle erst einmal lieb gegrüßt Erika :icon_freu

Helmut Jacob-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Helmut Jacob-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:32

Geschrieben: 27.08.2008 22:47
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wundere Dich bitte nicht, wenn ich erst einmal von der "Bildfläche" verschwinde. Ich wollte das nicht Schweigend tun und werde mich eventuell auch wieder melden, wenn ich zu meiner spontanen Art wieder gefunden haben. Seid alle erst einmal lieb gegrüßt Erika :icon_freu


Ach Erika, das wäre schade, wenn Du abtauchen würdest. Ich glaube, hier bist Du wirklich unter Freunden.

Herzlichst Helmut

KIKIBO-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon KIKIBO-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:33

Geschrieben: 27.08.2008 22:53
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Hallo Erika,

schließe mich Helmut an, das ist auch meine Meinung!!!!

Ganz liebe Grüße :icon_freu
Marion

Klaus-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:35

Geschrieben: 28.08.2008 01:35
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Hi Erika :icon_freu

Ich hoffe, dass Dich Deine Gefühle nicht verlassen und Dir signalisieren, dass Du hier auch weiterhin zu den willkommenen Aktivposten zählst. :icon_gruss Ehrlich gesagt muss ich schon wieder etwas schmunzeln, weil mir solche Reaktionen bekannt vorkommen.
Schließlich war ich bevor ich dieses Forum gründete auch mehrere Jahre in anderen Foren unterwegs und habe da mit meinem Hang zum Hinterfragen auch schon heftigere Irritationen ausgelöst. :icon_gruss
Tja und wenn da zwei vom selben Schlag aufeinandertreffen, oi oi oi, da rumst es auch schon mal heftiger, :icon_toll ohne dass nachher noch jemand sagen kann, worin denn eigentlich das Missverständnis bestand.
Wenn ich aus den Erfahrungen etwas gelernt habe, dann ist es: besser einmal mehr nachzufragen als einmal zu wenig. :icon_toll :icon_freu
Für mich ist die Situation geklärt und wünsche mir für Dich, dass Deine Spontanität möglichst bald wieder zurück kehrt. Denn ich kann Dein Zurückschrecken zwar ein Stück weit nachvollziehen, aber ich denke wir sind hier eine taffe Truppe, die nichts übel nimmt, wo nicht ist. :icon_gruss
In diesem Sinne kann ich Dich nur ermuntern Deinen inneren Schweinehund ruhig zu zeigen wer der Herr (ähem Dame) im Hause ist. :icon_toll
Natürlich freuen wir uns auf Dich, demnach heißt hier die Devise:
Komm bald wieder :icon_freu :icon_gruss :icon_freu
Lieber Grüße von Klaus und wohl auch vom ganzen Forum hier :icon_freu

In jedem Fall prima, dass Du Dich hier erklärt hast. Danke und bis bald :icon_gruss

Erika-alt
Beiträge: 26
Registriert: Sa 20. Nov 2010, 18:31

Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Erika-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:36

Geschrieben: 28.08.2008 02:44
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Hallo Klaus,
nun fang ich mal wieder an zu grinsen :icon_toll :icon_toll :icon_freu :icon_freu :icon_freu
wenn ich meine "regressive" Phase überwunden habe, melde ich mich wieder. :icon_toll
An Helmut, Marion und Zwergenkoenig:
bedanke mich für die aufbauenden Worte.
Ich habe eingesehen dass ihr alle unmöglich auf meine "Ruhrpottschnauze" :icon_toll
verzichten solltet und wir sehen uns bald Liebe Grüße erst einmal
Erika

Echolon308-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Echolon308-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:37

Geschrieben: 13.08.2009 09:17
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Hallo, Ihr lieben,

(Ich möchte hier zu bedenken geben, dass dieser Eintrag sehr drastisch verfasst wurde, um die Wichtigkeit dieser Thematik nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Vieles, das hier geschrieben wird, mag dem einen oder anderen nicht gefallen oder auch zuwieder sein, und doch sollte niemand seine Augen vor dem verschließen, was er nun vorgesetzt bekommt, wenn er sich aus freiem Willen nachfolgenden Text "in den Kopf schraubt"...)

Was haben wir aller über uns ergehen lassen müssen, dass wir bereitwillig für jeden einsehbar, der sich mit ein paar Mausklicks durch das Web bewegen kann, unser Innerstes nach aussen krempeln? Ich bin dankbar für die Möglichkeit, sich in dem Kreis von gleichgesinnten Veteranen eines gemeinsamen, wenn auch sicher zeitlich verschobenen Ereignisses mit meinen eigenen Worten zu äußern, die besonders hier jeder versteht, weil man hier kein "Deutsch" oder "Tacheles" reden muss, um verstanden zu werden, da wir alle eine Sprache sprechen, die uns von einem übergeordnetem Gremium aufgezwungen wurde. Und oft brauchen wir nur in die Gesichter jener zu blicken um zu wissen, welcher lebendig gewordene Horror sich hinter den Pupillen des Betroffenen abspielt. Neben der Frage, ob diejenigen, die ihren ganz persönlichen oder teilweise subjektiven Nutzen aus der Zuführung von zwangsläufigen seelischen Erkrankungen ziehen und somit dann auch direkt und unmittelbar an den Folgen dieser Erkrankungen beteiligt werden sollten, indem sie nicht nur die gesellschaftliche, sondern auch die wirtschaftliche Last ihrer Entscheidungen selbst tragen sollten, wenn der Grund für die Unfähigkeit, als erwachsener Mensch keinen Arbeitsplatz behalten zu können und auf die "öffentliche Hand" angewiesen ist, keine partnerschaftliche Bindung aufrecht oder stabilisieren kann und dann am Boden zerstörte Töchter und Söhne unserer Mitmenschen hinterlassen, die nicht fassen können, dass bzw. wie Menschen des gleichen Alters "nur so kaputt" sein kann oder dass eine in einem Menschen verhärtete Lebenseinstellung dazu führte, dass der Betroffenen aus der Bahn geriet und bei der Suche nach einem seelischen Ventil vielleicht sogar einem Menschen das Leben nahm, weil er all die ohnmächtige Wut, diesen heissen, blanken Zorn aus den Jahren seiner Kindheit, die er im Heim verbrachte, auf eine Millisekunde komprimierte und diesen dann fast fühlbaren Schmerz wie eine kupferumantelte Bleikugen oder eine kräftige Klinge aus Stahl in den Körper des betreffenden einbrachte, dann sollten all diese, wenn zwar sehr extremen, so doch aber auch sehr realen Beispiele jene Personen ganz persönlich treffen, d.h.: Er stellt die öffentliche Hand dar, von der der Veteran lebt, wenn er die Zeit zwischen zwei Arbeitsperioden überbrücken muss, er selbst sieht mit an, wie die Lebensenergie seiner Tochter / seines Sohnes von einem Veteran abgezogen wird in dem bestreben, ein wenig "Normalität" zu tanken, aber die Tochter / der Sohn nicht das "Rückgrad" dafür hat oder letztendlich erleben muss, was passiert, wenn jene geballte Version freigewordener Emotion in seinem Körper oder dem seiner Kinder freiwird und si dem Wahnsinn gleich sich dessen bewusst sind, welches Grauen notwendig ist, um das Geschehene wortlos zu ertragen, sollte auch geklärt weren, welche Mittel und Möglichkeiten wir haben, die fernab jeglichen medialen Interesses geführten Gespräche a) in eine für uns sinnvolle Richtung zu lenken und b) ein Ergebnis zu unseren Lebzeiten zu erwirken. Die Antwort wird vielen nicht gefallen, weil sie in den Köpfen vieler Betroffener eine Möglichkeit offeriert, die für sie nicht in Frage kommt: Unsicherheit, Einschüchterung, Zwang, Furcht, Angst! Hoffen wir, dass keiner von uns sich diese "Waffen" zu eigen macht, um seine subjektiven Ziele zu erreichen, wenngleich eben genau diese Mittel eingesetzt wurden, um uns im Heim zu dem zu machen, was wir heute sind: Eine Gruppe von Menschen, denen man vorwirft, dass "das alles ja gar nicht so schlimm gewesen sein kann", dass "wir endlich erwachsen werden sollen" und zu guter letzt, dass wir endlich unsere Heimzeit vergessen sollen...


Gut, fangen wir an zu vergessen. Fangen wir mit der "Reichsprogrom-Nacht" an und arbeiten wir uns dann langsam aber zielsicher vor von Auschwitz über Bergen-Belsen nach Zyklon-B und der Kinderland-Verschickung... Nennen wir doch das Kind beim Namen:
Wer DAS von uns fordert, der hat nichts anderes verdient als eben jenen komprimierten Horror in dieser einen kleinen Millisekunde zu erleben, der sich dann wie ein irreversibles Geschwür in seinem Hirn festsetzt, was ihn aber nicht umbringt, es sei denn, er zieht es vor, seinem eigenen Leben ein Ende zu bereiten, in der Hoffnung, so dem lebendig gewordenem Horror in seinem Kopf entkommen zu können...

AWO-Heim Pinneberg, Aschhooptwiete 23, Gruppe 3,
16.06.1981 - 01.07.1987
(Narben wie Ackerfurchen und süße Früchte auf hartem Boden)

anonym-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon anonym-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:38

Geschrieben: 13.05.2010 13:33
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Hallo

Bei mir ist es so das ich größere Menschenansammlungen meide.
Ich bin unfähig soziale Kontakte zu knüpfen und gelingt es doch so sind sie nur von kurzer Dauer.
Ich lebe vollkommen Isoliert .
Seit Jahren habe ich schwere Depressionen .
Die Einsamkeit ist das schlimmste dann kommen all die Erinnerungen
wieder zum Vorschein und lassen mich nicht schlafen,manchmal denke ich,ich sollte mein Leben beenden.
In all den Jahren habe ich keinem Anschluß an die Gesellschaft gefunden.
Zur Zeit bin ich durch Jobverlust Obdachlos.
Die Zeit im Heim läßt mich nicht los und auch danach wurde nichts wirklich besser.
Was ich mir wünschte wäre Seelenfrieden aber die Narben sind zu tief.
Und alleine kann man mit einer sollchen Last nur schwer umgehen.
Mit jemandem darüber reden würde vieleicht helfen aber wenn dann jemand zuhöhrt weiß ich nicht was ich sagen soll, wo anfangen, wo aufhöhren und die Angst das dir niemand glaubt oder denkt nach 37 Jahren hätt man eh alles überwunden.
Aber manche Wunden heilen nie.
In letzter Zeit denke ich oft an Suizid an Seelenfrieden.

Klaus-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 19:39

Geschrieben: 13.05.2010 14:44

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Hallo anonymer Gast

Bei allem Bedauern um Deine Trauer, Verzweiflung und Depressionen, freue ich mich doch, dass Du hier den Versuch gemacht hast Deinen Gefühlen und Stimmungen eine Stimme zu geben.
Glaub mal nur, die meisten die hier aktiv oder im Verborgenen mitlesen, wissen nur zu gut, was Dich umtreibt. Denn vielen geht es sehr ähnlich wie Dir. Doch jeder hängt nun mal an seinem Leben, wenn denn nur die Rahmenbedingungen besser wären.
Ich denke Du kannst hier und/oder andernorts sehr viel Kraft im Erfahrungsaustausch mit anderen Mitbetroffenen finden.
Von daher war Dein erster Schritt, bestimmt auch ein Schritt in die richtige Richtung, weil Dir im gemeinsamen Gedankenaustausch sicher noch ein ums andere mal Dein Blickwinkel geschärft wird, um noch all die zahlreichen schönen und angenehmen Dinge wahrzunehmen, die das Leben, trotz eingeschränkter Möglichkeiten immer noch lebenswert machen.
Lass es doch einfach mal auf einen Versuch ankommen. Ich würde mich für Dich freuen.
In diesem Sinne, herzlich willkommen :icon_freu
MfG. Klaus


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