Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkret?

Karriere, Absturz und Erwachen.

Moderator: Klaus

Klaus-alt
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Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkret?

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 16:41

Geschrieben: 30.09.2005 19:00
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Bis zum Zeitpunkt des nicht selbstlosen Auftretens von Martin Mitchell, der mit seinen Überflutungen von Foren- und Gästebucheinträgen erstmals nach der 68er Bewegung, die Situation von einstigen Heimkindern ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen versuchte, gab es bisher keine nennenswerten Anläufe die Situation und Befindlichkeiten von Heimkindern öffentlich zur Diskussion zu stellen.
Inzwischen hat sich ein kleiner Kreis von Betroffenen formiert, die sich darum bemühen einen Verein zu bilden, der unter anderen Betroffenen Hilfen anbieten möchte um über Leiden hinwegzukommen, von dem zwar oft gesprochen wird, ohne es hingegen konkretisieren zu können, worin diese im Detail bestehen.
Ich habe in einem Forum, dass sich diesen Betroffenen besonders anzunehmen verspricht, durch sachliche Fragen den Versuch gemacht, heraus zu bekommen, worin konkret das gegenwärtige Leid der Betroffenen besteht.
Die Reaktion der Forumseignerin Sieglinde fiel mit der Löschung meiner letzten zwei Beiträge und meines Forum-Accounts, in dem ich mich unter dem Namen ich/Pegasus bewegte, überraschend aggressiv aus.
Den Vorgang habe ich noch vor der Löschung gesichert.
http://www.ex-heimkinder.de/Dokumente/S ... -Forum.htm

Damit sich Interessierte ein Bild über die Empfindlichkeiten selbst jener machen können, die vorgeben mit konzeptioneller Arbeit anderen helfen zu wollen.
In einer anderen Teinehmerin Marie wird unsere hinlänglich Bekannte: Frau Zagermann erkenntlich, die mich zuvor mehrmals per Email kontaktiert hatte, damit ich gemäß ihrem Verständnis auf jene Leute einwirken sollte, die Martin Mitchell angeblich mit pornografischen Links zu schädigen versuchen, zu deren Kreisen sie mich auch zählt.
Typische Unverschämtheiten halt, wie sie von der unter Betreuung stehenden Zagermann hinreichend bekannt sind.
Dies nur als Anmerkung um die Unverfrorenheit ihres letzten Posting noch mal deutlich heraus zu stellen.

Davon abgesehen steht meine Ausgangsfrage noch immer unbeantwortet im Raum.
Fühlen Betroffenetatsächlich ein subjektives Leid, das real nicht zu erfassen ist, oder gibt es in der Hinsicht konkreten Handlungsbedarf?
Diese Frage stelle ich nun mal hier herein. Vielleicht finden sich im Laufe der Zeit doch noch brauchbare Antworten.
Da hier niemand genötigt wird mit realen Namen seine Eindrücke und Empfindungen zu beschreiben, erkenne ich in meiner Anfrage nicht die Spur eines Zwanges, von Betroffenen zu erwarten, sich vor mir oder der Öffentlichkeit ausziehen zu müssen, wie es mir im EmaK-Forum vorgeworfen wurde.
Ich bedanke mich schon mal vorab für die Mühe, die hier hoffentlich in einigen Antworten zum Ausdruck kommen werden.
MfG. Klaus

Ilonka-alt
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Ilonka-alt » Mi 24. Nov 2010, 16:46

Geschrieben: 03.10.2005 22:16
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Mutig, mutig, lieber Klaus! Ich fand es auch bedauerlich, dass die Situation in Sieglindes Forum derart kränkend für dich abgelaufen ist und dass ich Sieglindes Vorgehensweise nicht in Ordnung fand, das hast Du ja offenbar doch noch mitbekommen.
Nun ist das EmaK-Forum von Sieglinde geschlossen worden und ihre Begründung, dass sich fast alle nicht an die Regeln gehalten haben, die kann ich nicht nachvollziehen. Auch das finde ich bedauerlich, aber sicher ist es auch eine konsequente Folge Sieglindes Art zu denken und zu fühlen.

Liebe Grüße und viel Erfolg mit Deinem Forum!

Ilonka

Klaus-alt
Beiträge: 425
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 16:47

Geschrieben: 03.10.2005 23:02
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Hallo ilonka

Deine Worte haben einen etwas melancholischen Nachklang.
Ich kann verstehen, dass Du, wie so manch andere etwas traurig und enttäuscht über diese Entwicklung sind.
Es ist bei weitem nicht so, als ob ich den Schritt Sieglindes als Genugtuung empfinden würde.
Nein, ich bedauere ihren Schritt vermutlich genauso wie Du. Einfach weil ich ihre Leistung anerkenne, die sie bisher vollbracht hat.
Und hoffe eigentlich darauf, dass Sieglinde nach einigen Nächten des Überdenkens ebenso wie wir zu der Einsicht gelangt, dass wir uns über ihr Engagement freuen und begrüßen würden, wenn sie unsere und die Bedürfnisse aller ex-Heimbewohner in ihrem hoffentlich bald wieder geöffneten Forum ausreichend berücksichtigen wird.
Denn so wie ich, wie auch jeder andere Mensch mal irren kann, so sollten auch wir Sieglinde die Chance einräume, eigene Einstellungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.
Darin würde ich z.B. ein Zeichen von Charakterstärke erkennen und würde mich persönlich freuen, wenn in der Hinsicht noch nicht das letzte Wort gefallen ist.
Denn letztendlich wäre es für alle von Vorteil, wenn wir versuchen würden, eine echte Interessengemeinschaft zu bilden, in der Niemand ausgegrenzt wird.
Natürlich werden wir wie im realen Leben auch niemals nur mit einer Sprache sprechen, aber ich finde das die Vielfalt an Angeboten dem Leben erst die richtige Würze gibt. Warum also nicht auch mehrere Angebote an Internetseiten und Foren, die sich zumindest dem gemeinschaftlichen Thema, Heimkinder und häuslicher Gewalt widmen und miteinander ein Netzwerk bilden?
Ich würde mich freuen, wenn Sieglinde zu solch einem Austausch bereit wäre.
Dir ilonka, wie auch Ursula möchte ich für Eure anteilnehmenden Worte danken und würde mich noch mehr freuen, wenn wir alle auf längerer Sicht an einem Strang ziehen würden.
In diesem Sinne auf ein konstruktives Miteinander. :icon_gruss
Klaus

Piefke-alt
Beiträge: 2
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Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Piefke-alt » Mi 24. Nov 2010, 16:48

Geschrieben: 03.01.2006 20:58
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Hallo Klaus,
die von Dir gestellte Frage:

"Fühlen Betroffene tatsächlich ein subjektives Leid, das real nicht zu erfassen ist, oder gibt es in der Hinsicht konkreten Handlungsbedarf?"

verblüfft den Leser, denkt er doch, das sei nun langsam klar geworden.

Wenn ich die verschiedenen Berichte in diesem Forum lese, in dem Betroffene über ihre Befindlichkeit schreiben, habe ich den Eindruck, dass an dem empfundenen Leid wohl kein Zweifel bestehen kann.

Somit ist zu fragen, wie war diese Frage gemeint? War gemeint: Welcher Art ist das subjektive Leid? Oder geht es darum zu fragen, inwieweit ist das subjektiv empfundene Leid auch objektiv feststellbar, und wenn dies der Fall ist, welcher Handlungsbedarf ergibt sich daraus?

Ich unterstelle einmal, ich hätte die Frage in diesem Sinne richtig verstanden, dann könnte eine der möglichgen Antworten lauten wie folgt:

Wir, die Betroffenen, oder zumindest viele unter Ihnen, erleben und das häufig unvorbereitet, dass uns wieder und wieder Gerüche, Bilder, Worte, Farben anspringen, die uns von einem Augenblick auf den anderen, auch wenn wir lange Zeit nicht daran gedacht haben mögen, wieder in die Heimsituation bannen.

Wir sind krank daran!

Wir erleben, dass ein Nervenzusammenbruch dadurch hervorgerufen werden kann, dass ein Freund eine Hose trägt, wie sie einer der Erzieher im Heim damals, vor mehr als vierzig Jahren getragen hat, weil uns das Koppelschloss seines Gürtels im Gesicht getroffen hat.... Dass uns der Geruch einer faulen Kartoffel wieder in den Kartoffelkeller verbannt, in dem wir tagelang Kartoffeln entkeimt haben und tage- ja wochenlang nach den faulen Kartoffeln stanken die aussortiert werden mussten; dass wir unruhig werden in Räumen in welchen viele Menschen sind, weil wir zu 50 im Speisesaal essen, zu 25 im Tagesraum spielen, zu 25 im Waschsaal uns waschen, zu 25 im Schlafsaal schlafen mussten, und das jahrelang und gegen unseren Willen, ohne Ausweg, denn selbst der Gang auf die Toilette, (die keine Türen vor den einzelnen Schüsseln hatte), wurde kontrolliert.

Dass wir uns schwer tun mit Berührung durch andere, weil wir wider Willen berührt (meint missbraucht) worden sind!

Dass wir Schwierigkeiten im Umgang mit „der Obrigkeit“ haben, der (die) Eine weil er (sie) in ständiger Angst, der (die) Andere weil er (sie) in nicht enden wollendem Zorn auf jene die „das Sagen“ haben, lebt.

In einer ganz normalen Alltagssituation, im gewohnten Lebensumfeld können Bilder, Gerüche, Geräusche uns von einem Augenblick auf den anderen in Angstzustände versetzen, man beginnt plötzlich zu zittern oder zu schwitzen, fällt in einen Weinkrampf, bekommt Herzrasen und weiss nicht warum.

Die Gründe sind oft einfach, man hat etwas gesehen, gehört oder gerochen, was das "Damals" geweckt hat und der Albtraum im Wachzustand nimmt seinen Lauf. Bei Vielen geschieht dies auch nachts in Form eines Albtraumes, der einem dann den Schlaf raubt.

Manch Einer von uns fühlt sich antriebslos und ohne Energie, hat Schwiergkeiten in der Pflege zwischenmenschlicher Kontakte, fühlt sich wertlos, auch wenn er (sie) von sich sagen darf, man habe "etwas gemacht aus seinem Leben", und es fehlt an dem, was gemeinhin Urvertrauen genannt wird.

In der Psychologie nennt man eine solche Reaktion Posttraumatische Belastungsstörung.

Manch einer hat Wege gefunden, damit umzugehen, sei es durch die Hilfe eines lieben, liebenden, geliebten Menschen, der geholfen hat, mit den Problemen zu leben, oder durch die Hilfe von Theapeuten, die Wege aufgezeigt haben, wie man mit der Sache umgehen kann.

Wem dies gelungen ist, der hat den Handlungsbedarf schon überwunden und Wege zum Handeln gefunden. Jene aber, denen das bis jetzt noch nicht gelungen ist, und deren gibt es meines Wissens viele, bewegen sich immernoch in dem Teufelskreis.

Hier kann eine qualifizierte psychotherapeutische Behandlung möglicherweise die nötige Hilfe bringen, und oft ist sie nötig, weil häufig auch andere Krankheitsbilder hinzukommen, die ursächlich mit dem Trauma verbunden sind.

Ich hoffe damit eine von vielen möglichen Antworten auf die Frage "Fühlen Betroffene tatsächlich ein subjektives Leid" gegeben zu haben, denn ich würde das Beschriebene als Leid bezeichnen!


Für heute freundliche Grüße
Piefke

Mara-alt
Beiträge: 7
Registriert: Do 18. Nov 2010, 09:38

Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Mara-alt » Mi 24. Nov 2010, 16:50

Geschrieben: 02.02.2006 08:07
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Hallo Piefke Hallo Klaus,

bei mir macht es sich bemerkbar in Verbindungen mit einer Farbenkombination oder Gerüche.

Ich habe auch das Gefühl,wenn ich Traurig bin das ich dies noch stärker :traurig :traurig empfinde als Normal.

Genauso ist es ,wenn ich mich Freue.

Dies nennt man auch Trigger.

Dieser Leidendruck ist oft sehr anstrengend so das es auch zu Nervenzusammen- brüche kommen kann.

Wir erleben, so glaube ich alles viel Ausgeprägter in jeder Hinsicht.

Wir sind ja auch sehr Labil und empfindlich aufgrund unserer Erziehung ,oder viele von uns.

Wenn ich leide, dann kommt es zu einem sehr starken Leidensdruck.Jetzt bin ich gefragt: "Mara wie gehst du damit um,damit du nicht zusammen brichst?"

Ein Zusammenbruch ist sehr anstrengend und ich brauche dann Tage bis ich mich wieder erholt habe.

Oder ich teile mich mit um es nicht soweit kommen zu lassen.

Dieses Angebot habe ich von einigen Leuten rund um die Uhr.Es passiert aber auch das ich mich nicht mitteilen kann ,dann dauert es Tage und ich möchte dann auch keinen Menschen sehen.

Ich nehme mitlerweile das Angebot an um nicht in eine suicidale Situation zu kommen.

Mein Gott,was haben die /unsere "Täter!" sich versündigt. Mir wird dieses immer Bewußter.

Ich bin immer noch in der Lernphase wie und wo ich mir selber helfen kann.

Mara

René-alt
Beiträge: 33
Registriert: Do 18. Nov 2010, 11:18

Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon René-alt » Mi 24. Nov 2010, 16:50

Geschrieben: 14.03.2006 21:56
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Ein hartes Thema, klar das es irgendwann auf den Tisch muss, aber jetzt?
Ach was, irgendwann muss auch das dran sein. Ich will es versuchen.
Ich glaube am besten ist es, jeder redet erst einmal von sich selbst.

Also fange ich an:
Es ist meine Geschichte und kein Gejammer, Verurteilen oder die Suche eines Schuldigen. Es ist einfach nur meine Geschichte.

Liebe will gelernt und erfahren werden. Das ist eine Tugend wie: Freundschaft, Zuneigung, Verehrung und bedingt weitere Tugenden wie Offenheit und Ehrlichkeit. Das habe ich gut gelernt, doch kaum erfahren. In meiner Welt gab es das nicht. Da wird so ein kleiner Knirps in die Welt gestellt und hat viele Väter doch keinen richtig und hat viele Mütter doch keine richtig und hat viele Geschwister doch keines richtig. Meine Väter und Mütter waren Onkel und Tanten und meine Geschwister, waren wie ich, keine Geschwister. Das war wie ein Dorfplatz auf dem man viele Leute kennt doch keinen kennt man richtig. Zuneigung und Verehrung waren an Dinge geknüpft und nicht ehrlich. Liebe musste erkämpft oder erschlichen werden und galt nur für Minuten, bestenfalls Stunden. Wir waren zu viele und geliebt werden konnten bestenfalls Alle, doch kaum der Einzelne und bekam der Einzelne doch einmal etwas Liebe, war es für die Anderen eine schmerzliche Erfahrungen, den sie fühlten sich dadurch noch stärker abgewiesen. Liebe ist ein Wort, eine Illusion geblieben, ich hatte sie nicht erfahren und was ich nicht fühlen konnte, konnte ich auch nicht geben.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich als Kind jemals in die Arme genommen und gedrückt worden bin oder mit einem Gutenachtkuss ins Bett gebracht wurde. Es war eine Kaserne, man wurde nicht gebeten sondern es wurde gefordert.
So aufgewachsen war mein Gefühlsleben verwahrlost. Ich war nicht fähig zu lieben und auch nicht fähig zu ertragen geliebt zu werden. Ich liebte nichts, auch mich selbst nicht.

Ich habe gelernt, nie irgendjemanden oder etwas zu lieben.
Nur so konnte ich sicher sein, nichts zu verlieren und nur so konnte mir nichts weg genommen werden. Diese Lektion habe ich gelernt und nie wieder vergessen!
Selbst wenn ich jetzt will, wenn ich meine eigene Liebe will und auch bereit bin etwas zu verlieren, gelingt es mir nicht, denn ich habe nicht gelernt mich selbst zu lieben.

Die Begründung steht oben. Aus heutiger Sicht möchte ich aber etwas ganz wesentliches hinzufügen:

Das ich nicht lieben konnte und so auch nicht geliebt wurde, war auf Dauer für mich nicht mehr auszuhalten. Meine gesamte Sichtweise, mein Weltbild war zunehmend negativ geprägt.
Seit meiner Jugend hatte ich versucht meine Gefühlswelt mit Drogen zu regeln. Bis 15 Jahre mit Schnüffeln, später mit Haschisch, LSD und dann ab etwa 19 Jahren mit Alkohol. Mein viel zu häufiger Alkoholkonsum entwickelte sich zu einer regelrechten Sucht, die zum Selbstläufer wurde und sich zunehmend in sich selbst begründete.

Heute drogenfrei, beginne ich zu erahnen und lerne was Liebe ist, das Gefühl der Liebe.
Übrigens, Liebe ist wirklich rot und wer Lieben lernt, lernt Farben zu fühlen.

Für heute erst mal, liebe Grüße: René

Klaus-alt
Beiträge: 425
Registriert: Do 18. Nov 2010, 06:30

Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 16:52

Geschrieben: 15.03.2006 06:51
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Hallo René

Erst einmal möchte ich Dich in diesem Forum herzlich willkommen heißen.
Ich find es bewundernswert, wie Du Dich mit einem schlichten aber gefühlvollen Gedicht und diesem nicht minder ansprechenden Beitrag zu Wort gemeldet hast.
Da steckt sehr viel Tiefe und erfahrene Wahrheit drin. Ich bin davon überzeugt dass sich einige von uns in Deinen Zeilen wiedererkennen werden.
Es ist außerordentlich traurig, wie tragisch, wie manche Menschen durch lieblose Kindheitserfahrungen dermaßen nachhaltig in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit behindert werden.
Darf ich Dich fragen, wann Dir zum ersten mal deutlich bewusst geworden ist, dass Du Schwierigkeiten hattest, liebevolle Gefühle zuzulassen?
Ich freue mich sehr für Dich, wenn Du inzwischen einen Weg aus dieser Gefühllosigkeit gefunden hast. Für den einen oder die anderen unter uns könnte es eventuell interessant sein zu erfahren, wie Du diese Hürde überwinden konntest. Wenn Du magst dann beschreib doch bitte mal, ob und wie (von allein, oder mit fachlicher Hilfe?) Du Dich und andere Menschen heute besser annehmen kannst.
Ich freue mich wieder von Dir zu lesen und wünschen Dir hier einen angenehmen Aufenthalt.
Mit lieben Grüßen
Klaus

René-alt
Beiträge: 33
Registriert: Do 18. Nov 2010, 11:18

Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon René-alt » Mi 24. Nov 2010, 16:56

Geschrieben: 04.05.2006 22:18
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Hallo

Ich versuche mal ein paar Antworten zu geben.

- Darf ich Dich fragen, wann Dir zum ersten mal deutlich bewusst geworden ist, dass Du Schwierigkeiten hattest, liebevolle Gefühle zuzulassen?

Die Jugendlieben möchte ich auslassen, denn das war ein Zusammensein und wieder von einander Trennen wie das auch bei den Anderen in meinem Alter üblich war. Eigentlich nur ein Ausprobieren.

Meine erste wirkliche Liebe war Dagmar. Ich hatte sie immer Daggi genannt, was sie aber nicht mochte weil sie das an Dackel erinnert, was von mir aber nicht so gemeint war. *lol*
Ich war 17 und hatte eine eigene Wohnung. Irgendwie hat mein Gefühl, Liebe zu zeigen und zu fordern, einen schweren Schaden, dass wurde mir nach kurzer Zeit mit Daggi bereits klar. Ändern konnte ich es aber nicht. In ihren Armen wurde ich wieder zu einem kleinen Kind und Sie zu meiner Mutter. Während des nächsten halben Jahres wurde das immer schlimmer. Mir war es unmöglich mein Verhalten zu ändern. Nach einem dreiviertel Jahr ist Daggi bei mir ausgezogen. Ich kam von der Lehre nach Hause und weg war sie.

In den folgenden Beziehungen lief das ähnlich ab.

Meine letzte Beziehung: Ich war bereits 41 und lebte mit einer netten Frau und ihrem 16 jährigen Sohn zusammen. Mein Kindchen-Verhalten war nicht mehr so stark ausgeprägt aber ich zog mich immer weiter zurück. Vielleicht weil ich versucht hatte mein Kindchenschema zu kontrollieren? Nach zwei zusammen verlebten Jahren, nicht glücklich, eher nebeneinander, stellte sie mir ein Ultimatum. Ich solle mich ändern und sie habe keine Lust mehr zwei Kinder großzuziehen, ein Kind würde ihr reichen. Nach einem weiteren halben Jahr stellte sie mir meine Koffer vor die Tür. Bewundernswert konsequent ihr Verhalten, aber wie hätte ich mich ändern können?

- Für den einen oder die anderen unter uns könnte es eventuell interessant sein zu erfahren, wie Du diese Hürde überwinden konntest

Nein, diese Hürde habe ich bis heute nicht überwunden. Was ich aber ablegen konnte ist die Endtäuschung darüber nie eine eigene Familie zu gründen und meinem damit zusammenhängenden Seelenleid. Ich habe das akzeptiert, ich bin so und mein Topf hat eben keinen passenden Deckel. Allerdings suche ich auch nicht mehr.

Meine Befürchtungen zum ewigen Junggesellen sind heute eher praktischer Natur. Was passiert wenn ich Pflegebedürftig bin, im Krankheitsfall, oder hohen Alter? Wer steckt mir bei Grippe und hohem Fieber das Thermometer ins Maul? Na ja, irgendwie ging das bis jetzt immer, denn Not macht erfinderisch. :-)

Liebe Grüße Rene

Ulla-alt
Beiträge: 2
Registriert: Mi 24. Nov 2010, 16:59

Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Ulla-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:00

Geschrieben: 08.08.2006 12:54
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Hallo,

Sorry, das ich das schreibe, aber ich habe bei vielen sachen das gefühl, das " ich war im Heim " eine gute Ausrede ist.
Ich war auch im Heim und glaubt mir, dass war das beste was mir passiert ist.

Ich habe es nie als Ausrede oder so benutzt, nein, wenn ich gemerkt habe das ich ein anderes verhalten habe wie andere, habe ich mich damit beschäfftigt und im Notfall mir hilfe geholt.

Und solange es Leute gibt die das missbrauchen, haben wir keine Chance in der gesellschaft.

Ich habe auch meine Probleme in der gesellschaft, wenn die erwaren das ich im Heim war, blöde Blicke, man distanziert sich von mir und das übliche.

Aber ich erzähle den meine Geschichte und frage dann wie ich zuhause überlebt hätte. dann kommt meistens das erstaunen.

Zu die "zeit danach"

das wir verhaltensstörungen haben ist doch klar.

aber man kann was änderern ich musste auch lernen mensch zu vertrauen, jemand an mein gefühlsleben teilhaben lassen, liebe zu erkennen und zu geben.

Ich habe mir viele Bücher geholt um mich und andere zu verstehen, ich war ca 5 jahre in therapie und habe gelernte mit allem klar zu kommen,
aber das wichtigeste war ich habe mein lebensmuster geändert, so das ich menschen kennnenlernen konnte die mit alldem kein problem haben.

Klaus-alt
Beiträge: 425
Registriert: Do 18. Nov 2010, 06:30

Re: Leiden von ex-Heimkinder. Worin bestehen sie heute konkr

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 17:01

Geschrieben: 08.08.2006 23:29
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hallo ulla

Zunächst möchte ich Dich in diesem Forum herzlich Willkommen heißen. :icon_freu
Alle Achtung, Du hast hier einen recht fulminanten Start hingelegt, aus dem ich jedoch ehrlich gesagt nicht so richtig den Kern Deiner Mitteilung erkennen kann?
Deshalb erlaube mir bitte zum besseren Verständnis einige kurze Nachfragen.
So schreibst Du etwas provokativ anmutend; „dass Du bei vielen Sachen das Gefühl hast, im Heim gelebt zu haben sei eine Ausrede.
Meine Frage: In welcher Form siehst Du den angesprochenen Missbrauch und woraus versuchen sich ex-Heimkinder Deiner Ansicht nach herauszureden?
Wenn ich Deine Zeilen richtig verstanden habe, dann hast Du an Dir selber Verhaltensmuster entdeckt, die Dich trotz positiver Heimerfahrungen daran hinderten z.B. Vertrauen und/oder Liebe gegenüber anderen Menschen zu entwickeln.
Wie Du weiter erwähnst, konntest Du diese „Gefühls-Unfähigkeit“ durch eine langjährige Therapie und Selbststudium überwinden und bist demnach heute ein rundum glücklicher Mensch geworden?
Meinst Du, dass Dein Erfahrungen auf alle ex-Heimkinder übertragbar sind?
Ich würde da doch etwas Zweifel anmelden. Denn um Deinem Vorbild zu folgen, müssten ex-Heimis da nicht zunächst mal ihre eigene gegenwärtigen Lage im Zusammenhang mit ihrer Vergangenheit erkennen?
Ich kann Dir aus meiner persönlichen Erfahrung heraus sagen, dass ich mir meiner Situation nur deshalb bewusst wurde, weil ich mich zufällig in einer anderen gelesenen Biografie wiedererkannte und selbst danach dauerte es noch Jahre bis ich endlich der wurde, der ich heute bin. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass ich mit meinem erkenntnisreichen Weg noch längst nicht am Ende bin.
Von diesem Aspekt her würde Dein Appell voraussetzen, dass sich ehemaligen Heimbewohner nicht nur ihrer möglicherweise unerfreulichen Lebenssituation bewusst wären, sondern auch sofort den Zusammenhang zwischen ihrer Vergangenheit und Gegenwart klar würden.
Meinst Du wirklich, dass diese These nur halbwegs zutreffen könnte?
Bedenke nur mal, wie unterschiedlich sich allein die individuellen Erfahrungen gemäß der unterschiedlichen Jahrgänge gestalten dürften?
Von daher denke ich eher, hat jeder von uns sein ganz persönliches Päckchen zu tragen.
Ob sich da z.B. tief eingegrabene Ängste und Misstrauen einfach so wegtherapieren lassen......, ich habe da so meine Zweifel und werde in nächster Zeit gern mal eine ausführlichere Stellungnahme zum Themenkomplex Therapien darlegen.
Glaub mal nur, da ist längst nicht alles Gold was glänzt. Ich würde meinen, gleicht die Suche nach einer erfolgreichen therapeutischen Hilfe eher der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen.
Ich freue mich aber wirklich ganz aufrichtig, wenn Du für Dich einen Weg gefunden hast, um Dein einstiges Trauma erfolgreich zu überwinden.
Von daher sage ich noch einmal willkommen an Bord. Nicht nur meine Person ist gespannt mehr über Deine Meinungen und Erfahrungen zu lesen.
Einstweilen, mit herzlichen Grüßen :icon_freu
Klaus

Im übrigen danke ich Dir ulla allein schon deshalb für Deine Wortmeldung, weil mir dadurch erst eine entgangene Antwort zu René aufgefallen ist:
@Sorry René, dass ich diesen Faden aus den Augen verloren hatte, um Dir darauf zeitnah zu antworten.


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