Angst

Negatives beherrscht oft Gesamterinnerungen. Wie sehen sie aus, Erinnerungen, die bleiben?

Moderator: Klaus

dreiband
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Registriert: Mo 21. Mär 2011, 14:06

Angst

Beitragvon dreiband » Mo 21. Mär 2011, 15:03

Auch in den nunmehr 7 Jahren seit meiner Therapie: keine einzige positive Erinnerung.

Ich war nur 9 Wochen im Kinderheim Maria im Walde in Bonn und in dieser Zeit erinnere ich mich nur an permanente Angst, tägliche Prügelarien mit dem Lederriemen oder - harmlose Strafe - Rosenkranz-Beten. Erbrochenes essen. Nicht daß wir Gourmets waren, unsere Familie war arm und wir waren froh, daß überhaupt etwas auf den Tisch kam. Die Sülze muß oft genug verdorben gewesen sein, anders kann ich mir nicht vorstellen, warum wir sie erbrachen. Aber sie mußte wieder rein, abends gab's für's Erbrechen die gewohnten 20 Schläge.

Bettnässen, Fingernägel-Kauen, Sprechen beim Essen, Fehler im Diktat, alles mündete in Prügel.

Alle hatten Angst. Wir waren vielleicht 40 Jungs im Alter von 7-8 Jahren. Niemand hat aufgemuckt, war etwa frech oder vorlaut. Angst herrschte.

Als ich am zweiten Tag während eine der Prügelinszenierungen rief (schrie?), daß unsere Mutter uns hier wieder rausholt, sagten sie uns knapp, daß unsere Mutter tot sei.

Sie war einige Wochen nach dem Tod meines Vaters zusammengeklappt und weil sie lange in einer Klinik liegen mußte, kamen wir in dieses Heim - nein, diese Anstalt.

Tatsächlich hat sie uns nach 9 Wochen wieder da rausgeholt. Leider gab's danach keine Therapie... da bin ich erst 40 Jahre später drauf gekommen.

Nein, keine einzige positive Erinnerung.

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