Die Zeit danach

Karriere, Absturz und Erwachen.

Moderator: Klaus

Willi-alt
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Die Zeit danach

Beitragvon Willi-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:42

Geschrieben: 29.06.2008 14:40
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Ich würde gerne mal wissen, wie es euch allen ergangen ist, nachdem ihr aus der Jugendhilfe raus gekommen seid. Ich bin ziemlich auf die Schnauze gefallen, habe Schulden gemacht, hatte Depressionen. Bin sehr langsam bzw. langsam wieder auf dem Weg zurück in die Arbeitsfähigkeit. Und Ihr?

KIKIBO-alt
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Re: Die Zeit danach

Beitragvon KIKIBO-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:42

Geschrieben: 01.07.2008 08:37
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Hallo Willi,

lese mal die schon geschriebenen Beiträge, dann wirst Du erfahren, wie es uns ergangen ist. Mehr oder weniger genau wie Dir.

Gruß
Marion

Monika-alt
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Re: Die Zeit danach

Beitragvon Monika-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:43

Geschrieben: 01.07.2008 12:34
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Mein Absturz kam eigentlich sehr spät. Ausgelöst wurde er richtig heftig von meiner Schwiegermutter, die mich wohl nicht besonders leiden konnte. Ich habe ihr mal erzählt, das ich im Kinderdorf aufgewachsen bin. Das fand sie anscheinend nicht gut. Auf jeden Fall drangsalierte sie mich, wo sie nur konnte. Sie bezeichnete mich als " Mensch 2. Klasse " und ich hätte ihren Sohn überhaupt nicht verdient. Ich wurde von ihr als Schlampe, etc. beschimpft und etliche Male spuckte sie mir vor die Füsse. Ich dachte, wo bin ich denn hier gelandet. Nachdem sie dann gestorben ist, ging es mir langsam wieder besser.
Der nächste Absturz kam dann, als meine Tochter 4 Jahre alt wurde. So alt war ich damals, als ich ins Kinderdorf kam. Auch jetzt ist es noch eine Berg-und Talfahrt, aber die Krisen werden immer kürzer.

Monika

Zwergenkönig-alt
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Re: Die Zeit danach

Beitragvon Zwergenkönig-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:44

Geschrieben: 01.07.2008 14:34
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Hallo Monika,
ich denke, Du schaffst das!
Bei mir wars der Schwiegervater, so mit diesen Worten: du bist es nicht wert, die Luft auf dieser schönen Erde zu atmen, und meinen Sohn hast du nicht verdient, der muß ja betrunken gewesen sein usw.
Finde es gut, das Dein Mann zu Dir gehalten hat , das ist doch schon eine Menge wert. :icon_freu
zwergenkoenig

KIKIBO-alt
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Re: Die Zeit danach

Beitragvon KIKIBO-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:45

Geschrieben: 01.07.2008 20:19
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Hallo Monika,

ich kann Dich sehr gut verstehen, aber aus Erfahrung kann ich Dir die Hoffnung machen, daß diese Extremen, wie Du ja auch schon selber gemerkt hast, weniger werden und auch Du wieder in ruhigeres Fahrwasser kommst, oder anders, daß aus dem Hochgebirge langsam eine leicht hügelige Landschaft wird.
Ich wünsche es Dir.

Liebe Grüße
Marion

Monika-alt
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Re: Die Zeit danach

Beitragvon Monika-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:46

Geschrieben: 02.07.2008 09:34
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Hallo zwergenkönig, hallo KIKIBO,
ich bin sogar fest entschlossen es zu schaffen. Mit meinem Mann an der Seite wird es auch leichter. Seit Jahren stehr er bedingungslos hinter mir, obwohl ich es ihm nicht immer leicht gemacht habe.
Eine Therapeutin sagte mal zu mir, ich wäre eine starke Powerfrau. Ganz ehrlich, ich habe sie nur blöd angeschaut, denn ich sehe mich überhaupt nicht so. Doch um diese Powerfrau zu werden, muss ich noch eine Menge an mir arbeiten und ich weiß, das ich es auch schaffen werde.
Gruß
Monika

Lilli-alt
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Re: Die Zeit danach

Beitragvon Lilli-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:46

Geschrieben: 04.07.2008 03:11
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Ich rede nur noch sehr selten vor anderen Menschen über meine Heimzeit! Denn die Reaktion ist bei den meisten immer die gleiche...ablehnung! Das Fazinierende daran ist aber (so finde ich) das es zu 95% immer die ältere Generation ist, bei der ich auf "Abneigung" stoße! Meine Schwiegermonster hassen mich auch! Heimkinder haben einen an der Klatsche, sind nichts wert, es sei denn sie bringen Geld mit! Bin aber nu mal nicht reich...kann "nur" meine Arbeit anbieten...grummel... :icon_wuetend

KIKIBO-alt
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Re: Die Zeit danach

Beitragvon KIKIBO-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:47

Geschrieben: 04.07.2008 09:23
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Hallo Lilli,

genauso habe ich es viele Jahre auch gemacht. Für Aussenstehende, und damit meine ich alle außer meinen Männern, war meine Kindheit tabu.
Heute gehe ich damit etwas lockerer um, genauso daß ich trockene Alkoholikerin bin. Und wer damit Probleme hat, der hat dann halt ein Problem, aber nicht ich.
Aber ich kann Dich verstehen, ist schon Sch...., wenn bestimmte Menschen meinen sie wären etwas Besseres :icon_wuetend und das auch noch im familiären Umfeld.
Ich hoffe für Dich, daß Du weißt, daß Du verdammt viel wert bist !!! :icon_freu
Ich wünsche Dir viel Kraft diesem Hass zu widerstehen.

Liebe Grüße
Marion

Monika-alt
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Re: Die Zeit danach

Beitragvon Monika-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:48

Geschrieben: 04.07.2008 10:09
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Hallo,
ich selber habe es auch kaum jemanden erzählt, wo ich aufgewachsen bin. Leider bringen immer noch zu wenig Verständnis für " Heimkinder " auf. Sogar meine jüngere Schwester hat mich aufs übelste beleidigt. Sie würde es ja auch schaffen, warum ich dann nicht. Vor 7 Jahren fingen meine Psychiatrieaufenthalte an, da ich etliche Suizidversuche unternommen hatte. Zum Schluß kamen dann Zwangseinweisungen dazu. Meine Schwester lästerte darüber und meinte, ich würde nur an mich denken. Meine Kinder wären mir egal, und in dem Ort, in dem ich wohne, würde man schon über mich reden. Das wäre ihr sehr peinlich und sie würde sich schämen, meine Schwester zu sein. Das hat mich natürlich sehr verletzt, aber heute ist es mir egal. Kontakt zu dieser Frau habe ich nicht mehr, und möchte ich auch nie wieder haben. Gott sei Dank wohnt sie auch schon lange nicht mehr im gleichen Ort.

Liebe Grüße
Monika

Zwergenkönig-alt
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Re: Die Zeit danach

Beitragvon Zwergenkönig-alt » Mi 24. Nov 2010, 15:49

Geschrieben: 04.07.2008 10:49
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Die ältere Generation ist zum Teil noch sehr stark in ihren Vorurteilen verfangen, und dann kommt noch das schlechte Gewissen hinzu. Beides zusammen erzeugt wohl Ablehnung und Unsicherheit.
Sie wissen, es war vieles falsch. Sie wissen aber auch, das sie selbst nicht in der Lage waren, das Falsche anzuprangern.

Monika, es ist gut, das Du Dich davon befreien konntest und heute sagst: es ist mir egal.
Sicher trifft es einen hart, wenn die eigene Schwester solche Sachen sagt,
es zeigt aber auch, das sie für sich selbst im tiefsten Inneren noch keine Lösung gefunden hat.
Du und Deine Familie sind die Hauptakteure in Deinem Leben.
Erwarte kein Verständnis von Außenstehenden----sie haben es meistens nicht.
Triffst Du auf Menschen, die verständnisvoll reagieren, halte sie fest, es sind nur wenige und sie sind kostbar.
Ich bin sicher, Du kriegst das hin!


Lilli, das kenne ich nur zu gut! der Satz:: " wenn du wenigstens noch Geld mitgebracht hättest " klingt mir heute noch in den Ohren. Auf Durchzug stellen, dann klappts vielleicht.
Dein " habe nur meine Arbeit " klingt so resigniert!? Du hast Arbeit, somit bist Du anerkannt. Du kannst Dein Leben allein meistern mit und vielleicht durch Deine Arbeit--------das ist doch was!
Leben Deine Schwiegereltern in direkter Nähe oder kannst Du Abstand wahren?
Und was sagt Dein Mann dazu?


Wie Marion schon sagt: wenn die Anderen ein Problem mit Dir haben, ist es ihr Problem und nicht Deins.
Liebe Grüße
zwergenkoenig :icon_freu


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