Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkret?

Karriere, Absturz und Erwachen.

Moderator: Klaus

Erika-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Erika-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:26

Geschrieben: 23.08.2008 02:00
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Hallo Zwergenkoenig,
so ist es, bis morgen Erika

KIKIBO-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon KIKIBO-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:28

Geschrieben: 23.08.2008 06:41
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Hallo Zergenkönig,

in Deinen Zeilen hast Du mich auch teilweise beschrieben. Wirklich abhängig von jemanden zu sein, war mir mein lebenlang zuwider. Habe immer zu gesehen, daß ich mein eigenes Geld verdiene. Teamfähigkeit im Arbeitsleben war mir fast nicht möglich und deshalb habe ich viele Jahre Nachtwache gemacht um alleine arbeiten zu können bis ich es gesundheitlich nicht mehr konnte und die letzten Jahre, als ich in einer Funktionabteilung gearbeitet habe, bildete ich mich soweit fort, daß ich einen eigenen Raum hatte und fast nur noch Auswertungen machte. Meine Computer und ich wurden die besten Freunde, was ich mir vorher nie vorstellen konnte.
Heute, da ich aus dem Arbeitsleben ausgeschieden bin, lebe ich auch frei nach der Devise wie Du, Essen, schlafen wachsein wenn ich es will, regelmäßige Termin - nein !!! Hin und wieder muß ich allerdings ein paar Kompromisse machen, da ich nicht alleine lebe. Aber, die haben für mich ihre Grenzen. Und wenn mir jemand einreden will ich müßte meinen Tag sinnvoll gestalten und konstruieren, dann kann ich fast ausrasten.
Große Menschenansammlungen kann ich auch nicht wirklich gut ertragen, meide sie wo ich kann und wenns nicht geht, oder ich halt irgendwo hin will wo viele auch hin wollen, dann halte ich mich am Rande der Veranstaltung auf und genieße auf meine Art. Gut ist, daß da mein Mann ähnlich gestrickt ist. Bei Theater und Musical ist mein Platz immer Gangplatz aussen und bei kleinen Theatern noch letzte Reihe, und trotzdem geht es mir meistens zwischendurch irgendwie schlecht.
Wie war das, nach aussen taff - innerlich leider immer mal wieder klein und verzagt und verunsichert. Genauso ist und wird es leider wohl bleiben.

Dir liebe Grüße
Marion

Zwergenkönig-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Zwergenkönig-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:29

Geschrieben: 23.08.2008 11:00
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Hallo KIKIBO,

irgendwie hat man uns die Lebensfreude genommen, ist es nicht so?

Oh man, ich kann auch nicht in der Reihe mittenmang sitzen. Es dauert keine zehn Minuten und ich springe auf und verlasse den Raum. Die Leute schauen einen zwar immer blöd an, aber mein Platz ist immer am Gang, sodaß ich auch ja schnell die Aufenthaltsstätte verlassen kann.

Immerhin hast Du es geschafft, einen Partner zu finden, der ähnlich fühlt und Deine Eigenheiten akzeptiert. Das ist wahrlich ein Ausnahmefall. Ich gratuliere Dir dazu.

Mal eine kleine Anekdote:

ein herrlicher Abend, und ich hatte einen Zircusbesuch geplant. Um auch ja niemanden neben mir sitzen zu haben, kaufte ich alle Plätze einer Loge.
Das Zelt war brechend voll, und ich war heilfroh über meinen Freiraum.
Zwischendurch mußte ich mal auf's Örtchen, und als ich wieder kam, saßen in meiner einst so freien Loge vier mir fremde Menschen. Ich sagte ihnen, das es so nicht ginge, aber sie ließen sich nicht beirren und blieben sitzen. Da ich Ärger weitgehendst aus dem Weg gehe, nahm ich also wieder Platz, aber ich merkte schon, wie die Hitze und die Panik in mir aufstieg. Ich versuchte mit aller Macht, es zu unterdrücken. In der Manege wurde gerade eine freie Raubtiernummer gezeigt, ohne Gitter zu den Besuchern.
Es war mir egal: rechts und links saß jemand, ich wollte nur weg, sprang über die Abgrenzung und lief quer durch die Raubtiergruppe zum gegenüber liegenden Ausgang.
Die Leute lachten------sie meinten, das sei eine gewollte Clowneinlage.


Normalerweise hätte ich das nie getan, denn gerade Raubtiere sind unberechenbar, und unvorhergesehene Ereignisse können einen Angriff zur Folge haben. Egal-------in solchen Momenten ist mir alles egal und der kühl taktierende Verstand ausgeschaltet. Es beherrscht nur ein Gedanke meinen ganzen Körper:: weg hier.Im Anschluß verkrieche ich mich dann irgendwo in einem Eckchen und es dauert schon seine Zeit, bis ich wieder " normal " ticke.
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Lilli-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Lilli-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:32

Geschrieben: 23.08.2008 19:25
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Innerlich fühle ich mich ängstlich, unsicher, abwartend.....um keinen Preis der Welt würde ich das zugeben. Und so spiele ich mein Leben lang Theater. Im Grunde bin ich immernoch das kleine Mädchen, dem man irgendwann den Teppich unter den Füßen weg gezogen hat, und ich wandere umher auf der Suche nach meiner Heimat, die ich nie finden werde.
zwergenkoenig :traurig :icon_freu


zwergenkoenig...

Du sprichst mir aus der Seele....aber sowas von !!!
Auch ich habe nur aus dem Zweck heraus geheiratet und nun hab ich den Salat...
Ich hasse das Wort "mußt, müssen" und ich lasse mich immer wieder ausnutzen, letzteres ist gerade mal 2 wochen her. Himmel was bin ich auch so blöde...!
Auch ich bin viel lieber für mich alleine...ich liebe die Ruhe.
Aber mal ne kleine Frage, nur damit ich es nicht in den falschen Hals bekomme :icon_gruss Gegen Lesben an sich oder so hast Du aber nix,oder?
Das kam nicht so ganz rüber.
Ansonste stimme ich Dir zu...ich ziehe von A nach B und von B nach C...usw. Immer auf der suche nach einem echten zu Hause...Ich bezeichne mich selber immer als Kuckukskind... :icon_gruss

Zwergenkönig-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Zwergenkönig-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:32

Geschrieben: 23.08.2008 20:55
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Hallo lilli,
------------und nun hab ich den Salat !
Das sagte ich früher auch immer. Nun mußt Du sehen, wie Du aus dem Salat wieder raus kommst . Wenn Du es fest willst, klappt es auch.

Nein, ich habe nichts gegen Lesben und andere Gemeinschaften, alles hat seine Lebensberechtigung. Ich habe ja jahrelang damit gelebt, Männer wie auch Frauen, und alle haben sich in meinem Betrieb wohl gefühlt. Wenn ich irgendwo auftauchte, um neue Tänzerinnen und Tischdamen zu engagieren, drängelte die Mädels regelrecht , um mitgenommen zu werden. Ich habe den Betrieb familiär geführt , und das wars wohl. Einige wollten garnicht mehr weg, und sie blieben Jahre. Das konnte man aber nur mit zwei bis drei Personen realisieren, denn die Gäste wollen halt immer was " Neues" .

Ich stelle fest:: wir Heimkinder haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Ist es nicht so, das man in einer Gruppe wie hier im Forum etwas leichter damit umzugehen lernt, eben, weil die Gemütslage fast identisch ist? Also, mir tut es gut, obwohl es mich auch traurig stimmt.......wir sind so viele!

Nachtrag: lilli, wie ist es mit Deiner Schwester ausgegangen?

Sazeni-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Sazeni-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:33

Geschrieben: 23.08.2008 22:54
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Kann hier nur sagen, ich komme mir vor als ob ich in mein Leben nach dem Heim blicke, mensch wie sich es doch ähnelt nur ich hab noch meine Kids bekommen und lebe seit gute 12 Jahre alleine. Mir kommt keiner mehr ins Haus(Jungs, ich hasse keine Männer, aber wohnen will ich alleine, endlich mal, doch noch muss ich ja mal warten, wie lange mein Kleiner bei Mama bleibt, aber dann mache ich Party, denn ich war noch nie alleine, nur wenn die Kinder mal alle weg waren für zwei Tage(z.b. einsatz der drk)

Erika-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Erika-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:34

Geschrieben: 23.08.2008 23:03
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An Alle,
meine Macken auf Heim zurückzuführen ist nicht so eindeutig. Ich glaube, dass viele Macken aufgrund meiner gewalttätigen Mutter vorhanden sind.
Aber eine Macke die hatte ich schon vorher. Ich habe grundsätzlich nie etwas gesagt, wenn ich mich krank fühlte. Ich wartete stumm, bis das irgendeiner merkte. Das kann nicht an meiner Mutter liegen, denn sie war bei Krankheiten nicht ganz so schlimm wie sonst.
Das läuft alles unter dem Motto: ein Indianer kennt keinen Schmerz. Nur mal ein Beispiel wie weit das bei mir geht. Es war so vor sieben Jahre.
Ich fühlte mich schon eine ganze Woche elend, aber konnte die Symptome nicht so einordnen. Nur hohes Fieber und Schweißausbrüche. Am Samstag hatte ich Nachtdienst, eine neue Mitarbeiterin sollte eingearbeitet werden. Freitags ging ich noch zum Arzt und wir vereinbarten für Montag eine Blutentnahme. Zum Nachtdienst erschien ich schon mit Ersatzklamotten, weil ich so mächtig schwitzte. Die erste Nacht ging noch so einigermaßen, aber die zweite Nacht machte ich doch so um 0.00 Uhr etwas schlapp. Da die neue Mitarbeiterin so einigermaßen zurecht kam, habe ich mich in ein nicht besetztes Bett gelegt. Um 6.00 Uhr bin ich schweißgebadet aufgewacht. Die Mitarbeiterin hatte mich auch nicht geweckt, aber am Wochenende ist es auch ruhig bei uns auf der Station. Na ich bin dann morgens mit dem Moped zum Arzt gefahren und der hat mir Blut abgenommen. Ich hatte in bestimmten Bereichen schlechte Blutwerte und so wurde dann noch weitere genaue Untersuchungen gemacht, auch Röntgen und dann stellte sich heraus, dass ich eine Lungenentzündung hatte. Na von solchen Sachen habe ich ne Menge erlebt und offensichtlich bin ich nicht fähig körperliche Mißempfindungen genau wahrzunehmen. Erika

Zwergenkönig-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Zwergenkönig-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:35

Geschrieben: 24.08.2008 12:25
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Hallo sazeni,
ich wünsche Dir wirklich, das Du mal eine Auszeit bekommst-----einfach mal an Dich selbst denken.
Du hast nur ein Leben----------------und es vergeht schnell, also mach was draus.
Die " Kleinen" leben gern im Hotel Mama, das ist ja bekannt. Na, irgendwann wird es wohl auch Deinen Benjamin aus dem Haus ziehn, und dann kannst Du genießen. Oder ist es so, das Du ihn garnicht hergeben willst? Mütter können da auch durchaus eine Rolle spielen.
Liebe Grüße
zwergenkoenig :icon_freu

Erika-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Erika-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:36

Geschrieben: 24.08.2008 14:04
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Hallo Zwergenkoenig,
dass Männer im Allgemeinen (an die Männer: nicht gleich Protest einlegen, es gibt auch Ausnahmen)
sehr sehr leiden, wenn sie mal was haben ist allgemein bekannt. Deswegen müssen ja auch immer diese eigenartigen Action-Filme laufen, wo sie ja soooooo viel wegstecken. Ich amüsiere mich dann immer, wenn sie sie so viele Fausthiebe usw. bekommen, in der Wirklichkeit würden sie sofort umkippen, bei nur einem Hieb.
Habe es oft erlebt bei Blutentnahmen etc. dass Männer hier besonders ängstlich sind. Nun ja, die "armen Männer".
Dass Du nun für Deinen Mann weiter das Pflegeheim bezahlen mußt ist eine Schande aber leider Realität. Übrigens ist das meine größte Sorge, wenn meine Mutter in einem Pflegeheim kommt, dann auch noch zahlen zu müssen. Selbstverständlich werde ich das nicht machen, habe mich schon erkundigt, da brauch man Zeugen für meine schlechte Behandlung usw., bei mir kein Problem. Ich könnte es nicht ertragen, immer noch weiter für Madam zahlen zu müssen und so wie die Alte gestrickt ist wird die schon aus Gemeinhat uralt. LG Erika :icon_gruss

Zwergenkönig-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Zwergenkönig-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:37

Geschrieben: 24.08.2008 15:31
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Erika, davor brauche ich keine Angst zu haben, weil ich ja nun schon meinen Mann am Hals habe. Außerdem habe ich eh nur den Grundsicherungssatz, ich bekomme keine eigene Rente. Deshalb habe ich ja die Pension aufgebaut, davon hätte ich im Alter gut leben können. Nu is nix mit lustig-----was solls. Über solche Dinge rege ich mich nicht auf, das ist mir zu oft so ergangen--Gewohnheit.

Aber auch wenn mein Mann nicht da wäre:: nie hätte ich auch nur einen Pfennig für Madam bezahlt.
Da fällt mir auch was ein, sehr bezeichnend für sie::
man hatte mich , es war mitten im Winter und die Strassen gefroren, angerufen, ich müsse schnell kommen, mit ihr ginge es zu Ende. So blöd wie ich war, fuhr ich los, und von Hamburg bis dahin, wo sie wohnt, ist es eine ganze Ecke und bei eisglatter Strasse kein Genuss. Naja, nach einigen Stunden war ich endlich da, die Situation hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst, denn der Arzt stellte fest , das sie ein paar Kopfschmerztabletten zu viel eingenommen hatte. Viel Lärm um Nichts.

Okay, da ich nun schon mal da war, unterhielten wir uns noch eine Weile, und ich war drauf und dran, bei ihr erst mal ein bißchen zu schlafen, obwohl ich immer Übernachtungskosten, für Frühstück usw. bezahlen mußte. Da sagte sie einen Satz, den ich nie vergessen werde::
Sie fragte mich:" Warum bist du überhaupt gekommen? Hast wohl gedacht, es gibt was zu erben? Merk dir eins, Mädchen:: von mir wirst du nie auch nur einen Pfennig sehen, ich werde alles ausgeben, und meine persönlichen Sachen erbt M....., ( das ist eine Freundin gewesen). Du bist doch nur scharf auf mein Geld "!

Mir viel angesichts solcher Dreistigkeit und Gemeinheit einfach keine Antwort ein. Diese Frau hat in ihrem Leben nie auch nur einen Pfennig für mich übrig gehabt, hat bei mir in der Wohnung mitgehen lassen, was sie gerade gebrauchen konnte, ich fahre in halsbrecherischem Tempo bei Glatteis diese Strecke, um mir dann von ihr soetwas sagen zu lassen?
Obwohl ich hundemüde war, stand ich auf, sagte noch nicht einmal Auf Wiedersehen und machte mich auf die Rückfahrt.
Danach habe ich jedes Telefonat verweigert, bin auch nicht mehr hin gefahren-------sie war für mich nicht mehr existent.

Später einmal , durch den Tod einer gemeinsamen Bekannten, habe ich sie wiedergesehen. Sie wollte auch mit mir sprechen, ich wollte es nicht.
Und dann bekam ich eine meiner Heimakten, in welcher sich auch Briefe von ihr befanden. Sie hatte ihr ganzes Leben lang gelogen, das sah ich nun schwarz auf weiß. Ich schrieb ihr noch einen letzten Brief, mit der Bitte, mich für den Rest meines Lebens in Ruhe zu lassen.
Nein, für diese Frau würde ich keinen Pfennig zahlen!
zwergenkoenig :icon_wuetend :traurig


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