Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Karriere, Absturz und Erwachen.

Moderator: Klaus

Klaus-alt
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Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:33

Geschrieben: 14.10.2005 20:43
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Ich weiß nicht genau ob es nur Zufall ist, oder ich nur einen falschen Eindruck darüber habe, dass sich hier wie auch andernorts gewaltbetroffenen Menschen überwiegend jenseits ihrer 40er Altersgrenze mit ihren Erfahrungen auseinander setzen.
Steht dahinter nur eine gewöhnliche Midlifecrisis, wie sie mehr oder weniger Menschen im Alter von rund 20 Jahren heimsucht, um eine gewisse Ordnung und Orientierung für ihr weiteres Leben zu finden. Und nun die Suche nach den eigene Wurzeln, - Reife, die uns empfänglich macht, um unangenehme Altlasten aufzugreifen und zu verarbeiten, die zuvor unbeachtet in inneren, bzw. unteren Schubläden verwahrt wurden?
Was meint ihr dazu?
MfG. Klaus

anonym-alt
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Re: Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon anonym-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:34

Geschrieben: 15.10.2005 16:09
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hallo ihr lieben,

ich denke einfach ...das es eine gewisse reife von uns ist..soweit über diese dinge nachdenken zu können..
voher..haben wir einfach nur reagiert..und diese dinge geschehen lassen..
-ist einfach nur eine überlegung von mir...???
alles liebe

dirky-alt
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Re: Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon dirky-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:35

Geschrieben: 25.02.2006 01:43
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hallo!

das mag mit reife zutun haben. hat aber auch mit "sich trauen" zu tun.
hab da ein kleines beispiel. im jahr 1979 las ich einen aufruf in einer zeitschrift des schriftsteller-verband (vs) in den ig-medien. dort wurden von d. s., einer schriftstellerin und vs-kollegin, berichte von ehemaligen heimkindern gesucht.
damal war ich um die 30. mein leben war bis dahin unauffällig und lief seinen routinierten gang. ich konnte mich nicht leiden. aber das war schon immer so. ich hatte das unbestimmte gefühl, das etwas nicht richtig lief. beruflich war ich eingespannt. mein arbeitstag ging über 14 stunden. manchmal auch noch länger.
ich schrieb damals lyrik, kurzprosa und beschäfftigte mich mit dadaistischen texten und collagen, bis hin zur deutsch/japanischen silbendichtung. hatte noch zusätzlich zu meiner beruflichen arbeit die gesellschaft für schrift und wort ins leben gerufen. diese gesellschaft half jungen autoren/innen, erste schritte in den literaturbetrieb zu gehen.
das schreiben also fiel mir nicht schwer.
ich setzte mich hin und begann meine erlebnisse aufzuschreiben. erst sehr nüchtern, bis mich dann der horror packte. ich schrieb ja nicht über "anonyme" charakteren, irgend welche ausgedachten protagonisten. ich schrieb meine ureigenste geschichte. es war unglaublich, was dann mit mir passierte. ich weinte und ko***. ich begann zu trinken. ich kam in einen strudel, der mich aus meinem damaligen leben hinunter zog. alpträume und ängste schüttelten mich ordentlich durch. ich mied menschen. sogar meine exfrau, die unter meinem zustand litt, konnte mir nicht helfen. ich war fix und fertig. ohne alkohol, ging gar nichts mehr.
mit mühe und not brachte ich dann mein fertiges manuskript zur post.
ich hatte nicht alle meine erlebnisse aufgeschrieben. hatte blind, aus dem papierstoß, einzelne begebenheiten heraus gezogen.
ich muß ein nervenbündel gewesen sein. die herausgeberin, erinnert sich noch heute an meine exessive situation.
als 1980 das buch heraus kam, stand ich kurz vor einem suizidversuch. doch ich war zu feige. nichts war mehr "normal". ich dreht mich im kreis. gefühle von scham, schuld, angst und selbsthass, wut und verzweiflung hatten mich fest im griff. ich versuchte meine eltern zum reden zu bringen. sie labberten mich voll und ließen mich wiedermal allein.
es war furchtbar.
erst drei oder vier jahre später, konnte ich mich langsam fangen. da war meine ehe schon im eimer. meine ex ging ihrer wege und ich die meinen. ich machte lesereisen nach norddeutschland und fühlte mich nur unter literaten wohl. dann kam eine schlimme hautkrankheit, die mich von meinem geliebten beruf auch noch trennte. ich mußte ihn aufgeben, was mich totunglücklich machte. ich dachte wieder an suizid, da mein leben immer wertloser zu werden schien.
ich suchte mir eine geldverdienbeschäftigung. jobbte da und dort. nichts lief richtig. bis ich dann in einem wachdienst landete. dort konnte ich wärend meiner 12 stündigen dienstzeit schreiben und manuskripte korrigieren. ich versuchte nicht mehr an meine kindheit zu denken. ich schob sie wieder dorthin, wo ich sie all die jahre lang schon einmal hin verschoben hatte, in die verdrängung. ich versuchte weiter zu leben.
1992 erwischte mich ein böser autounfall an dem ich keine schuld hatte. ich kam mit einem schrecken und einem schleudertrauma davon, wie man so schön sagt. nur, der schrecken hatte schlimmes mit mir vor. all das, was ich verdrängt glaubte, brach wieder hervor. mein gesundheitszustand verschlechterte sich rapide. ich konnte vor furchtbaren kopfschmerzen nicht mehr klar denken. zeitweise war meine linke körperhälfte völlig taub. dann wieder die rechte seite. ich konnte mir nadeln in die jeweiligen tauben körperteile stecken ohne schmerz zu spüren. ich fiel beim laufen auf der strasse um. ich torkelte plötzlich. mir war schwindelig. manchmal brauchte ich kraft und mühe um mich aufrecht zu halten. es hatte mit dem unfall zutun, aber auch mit dem was in mir psychisch vorging. ich wollte sterben und hatte gleichzeitig angst davor.
nachst kamen wieder die alpträume, aus denen ich mit lauten schreien und in schweiß gebadet, mit blutgeschmack im mund erwachte. ich träumte von keifenden und prügelnden nonnen.
ich heulte und weinte viel in der zeit nach dem unfall.
bilder und gerüche verfolgten mich. ich konnte nichts essen und magerte ab. die selbstzerstörung sah mich aus dem spiegelbild an.
ich musste mich sehr zusammen nehmen um nicht vollkommen ins nichts zu rutschen.

so ist das gewesen!
na denn!

lg dirky

Bärchen-alt
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Re: Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon Bärchen-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:36

Geschrieben: 25.02.2006 11:12
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Hallo Dirky,
Dein Beitrag ist sehr offen und gut beschrieben,ich bewundere auch
Deinen Mut und hoffe,daß diese Bilder von denen Du schreibst mal
teilweise verschwinden werden.Ganz ausgelöscht wird es nie sein.
Michael hatte 2002 einen sehr schweren Mofaunfall,den er knapp
überlebte.In der Klinik waren seine ersten Worte:
Warum habe ich überlebt,ich wäre lieber gestorben!
Damals habe ich noch nichts von seinem Schicksal gewußt,er gab an
eine schwere Kindheit erlebt zu haben,er sprach nicht darüber.
Zwei Jahre später habe ich erst mal erfahren,welche schwere Kindheit
er meinte,und für mich war es nicht einfach mich mit dieser Thematik
auseinander zu setzen und mit Michael,und den damaligen Heimkindern.
Lieben Gruß
Ursula.

Klaus-alt
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Re: Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:37

Geschrieben: 26.02.2006 13:29
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Hallo Dirky

Vielen Dank für diesen kurzen aber prägnanten Einblick Deiner Lebenserfahrungen.
Es ist im Grunde ein Ausdruck der zur Reife gelangten Qualen, deren Samen in Deiner Kindheit gepflanzt wurde.
Ich denke die meisten von uns können darüber ein langes Lied singen und haben mehr schlecht als Recht ihren eigenen Weg finden müssen.
Was mich persönlich sehr betroffen gemacht hat, war die Erkenntnis, dass erst Jahrzehnte vergehen mussten, um sich über sich selbst und die eigenen Erfahrungen, Ursachen und Wirkungen bewusst zu werden.
Und wie viele irren heute noch nichtsahnend und orientierungslos umher?
Insofern hoffe ich, dass Dir die heutigen Erkenntnisse und Entwicklungen ein wenig Trost sind und Dich dazu ermutigen Dein Leben selbstbewusster denn je, in die eigenen selbstbestimmten Hände zu legen.
LG Klaus

René-alt
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Re: Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon René-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:38

Geschrieben: 07.05.2006 17:04
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- Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Ich habe ewig gebraucht um nicht mehr zusammen zu brechen wenn ich an meine Kindheit zurück dachte. Wenn ich über meine Kindheit sprach, redete ich das wie ein Erzähler macht, unbeteiligt über einen Vorfall zu reden. Heute zwinkern wir, mein bester Freund und ich, uns gelegentlich zu: „Habe ich dir schon von meiner schlechten Kindheit erzählt“. Sicher mit zunehmenden Altern wird Distanz aufgebaut. Bei mir reifte aber auch die Erkenntnis, dass ich mir mit meinem ständigen Klagen selbst ein Bein gestellt habe und sich meine Jugend wie ein roter Faden durch mein gesamtes Leben zog. Meine Kindheit kann und will ich aber nicht ablegen oder in irgendwelche tiefen Löcher meiner Seele begraben. Vielmehr ist es mir heute wichtig die positiven Erlebnisse meiner Kindheit herausschälen und für mich wieder begreifbar zu machen.

Ich hatte während meiner Lehrzeit einen Freund über den ich immer wieder erstaunt war. Er war, wie ich in einem Heim aufgewachsen aber wiederum ganz anders als ich, lebenslustig und offen. An Ihm schien die Zeit vorübergegangen zu sein ohne offene Wunden zu hinterlassen. Ich hatte ihn einmal darüber befragt und er sagte lächelnd: „Was willst du? Ich habe ein Dach über dem Kopf, habe mein Essen und es geht mir gut.“ Ich hatte ihn nicht verstanden.

Tatsächlich war es ja auch nahe liegend jedes Missgeschick und jeden seelischen Druck zu diesem Jammertal in meiner Jugend zu schieben. Sicher war es eine harte Zeit und ich war höheren Druck als z.B. meine Mitschüler, ausgesetzt aber wenn ich mich zurückbesinne wurde mir diese Zeit umso schwerer je weiter ich erwachsener wurde. Wie oft habe ich spätere Missgeschicke mit eben dieser schweren Kindheit begründet. Was war ich doch für ein Esel, dass ich mich diesem Irrtum hingegeben habe! Durch dieses Verhalten wuchs der Berg meiner ungelösten Probleme derart an, dass ich sie nicht mehr bewältigen konnte. Der Absturz war mir also gewiss.

Einige Narben aus meiner Kindheit sind geblieben, aber empfinde ich sie nicht viel schlimmer durch das was ich in meiner Späteren Zeit da hineininterpretiert habe, als das was diese Narben ausgelöst hat? Sind meine Hemmungen durch mein späteres Verhalten nicht doch verstärkt worden als dass ich sie gelöst hätte?

Liebe Grüße Rene

Klaus-alt
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Re: Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:39

Geschrieben: 08.05.2006 00:06
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Hi René

Ich kann Dich wohl verstehen, denke aber, dass es wenig Sinn macht eine verkorkste Vergangenheit zu bagatellisieren und Dir möglicherweise auch noch irrationale Schuldgefühle einzureden.
Nein nein, da sollten wir auf den Boden der Tatsachen bleiben. Und die besagen nun mal unzweideutig, dass unser Leben durch Ursachen und Wirkungen bestimmt wird.
Selbstverständlich bleibst Du deshalb trotzdem für Dich und Dein Handeln verantwortlich.
Das Problem ist nur, dass Du als junger Mensch meist noch nicht das geistige Potenzial entwickelt hast, um solchen Kausalketten Rechnung zu tragen und unterliegst ohne entsprechende soziale Bindungen der Gefahr in ein zweifelhaftes Milieu abzurutschen, dass Dir jene Zuwendung und Anerkennung verspricht, die Du zuvor meist vergeblich gesucht hast.
Gott sei Dank, berücksichtigt wenigstens unsere Gerichtsbarkeit dieser anerkannten Tatsache, mit entsprechend mildernden Urteilen.
Mach Dir nichts vor, gerade die Erfahrungen der „Kinderstuben“ tragen maßgeblich zum weiteren Werdegang jedes Menschen bei.
Klar hättest Du, ich und andere einen möglicherweise anderen Weg einschlagen können. Wenn unsere Wege aber nun mal recht unwegsam waren, dann allein aus der Tatsache heraus, weil uns unsere Biografien dahin geführt haben, bzw. wir noch nicht den selbstständigen Blick dafür besaßen, wie wir einen anderen Weg hätten gehen können.
Da baut ein Unglück auf das andere auf, da gibt es gar nichts dran zu rütteln.
Dies besagt ja längst nicht, dass ex-Heimkinder nicht auch von sich aus zielstrebig oder durch Zufall einen leichteren Lebensweg gefunden haben. Aber schau Dich doch mal um, wessen Wege waren denn nach einem längeren Heimaufenthalt leicht? Ich kenne so gut wie niemanden.
Im Gegenteil, statt Dich jetzt mit diffusen Schuldgefühlen zu zermartern, könntest Du jetzt froh und dankbar darüber sein, dass Du TROTZ Deiner Biografie zu Deinem gegenwärtigen Bewusstsein gefunden hast und Du Dir immer mehr über Dich selbst und Deine Umwelt im Klaren wirst, während nicht wenige von uns ein Schattendasein in sozialen Randbereichen führen, oder ihrem Leben bereits ein Ende gesetzt haben. Ich halte dieses ausgeprägte Bewusstsein für eine sehr positive Gabe, die selbst den meisten jener Menschen fehlt, die auf eine behütete Kindheit zurückblicken können.
Da macht es relativ wenig Sinn, weiter über Vergangenes zu lamentieren, sondern ich meine, mit Deinem heutigen Wissen, kannst Du dazu beitragen, oder zumindest mit versuchen, die Welt ein wenig liebenswürdiger und verantwortungsvoller zu gestalten. Denn Vergangenes können wir nicht mehr verändern, die Zukunft hingegen schon.
Ich denke, dass wäre z.B. ein sehr interessanter Ansatz um Deine/unsere gemeinsamen Erfahrungen in positiver Hinsicht zu nutzen.
Eine Möglichkeit wäre z.B. in einem gemeinnützigen Engagement, wie etwa einer ex-Heimkinderinitiative, die möglicherweise auch politisch Ziele formuliert. :icon_gruss
Den gegenwärtig existierenden Heimkinderverein kann ich für solch ein Engagement wegen seinem undurchsichtigen Gebaren und internen Querelen ganz sicher nicht empfehlen. Aber was nicht ist kann ja noch kommen.
Ich denke es gibt einige sehr verständige Köpfe unter uns, wenn die mal erst zusammengebracht werden, könnte daraus eine recht produktive Zusammenarbeit erwachsen, die gesellschaftsübergreifend richtig was in Bewegung bringen könnte.
Da heißt es die Augen wachsam nach vorn gerichtet zu halten und ab und an auch mal zurück zuschauen, um sich seines eigenen Standortes zu versichern.
Ich finds jedenfalls prima, dass es immer mehr ex-Heimkinder gibt, die sich von ihrem einstigen Schattendasein gelöst haben.
In diesem Sinne Dir weiterhin alles erdenklich Gute wünschend. :icon_freu
Mit herzlichen Grüßen
Klaus

René-alt
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Re: Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon René-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:40

Geschrieben: 08.05.2006 02:46
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Hallo lieber Klaus,

eigentlich müsste ich jetzt bereits im Bett liegen aber Deine Antwort würde mir eh den Schlaf rauben. Ich hatte mit so einer Reaktion eigentlich gerechnet.

Nach der eMail von Lothar K. war ich so erleichtert und aufgewühlt dass ich die ganze Welt umarmen wollte. Kann ich doch endlich eine wichtige Kindheitszeit, ohne Vorbehalte, für mich positiv abschließen. Währe es mir doch nur möglich auch mit dem Rest, den Hauptteil meiner Kindheit aufzuräumen, um zum eigenen Seelenfrieden einen Schlussstrich im Geschichtsbuch meines Lebens zu ziehen.

Du hast Recht, mit einer Bagatellisierung der aus meiner Kindheit entstandenen Probleme werde ich sicher keine positive Vergangenheitsbewältigung betreiben können aber will ich einen festen Platz in unserer Gesellschaft muss ich mich mit ihr arrangieren und das hieße auch, schicksalhaft, meine Vergangenheit anzunehmen, zu lernen mit dem Gewesenen umzugehen. Ob mir unsere Gesellschaftsform das Wehrt ist, ist eine ganz andere Frage. In unserer sachwerteorientierten Gesellschaft, in der es wichtiger ist ein Auto zu besitzen als sich um unsere Kinder zu kümmern, kann natürlich kaum Raum für eine Kindgerechte Umgebung sein. An wen oder was richte ich also meine Anklagen? Da ist doch nicht der Erzieher oder das Heim, was angeklagt werden kann. Wie Du selbst an anderer Stelle geschrieben hast, von mir an diese Stelle mit eigenen Worten: Es ist doch verständlich wenn sich die Krankenschwester ein Schutzmantel aufbaut um das ganze Leid der Patienten zu ertragen, ebenso wie die Erzieher und Pfleger in den Kinder- und Altenheimen. Kinder und Altenheime sind der Müllplatz unsere Gesellschaftsform und sicher ist wenn ehemalige Heimkinder sich dennoch mit ihren Abfallentsorgern arrangieren werden sie an deren Vorgehensweise nichts ändern.

Was also tun?

Wenn ich anklage, dann doch nur unsere Gesellschaftsform, die sich selbst ins Grundgesetz geschrieben hat:

Artikel 1.1 Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Artikel 2.1 Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

Ich sage sicher nichts Neues wenn ich behaupte das beinahe bei jedem Alten so wie auch bei Kindern in staatlicher Obhut wiederholt gegen mindestens diese beiden Artikel aus unserem Grundgesetz verstoßen wird.

Ob ich die Kraft aufbringen kann meine Kindheitsbewältigung in diesem Sinne zu führen, weis ich (noch) nicht, denn dieser Kampf müsste an den Grundpfeilern unserer Gesellschaft geführt werden und fordert ein radikales Umdenken unserer politischen Führung.

Liebe Grüße Rene

Klaus-alt
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Re: Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon Klaus-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:43

Geschrieben: 08.05.2006 20:54
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B I N G O ! :icon_stark

Dazu hättest Du aber nicht bis in die tiefe Nacht brüten müssen. :icon_freu
Ich bin sicher nicht der Einzige, der die Notwendigkeit einer grundlegenden Gesellschaftsreform erkennt.
Sie wird kommen, da bin ich mir sehr sicher, weil unsere Regierungen in ihrem gierigen Bestreben inzwischen unverhohlen zu erkennen geben, dass ihnen an Gemeinsinn und sozialer Gerechtigkeit nichts mehr liegt, sondern wer kann, auf breiter Front, auf Kosten der kleinen Bürger mitnimmt was er/sie zusammenraffen kann.
Es gibt zwar viele Mitbürger, die dieses Treiben hilflos und passiv verfolgen, aber glaub mal nur, die zunehmende Ungerechtigkeit wird durchaus wahrgenommen.
Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich der zunehmende Zorn des Volkes erheben und dem verklärenden Neoliberalismus ein wüstes Ende setzen wird.
Wir hingegen haben die Chance die verbleibende Zeit zu nutzen, um neue Ziele zu formulieren, die einem Sozialstaat gerecht werden und dem Einzelnen ein würdevolles und freiheitlich geprägtes Leben ermöglichen.
Ich denke gerade Menschen aus unserer Mitte mit ihren Erfahrungen sind prädestiniert um auf politischer Ebene mitzureden und mitzugestalten.
Geschwiegen haben wir lange genug, nun wird es Zeit zum Handeln.
Was uns zur Zeit noch fehlt ist eine gemeinsame Adresse um Ziele und Wünsche zu bündeln um sie zentral gesteuert bekannt zu machen.
Aber wie heißt es doch so schön, wer sucht, der wir auch finden.
Also alles nur eine Frage der Zeit.
Klingt jetzt zwar arg nach kämpferischen Visionen eines zahnlosen Papiertigers, aber warum sollten wir uns nicht für etwas Positiven einsetzen?
Ich denke wir haben uns lange genug führen lassen müssen.
Nun wird es Zeit, dass wir unsere Schritte selbst bestimmen.
Schlaf mal ein paar Nächte darüber und teil mir anschließend bitte mal mit, ob dies nicht auch für Dich ein lohnenswertes Ziel wäre.
Und keine Bange, diese Gedanken kommen nur aus mir selbst heraus.
Ich gehöre weder einer Partei, noch sonst einer gesellschaftlichen Organisation an.
Denken kann ich schließlich noch allein.
Mit besten Grüßen :icon_freu
Klaus

René-alt
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Registriert: Do 18. Nov 2010, 11:18

Re: Spätes Erwachen oder nur eine gewöhnliche Midlifecrisis?

Beitragvon René-alt » Mi 24. Nov 2010, 09:45

Geschrieben: 10.05.2006 00:21
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Hallo ihr lieben, hallo Klaus

Was tun?

Zwei Tage schleppe ich mich mit Gedanken herum die um mich, meine Heimzeit und meinem Leben kreisen. Wie seit jeher, bin ich immer noch ein Mensch der ewig braucht um Neues anzugehen. Tatsächlich klappere ich seit mehr als zwei Jahren das Internet nach Esoterik-Seiten ab, besuche Webseiten die sich mit Buddhismus beschäftigen oder hänge in Foren herum in denen die Suche nach Außerirdischer Intelligenz (SETI) diskutiert wird. Ja, ich bin ganz offensichtlich auf der Suche nach Alternativen zu der Lebensweise die ich jetzt führe. Zur Arbeit gehen, welche ich recht gerne mache, wieder Zuhause und hier meine Suche. Ich trete auf der Stelle. Es wird wirklich Zeit meinem Leben ein neues Ziel, eine neue Richtung zu geben, denn genau das bedeutet es für mich wenn ich mir die Aufgabe stelle meine Kindheit und Jugend aufzuarbeiten um in Zukunft Kindern ähnliches Leid zu ersparen. Aber wie fange ich das an, wie kann ich mich einbringen?

Liebe Grüße Rene


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