
Über die Ursachen familärer Gewalt
Mehr oder weniger regelmäßig
erscheinen in den Medien Berichte über schwere Misshandlungen oder
sexuellen Missbrauch gegenüber Kindern, die von scheinbar gefühllosen
Vätern, Müttern oder anderweitig den Kindern nahestehenden Personen
verübt werden.
Mit derselben Regelmäßigkeit sind wir geneigt, in den Tenor einzustimmen,
mit dem in geselligen Gesprächsrunden, nicht selten die Todesstrafe
oder doch wenigstens die gleichen Qualen für derartige Monstereltern
gefordert wird, die sie zuvor ihren eigenen Kindern zugefügt hatten.
Damit erschöpft sich aber meist schon unser Interesse an diesem Thema
und dem weiteren Werdegang derart betroffener Kinder. Allenfalls nehmen
wir irgendwann noch dem juristischen Schlussakt zur Kenntnis, bevor wir
wieder in unsere gewohnte Tristesse zurückfallen, um unserer unbeteiligten
Empörung bei der nächsten Meldung von Kindesmisshandlung erneut
lauthals Luft zu verschaffen.
2. Ursache:
Patchworkfamilien
Stief-Pflegeltern, Fremderziehung.
Bei aller aufrichtigen
Liebe und Zuwendung, die ein Großteil dieses Personenkreises "fremden"
Kindern gegenüber zu geben bereit ist, so gehört dieser Punkt
dennoch in die Reihe der Ursachen, die schon seit Alters her eine düstere
Tradition von Gewalt gegen Kinder aufweist. In zahlreichen Märchen
wird bereits auf den überaus problematischen Umgang zwischen Stiefeltern
und ihren Stiefkindern Bezug genommen. In der Tierwelt werden Tierstiefkinder
sogar häufiger getötet um, die eigenen Art des Stärkeren
das Überleben zu sichern.
Ob dieses Verhalten auch im menschlichen Miteinander dieselbe Bedeutung
hat, muss dahingestellt bleiben. Fakt bleibt hingegen, dass Kinder die bei
einem Elternteil mit wechselnden Partnern/innen, auch als Patchwork-Familien
bekannt, oder mit Stiefeltern in zweiter, dritter Ehe zusammen leben wesentlich
höher gewalt- oder vernachlässigungsgefährdet sind, als Kinder
die im Haushalt ihrer leiblichen Eltern aufwachsen. Neben dem möglicherweise
unbewussten Bestreben der Arterhaltung und der damit verbundenen Bevorzugung
der eigenen Kinder, insbesondere bei partnerschaftlichen Problemen, dürfte
die Gefährdung auch daran liegen, weil Stief- und Pflegeeltern häufig
die emotionale Bindung zu ihren Stiefkindern fehlt.
Denn nicht Kinder, sondern allein die knisternde Anziehungskraft zwischen
den Erwachsenen ist die tragende Kraft, die unterschiedliche Menschen zu
neuen Lebensgemeinschaften verbindet.
Bereits vorhandene Kinder der Partnerin, oder des Partners, bilden da eher
ein störendes Element, dass "notgedrungen" akzeptiert wird,
um ans Ziel eigener Begierden zu gelangen. Erlischt diese verbindende Leidenschaft,
oder stellen sich markante partnerschaftliche Probleme ein, werden Kinder
sehr viel häufiger von Gewalt und Vernachlässigung bedroht.
Als problematisch muss in diesem Zusammenhang auch jene Praxis beurteilt
werden, mit der Jugendämter Kinder in Pflegefamilien vermitteln, die
bereits genug eigene, oder Pflegekinder betreuen. Ich hörte von Fällen,
wo 5-10 Kinder innerhalb einer Pflegefamilie lebten, obwohl doch hinlänglich
bekannt ist, dass eine Familie gewöhnlich schon mit ihren zwei oder
drei eigenen Kindern hinreichend belastet ist.
Bei diesem "Kinderhandel", denn als nichts anderes würde
ich diese Praxis bezeichnen, spielen sowohl auf der einen, wie auch auf
der anderen Seite überwiegend finanzielle Erwägungen eine tragende
Rolle. Diese mögen zwar so manche Mitarbeiter der Jugendämter
in ihrer Sacharbeit und Verantwortung entlasten, wie auch so manchen Pflegeeltern
ein gutes Ein- und Auskommen sichern. Ob die betreffenden Kinder davon gleichfalls
in einer förderlichen Behandlung und Entwicklung profitieren, erscheint
mir hingegen äußerst fragwürdig.
Ähnlich fragwürdig waren Kinderheime alter Prägung, die noch
als Erziehungsanstalten bekannt waren. In diesen Einrichtungen wurden Kinder
alternativ zu ihren familiären Höllen, gleich kompanieweise bei
Gruppenstärken von 15-35 Kindern, in liebloser Atmosphäre, von
zwei bis drei Erziehungskräften wie eine ungezähmte Herde gehütet,
oder besser bewacht.
Ein geordnetes Zusammenleben dieser ohnehin mehrheitlich milieugeschädigten
Kinder war unter diesen Umständen nur mit enorm restriktiven und willensbrechenden
"Erziehungspraktiken" möglich.
Kein Wunder also, wenn diese Menschen derartige Zuchthäuser häufig
als gebrochene, unselbstständige Wesen verließen, um, sofern
noch emotional bindungsfähig, ihren erfahrenen Vorbildern gemäß,
später die eigenen Kinder ähnlich streng zu erziehen.
Dieses verheerende Bild hat sich inzwischen deutlich zugunsten gegenwärtigen
Heimkinder verbessert, da diese heute weitgehend in sogennanten Wohngruppen
mit selten mehr als 6-8 Kindern betreut werden und pädagogisches Fachpersonal
darauf hinarbeiten, diesen jungen Menschen fundamentale Grundlagen für
ein selbstbewusstes und eigenständiges Leben zu vermitteln.
Doch bei all den gutmeinenden Versuchen dürfte nachvollziehbar bleiben,
dass Kindern in schichtdienstleistenden Kinderheimen niemals die emotionale
Nähe vermittelt werden kann, wie sie in einer liebevoll geprägten
Familie zum selbstverständlichen Umgang gehören sollte.
Wenn es Familien gibt, in denen diese Selbstverständlichkeit fehlt,
dann aus den hier angesprochenen Gründen.
Dieses Szenario ist ein wiederkehrendes Ritual, das mit ähnlicher Regelmäßigkeit auftritt, wie die Spiralen der Gewalt, mit der Kinder über Generationen hinweg konfrontiert wurden und noch immer werden. Dass es Kindern vor Zeiten der Industrialisierung, bzw. Einführung der bismarckschen Sozialsysteme als nahezu rechtlose Wesen noch weitaus schlimmer erging, soll das gegenwärtige Leid, dem Kinder auch heute noch ausgesetzt sind nicht schmälern. Darf an dieser Stelle aber nicht unerwähnt bleiben, um noch klarer herauszustellen, dass sich die Gewaltspiralen bereits seit Menschengedenken nahezu ununterbrochen von einer Generation zur nächsten Generation fortsetzen.
Das erstaunliche daran
ist, dass weder unsere unbetroffene Mitmenschen, noch die Gewaltbetroffenen
selbst, ernsthafte Bemühungen erkennen lassen, um diesem himmelschreienden
Unrecht für viele Kinder tatsächlich Einhalt zu gebieten.
Klar, gibt es längst auch anspruchsvolle Schutzanstrengungen für
Kinder, wie sie z.B. vom Pädagogikexperten Dr.
Joachim Rumpf initiiert wurden, wie auch den Besuchern auf seiner
sorgfältig gepflegten Webseite noch viele weitere hilfreiche Gedanken
angeboten werden.
Die meisten Schutzanstrengungen von Sozialverbänden und Politik beschränken
sich jedoch mehrheitlich auf die Behandlung von Symptomen, statt zu versuchen
bestehende Probleme an der Wurzeln zu packen.
Schon seit meiner Jugendzeit habe ich mir wiederholt die Frage des WARUM?
gestellt und bin erst heute als knapp 50-Jähriger zu der Antwort gelangt,
dass unsere Gesellschaft die Ursachen von Gewalt nur deshalb noch nicht
erkannt hat, weil sie zu unserem ganz normalen Alltag und somit zu unserer
Normalität gehört.
Diese Normalität hinterfragt niemand mehr, weil wir sie in unserer
eigenen Kinder- und Jugendzeit zu spüren bekamen, oder einfach um uns
herum sichtbar war, ohne dass wir nach dem "Warum" fragten.
Und so selbstverständlich, wie uns die eigene erfahrene Gewalt war,
geben wir sie von mehr oder weniger individuellen Abweichungen abgesehen,
auch an unsere nächste Generation von Kindern weiter.
Wir empören uns zwar über gravierende Menschenrechtsverletzungen
in fernen Entwicklungsländern oder Medienberichten über sexuellen
Missbrauch von Kindern und besonders schwere Kindesmisshandlungen im eigenen
Land. Kaum jemand käme aber auf die Idee, dass unsere hochtechnische
Zivilisation in Erziehungsfragen selbst noch ein rauhes Entwicklungsland
ist. Indem wir unsere Kinder immer noch nach steinzeitlichen Vorbildern
erziehen, obwohl wir in Bezug auf eine mitmenschlichere Sozialisation längst
schon einige Stufen weiter stehen könnten.
Natürlich gibt
es hier wie dort in allen Bereichen Ausnahmen.
Deshalb erhebe ich mit meinen folgenden Darlegungen weder den Anspruch
auf Allgemeingültigkeit,
noch Vollständigkeit.
Es ist vielmehr der Versuch aus eigener Betroffenheit, Beobachtungen und
subjektiven Überlegungen heraus, einen möglichen Weg aus der
apathischen Gleichgültigkeit zu finden, mit der wir gesamtgesellschaftlich
immer noch zulassen, dass sich eine große Anzahl von Kindern nicht
so lebensfroh und selbstbewusst entwickeln können, wie wir es uns
für selbst und unsere eigenen Kinder wünschen würden.
Doch um etwas zu verändern, muss zunächst mal angesprochen werden,
wo der Schuh drückt.
Nicht jeder wird sich angesprochen fühlen. Noch soll sich jeder den
Schuh anziehen, den ich in der einen oder anderen Form im weiteren Verlauf
meiner weiteren Betrachtungen als gesellschaftlichen Hemmschuh aufführen
werde.
Wichtig ist mir einfach nur, die für mich nachvollziehbaren Aspekte
zu benennen die einzeln, oder zusammengenommen Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung
und Erniedrigung gegen Kinder hervorrufen können, nicht jedoch zwangläufig
dazu führen müssen!
Denn immerhin gibt es trotz vielfältiger Probleme Mütter und
Väter, sowie Pflegeeltern, die trotz ungünstiger Lebenskonstellationen
ihre Kinder mit aller verfügbaren Liebe und Zuwendung aufzuziehen
vermögen. Besonders ihren Leistungen gilt meine ungeteilte Hochachtung.
Doch nun zu den einzelnen Ursachen.
Wenn wir von Ursachen von Gewalt gegen Kinder sprechend, dann wird es
wichtig sein, stets im Sinn zu behalten, dass die allerwenigsten Mütter,
Väter, oder anderweitigen Umgangspersonen, Kinder aus reiner Lust
quälen, sondern eher die Lebensbegleitumstände zur eigenen Überforderung
und damit zur Gewalt gegen Kinder beitragen.
Deren Ursachen lauten:
1.Ursache:
Unerwünschte Kinder
Kaum eine andere Begebenheit, wirkt sich gleich so nachhaltig und negativ
auf künftige Kinder und Menschen aus wie unerwünschte Schwangerschaften.
Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Zeugung durch Unachtsamkeit oder
einen unglückseligen Gewaltakt hervorgerufen wurde.
Dies ist ein Umstand, dem die meisten Menschen wohl noch immer ihr Leben
zu verdanken haben.
Im Gegensatz zu erwünschten Kindern ist deren Entwicklung wesentlich
häufiger mit vor- und nachgeburtlichen Verzögerungen verbunden,
und verläuft insgesamt schwieriger und weniger glücklich. Zu diesem
zusammenfassenden Ergebnis kommt jedenfalls eine bedeutsame Studie der Bremer
Universität, die unter Leitung der Professoren Amendt und Schwarz erstellt
wurde.
Diese Studie, unter
dem Titel: "Das
Leben unerwünschter Kinder" ist eigentlich allen interessierten
Menschen über einigermaßen gut sortierten Büchereien zugänglich.
Dennoch fand diese Studie bisher so gut wie keinen nennenswerten gesellschaftlichen
Niederschlag, wie ich es bei deren brisanten Ergebnissen erwartet hätte.
Denn sie weisen in bedrückenden Zahlen nach, wie unerwünschte
Kinder mit der einhergehenden Ablehnung der Mütter und/oder Väter
während ihrer Kindheit weit häufiger mit Gewalt konfrontiert werden.
Und selbst wenn sie unter weniger gewaltbetonten Umständen aufwachsen,
so tauchen sie später dennoch überdurchschnittlich häufig
in Kranken-, Heim- und Kriminalstatistiken auf. Dafür weisen sie laut
Studienergebnissen umgekehrt proportional weniger geistiges Potenzial auf
und absolvieren entsprechend seltener erfolgreiche schulische oder berufliche
Karrieren.
Bildung macht eben doch den Unterschied, wie der deutlich höhere Anteil
von Kindern akademisch gebildeter Eltern an höheren Schulen und Universitäten
im Gegensatz zu Arbeiterkindern beweist. Entsprechend bewusster gehen gebildete
Menschen in Bezug auf Sexualität miteinander um, bzw. erblicken in
ihren Kreisen weit mehr Wunschkinder das Licht der Welt.
Diese Studie, die ich verantwortlichen Stellen im Sozialwesen und Politik
gern zur Pflichtlektüre empfehlen möchte, weist natürlich
eine Fülle weiterer in die Tiefe gehende Aspekte auf, die ich hier
jedoch nicht weiter aufführen muss. Denn ich meine, dass jeder einzelne
der bis hier angeführte Punkte bereist ausreichen sollte, um notwendigen
Handlungsbedarf aufzuzeigen, damit das Leben eines jeden Kindes und künftigen
Mitmenschen nicht schon deshalb negativ vorgezeichnet ist, weil es unter
weniger verantwortungsbewussten Umständen zum Leben gezeugt wurde.
Ich denke zum Beispiel
an den Mangel an Verantwortung, wie er bei triebgetrieben Sexualstraftätern
zu beobachten ist. Ein kurzer Augenblick rücksichtslosen Abreagierens,
mit der Folge, dass einem daraus hervorgehenden Kind wie auch der werdenden
Mutter das weitere Leben in einem verheerenden Ausmaß beeinträchtigen
wird. Denn abgesehen vom Verlust des Vertrauens in die eigene Umwelt, der
eigenen Entwürdigung und Infragestellung, muss sich eine werdende Mutter
für oder gegen das Kind einer möglichen Zwangszeugung entscheiden.
Vom logischen Standpunkt aus betrachtet müsste man jeder Mutter wider
Willens mit Blick auf die Bremer Studie dringend zur Abtreibung raten.
Wenn sich die Mutter jedoch aus Gründen der Scham, oder ethischen Überzeugungen
zur Austragung entscheidet, dürften die Lebensbedingungen solch eines
Kindes bereits unter keinem günstigen Stern stehen. Warum?
Weil dieses Kind, sofern es nicht zur Adoption freigegeben wird, in den
folgenden Jahren häufig für den abrupten Verlust der persönlichen
Freiheit, oder berufliche Karriere der Mutter mehr oder weniger bewusst
mit offener oder subtiler Gewalt büßen wird.
Dies trifft in ähnlichem Sinne auf alle Kinder zu, deren Eltern durch
zu leichtfertigen und damit verantwortungslosen sexuellen Umgang unverhofft
ihre geplanten Lebenskonzepte aufgeben müssen und sich durch ein unerwünschtes
Kind in ihrer persönlichen Freiheit enorm eingeschränkt fühlen.
Diese Einschränkungen wirken umso negativer, wenn sich ein Partner
seinem Verantwortungsanteil durch frühe oder spätere Trennung
entzieht.

Dieses Phänomen
ist offenbar als Antwort der Emanzipationsbewegung wie auch als Folge unserer
konsumorientierten Gesellschaft zu betrachten. In der immer weniger Menschen
bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Und offenkundig immer weniger
Menschen willens oder fähig sind, Auseinandersetzungen einem konstruktiven
Ergebnis zuzuführen.
In Folge dieser Konflikt- und Verantwortungsflucht bleiben besonders viele
Mütter mit ihren Kindern auf sich allein gestellt zurück. Fortan
persönlich, wie auch finanziell stark eingeschränkt, während
ihnen gleichzeitig alle belastenden Aufgaben der Kindererziehung zufallen.
Belastungen also, deren Grenzen die Kinder zum Teil schmerzlichst zu spüren
bekommen, währenddessen die verflüchtigten Väter im Idealfall
und 14-tägigen Rhythmus weitaus aufgeräumter ihrer Aufgabe als
liebevoller Wochenend-Besuchspapa nachkommen.
Hinzu kommt, dass es Kleinstfamilien aufgrund arbeitsbedingter Familienzerstreuungen
zunehmend an begleitenden Verwandtschaftskreisen fehlt, an denen sich Eltern
in ihren eigenen Erziehungsbemühungen wenigstens teilweise orientieren,
oder sie anderweitig unterstützen könnten. Wie z.B. Großeltern,
die sich wie entspannende Friedensoasen auswirken, weil sie den Eltern wenigstens
mal zeitweise die Kinder abnehmen, um ohne den Druck der Kinder notwendige
Besorgungen zu verrichten, oder sich einfach selbst mal eine erholsame Auszeit
zu leisten.
Kindesmisshandlungen
äußern sich in der Regel längst nicht mit medienträchtigen
Schlagzeilen, die ohnehin nur die Spitze des Eisberge sozialer Verelendung
oder konzeptionsloser Hilflosigkeit anzeigen, sondern vollziehen sich, vom
lauten oder stillen Wehgeschrei misshandelter Kinderseelen abgesehen, eher
unbemerkt hinter verschlossen Zimmertüren.
Außenstehende bekommt kaum jemals mit, welch ein unseliger Erziehungsgeist
in Verwandtenkreisen oder bei unseren Nachbarn noch wirksam ist.
Wie die Geschlagenen von gestern, (nein Gottlob nicht alle!) die heute selbst
als Eltern in Verantwortung stehen und wiederum ihren eigenen Kindern mit
überzeugender Hingabe den nackten Hintern versohlen, weil ihnen ihr
Tracht Prügel in ihrer Kindheit vermeintlich auch nicht geschadet hat.
In der Übernahme familiärer Rollenverhalten und Wertevorstellungen,
liegt demnach eines der größten Probleme im Umgang mit Kindern
begründet.
So mag für Familie A, weil sie in ähnlicher Tradition aufgewachsen
ist, dass Ohrfeigen und anderweitige körperliche Züchtigen ihrer
Kinder zum normalen Erziehungsverständnis gehören, während
Familie B bereits in einer lautstarken Ansprache, den Straftatbestand empörender
Kindesmisshandlungen erfüllt sieht.
Das Problem ist auch deshalb so schwer zu greifen, weil physische Gewalt
sichtbarere Spuren hinterlässt, als jene unsichtbaren Narben, die sich
durch verbale Verletzungen, oder herabwürdigende Gesten noch weit tiefer
in die Seele eines Kindes eingraben. Wer als Kind aber nichts anderes kennen
gelernt hat, als eigene Interessen mit despotischen Getöse, oder demoralisierenden
Schuldzuweisungen durchzusetzen, wird damit nicht nur in seiner eigenen
Entwicklung zu einem selbständigen und verantwortungsbewussten Erwachsenen
gehemmt werden, sondern gibt in der Regel die eigenen Erfahrungen als Bestandteil
seiner oder ihrer Normalität an die nächste Generation von Kindern
weiter.
Ein unseliger Kreislauf. Dem nicht selten von einst misshandelten Menschen
eine bittere Krone aufgesetzt wird. Indem sie in aufrichtigster Absicht
und Eingedenk ihrer eigenen Qualen mit dem Wunsch antreten, eine eigene
"heile Familie" zu gründen, in der alles viel harmonischer
und liebvoller zugehen soll. Sie jedoch aufgrund eigener Defizite, bzw.
fehlender Vorbilder, recht schnell an die Grenzen ihrer Möglichkeiten
stoßen, um entweder resignierend Ehepartner und Kind sich selbst zu
überlassen, oder in Verhaltensmuster zurückfallen, die ihnen bereits
ihre eigenen Kindheiten schwer machten.
In Sachen Familie und
Erziehung, wird wie zuletzt 2007 Familienministerin von der Leyen verlauten
ließ, den Menschen im Lande bevorzugt die Rückbesinnung auf christliche
Werte empfohlen, um ein verantwortungstragendes und friedsames Gesellschaftsideal
zu erzielen.
Dieses Ansinnen müsste mit Blick auf unsere christlich ausgerichtete
Staatsdoktrin umso mehr erstaunen, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie
lang unsere abendländische christliche Tradition zurückreicht.
Immerhin hat sie selbst in unsere "neuzeitliche" Nachkriegsverfassung
eine gewichtige Stimme erhalten, um gemäß GG §7 Abs. 3 nahezu
jedem Kind mit katholischen oder evangelischen Schulunterricht die ideellen
christlichen Werte zu vermitteln.
Trotz dieser traditionellen
Anstrengungen spiegelt sich das Sendungsbewusstsein christlicher Wertevorstellungen
im realen Alltag kaum noch nennenswert wieder.
Im Gegenteil: Wenn in unserer Gesellschaft etwas unübersehbar ist,
dann ist es eine zunehmende Ellenbogenmentalität. Diese ist jedoch
nicht primär auf das Aufweichen christlicher Werte zurückzuführen,
sondern eher auf die größeren bildungsbedingten Entfaltungsmöglichkeiten
der freizügiger aufgewachsenen Menschen, die sich heute viel früher
aus dem einst engen familiären Korsett lösen, um eine möglichst
umfassende Unabhängig- und Selbstständigkeit zu erreichen.
Wie bei nahezu allen jungen Leuten, die sich im Übergang zum erwachsenen
Menschen befinden, geht dieser Abnabelungsprozess mit einer Identitätssuche
einher, die in einer immer offener zutage tretenden bigotten Umwelt und
mit Blick auf öffentliche Leitfiguren mit deutlich egozentrischer Ausrichtung,
ebenso häufig in der Konzentration auf eigene Fähigkeiten und
Wünsche mündet.
Damit wird deutlich, dass es weder Familien, Kirchenvertretern, noch durch
staatlich angebotenem Religionsunterricht gelungen ist, junge Menschen für
die verinnerlichte Anwendung christlicher Wertemaßstäbe zu begeistern.
Seltsam auch dass sich just in christlich konservativen Kreisen die befreiende
Botschaft Jesu Christi so auffallend selten in freundlich geprägten
Gesichtern wiederspiegelt, noch im täglichen Leben durch einen herzlichen
Umgang erkennbar wird. Wäre es anders, - sähe auch die uns umgebende
Welt anders aus! Dies trifft übrigens in gleicher Weise auf nahezu
alle Religionsgemeinschaften zu!
Mit dieser Entwicklung rächt sich gegenwärtig die Arroganz der
Macht, mit der die Geistlichkeit im einvernehmlichen Schulterschluss mit
dem Geldadel vergangener Jahrhunderte die Bürger mit offener und subtiler
Gewalt in bequemer Abhängigkeit hielt. Im Namen des Herrn wurden dem
Bürger durch zufallsbedingte Geburt die territorialgebundene Konfession
auferlegt, um mit abgepressten Frondiensten und materiellen Abgaben den
irdischen Repräsentanten Gottes hinter dicken Mauern ehrfurchteinflößender
Residenzen und Schlössern, weit weniger entsagungsreiche Lebensstile
zu ermöglichen, wie es dem gewöhnlichen Volk als gottgefällige
Tugend gepredigt wurde. Und zwar in mystisch verklärender lateinischer
Sprache, um nicht gar in Erklärungsnöte zu geraten, warum gerade
die Spitzen der Geistlichkeit, dem Mammon und Rausch der Macht so unverhohlen
erlagen, statt dem Volk in christlicher Demut zu dienen.
Dem Fußvolk Gottes wurde das entbehrungsreiche Leben auf Erden mit
Blick auf das weit weniger anstrengendes Leben im paradiesischen Jenseits
mit der Option eines Zuckerls schmackhaft angedient, sich Gottes Lohn durch
Treue, Fleiß, Glaube und Gebet zu erarbeiten. Wer seine Erfüllung
hingegen im diesseitig ausgerichteten Leben suchte, oder der Obrigkeit gar
kritisch gegenüber stand, dem wurde mit dem klerikalen Peitschenhieb
Hölle recht schnell die nötige Demut und Respekt vor der Macht
der Mächtigen beigebracht. Wie z.B. der noch immer weitverbreiteten
aber nicht minder unchristlichen Ansicht, ewige Höllenqualen im Jenseits
erleiden zu müssen.
Dabei hat der Begriff Hölle ursprünglich nie etwas mit ewigen
Qualen gemeinsam gehabt, sondern ist aus dem Namen der nordischen Totengöttin
Hel hervorgegangen und gemäß dem Duden Herkunftswörterbuch
nicht anderes als harmloses verhehlen - verbergen der Toten bedeutet.
Entgegen den himmlischen Verheißungen, wurde der Vorstellung der zu
erwartenden Höllenqualen bereits im Diesseits mit öffentlichkeitswirksamen
Folter
und Hinrichtungsritualen tatkräftig nachgeholfen. Dessen "heilsamer"
Schock dieser unmenschlichen Barbareien, wie auch deren mündlichen
Verbreitung jeden Zuhörer bereits das Blut in den Adern gefrieren ließ
und bei den meisten Menschen jene
devote Unterwürfigkeit erzeugt haben dürfte, mit der es den "Tugendwächtern"
ein leichtes war
das unwissende Volk mit ihren verinnerlichten Ängsten beliebig zu manipulieren.
Hierzu gehörte die Auferlegung völlig absurder Moralvorstellungen,
die die Menschen unter anderem in einem ihrer wichtigsten Lebensinhalte,
nämlich der natürlichen Entfaltung ihrer Sexualität zutiefst
einengte. Möglicherweise hatte man mit Blick auf die naturgemäßen
Übertretungen, genau dieses menschliche Bedürfnis mit dem moralischen
Bannstrahl belegt, um mit dem gutfunktionierenden Druckmittel der Schuld,
nach Belieben auf ein bußwilliges Heer von "Sündern"
zurückgreifen zu können, die mit Blick auf die zu erwartenden
Höllenqualen, nur allzu bereit waren, jeden Dienst zum Ablass ihrer
Schuld zu leisten.
Diese moralischen Geißeln der Menschheit führen - gottlob mit
abnehmender Tendenz - bis in unser "aufgeklärtes" Zeitalter
hinein zu fürchterlichen Verklemmungen, Schuldgefühlen und Ängsten.
Insbesondere in Bezug auf Sexualität, über dieses wichtige und
doch eigentlich völlig normale Bedürfnis, bis heute noch immer
nur verschämt gesprochen wird, obwohl dies für eine verantwortungsbewusste
Lebensplanung so außerordentlich wichtig wäre.
So kann es kaum verwundern, wenn dieser Druck durch wagenburgähnliche
Familien- und Dorfstrukturen nach außen hin heruntergespielt wurde.
Der es Fremden kaum erlaubte, hinter die scheinbar gutbürgerlichen
Fassaden zu schauen, oder deren geistigen Wandel in Frage zu stellen.
Genau jene Strukturen, die heute gern wieder als christlich orientierte
Musterfamilien idealisiert werden. Dass hinter derartigen Fassaden häufig
noch ein patriarchalischer Geist weht, der mit harter Hand den eigenen Druck
und öffentliche Bild zu wahren hat, dem als letztes Glied einer abwärtsgerichteten
Spirale häufig die darin lebenden Kinder zum Opfer gewaltbetonter Erziehungsvorstellungen
fallen, davon freilich erfährt kaum jemand etwas.
So kann/muss als gesicherte Erkenntnis festgehalten werden. Je konservativer
die Glaubensaurichtung, desto kompromiss- und liebloser fällt die Erziehung
von Kindern aus. Davon konnten sich besonders zahlreiche Kinder in konfessionell
geführten Heimeinrichtungen überzeugen. In ihnen ließen
willige Ordensschwestern, Nonnen und somit billige Kräfte, ihre eigenen
Bedürfnisse verleugnend, hinter Mauern des Schweigens, den Kindern
gegenüber die ganze Bandbreite ihres frustrierten Lebens spüren.
Entsprechend ihrer Glaubensdoktrin, verließen diese Kinder später
als gebrochene und emotional degenerierte Heranwachsende diese Höllen.
Geprägt durch große Unselbstständigkeit und Unsicherheit
brauchten sie Jahrzehnte, um ihren eigenen Wege aus dem auferlegten moralischen
Dickicht zu finden.
Dazu zählt auch jene unbekannte Anzahl von Menschen die nie einen Ausgang
aus ihrem beschwerlichen Lebenslabyrinth fanden und deshalb ihre Freiheit
lieber durch ein in klerikaler Lesart moralisch nicht minder verwerflichen
Gewaltfanal - den Freitod herbeiführten.
Eine übersteigerte Erwartungshaltung gegenüber Kindern führt nicht selten ebenso zu direkten oder indirekten Kindesmisshandlungen.
In Zeiten sinkender
Arbeitsplätze, dagegen erhöhter Anforderungen in Schule und Beruf,
versuchen viele Eltern bereits frühzeitig ihre Kinder auf Leistung
zu trimmen, um ihren beruflichen Werdegang im besten Sinne einkommensträchtig
zu fördern. Soweit derlei Bestrebungen im vernünftigen Rahmen
noch einigermaßen nachvollziehbar sind, so zieht eine übertrieben
ehrgeizige Vorstellungen der Eltern im Falle des Versagens ihres durchschnittlich
begabten Kindes nicht selten die Anwendung jeder denkbaren Sanktionspalette
nach sich, die bis zur vollständigen Entwürdigung und Ablehnung
derart betroffener Kinder führen kann.
7.
Ursache:
Sexuelle Gewalt
Hat schon mal jemand davon gehört, dass Kinder ohne zuvor suggestiv
instruiert worden zu sein, aus eigenem Antrieb heraus sexuell ambitionierte
Kontakte zu den eigenen Eltern, Geschwistern, oder gar fremden Menschen
gesucht hätten? Wohl kaum. Weil Kindern der Wesenzug sexueller Begierden,
wenigstens noch bis zum Pubertätsalter fehlt. Dagegen zeichnet Kinder
das Bedürfnis zum normalen Schmusen aus. Und zwar ausschließlich
auf ihre beschützenden Eltern, oder anderweitig vertrauten, bzw. liebevollen
Umgangspersonen beschränkt.
Diese Kontakte
haben jedoch aus Kinderperspektive nie einen geschlechtsspezifischen Bezug,
wie zuweilen von Missbrauchstätern angeführt wird, um ihr übergriffiges
Verhalten als Handlungen beiderseitigen Einverständnisses herunterzuspielen.
Denn auch wenn mit sexuellem Missbrauch keine anderweitige körperlichen
Misshandlung verbunden sein müssen, so bleibt es dennoch ein Gewaltakt,
mit dem vorzugsweise mehr oder weniger vernachlässigte Kinder zu sexuellen
Handlungen manipuliert werden, die weder ihrem Entwicklungsstand entsprechen,
noch von ihnen in ihrer Tragweite objektiv beurteilt werden können.
Genau darin besteht allerdings für Pädophile ein Problem und macht
sie für Kinder so gefährlich. Denn da sie ihre Orientierung nicht
so einfach outen können, ohne hysterische Abwehrreaktionen auszulösen,
suchen sie erst gar nicht nach fachkundigem Beistand, sondern umwerben ihr
Ziel der Begierde umso länger und behutsamer um zunächst eine
Vertrauensbasis für den beabsichtigten Missbrauch zu bilden.
Die Folgen für die Kinder bleiben dennoch ähnlich grausam, wie
für jene missbrauchten Kinder, deren Täterschaften in triebgetriebener
sexueller Gier binnen zufälliger Augenblicke mit roher Gewalt über
ihre Opfer herfallen.
Das besonders Fatale an solchen Vorfällen ist nicht nur die traumatische
Opfer/Täter- Beziehung, sondern in vielen bekannten Fällen führt
der innere Rückzug der Kinder innerhalb ihrer liebvollen Familien,
zu hochproblematischen Folgereaktionen, weil die Angehörigen die Zeichensprache
der Opfer selten mit dem nötigen Verständnis zu interpretieren
vermögen.
Auch dieser Geißel könnte durch eine frühzeitige Sensibilisierung
begegnet werden, wenn bereits mit kleineren Kindern ungezwungen über
das Thema Sexualität gesprochen wird und sie anschließend wissen,
wann es Zeit wird hellhörig zu werden, bzw. sich im Missbrauchsfall
umgehend Hilfe suchen könnten. Täter hätten somit kaum noch
Chancen ihre Opfer dauerhaft einzuschüchtern, zumal sie idealerweise
lernen würden, mit eventuell eigenen vorliegende Fehlorientierungen
verantwortungsvoll umzugehen und sich ohne diskriminierende Ängste
frühzeitig fachlichen Beistand suchen könnten.
8. Ursache.
Alkohol und Drogen
Nicht hinter jeder
Kindesmisshandlung und/oder Missbrauch steht ein verrohter Mensch, dem es
Freude macht Kinder zu misshandeln.
Häufiger stehen dahinter selbst in ihrer Seele verletzte Menschen,
die ihren Kummer zuweilen mit
dem Griff zur Flasche, oder Drogen weichspülen müssen. Doch bekanntlich
gewinnen solche Seelen-tröster mit der Zeit eine unselige Eigendynamik,
der sich die Konsumenten immer schwerer zu ent-
ziehen vermögen. Damit einher geht fast parallel eine zunehmende Entwürdigung
der Person selbst,
wie auch ein
zunehmendes Aggressionspotenzial, dessen Persönlichkeitsausfall nicht
nur beim ers-
ten Ausraster bleibende Spuren bei Kindern hinterlässt. Die Verwirrungen
in der Kinderseele sind
umso tiefer, wenn Kinder, nach von Delirium umnachteter Gewaltorgien, von
ihren ernüchterten
Bezugspersonen mit unhaltbaren Besserungsschwüren bearbeitet werden.
Wobei es nahezu neben-sächlich bleibt, ob sich die Gewalt gegen das
Kind selbst, oder einem anderen Familienmitglied
richtete.
Daher verbietet allein schon die elterliche Vorbildfunktion derartige Exzesssituationen.
9.
Ursache:
Unbeherrschtheit
Die Unbeherrschtheit passt eigentlich in alle vorgestellten Gewaltbereiche.
Da sie aber auch für sich als schwächelnde Charaktereigenschaft
stehen kann, soll sie in der Riege der Gewaltursachen auch einen eigenständigen
Platz erhalten.
Unbeherrschtheit trägt durch sein unwillkürliches Auftreten zur
dauerhaften Verunsicherung von Kindern bei und vergiftet sehr nachhaltig
die häusliche Atmosphäre.
10. Ursache:
Stress durch Arbeit
Arbeit ist heutzutage
ein notwendiges Übel. Schließlich leben wir nicht mehr nackt
und unbeschwert wie unsere Urvorfahren gemeinsam in den Tag hinein und ernähren
uns von dem was uns die Natur bereitet hat.
Nein, heute leben wir von bequemen Annehmlichkeiten umgeben in unseren geschlossenen
Wohnungen um unserer Arbeit Lohn zu genießen. Einer Arbeit, die wir
dank Grundlage unserer zukunftsgerichteten Schul- und Berufsausbildung mit
täglicher Freude ausüben, weil wir uns zu unserem ausgeübten
Beruf berufen fühlen und damit nicht nur gutes Geld verdienen, sondern
darüber hinaus auch gesellschaftliche Anerkennung erfahren. ...............So
die Idealvorstellung wie wir sie uns für alle Menschen wünschen
möchten.
Die Realität sieht für die meisten von uns hingegen leider entschieden
anders aus.
Schon als Kinder werden wir unabhängig von persönlichen Entwicklungsständen,
oder Charakteren durch ein leistungs-orientiertes Schulraster gezwängt,
(siehe: Bildungsnot)
das uns frühzeitig in Gewinner und Verlierer, bzw. künftige Facharbeitskräfte
und Hilfsarbeiter/innen trennt. Übergangslos dürfen wir uns weiter
auf eine Berufswahl festlegen, von der wir wenigstens schon mal theoretisch
etwas gehört haben und denken, dass uns diese oder jene Tätigkeit
fortan Spaß machen könnte. Gleichzeitig soll uns dieser Beruf
das nötige Einkommen bescheren, mit dem wir uns neben der obligatorischen
Gründung einer eigenen Familie, so manche werbeunterstützen Annehmlichkeiten
unser Hochzivilisation leisten können, wie etwa, Handys, Mopeds, Autos,
Urlaubsreisen und möglichst auch ein eigenes Heim.
Die Gründung der angedachten Familie schaffen wir gerade noch so -
notgedrungen, ..... weil das Kleine schon unterwegs war. Aber bereits die
Wohnungseinrichtung, Urlaub und Auto müssen auf Raten abgestottert
werden, weil der Lohn von der Leiharbeitsfirma vorn und hinten nicht ausreicht,
den der monotone Job am Band am Ende des Monats abwirft.
Den abgeschlossene Gesellenbrief für den angedachten Wunschberuf z.B.
als Autoschlosser, oder Frisör/se haben wir zwar in der Tasche, aber
davon abgesehen, dass wir später erst merken, dass wir eigentlich doch
nicht so
den Drang haben, um uns an unzugänglichen Motoren die ölverschmierten
Hände zu verrenken, oder den
ganzen Tag freundlich lächelnd Kunden zu bedienen, haben wir trotz
zahlreicher Bewerbungen keine
Arbeitgeber gefunden die uns als ausgelernte Berufsanfänger zu annehmbaren
Bedingungen einstellen
wollten.
Soweit eine fiktive Beschreibung, die von der Realität leider oft noch
übertroffen wird.
Zusammenfassend lässt sich zumindest sagen, dass der Frust unter vielen
Beschäftigten außerordentlich
ausgeprägt ist. Denn die meisten Berufstätigen üben Tätigkeiten
aus, die weder ihrer Berufung ent-
sprechen noch gesellschaftliche Anerkennung erfahren.
So leisten viele vom
zunehmenden Druck, dass auch ihr Arbeitsplatz dem globalen Rationalisierungswahn
zum Opfer fällt, von Konkurenzgebahren und möglichen Mobbing-Attacken
begleitet, unmotiviert ihre
tägliche Schicht ab. Damit nicht genug, steigt mit jedem freigesetzten
Arbeitsplatz für die verbliebenen Arbeitnehmer/innen die zusätzliche
Arbeitsleistung, während bei gleichzeitig gestiegenen Lebenshaltungskosten
und Sozialabgaben, insbesondere für Neueinsteiger das Einkommen drastisch
gesunken ist. Diese Tendenz treibt teilweise immer groteskere Blüten,
wie zunehmend Menschen, deren Einkommen (bekannt sind 2,5-5 Euro/Std.) bei
weitem nicht mehr ausreicht, um das notwendigste Auskommenen sicherzustellen.
Und während die Solidargemeinschaft bemüht wird, diesen Lohndumping
mit ihren Sozialabgaben auszugleichen, gibt es seitens Arbeitgeberkreise
immer wieder neue Bestrebungen, die Soziallasten möglichst komplett
den Arbeitnehmern aufzubürden, während sie sich zunächst
der Einführung von Mindestlöhnen erfolgreich verweigerten, um
sich am Ende von "weichgekochten" Politik und Gewerkschaftsvertretungen
Mindestlöhne absegnen zu lassen, deren Niveau uns bereits vor 20/30
Jahren bekannt waren. Diese meiner Ansicht nach zunehmenden Ausbeutungstendenzen
zwingen immer mehr Menschen zu einem zweiten oder dritten Beschäftigungsverhältnis,
um sich und ihren Familien ein ausreichendes Einkommen zu ermöglichen.
Damit fehlt ihnen zunehmend die Zeit für ein intaktes Familienleben
und einbringen in ihre soziale Gemeinschaft. Während sie daheim auf
die Zuwendungsbedürfnisse ihrer Familie erschöpfungsbedingt gereizt
reagieren.
Womit die Belastungen der Arbeit heute zunehmend die schwächsten Glieder,
dieser Kette, nämlich die eigenen Kinder trifft. Und zwar längst
nicht nur mit roher Gewalt, sondern der finanziellen Einschränkungen
wegen immer häufiger mit sozialem Rückzug und damit eigener Isolation.
Überforderung
wäre vielleicht auch noch zu erwähnen, soweit es fehlende Vorbilder,
oder alternative Umgangskonzepte von Eltern betrifft. Aber kommt in den
zuvor aufgeführten Ursachen, nicht überall auch die Komponente
der Überforderung wie zum Beispiel durch Stress zum tragen?
Und Hand aufs Herz: sind Kinder und deren Erziehung nicht auch selbst mit
ständigem Stress und schweißtreibenden Sorgen verbunden?
Kinder sind nun mal herausfordernde Wesen, indem sie geradezu gezwungenermaßen
beständig die Grenzen ihrer umgebenden Welt herausfordern müssen,
um auf die Herausforderungen ihres späteren Lebens ausreichend vorbereitet
zu sein.
Jeder von uns hat als Kind diese Entwicklung durchmachen müssen und
wäre sicher froh gewesen, wenn die eigenen Eltern auf unsere Bedürfnisse
verständnisvoll reagiert hätten. Genauso, wie heute sehr wahrscheinlich
viele Eltern froh wären, wenn sie denn wüssten, wie sie auf die
Bedürfnisse ihrer Kinder angemessener reagieren könnten. Doch
in dieser Richtung fehlt es auf ganzer Linie an übergreifenden Hilfestellungen.
Gewalt gegen Kinder hat demnach nicht nur eine lange Tradition, sondern
darüber hinaus eine Vielzahl von Ursachen. In denen die meisten von
uns dermaßen verwoben sind, um sie als völlig normalen Bestandteil
unseres Lebens gar nicht mehr als Gewalt wahrzunehmen.
Hierauf möchte ich ohne jemand im Einzelnen anzuklagen aufmerksam machen,
damit sich etwas für unsere künftigen Kinder und künftigen
Gesellschaft positiv verändern kann.
Veränderungen lassen sich jedoch nur unter der Voraussetzung erzielen,
sofern ein Veränderungsbedürfnis erkannt wird.
Von daher würde ich mir wünschen, wenn mit dieser etwas länger
ausgefallenen, aber wahrscheinlich nicht mal umfassende Veranschaulichung
verschiedener Gewaltursachen gegen Kinder, das erforderliche Bewusstsein
jedes einzelnen Betrachters geweckt, oder erweitert wurde, um uns gemeinsam
für weitere Sozialreformen zugunsten eines erfüllten Lebens künftiger
Kindergenerationen, wie auch unser gesamten Gesellschaft einzusetzen.
Hierzu ist weiteres unter der Rubrik Ziele zu finden.
Die einzelnen Gewaltursachen noch einmal in geordneter Übersicht:
Dem Arbeitsstress steht
nicht selten mit umgekehrten Vorzeichen der Freizeitstress gegenüber.
Auch er trägt mitunter zu einem unangemessenen Umgang mit Kindern bei,
wenn diese das Ausleben der eigenen Freiräume einengen, oder anders
ausgedrückt, die schleichende Vernachlässigung der eigenen Kinder
nach sich zieht.
Nicht zuletzt durch Werbung animiert stürzen sich immer mehr Menschen
in Freizeitaktivitäten über die sie sich um jene gesellschaftliche
Anerkennung bemühen, die ihnen durch ihren Arbeitsplatz, oder familiäres
Umfeld nicht mehr gegeben ist.
So treten sie hier in nicht ganz uneigennütziger Absicht als Klassenelternsprecher/innen
auf, dort das geschäftsförderliche Vereinsengagement, im prestigeträchtigen
Golfclub, das inzwischen fast obligatorische Fitness und Wellnessprogramm.
Ach ja, wie viel Kultur darf es sein?
Lieber fetziges Pop/Rockspecktakel, oder mehr getragene Ballettaufführungen,
das Engagement im Laientheater, das Mitwirken im Kirchenchor, die interessierte
Kunstausstellung und was es da nicht alles an aktiven, wie passiven Freizeitaktivitäten
gibt.
Aber auch so manche Kinder selbst, dürfen einfach nicht mehr nur in
ihrer Freizeit gemäß ihren Phantasien spielen, sondern geraten
bereits frühzeitig, mit nahezu obligatorischen Nachhilfestunden in
der Schule und weiteren Reit- Musik- Ballett- und anderen Unterrichtungen,
sowie Fernseh- und PC-Konsum in erheblichen Freizeitstress.
Für sich allein genommen sind diese Aktivitäten sicher längst
nicht zu den primären Gewaltursachen zu zählen, dennoch tragen
auch sie durch die damit verbundene Unausgeglichenheit und z.T. unzureichenden
Sozialkompetenzen, auf indirektem Weg, dann doch zu erheblichen Eltern-Kind-Konflikten
bei.

Quelle: vex pixelio.de
Armut entwürdigt
insoweit, dass sie diesen betroffenen Menschen kaum noch ermöglicht,
am kulturellen Leben ihrer Gesellschaft teilzunehmen. Armut reduziert die
Souveränität der betroffenen Menschen zu Bittstellern, und hält
sie ihrer extrem eingeschränkten Handlungsfähigkeit wegen häufig
in gesellschaftlich isolierter Gefangenschaft.
Je länger diese Situation anhält desto mehr verfestigen sich die
umgebenden Strukturen.
Nicht zuletzt, weil von diesen unterstützungsabhängigen Menschen
erwartet wir jede zumutbare Arbeit annehmen zu müssen, um ihre Abhängigkeit
zu beenden. Dabei fallen ihnen häufig jene geringstbezahlten Arbeiten
zu, die viele Überstunden, oder einen zweiten Arbeitsplatz erforderlich
machen, um nur einigermaßen über die Runden zu kommen.
Damit schränken sich auch ihre Möglichkeiten ein, einen besseren
Arbeitsplatz zu finden, um die Umklammerungen ihrer Armut zu überwinden.
So entsteht eine Perspektivlosigkeit, die sich nicht selten wegen der dauerhaft
angespannten Haushaltskasse und damit einhergehenden Depression der Eltern,
bzw. sorgeberechtigten Personen, in negativer Weise auf die anwesenden Kinder
niederschlägt.
