LANGE NICHTS....

Nicht alles war schlecht. Manches auch viel besser wie zu Hause.

Moderator: Klaus

Mamma-Mia-alt
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LANGE NICHTS....

Beitragvon Mamma-Mia-alt » Di 23. Nov 2010, 11:11

Geschrieben: 08.04.2010 21:27
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....so Tolles gesehen!

...Als ich endlich aus dem Heim kam...in Pflegschaft kam....
und dann war da mein Zimmer, das ich mir nur mit meinem Bruder teilen musste, der noch ganz klein war.
Viel Spielzeug war darin, vieles, das ich nichtmal kannte.
Ein Stockbett gab es auch.
Und es war ORDNUNG!!!!
Alles war sauber, es roch gut.

Ich erinnere mich noch, wie ich an diesem ersten Tag frisch gebadet in mein frisches Bett geschlüpft bin.
Es ist noch heute ganz besonders für mich, frisch gebadet in mein frisches Bett zu gehen, überhaupt frisch sauber ins Bett zu gehen, jeden Tag, weil ich das so brauche.
Am ersten Morgen aufgewacht und die Vögel zwitschern gehört. Im Haus war noch lang keiner wach und ich lief im Schlafanzug erstmal durchs ganze Haus...
Nein, ich hatte das nicht geträumt. Da draussen sah ich Wiesen, ich sah den Sandkasten, in dem ich spielen durfte. Ein ganz neues Gefühl, eine Art Freiheit, die mir gehören sollte.
Die Sonne schien, es war mitten im Sommer.
Langsam schlich ich zurück in mein Bett und insgeheim freute ich mich einfach nur auf mein neues Leben, das ich haben würde.



Grüße,
Mamma-Mia

Klaus-alt
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Re: LANGE NICHTS....

Beitragvon Klaus-alt » Di 23. Nov 2010, 11:13

Geschrieben: 08.04.2010 21:47
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seufz....,
scheinbar wurde für Dich ein Märchen von 1001 Nacht wahr. :icon_gruss

Na da bin ich mal auf die Fortsetzung gespannt. :icon_freu
LG Klaus

Mamma-Mia-alt
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Re: LANGE NICHTS....

Beitragvon Mamma-Mia-alt » Di 23. Nov 2010, 11:14

Geschrieben: 09.04.2010 01:58
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Dieser Sandkasten sollte mein Lebensinhalt für die nächsten Jahre werden...wenn es nach dem gehen sollte, was meine damalige Pflegemutter für mich angedacht hatte.
In diesem Sandkasten habe ich gebuddelt, Gräben ausgehoben, Dörfer und Städte gebaut so wie ich sie mir vorstellte. Mit kleinen Hölzchen und Schnüren Häuser gebaut...Gras "gepflanzt"....Wassergräben gezogen.....es war meine eigene kleine Welt, die ich mir dort gebaut habe.
Aber diese Welt hatte keine Menschen.
Ich habe auch nie mit Puppen gespielt oder mit Barbies. Ich konnte das einfach nicht. Ich wollte das auch nie, wenngleich man mir auch immer wieder Puppen schenkte, in der Hoffnung, es wäre vielleicht irgenddwann eine dabei, dich ich mögen könnte.
Ich habe Puppen gehasst. Alles was ich mit ihnen tat war, ihnen die Haare zu schneiden. Genau so kurz wie ich sie trug damals.
Keine schaffte es in mein Bett. Nicht eine Einzige.

Irgendwann, ich glaube, es war wenige Wochen nach meinem Einzug bei der Pflegefamilie, ging ich weiter. Es war so viel grün um diesen Sandkasten und wenig entfernt stand eine Kinderburg mit Rutschbahn. Wenig weit davon gab es Schaukeln, Wippen, Kreisel...all die Dinge, die ich nie zuvor gesehen hatte.
Andere, gleichaltrige durften längst dort hin und spielten immer dort. Aber ich durfte nicht.
Als sie mich fand, meine erste Pflegemutter, bekam ich eine Woche Hausarrest. Ich durfte gar nichts mehr. Nicht einmal in den Sandkasten vor dem Haus.
Ich sah oft aus dem Fenster. Es regnete tagelang und meine ganze Stadt in dem Sandkasten, in dem nur ich spielte, versank im Wasser.
Das interessierte aber niemanden.
Nach einer Woche durfte ich wieder dort hin.
Aber nur dort hin. Nicht da hin, wo all die anderen Kinder waren.
Nur dieser inzwischen BESCHISSENE Sandkasten, wo niemand zum spielen war.
Und wieder lief ich weg, dahin wo all die anderen Kinder waren...wo das Lachen war und das Leben.
Wieder Hausarrest, wieder alles kaputt.
Ich weiß nicht, wie oft und in welchem Zeitraum sich dieses Szenario wiederholt hat, irgendwann war diese große Freiheit, die ich an meinem ersten Tag dort empfand nur noch ein Gefängnis...eine Art Einzelzelle, abgeschnitten von der Aussenwelt, weil niemand, wirklich niemand ausser mir selbst in diesem Sandkasten spielte.
Ich fing an, diesen scheiss Sandkasten zu hassen.
Ich fing an, diese scheiss neue Mutter zu hassen, weil alle anderen überall hin durften, nur ich nicht.

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Re: LANGE NICHTS....

Beitragvon Mamma-Mia-alt » Di 23. Nov 2010, 11:14

Geschrieben: 09.04.2010 02:03
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Sind es die Erinnerungen, die man so sehr hasst,
dass man sie nicht aufschreiben mag?
Sind es die Menschen oder die Umstände, die man hasst?
Ich weiß es gerade nicht...

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Re: LANGE NICHTS....

Beitragvon Mamma-Mia-alt » Di 23. Nov 2010, 11:15

Geschrieben: 13.04.2010 19:51
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Ich denke, diese Sehnsucht nach mehr Freiheit ist normal, wenn man ca 5 Jahre ausschliesslich in einer Wohnung zugebracht hat, immer an einem Fenster gestanden hat, aus dem man das Leben da draussen zwar sehen konnte, aber nicht daran teilhaben konnte.

Und auch diese 3 Jahre danach...nach der Sicht aus dem Fenster...nach dem Heim voller Einschränkungen (ein hässliches Klettergerüst vor dem Haus...)...nachdem meine erste Pflegemutter das Handtuch geworfen hat (die, die mich in diesem Sandkasten verwesen hätte lassen....) und innerhalb kurzer Zeit für mich und meine Geschwister jemand neues gefunden werden musste, der sich bereit erklärte, für uns da zu sein...

Und ja, einige Zeit später fand sich diese Person.
Ich habe ihr zu Anfang nicht getraut...wie denn auch, wenn man im Laufe von 9 JAhren zig Bezugspersonen verliert?????

Aber...ohne jetzt viel mehr zu erzählen...das kommt alles noch...

Diese Frau ist heute meine MAM....tief in meinem Herzen...wir sind gute Freunde und ich vertraue ihr in jeder Hinsicht. Sie mir wohl auch deswegen eine gute Freundin, weil auch sie mir erzählt, was sie bewegt. Ich habe selten das Gefühl, ein hilfloses Kind zu sein.
Wir reden auch oft über früher...und vieles lässt Spielraum offen, manches Fehlverhalten von beiden Seiten wird eingeräumt....wir reden gleichgestellt, Auge in Auge....niemand steht höher.

Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich diese Dinge, die ich bisher schrieb in "Positive Erfahrungen" rein schreibe...weil - auch wenn erst 9 Jahre ins Land gehen mussten...ich eine Chance bekommen habe, die ich nicht mehr missen möchte.

LG
Mamma-Mia

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Re: LANGE NICHTS....

Beitragvon Klaus-alt » Di 23. Nov 2010, 11:16

Geschrieben: 13.04.2010 23:14
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Sind es die Erinnerungen, die man so sehr hasst,
dass man sie nicht aufschreiben mag?
Sind es die Menschen oder die Umstände, die man hasst?
Ich weiß es gerade nicht...


Nein, ich meine dahinter steht eher die verinnerlichte Angst von der Torheit dieser Welt erneut verletzt zu werden. Hier sind wir wohl alle gefordert auf unsere inneren Stimme achtzugeben. :icon_gruss

Ansonsten, schade, dass der Traum von 1001 Nacht so unvermittelt durch Deine Realitäten zu Fall gebracht wurde.
Doch wie sich abzeichnet, gab es doch noch ein kleines Happy-End?

Zumindest freue ich mich für Dich, dass Du in Deiner "Mam" nun auch eine echte Freundin gefunden hast.
Doch ob sie die früher gerissenen Lücken und Wunden gänzlich zu überbrücken vermochte,....?
Dir weiterhin alles Gute wünschend :icon_freu
Klaus


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