Über die Ursachen familärer Gewalt

Mehr oder weniger regelmäßig erscheinen in den Medien Berichte über schwere Misshandlungen oder sexuellen Missbrauch gegenüber Kindern, die von scheinbar gefühllosen Vätern, Müttern oder anderweitig den Kindern nahestehenden Personen verübt werden.
Mit derselben Regelmäßigkeit sind wir geneigt, in den Tenor einzustimmen, mit dem in geselligen Gesprächsrunden, nicht selten die Todesstrafe oder doch wenigstens die gleichen Qualen für derartige Monstereltern gefordert wird, die sie zuvor ihren eigenen Kindern zugefügt hatten.
Damit erschöpft sich aber meist schon unser Interesse an diesem Thema und dem weiteren Werdegang derart betroffener Kinder. Allenfalls nehmen wir irgendwann noch dem juristischen Schlussakt zur Kenntnis, bevor wir wieder in unsere gewohnte Tristesse zurückfallen, um unserer unbeteiligten Empörung bei der nächsten Meldung von Kindesmisshandlung erneut lauthals Luft zu verschaffen.

2. Ursache:
Patchworkfamilien Stief-Pflegeltern, Fremderziehung.

Bei aller aufrichtigen Liebe und Zuwendung, die ein Großteil dieses Personenkreises "fremden" Kindern gegenüber zu geben bereit ist, so gehört dieser Punkt dennoch in die Reihe der Ursachen, die schon seit Alters her eine düstere Tradition von Gewalt gegen Kinder aufweist. In zahlreichen Märchen wird bereits auf den überaus problematischen Umgang zwischen Stiefeltern und ihren Stiefkindern Bezug genommen. In der Tierwelt werden Tierstiefkinder sogar häufiger getötet um, die eigenen Art des Stärkeren das Überleben zu sichern.
Ob dieses Verhalten auch im menschlichen Miteinander dieselbe Bedeutung hat, muss dahingestellt bleiben. Fakt bleibt hingegen, dass Kinder die bei einem Elternteil mit wechselnden Partnern/innen, auch als Patchwork-Familien bekannt, oder mit Stiefeltern in zweiter, dritter Ehe zusammen leben wesentlich höher gewalt- oder vernachlässigungsgefährdet sind, als Kinder die im Haushalt ihrer leiblichen Eltern aufwachsen. Neben dem möglicherweise unbewussten Bestreben der Arterhaltung und der damit verbundenen Bevorzugung der eigenen Kinder, insbesondere bei partnerschaftlichen Problemen, dürfte die Gefährdung auch daran liegen, weil Stief- und Pflegeeltern häufig die emotionale Bindung zu ihren Stiefkindern fehlt.
Denn nicht Kinder, sondern allein die knisternde Anziehungskraft zwischen den Erwachsenen ist die tragende Kraft, die unterschiedliche Menschen zu neuen Lebensgemeinschaften verbindet.
Bereits vorhandene Kinder der Partnerin, oder des Partners, bilden da eher ein störendes Element, dass "notgedrungen" akzeptiert wird, um ans Ziel eigener Begierden zu gelangen. Erlischt diese verbindende Leidenschaft, oder stellen sich markante partnerschaftliche Probleme ein, werden Kinder sehr viel häufiger von Gewalt und Vernachlässigung bedroht.

Als problematisch muss in diesem Zusammenhang auch jene Praxis beurteilt werden, mit der Jugendämter Kinder in Pflegefamilien vermitteln, die bereits genug eigene, oder Pflegekinder betreuen. Ich hörte von Fällen, wo 5-10 Kinder innerhalb einer Pflegefamilie lebten, obwohl doch hinlänglich bekannt ist, dass eine Familie gewöhnlich schon mit ihren zwei oder drei eigenen Kindern hinreichend belastet ist.
Bei diesem "Kinderhandel", denn als nichts anderes würde ich diese Praxis bezeichnen, spielen sowohl auf der einen, wie auch auf der anderen Seite überwiegend finanzielle Erwägungen eine tragende Rolle. Diese mögen zwar so manche Mitarbeiter der Jugendämter in ihrer Sacharbeit und Verantwortung entlasten, wie auch so manchen Pflegeeltern ein gutes Ein- und Auskommen sichern. Ob die betreffenden Kinder davon gleichfalls in einer förderlichen Behandlung und Entwicklung profitieren, erscheint mir hingegen äußerst fragwürdig.

Ähnlich fragwürdig waren Kinderheime alter Prägung, die noch als Erziehungsanstalten bekannt waren. In diesen Einrichtungen wurden Kinder alternativ zu ihren familiären Höllen, gleich kompanieweise bei Gruppenstärken von 15-35 Kindern, in liebloser Atmosphäre, von zwei bis drei Erziehungskräften wie eine ungezähmte Herde gehütet, oder besser bewacht.
Ein geordnetes Zusammenleben dieser ohnehin mehrheitlich milieugeschädigten Kinder war unter diesen Umständen nur mit enorm restriktiven und willensbrechenden "Erziehungspraktiken" möglich.
Kein Wunder also, wenn diese Menschen derartige Zuchthäuser häufig als gebrochene, unselbstständige Wesen verließen, um, sofern noch emotional bindungsfähig, ihren erfahrenen Vorbildern gemäß, später die eigenen Kinder ähnlich streng zu erziehen.
Dieses verheerende Bild hat sich inzwischen deutlich zugunsten gegenwärtigen Heimkinder verbessert, da diese heute weitgehend in sogennanten Wohngruppen mit selten mehr als 6-8 Kindern betreut werden und pädagogisches Fachpersonal darauf hinarbeiten, diesen jungen Menschen fundamentale Grundlagen für ein selbstbewusstes und eigenständiges Leben zu vermitteln.

Doch bei all den gutmeinenden Versuchen dürfte nachvollziehbar bleiben, dass Kindern in schichtdienstleistenden Kinderheimen niemals die emotionale Nähe vermittelt werden kann, wie sie in einer liebevoll geprägten Familie zum selbstverständlichen Umgang gehören sollte.
Wenn es Familien gibt, in denen diese Selbstverständlichkeit fehlt, dann aus den hier angesprochenen Gründen.

Dieser Balken im Auge unserer Gesellschaft ist in erster Linie für die ständig neuen Berichte von Kindesmisshandlungen und dem Leid Abertausender von Kindern verantwortlich, dessen Folgebehandlungen der verletzten Körper und Seelen wir mit stoischer Gelassenheit als Teil unserer Normalität tragen.
Gäbe es eine Statistik, die uns säuberlich aufgelistet die Höhe des volkswirtschaftlichen Schadens anzeigen würde, die durch direkte und indirekte Gewalt entsteht, dann wäre vermutlich längst schon mehr unternommen worden, um Erziehungsfragen nicht mehr allein steinzeitlichen Traditionen zu überlassen, dessen Gewaltspiralen sich kontinuierlich bis in die Gegenwart weiter bewegen.

Wenn es also darum geht etwas zu verändern, dann müssen zunächst mal die bestehenden Mängel kenntlich gemacht werden.
Und wer wenn nicht jene, die aufgrund eines bestehenden Mangels geschädigt wurden, wären dafür besonders gut geeignet?
Gerade diese müssten sich für eine notwendige Veränderung einsetzen, denn jene die an den Schalthebeln der Macht sitzen, sind in der Regel bildungsbedingt weniger von massiver Gewalt in ihrer Kindheit betroffenen worden als z.B. Kinder aus dem Arbeitermilieu. Folglich werden diese weniger Leidgeprüften kaum einen nötigen Handlungsbedarf erkennen. Nicht zuletzt auch aus dem weiteren Grund, weil die Gewaltbetroffenen selbst oft gar nicht mehr das Rückgrat und die Stimmkraft aufweisen, um aus ihrem erlittenen Leid heraus noch einen notwendigen Handlungsbedarf einzufordern. Nicht nur, weil sie durch ihre Gewalterfahrungen zutiefst eingeschüchtert wurden, sondern, und hier schließt sich wieder der Generationskreislauf, ihre erlittene Gewalt längst als Teil ihrer Normalität verinnerlicht haben.
Sie spüren wohl zeitweise, dass in ihrer vergangenen Kindheit einiges nicht in Ordnung war, können jedoch selten die daraus notwendigen Schlüsse ziehen.

Dieses Szenario ist ein wiederkehrendes Ritual, das mit ähnlicher Regelmäßigkeit auftritt, wie die Spiralen der Gewalt, mit der Kinder über Generationen hinweg konfrontiert wurden und noch immer werden. Dass es Kindern vor Zeiten der Industrialisierung, bzw. Einführung der bismarckschen Sozialsysteme als nahezu rechtlose Wesen noch weitaus schlimmer erging, soll das gegenwärtige Leid, dem Kinder auch heute noch ausgesetzt sind nicht schmälern. Darf an dieser Stelle aber nicht unerwähnt bleiben, um noch klarer herauszustellen, dass sich die Gewaltspiralen bereits seit Menschengedenken nahezu ununterbrochen von einer Generation zur nächsten Generation fortsetzen.

Das erstaunliche daran ist, dass weder unsere unbetroffene Mitmenschen, noch die Gewaltbetroffenen selbst, ernsthafte Bemühungen erkennen lassen, um diesem himmelschreienden Unrecht für viele Kinder tatsächlich Einhalt zu gebieten.
Klar, gibt es längst auch anspruchsvolle Schutzanstrengungen für Kinder, wie sie von zahlreichen Organisationen, Vereinen, Betroffenenverbänden als auch engagierten Individualisten eingefordert und angeboten werden. Siehe allein diese imposante Linkliste, zu 950 hilfeanbietenden Webauftritten.
Die meisten Schutzanstrengungen von Sozialverbänden und Politik beschränken sich jedoch noch immer mehrheitlich auf die Behandlung von Symptomen, statt bestehende Probleme an der Wurzeln zu packen.

Schon seit meiner Jugendzeit habe ich mir wiederholt die Frage des WARUM? gestellt und bin erst heute als knapp 50-Jähriger zu der Antwort gelangt, dass unsere Gesellschaft die Ursachen von Gewalt nur deshalb noch nicht in ihrer gesamten Tragweite realisiert hat, weil alle Formen der Gewalt bereits über Generationen hinweg zu unserem ganz normalen Alltag und somit zu unserer Normalität gehören.

Diese Normalität hinterfragt niemand mehr, weil wir sie in unserer eigenen Kinder- und Jugendzeit zu spüren bekamen, oder einfach um uns herum sichtbar war, ohne dass wir nach dem "Warum" fragten.
Und so selbstverständlich, wie uns die eigene erfahrene Gewalt war, geben wir sie von mehr oder weniger individuellen Abweichungen abgesehen, auch an unsere nächste Generation von Kindern weiter.
Wir empören uns zwar über gravierende Menschenrechtsverletzungen in fernen Entwicklungsländern oder Medienberichten über sexuellen Missbrauch von Kindern und besonders schwere Kindesmisshandlungen im eigenen Land. Kaum jemand käme aber auf die Idee, dass unsere hochtechnische Zivilisation in Erziehungsfragen selbst noch ein rauhes Entwicklungsland ist. Indem wir unsere Kinder immer noch nach steinzeitlichen Vorbildern behandeln, obwohl wir in Bezug auf eine mitmenschlichere Sozialisation längst schon einige Stufen weiter stehen könnten.


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Natürlich gibt es hier wie dort in allen Bereichen Ausnahmen.

Deshalb erhebe ich mit meinen folgenden Darlegungen weder den Anspruch auf Allgemeingültigkeit,
noch Vollständigkeit.
Es ist vielmehr der Versuch aus eigener Betroffenheit, Beobachtungen und subjektiven Überlegungen heraus, einen möglichen Weg aus der apathischen Gleichgültigkeit zu finden, mit der wir gesamtgesellschaftlich immer noch zulassen, dass sich eine große Anzahl von Kindern nicht so lebensfroh und selbstbewusst entwickeln können, wie wir es uns für selbst und unsere eigenen Kinder wünschen würden.
Doch um etwas zu verändern, muss zunächst mal angesprochen werden, wo der Schuh drückt.
Nicht jeder wird sich angesprochen fühlen. Noch soll sich jeder den Schuh anziehen, den ich in der einen oder anderen Form im weiteren Verlauf meiner weiteren Betrachtungen als gesellschaftlichen Hemmschuh aufführen werde.
Wichtig ist mir einfach nur, die für mich nachvollziehbaren Aspekte zu benennen die einzeln, oder zusammengenommen Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Erniedrigung gegen Kinder hervorrufen können, nicht jedoch zwangläufig dazu führen müssen!
Denn immerhin gibt es trotz vielfältiger Probleme Mütter und Väter, sowie Pflegeeltern, die trotz ungünstiger Lebenskonstellationen ihre Kinder mit aller verfügbaren Liebe und Zuwendung aufzuziehen vermögen. Besonders ihren Leistungen gilt meine ungeteilte Hochachtung.
Doch nun zu den einzelnen Ursachen.

Wenn wir von Ursachen von Gewalt gegen Kinder sprechen, dann wird es wichtig sein, stets im Sinn zu behalten, dass die allerwenigsten Mütter, Väter, oder anderweitigen Umgangspersonen, Kinder aus reiner Lust quälen, sondern eher die Lebensbegleitumstände zur eigenen Überforderung und damit zur Gewalt gegen Kinder beitragen.

Deren Ursachen lauten:

1.Ursache:
Unerwünschte Kinder


Kaum eine andere Begebenheit, wirkt sich gleich so nachhaltig und negativ auf künftige Kinder und Menschen aus wie unerwünschte Schwangerschaften. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Zeugung durch Unachtsamkeit oder einen unglückseligen Gewaltakt hervorgerufen wurde.

Dies ist ein Umstand, dem die meisten Menschen wohl noch immer ihr Leben zu verdanken haben.
Im Gegensatz zu erwünschten Kindern ist deren Entwicklung wesentlich häufiger mit vor- und nachgeburtlichen Verzögerungen verbunden, und verläuft insgesamt schwieriger und weniger glücklich. Zu diesem zusammenfassenden Ergebnis kommt jedenfalls eine bedeutsame Studie der Bremer Universität, die unter Leitung der Professoren Amendt und Schwarz erstellt wurde.

Diese Studie, unter dem Titel: "Das Leben unerwünschter Kinder" ist eigentlich allen interessierten Menschen über einigermaßen gut sortierten Büchereien zugänglich. Dennoch fand diese Studie bisher so gut wie keinen nennenswerten gesellschaftlichen Niederschlag, wie ich es bei deren brisanten Ergebnissen erwartet hätte. Denn sie weisen in bedrückenden Zahlen nach, wie unerwünschte Kinder mit der einhergehenden Ablehnung der Mütter und/oder Väter während ihrer Kindheit weit häufiger mit Gewalt konfrontiert werden. Und selbst wenn sie unter weniger gewaltbetonten Umständen aufwachsen, so tauchen sie später dennoch überdurchschnittlich häufig in Kranken-, Heim- und Kriminalstatistiken auf. Dafür weisen sie laut Studienergebnissen umgekehrt proportional weniger geistiges Potenzial auf und absolvieren entsprechend seltener erfolgreiche schulische oder berufliche Karrieren. Siehe auch diese jüngeren Forschungsaussagen.
Bildung macht eben doch den Unterschied, wie der deutlich höhere Anteil von Kindern akademisch gebildeter Eltern an höheren Schulen und Universitäten im Gegensatz zu Arbeiterkindern beweist. Entsprechend bewusster gehen gebildete Menschen in Bezug auf Sexualität miteinander um, bzw. erblicken in ihren Kreisen weit mehr Wunschkinder das Licht der Welt.

Diese Studie, die ich verantwortlichen Stellen im Sozialwesen und Politik gern zur Pflichtlektüre empfehlen möchte, weist natürlich eine Fülle weiterer in die Tiefe gehende Aspekte auf, die ich hier jedoch der Länge wegen nicht weiter aufführen kann. Meine aber, dass bereits dieser ungeheuer wichtige Aspekt für sich allein genommen ausreichen müsste, um notwendigen Handlungsbedarf aufzuzeigen, damit das Leben jeden Kindes und künftigen Mitmenschen nicht schon deshalb negativ vorgezeichnet ist, weil es unter weniger verantwortungsbewussten Umständen zum Leben gezeugt wurde.

Ich denke zum Beispiel an den Mangel an Verantwortung, wie er bei triebgetrieben Sexualstraftätern zu beobachten ist. Ein kurzer Augenblick rücksichtslosen Abreagierens, mit der Folge, dass einem daraus hervorgehenden Kind wie auch der werdenden Mutter das weitere Leben in einem verheerenden Ausmaß beeinträchtigen wird. Denn abgesehen vom Verlust des Vertrauens in die eigene Umwelt, der eigenen Entwürdigung und Infragestellung, muss sich eine werdende Mutter für oder gegen das Kind einer möglichen Zwangszeugung entscheiden.
Vom logischen Standpunkt aus betrachtet müsste man jeder Mutter wider Willens mit Blick auf die Bremer Studie dringend zur Abtreibung raten.
Wenn sich die Mutter jedoch aus Gründen der Scham, oder ethischen Überzeugungen zur Austragung entscheidet, dürften die Lebensbedingungen solch eines Kindes bereits unter keinem günstigen Stern stehen. Warum?
Weil dieses Kind, sofern es nicht zur Adoption freigegeben wird, in den folgenden Jahren häufig für den abrupten Verlust der persönlichen Freiheit, oder berufliche Karriere der Mutter mehr oder weniger bewusst mit offener oder subtiler Gewalt büßen wird.
Dies trifft in ähnlichem Sinne auf alle Kinder zu, deren Eltern durch zu leichtfertigen und damit verantwortungslosen sexuellen Umgang unverhofft ihre geplanten Lebenskonzepte aufgeben müssen und sich durch ein unerwünschtes Kind in ihrer persönlichen Freiheit enorm eingeschränkt fühlen.
Diese Einschränkungen wirken umso negativer, wenn sich ein Partner seinem Verantwortungsanteil durch frühe oder spätere Trennung entzieht.

3. Ursache:
Einelternfamilien fehlende Vorbilder

Dieses Phänomen ist offenbar als Antwort der Emanzipationsbewegung wie auch als Folge unserer konsumorientierten Gesellschaft zu betrachten. In der immer weniger Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Und offenkundig immer weniger Menschen willens oder fähig sind, Auseinandersetzungen einem konstruktiven Ergebnis zuzuführen.
In Folge dieser Konflikt- und Verantwortungsflucht bleiben besonders viele Mütter mit ihren Kindern auf sich allein gestellt zurück. Fortan persönlich, wie auch finanziell stark eingeschränkt, während ihnen gleichzeitig alle belastenden Aufgaben der Kindererziehung zufallen.
Belastungen also, deren Grenzen die Kinder zum Teil schmerzlichst zu spüren bekommen, währenddessen die verflüchtigten Väter im Idealfall und 14-tägigen Rhythmus weitaus aufgeräumter ihrer Aufgabe als liebevoller Wochenend-Besuchspapa nachkommen.
Hinzu kommt, dass es Kleinstfamilien aufgrund arbeitsbedingter Familienzerstreuungen zunehmend an begleitenden Verwandtschaftskreisen fehlt, an denen sich Eltern in ihren eigenen Erziehungsbemühungen wenigstens teilweise orientieren, oder sie anderweitig unterstützen könnten. Wie z.B. Großeltern, die sich wie entspannende Friedensoasen auswirken, weil sie den Eltern wenigstens mal zeitweise die Kinder abnehmen, um ohne den Druck der Kinder notwendige Besorgungen zu verrichten, oder sich einfach selbst mal eine erholsame Auszeit zu leisten.

4. Ursache:
Weitergabe eigener Rollenverhalten und Wertevorstellungen

Kindesmisshandlungen äußern sich in der Regel längst nicht mit medienträchtigen Schlagzeilen, die ohnehin nur die Spitze des Eisberge sozialer Verelendung oder konzeptionsloser Hilflosigkeit anzeigen, sondern vollziehen sich, vom lauten oder stillen Wehgeschrei misshandelter Kinderseelen abgesehen, eher unbemerkt hinter verschlossen Zimmertüren.
Außenstehende bekommt kaum jemals mit, welch ein unseliger Erziehungsgeist in Verwandtenkreisen oder bei unseren Nachbarn noch wirksam ist.
Wie die Geschlagenen von gestern, (nein Gottlob nicht alle!) die heute selbst als Eltern in Verantwortung stehen und wiederum ihren eigenen Kindern mit überzeugender Hingabe den nackten Hintern versohlen, weil ihnen ihr Tracht Prügel in ihrer Kindheit vermeintlich auch nicht geschadet hat.
In der Übernahme familiärer Rollenverhalten und Wertevorstellungen, liegt demnach eines der größten Probleme im Umgang mit Kindern begründet.
So mag für Familie A, weil sie in ähnlicher Tradition aufgewachsen ist, dass Ohrfeigen und anderweitige körperliche Züchtigen ihrer Kinder zum normalen Erziehungsverständnis gehören, während Familie B bereits in einer lautstarken Ansprache, den Straftatbestand empörender Kindesmisshandlungen erfüllt sieht.

Das Problem ist auch deshalb so schwer zu greifen, weil physische Gewalt sichtbarere Spuren hinterlässt, als jene unsichtbaren Narben, die sich durch verbale Verletzungen, oder herabwürdigende Gesten noch weit tiefer in die Seele eines Kindes eingraben. Wer als Kind aber nichts anderes kennen gelernt hat, als eigene Interessen mit despotischen Getöse, oder demoralisierenden Schuldzuweisungen durchzusetzen, wird damit nicht nur in seiner eigenen Entwicklung zu einem selbständigen und verantwortungsbewussten Erwachsenen gehemmt werden, sondern gibt in der Regel die eigenen Erfahrungen als Bestandteil seiner oder ihrer Normalität an die nächste Generation von Kindern weiter.
Ein unseliger Kreislauf. Dem nicht selten von einst misshandelten Menschen eine bittere Krone aufgesetzt wird. Indem sie in aufrichtigster Absicht und Eingedenk ihrer eigenen Qualen mit dem Wunsch antreten, eine eigene "heile Familie" zu gründen, in der alles viel harmonischer und liebvoller zugehen soll. Sie jedoch aufgrund eigener Defizite, bzw. fehlender Vorbilder, recht schnell an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen, um entweder resignierend Ehepartner und Kind sich selbst zu überlassen, oder in Verhaltensmuster zurückfallen, die ihnen bereits ihre eigenen Kindheiten schwer machten.

5. Ursache:
Religiöser Fanatismus

In Sachen Familie und Erziehung, wird wie zuletzt 2007 Familienministerin von der Leyen verlauten ließ, den Menschen im Lande bevorzugt die Rückbesinnung auf christliche Werte empfohlen, um ein verantwortungstragendes und friedsames Gesellschaftsideal zu erzielen.
Dieses Ansinnen müsste mit Blick auf unsere christlich ausgerichtete Staatsdoktrin umso mehr erstaunen, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie lang unsere abendländische christliche Tradition zurückreicht. Immerhin hat sie selbst in unsere "neuzeitliche" Nachkriegsverfassung eine gewichtige Stimme erhalten, um gemäß GG §7 Abs. 3 nahezu jedem Kind mit katholischen oder evangelischen Schulunterricht die ideellen christlichen Werte zu vermitteln.

Trotz dieser traditionellen Anstrengungen spiegelt sich das Sendungsbewusstsein christlicher Wertevorstellungen im realen Alltag kaum noch nennenswert wieder.
Im Gegenteil: Wenn in unserer Gesellschaft etwas unübersehbar ist, dann ist es eine zunehmende Ellenbogenmentalität. Diese ist jedoch nicht primär auf das Aufweichen christlicher Werte zurückzuführen, sondern eher auf die größeren bildungsbedingten Entfaltungsmöglichkeiten der freizügiger aufgewachsenen Menschen, die sich heute viel früher aus dem einst engen familiären Korsett lösen, um eine möglichst umfassende Unabhängig- und Selbstständigkeit zu erreichen.
Wie bei nahezu allen jungen Leuten, die sich im Übergang zum erwachsenen Menschen befinden, geht dieser Abnabelungsprozess mit einer Identitätssuche einher, die in einer immer offener zutage tretenden bigotten Umwelt und mit Blick auf öffentliche Leitfiguren mit deutlich egozentrischer Ausrichtung, ebenso häufig in der Konzentration auf eigene Fähigkeiten und Wünsche mündet.

Damit wird deutlich, dass es weder Familien, Kirchenvertretern, noch durch staatlich angebotenem Religionsunterricht gelungen ist, junge Menschen für die verinnerlichte Anwendung christlicher Wertemaßstäbe zu begeistern. Seltsam auch dass sich just in christlich konservativen Kreisen die befreiende Botschaft Jesu Christi so auffallend selten in freundlich geprägten Gesichtern wiederspiegelt, noch im täglichen Leben durch einen herzlichen Umgang erkennbar wird. Wäre es anders, - sähe auch die uns umgebende Welt anders aus! Dies trifft übrigens in gleicher Weise auf nahezu alle Religionsgemeinschaften zu!

Mit dieser Entwicklung rächt sich gegenwärtig die Arroganz der Macht, mit der die Geistlichkeit im einvernehmlichen Schulterschluss mit dem Geldadel vergangener Jahrhunderte die Bürger mit offener und subtiler Gewalt in bequemer Abhängigkeit hielt. Im Namen des Herrn wurden dem Bürger durch zufallsbedingte Geburt die territorialgebundene Konfession auferlegt, um mit abgepressten Frondiensten und materiellen Abgaben den irdischen Repräsentanten Gottes hinter dicken Mauern ehrfurchteinflößender Residenzen und Schlössern, weit weniger entsagungsreiche Lebensstile zu ermöglichen, wie es dem gewöhnlichen Volk als gottgefällige Tugend gepredigt wurde. Und zwar in mystisch verklärender lateinischer Sprache, um nicht gar in Erklärungsnöte zu geraten, warum gerade die Spitzen der Geistlichkeit, dem Mammon und Rausch der Macht so unverhohlen erlagen, statt dem Volk in christlicher Demut zu dienen.
Dem Fußvolk Gottes wurde das entbehrungsreiche Leben auf Erden mit Blick auf das weit weniger anstrengendes Leben im paradiesischen Jenseits mit der Option eines Zuckerls schmackhaft angedient, sich Gottes Lohn durch Treue, Fleiß, Glaube und Gebet zu erarbeiten. Wer seine Erfüllung hingegen im diesseitig ausgerichteten Leben suchte, oder der Obrigkeit gar kritisch gegenüber stand, dem wurde mit dem klerikalen Peitschenhieb Hölle recht schnell die nötige Demut und Respekt vor der Macht der Mächtigen beigebracht. Wie z.B. der noch immer weitverbreiteten aber nicht minder unchristlichen Ansicht, ewige Höllenqualen im Jenseits erleiden zu müssen.
Dabei hat der Begriff Hölle ursprünglich nie etwas mit ewigen Qualen gemeinsam gehabt, sondern ist aus dem Namen der nordischen Totengöttin Hel hervorgegangen, was gemäß dem Duden Herkunftswörterbuch nicht anderes als harmloses verhehlen - verbergen der Toten bedeutet.

Entgegen den himmlischen Verheißungen, wurde der Vorstellung der zu erwartenden Höllenqualen bereits im Diesseits mit öffentlichkeitswirksamen Folter und Hinrichtungsritualen tatkräftig nachgeholfen. Dessen "heilsamer" Schock dieser unmenschlichen Barbareien, wie auch deren mündlichen Verbreitung jeden Zuhörer bereits das Blut in den Adern gefrieren ließ und bei den meisten Menschen jene
devote Unterwürfigkeit erzeugt haben dürfte, mit der es den "Tugendwächtern" ein leichtes war
das unwissende Volk mit ihren verinnerlichten Ängsten beliebig zu manipulieren. Hierzu gehörte die Auferlegung völlig absurder Moralvorstellungen, die die Menschen unter anderem in einem ihrer wichtigsten Lebensinhalte, nämlich der natürlichen Entfaltung ihrer Sexualität zutiefst einengte. Möglicherweise hatte man mit Blick auf die naturgemäßen Übertretungen, genau dieses menschliche Bedürfnis mit dem moralischen Bannstrahl belegt, um mit dem gutfunktionierenden Druckmittel der Schuld, nach Belieben auf ein bußwilliges Heer von "Sündern" zurückgreifen zu können, die mit Blick auf die zu erwartenden Höllenqualen, nur allzu bereit waren, jeden Dienst zum Ablass ihrer Schuld zu leisten.

Diese moralischen Geißeln der Menschheit führen - gottlob mit abnehmender Tendenz - bis in unser "aufgeklärtes" Zeitalter hinein zu fürchterlichen Verklemmungen, Schuldgefühlen und Ängsten. Insbesondere in Bezug auf Sexualität, über dieses wichtige und doch eigentlich völlig normale Bedürfnis, bis heute noch immer nur verschämt gesprochen wird, obwohl dies für eine verantwortungsbewusste Lebensplanung so außerordentlich wichtig wäre.
So kann es kaum verwundern, wenn dieser Druck durch wagenburgähnliche Familien- und Dorfstrukturen nach außen hin heruntergespielt wurde. Der es Fremden kaum erlaubte, hinter die scheinbar gutbürgerlichen Fassaden zu schauen, oder deren geistigen Wandel in Frage zu stellen.
Genau jene Strukturen, die heute gern wieder als christlich orientierte Musterfamilien idealisiert werden. Dass hinter derartigen Fassaden häufig noch ein patriarchalischer Geist weht, der mit harter Hand den eigenen Druck und öffentliche Bild zu wahren hat, dem als letztes Glied einer abwärtsgerichteten Spirale häufig die darin lebenden Kinder zum Opfer gewaltbetonter Erziehungsvorstellungen fallen, davon freilich erfährt kaum jemand etwas.
So kann/muss als gesicherte Erkenntnis festgehalten werden. Je konservativer die Glaubensaurichtung, desto kompromiss- und liebloser fällt die Erziehung von Kindern aus. Davon konnten sich besonders zahlreiche Kinder in konfessionell geführten Heimeinrichtungen überzeugen. In ihnen ließen willige Ordensschwestern, Nonnen und somit billige Kräfte, ihre eigenen Bedürfnisse verleugnend, hinter Mauern des Schweigens, den Kindern gegenüber die ganze Bandbreite ihres frustrierten Lebens spüren.
Entsprechend ihrer Glaubensdoktrin, verließen diese Kinder später als gebrochene und emotional degenerierte Heranwachsende diese Höllen. Geprägt durch große Unselbstständigkeit und Unsicherheit brauchten sie Jahrzehnte, um ihren eigenen Wege aus dem auferlegten moralischen Dickicht zu finden.
Dazu zählt auch jene unbekannte Anzahl von Menschen die nie einen Ausgang aus ihrem beschwerlichen Lebenslabyrinth fanden und deshalb ihre Freiheit lieber durch ein in klerikaler Lesart moralisch nicht minder verwerflichen Gewaltfanal - den Freitod herbeiführten.

6. Ursache:
Übersteigerte Erwartungshaltungen

Eine übersteigerte Erwartungshaltung gegenüber Kindern führt nicht selten ebenso zu direkten oder indirekten Kindesmisshandlungen.

In Zeiten sinkender Arbeitsplätze, dagegen erhöhter Anforderungen in Schule und Beruf, versuchen viele Eltern bereits frühzeitig ihre Kinder auf Leistung zu trimmen, um ihren beruflichen Werdegang im besten Sinne einkommensträchtig zu fördern. Soweit derlei Bestrebungen im vernünftigen Rahmen noch einigermaßen nachvollziehbar sind, so zieht eine übertrieben ehrgeizige Vorstellungen der Eltern im Falle des Versagens ihres durchschnittlich begabten Kindes nicht selten die Anwendung jeder denkbaren Sanktionspalette nach sich, die bis zur vollständigen Entwürdigung und Ablehnung derart betroffener Kinder führen kann.

7. Ursache:
Sexuelle Gewalt


Hat schon mal jemand davon gehört, dass Kinder ohne zuvor suggestiv instruiert worden zu sein, aus eigenem Antrieb heraus sexuell ambitionierte Kontakte zu den eigenen Eltern, Geschwistern, oder gar fremden Menschen gesucht hätten? Wohl kaum. Weil Kindern der Wesenzug sexueller Begierden, wenigstens noch bis zum Pubertätsalter fehlt. Dagegen zeichnet Kinder das Bedürfnis zum normalen Schmusen aus. Und zwar ausschließlich auf ihre beschützenden Eltern, oder anderweitig vertrauten, bzw. liebevollen Umgangspersonen beschränkt.
Diese Kontakte haben jedoch aus Kinderperspektive nie einen geschlechtsspezifischen Bezug, wie zuweilen von Missbrauchstätern angeführt wird, um ihr übergriffiges Verhalten als Handlungen beiderseitigen Einverständnisses herunterzuspielen. Denn auch wenn mit sexuellem Missbrauch keine anderweitige körperlichen Misshandlung verbunden sein müssen, so bleibt es dennoch ein Gewaltakt, mit dem vorzugsweise mehr oder weniger vernachlässigte Kinder zu sexuellen Handlungen manipuliert werden, die weder ihrem Entwicklungsstand entsprechen, noch von ihnen in ihrer Tragweite objektiv beurteilt werden können.

 

 





 

 



Genau darin besteht allerdings für Pädophile ein Problem und macht sie für Kinder so gefährlich. Denn da sie ihre Orientierung nicht so einfach outen können, ohne hysterische Abwehrreaktionen auszulösen, suchen sie erst gar nicht nach fachkundigem Beistand, sondern umwerben ihr Ziel der Begierde umso länger und behutsamer um zunächst eine Vertrauensbasis für den beabsichtigten Missbrauch zu bilden
.
Die Folgen für die Kinder bleiben dennoch ähnlich grausam, wie für jene missbrauchten Kinder, deren Täterschaften in triebgetriebener sexueller Gier binnen zufälliger Augenblicke mit roher Gewalt über ihre Opfer herfallen.
Das besonders Fatale an solchen Vorfällen ist nicht nur die traumatische Opfer/Täter- Beziehung, sondern in vielen bekannten Fällen führt der innere Rückzug der Kinder innerhalb ihrer liebvollen Familien, zu hochproblematischen Folgereaktionen, weil die Angehörigen die Zeichensprache der Opfer selten mit dem nötigen Verständnis zu interpretieren vermögen.
Auch dieser Geißel könnte durch eine frühzeitige Sensibilisierung begegnet werden, wenn bereits mit kleineren Kindern ungezwungen über das Thema Sexualität gesprochen wird und sie anschließend wissen, wann es Zeit wird hellhörig zu werden, bzw. sich im Missbrauchsfall umgehend Hilfe suchen könnten. Täter hätten somit kaum noch Chancen ihre Opfer dauerhaft einzuschüchtern, zumal sie idealerweise lernen würden, mit eventuell eigenen vorliegende Fehlorientierungen verantwortungsvoll umzugehen und sich ohne diskriminierende Ängste frühzeitig fachlichen Beistand suchen könnten.

8. Ursache.
Alkohol und Drogen

Nicht hinter jeder Kindesmisshandlung und/oder Missbrauch steht ein verrohter Mensch, dem es
Freude macht Kinder zu misshandeln.
Häufiger stehen dahinter selbst in ihrer Seele verletzte Menschen, die ihren Kummer zuweilen mit
dem Griff zur Flasche, oder Drogen weichspülen müssen. Doch bekanntlich gewinnen solche Seelen-tröster mit der Zeit eine unselige Eigendynamik, der sich die Konsumenten immer schwerer zu ent-
ziehen vermögen. Damit einher geht fast parallel eine zunehmende Entwürdigung der Person selbst,
wie auch ein zunehmendes Aggressionspotenzial, dessen Persönlichkeitsausfall nicht nur beim ers-
ten Ausraster bleibende Spuren bei Kindern hinterlässt. Die Verwirrungen in der Kinderseele sind
umso tiefer, wenn Kinder, nach von Delirium umnachteter Gewaltorgien, von ihren ernüchterten
Bezugspersonen mit unhaltbaren Besserungsschwüren bearbeitet werden. Wobei es nahezu neben-sächlich bleibt, ob sich die Gewalt gegen das Kind selbst, oder einem anderen Familienmitglied
richtete.
Daher verbietet allein schon die elterliche Vorbildfunktion derartige Exzesssituationen.


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: Helga Schmadel / pixelio.de

9. Ursache:
Unbeherrschtheit


Die Unbeherrschtheit passt eigentlich in alle vorgestellten Gewaltbereiche.
Da sie aber auch für sich als schwächelnde Charaktereigenschaft stehen kann, soll sie in der Riege der Gewaltursachen auch einen eigenständigen Platz erhalten.
Unbeherrschtheit trägt durch sein unwillkürliches Auftreten zur dauerhaften Verunsicherung von Kindern bei und vergiftet sehr nachhaltig die häusliche Atmosphäre.

10. Ursache:
Stress durch Arbeit


Arbeit ist heutzutage ein notwendiges Übel. Schließlich leben wir nicht mehr nackt und unbeschwert wie unsere Urvorfahren gemeinsam in den Tag hinein und ernähren uns von dem was uns die Natur bereitet hat.

Nein, heute leben wir von bequemen Annehmlichkeiten umgeben in unseren geschlossenen Wohnungen um unserer Arbeit Lohn zu genießen. Einer Arbeit, die wir dank Grundlage unserer zukunftsgerichteten Schul- und Berufsausbildung mit täglicher Freude ausüben, weil wir uns zu unserem ausgeübten Beruf berufen fühlen und damit nicht nur gutes Geld verdienen, sondern darüber hinaus auch gesellschaftliche Anerkennung erfahren. ...............So die Idealvorstellung wie wir sie uns für alle Menschen wünschen möchten.
Die Realität sieht für die meisten von uns hingegen leider entschieden anders aus.

Schon als Kinder werden wir unabhängig von persönlichen Entwicklungsständen, oder Charakteren durch ein leistungs-orientiertes Schulraster gezwängt, (siehe: Bildungsnot) das uns frühzeitig in Gewinner und Verlierer, bzw. künftige Facharbeitskräfte und Hilfsarbeiter/innen trennt. Übergangslos dürfen wir uns weiter auf eine Berufswahl festlegen, von der wir wenigstens schon mal theoretisch etwas gehört haben und denken, dass uns diese oder jene Tätigkeit fortan Spaß machen könnte. Gleichzeitig soll uns dieser Beruf das nötige Einkommen bescheren, mit dem wir uns neben der obligatorischen Gründung einer eigenen Familie, so manche werbeunterstützen Annehmlichkeiten unser Hochzivilisation leisten können, wie etwa, Handys, Mopeds, Autos, Urlaubsreisen und möglichst auch ein eigenes Heim.

Die Gründung der angedachten Familie schaffen wir gerade noch so - notgedrungen, ..... weil das Kleine schon unterwegs war. Aber bereits die Wohnungseinrichtung, Urlaub und Auto müssen auf Raten abgestottert werden, weil der Lohn von der Leiharbeitsfirma vorn und hinten nicht ausreicht, den der monotone Job am Band am Ende des Monats abwirft.
Den abgeschlossene Gesellenbrief für den angedachten Wunschberuf z.B. als Autoschlosser, oder Frisör/se haben wir zwar in der Tasche, aber davon abgesehen, dass wir später erst merken, dass wir eigentlich doch nicht so
den Drang haben, um uns an unzugänglichen Motoren die ölverschmierten Hände zu verrenken, oder den
ganzen Tag freundlich lächelnd Kunden zu bedienen, haben wir trotz zahlreicher Bewerbungen keine
Arbeitgeber gefunden die uns als ausgelernte Berufsanfänger zu annehmbaren Bedingungen einstellen
wollten.
Soweit eine fiktive Beschreibung, die von der Realität leider oft noch übertroffen wird.
Zusammenfassend lässt sich zumindest sagen, dass der Frust unter vielen Beschäftigten außerordentlich
ausgeprägt ist. Denn die meisten Berufstätigen üben Tätigkeiten aus, die weder ihrer Berufung ent-
sprechen noch gesellschaftliche Anerkennung erfahren.

So leisten viele vom zunehmenden Druck, dass auch ihr Arbeitsplatz dem globalen Rationalisierungswahn
zum Opfer fällt, von Konkurenzgebahren und möglichen Mobbing-Attacken begleitet, unmotiviert ihre
tägliche Schicht ab. Damit nicht genug, steigt mit jedem freigesetzten Arbeitsplatz für die verbliebenen Arbeitnehmer/innen die zusätzliche Arbeitsleistung, während bei gleichzeitig gestiegenen Lebenshaltungskosten und Sozialabgaben, insbesondere für Neueinsteiger das Einkommen drastisch gesunken ist. Diese Tendenz treibt teilweise immer groteskere Blüten, wie zunehmend Menschen, deren Einkommen (bekannt sind 2,5-5 Euro/Std.) bei weitem nicht mehr ausreicht, um das notwendigste Auskommenen sicherzustellen. Und während die Solidargemeinschaft bemüht wird, diesen Lohndumping mit ihren Sozialabgaben auszugleichen, gibt es seitens Arbeitgeberkreise immer wieder neue Bestrebungen, die Soziallasten möglichst komplett den Arbeitnehmern aufzubürden, während sie sich zunächst der Einführung von Mindestlöhnen erfolgreich verweigerten, um sich am Ende von "weichgekochten" Politik und Gewerkschaftsvertretungen Mindestlöhne absegnen zu lassen, deren Niveau uns bereits vor 20/30 Jahren bekannt waren. Diese meiner Ansicht nach zunehmenden Ausbeutungstendenzen zwingen immer mehr Menschen zu einem zweiten oder dritten Beschäftigungsverhältnis, um sich und ihren Familien ein ausreichendes Einkommen zu ermöglichen. Damit fehlt ihnen zunehmend die Zeit für ein intaktes Familienleben und einbringen in ihre soziale Gemeinschaft. Während sie daheim auf die Zuwendungsbedürfnisse ihrer Familie erschöpfungsbedingt gereizt reagieren.
Womit die Belastungen der Arbeit heute zunehmend die schwächsten Glieder, dieser Kette, nämlich die eigenen Kinder trifft. Und zwar längst nicht nur mit roher Gewalt, sondern der finanziellen Einschränkungen wegen immer häufiger mit sozialem Rückzug und damit eigener Isolation.

Überforderung wäre vielleicht auch noch zu erwähnen, soweit es fehlende Vorbilder, oder alternative Umgangskonzepte von Eltern betrifft. Aber kommt in den zuvor aufgeführten Ursachen, nicht überall auch die Komponente der Überforderung wie zum Beispiel durch Stress zum tragen?
Und Hand aufs Herz: sind Kinder und deren Erziehung nicht auch selbst mit ständigem Stress und schweißtreibenden Sorgen verbunden?

Kinder sind nun mal herausfordernde Wesen, indem sie geradezu gezwungenermaßen beständig die Grenzen ihrer umgebenden Welt herausfordern müssen, um auf die Herausforderungen ihres späteren Lebens ausreichend vorbereitet zu sein.
Jeder von uns hat als Kind diese Entwicklung durchmachen müssen und wäre sicher froh gewesen, wenn die eigenen Eltern auf unsere Bedürfnisse verständnisvoll reagiert hätten. Genauso, wie heute sehr wahrscheinlich viele Eltern froh wären, wenn sie denn wüssten, wie sie auf die Bedürfnisse ihrer Kinder angemessener reagieren könnten. Doch in dieser Richtung fehlt es auf ganzer Linie an übergreifenden Hilfestellungen.

Gewalt gegen Kinder hat demnach nicht nur eine lange Tradition, sondern darüber hinaus eine Vielzahl von Ursachen. In denen die meisten von uns dermaßen verwoben sind, um sie als völlig normalen Bestandteil unseres Lebens gar nicht mehr als Gewalt wahrzunehmen.

Hierauf möchte ich ohne jemand im Einzelnen anzuklagen aufmerksam machen, damit sich etwas für unsere künftigen Kinder und künftigen Gesellschaft positiv verändern kann.
Veränderungen lassen sich jedoch nur unter der Voraussetzung erzielen, sofern ein Veränderungsbedürfnis erkannt wird.
Von daher würde ich mir wünschen, wenn mit dieser etwas länger ausgefallenen, aber wahrscheinlich nicht mal umfassende Veranschaulichung verschiedener Gewaltursachen gegen Kinder, das erforderliche Bewusstsein jedes einzelnen Betrachters geweckt, oder erweitert wurde, um uns gemeinsam für weitere Sozialreformen zugunsten eines erfüllten Lebens künftiger Kindergenerationen, wie auch unser gesamten Gesellschaft einzusetzen.
Hierzu ist weiteres unter der Rubrik Ziele zu finden.

Die einzelnen Gewaltursachen noch einmal in geordneter Übersicht:


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Sebastian Czapnik | Dreamstime.com
11. Ursache:
Stress durch Freizeit

Dem Arbeitsstress steht nicht selten mit umgekehrten Vorzeichen der Freizeitstress gegenüber. Auch er trägt mitunter zu einem unangemessenen Umgang mit Kindern bei, wenn diese das Ausleben der eigenen Freiräume einengen, oder anders ausgedrückt, die schleichende Vernachlässigung der eigenen Kinder nach sich zieht.
Nicht zuletzt durch Werbung animiert stürzen sich immer mehr Menschen in Freizeitaktivitäten über die sie sich um jene gesellschaftliche Anerkennung bemühen, die ihnen durch ihren Arbeitsplatz, oder familiäres Umfeld nicht mehr gegeben ist.
So treten sie hier in nicht ganz uneigennütziger Absicht als Klassenelternsprecher/innen auf, dort das geschäftsförderliche Vereinsengagement, im prestigeträchtigen Golfclub, das inzwischen fast obligatorische Fitness und Wellnessprogramm. Ach ja, wie viel Kultur darf es sein?
Lieber fetziges Pop/Rockspecktakel, oder mehr getragene Ballettaufführungen, das Engagement im Laientheater, das Mitwirken im Kirchenchor, die interessierte Kunstausstellung und was es da nicht alles an aktiven, wie passiven Freizeitaktivitäten gibt.

Aber auch so manche Kinder selbst, dürfen einfach nicht mehr nur in ihrer Freizeit gemäß ihren Phantasien spielen, sondern geraten bereits frühzeitig, mit nahezu obligatorischen Nachhilfestunden in der Schule und weiteren Reit- Musik- Ballett- und anderen Unterrichtungen, sowie Fernseh- und PC-Konsum in erheblichen Freizeitstress.
Für sich allein genommen sind diese Aktivitäten sicher längst nicht zu den primären Gewaltursachen zu zählen, dennoch tragen auch sie durch die damit verbundene Unausgeglichenheit und z.T. unzureichenden Sozialkompetenzen, auf indirektem Weg, dann doch zu erheblichen Eltern-Kind-Konflikten bei.


Quelle: vex pixelio.de

12. Ursache
Armut und Perspektivlosigkeit

Armut entwürdigt insoweit, dass sie diesen betroffenen Menschen kaum noch ermöglicht, am kulturellen Leben ihrer Gesellschaft teilzunehmen. Armut reduziert die Souveränität der betroffenen Menschen zu Bittstellern, und hält sie ihrer extrem eingeschränkten Handlungsfähigkeit wegen häufig in gesellschaftlich isolierter Gefangenschaft.
Je länger diese Situation anhält desto mehr verfestigen sich die umgebenden Strukturen.
Nicht zuletzt, weil von diesen unterstützungsabhängigen Menschen erwartet wir jede zumutbare Arbeit annehmen zu müssen, um ihre Abhängigkeit zu beenden. Dabei fallen ihnen häufig jene geringstbezahlten Arbeiten zu, die viele Überstunden, oder einen zweiten Arbeitsplatz erforderlich machen, um nur einigermaßen über die Runden zu kommen.
Damit schränken sich auch ihre Möglichkeiten ein, einen besseren Arbeitsplatz zu finden, um die Umklammerungen ihrer Armut zu überwinden. So entsteht eine Perspektivlosigkeit, die sich nicht selten wegen der dauerhaft angespannten Haushaltskasse und damit einhergehenden Depression der Eltern, bzw. sorgeberechtigten Personen, in negativer Weise auf die anwesenden Kinder niederschlägt.

Liebe Besuche/innen, unter der Rubrik: "Folgen" finden Sie weitere Aspekte, die zum Nachdenken anregen. Sollten Sie zu den hier dargelegten Aufführungen, positive bzw. negative Kritiken haben, dann würde ich mich freuen, wenn Sie mir ihre Anregungen via Email mitteilen würden, damit ich diese hier gegebenenfalls ergänzen kann.

Klaus Klüber 2007

Quelle: Microsoft.com

©: Angela Parszyk / pixelio.de
Auch den Täterkreisen fehlt es an vorausschauendem Mitgefühl. Sie denken nicht daran, welche verheerenden Folgen ihr Missbrauch für derart betroffene Kinder nach sich ziehen kann.
Obwohl manch einer/eine von ihnen, aus ähnlich destruktiven Verhältnissen stammte, aus denen sie wiederum vorzugsweise ihre Opfer rekrutieren. Nämlich aus lieblos geprägten Lebensverhältnissen, in der sich kein so rechtes Selbstbewusstsein ausbilden wollte, der es ihnen heute ermöglicht, eine gesunde Sexualität mit einem Menschen auf gleicher Augenhöhe zu praktizieren.
Stattdessen bemächtigen sie sich schwacher Kinder, um ihre eigene Schwäche zu kaschieren.
Daneben gibt es wohl auch Menschen, die ohne äußere Einflüsse eine pädophile Orientierung aufweisen, wie sie heute für homo- bisexuell, sadistisch, masochistisch oder andere sexueller Orientierungen gesellschaftlich zunehmend als individuelle Lustart toleriert werden, so lange Kinder außen vor gelassen bleiben.