Persönliche Anmerkungen zum Thema Therapien.

Früher wurden nicht nur materielle, sondern gleichfalls auch viele seelische Beschwernisse durch die Familie, Verwandtschaft oder Freundschaften aufgefangen.
Schließlich gab es längst noch nicht so ein breites Freizeitangebot wie heute, mit Fernseher, PC oder sonstige Dingen, die immer intensiver unsere Aufmerksamkeit einfordern, während auf der anderen Seite zunehmend die gemeinsame Sprache verkümmert und unsere Gesellschaft voneinander isoliert.

Wo keine hilfreiche Kommunikation mehr praktiziert wird, sammeln sich im Laufe der Zeit immer mehr ungelöste Bedürfnisse und Bekümmernisse in unserem Inneren. Und ja, irgendwann ist bekanntlich jedes Fass mal voll, aber niemand da der uns noch zuhört oder versteht.

Demnach ist durchaus nachvollziehbar, warum für psychotherapeutische Kliniken, ambulante Praxen, oder Beratungsstellen Wartefristen von einem dreiviertel Jahr und mehr längst keine Seltenheit sind.
Oder sollte es daran liegen weil es in besseren Gesellschaftskreisen schicklich geworden sein soll, untereinander mit seinem persönlichen Seelenmasseur zu kokettieren?

Davon sind Menschen mit Traumaerfahrungen, wie sie z.B. zahlreiche ex-Heimkinder, (besonders derer alter Prägung) vor, während, oder nach ihren Heimaufenthalten erfahren haben, gewöhnlich weit entfernt.
Solche Menschen tun sich aber auch außerordentlich schwer notwendige Hilfen abzurufen.
Einmal, weil ihnen häufig selbst gar nicht bewusst ist, dass ihre eingeschränkte Lebensfreude, durch Isolation, Partnerschaftsproblemen, Ängste, Suchtverhalten, oder anderer Verhaltensauffälligkeiten, mit ihren einstigen Erfahrungen zusammenhängen.
Aber auch, wenn sie selbst merken, oder ihnen von anderen geraten wird, dass sie fachliche Hilfe benötigen, hindern häufig verinnerlichtes Misstrauen und bestehende Vorurteile entsprechende Schritte.
Nicht zuletzt, weil seelische Erkrankungen noch immer abfällig mit Begriffen wie "Bekloppten" assoziiert werden. Einer Terminologie aus Nazizeiten, mit dessen Jargon damals Behinderte und Kranke herabgewürdigt wurden, um jene gesellschaftliche Akzeptanz zu schaffen, in dessen Rassenwahn der tausendfache Mord an schutzbedürftigen Menschen, mit dem harmlos klingenden Begriff Euthanasieprogramm gerechtfertigt werden sollte.
Es leben immer noch zahlreiche ex-Heimkinder, die diese Zeiten mit und überlebt haben, wie z.B. ein Paul Brune dessen Schicksal erst in den neunziger Jahren für öffentliche Empörung sorgte.
Einer der ganz wenigen übrigens, der zwar spät, aber immerhin eine offizielle Entschuldigung und winzige Entschädigung durch eine Landesregierung für seine durchlittenen Heimbehandlungen erfuhr.


Quelle: Microsoft.com
Psychologisch-therapeutische Beratung und Behandlungen eilen demnach Beklemmungen voraus, die zuweilen verhindern, dass sich Patienten mit ähnlicher Selbstverständlichkeit in ärztliche Behandlung begeben, wie es bei körperlichen Beschwerden völlig normal ist.
Dabei wiegen seelische Beschädigungen bekanntlich viel schwerer und nachhaltiger als körperliche Verletzungen, wie sie z.B. Missbrauchsopfer erfahren:
Während derart verursachte körperlichen Verwundungen innerhalb überschaubarer Wochen oder Monate abklingen, bleiben die seelischen Verletzungen oft zeitlebens bestehen und hindern Betroffene zum Teil sehr massiv daran, noch unbeschwerte Lebensfreude zu entwickeln, wie sie unbedarften Menschen hoffentlich noch zu eigen ist.

Die reale Umsetzung sieht leider nicht immer so einfach aus.
Denn ausgerechnet in Momenten, wo sich Mensch(Patient) nach langer Zeit ertragener Beschwernisse, den eigenen Schweinehund und Vorurteile überwindend mit wehem Herzen entschlossen hat, an Pforten therapeutischer Kliniken und Praxen zu läuten, wird Mensch gängiger Praxis folgend erst mal unter Hinweis hoffnungslos überfüllter Terminbücher abgewiesen. Alternativ bekommt Mensch einen fernen Vorstellungstermin
genannt, der befürchten lässt, dass die Mut- und Geduldsreserven bis zum ersten Gespräch nicht ausreichen werden.
Und tatsächlich springen manche wieder von ihrem gefassten Plänen ab, oder bringen erst wieder den nötigen Mut zusammen, wenn der eigene Leidensdruck so unerträglich geworden ist, dass es für manche schon fast zu spät geworden ist..

Noch schlimmer dürfte es jene Menschen treffen, deren Erinnerungen eines unverhofften Tages plötzlich ins obere Bewusstsein drängen und dort schwerste Reaktionen von Wut und Depressionen auslösen. Wer sich in dieser Situation noch von Pontius bis Pilatus die Hacken ablaufen muss, um dringend benötigten Beistand zu finden.........., ohne weitere Worte.
Mein Rat: In solch schier auswegslosen Situationen, wendet ihr euch am besten direkt an die Kassenärztlichen Vereinigungen, wie sie in jedem Bundesland vertreten sind. Diese unterhalten Koordinationsstellen, für freie Behandlungsplätze. Wer da mit nötigem Nachdruck auf die Dringlichkeit seiner Bedürfnisse verweist, hat gute Chancen wesentlich schneller eine behandlungsbereite Praxis zu finden.

Darüber hinaus halte ich die gängige Gesprächsfrequenz von ein/zwei Dreiviertelstunden pro Woche, oder gar im 14-tägigen Rhythmus für eher bedenklich.
Denn wer kann sich nicht vorstellen, welche Überwindung es kostet, immer wieder aufs Neue ansetzen zu müssen, um sich im Taktstock von Minuten seelisch zu entblößen und an Situationen herangeführt zu werden, die mit tiefen Seelenschmerz verbunden sind. Fließbandarbeit, im Dreiviertelstundentakt.
Unwürdig empfinde ich auch Situationen in denen der nächste Mensch bereits an der Tür um Einlass wartet, muss die Person im Behandlungszimmer, kaum dass sie sich innerlich überwunden hat, mitten im Redefluss innehalten und möglicherweise gerade "lichterloh in Flammen stehend", schon wieder die Praxis verlassen. Mit dieser klaffenden Wunde muss sie nun ein Woche oder länger auf den nächsten Sitzungstermin warten, um diese Mühle, kaum dass sich diese Person innerlich wieder einigermaßen gefangen hat, wieder von vorn zu drehen beginnt. Einfach grauenhaft.
Eine Gepflogenheit die darauf zurückzuführen ist, weil es der Auslastung wegen und damit finanziell lukrativer ist, möglichst viele behandlungswillige Patienten langfristig an Praxen zu binden, statt dem Einzelnen mehr Zeit zu widmen, die er/sie zum Herauslassen benötigt, um eine heilende "Behandlung" in einem komplexeren Zeitraum zu ermöglichen.
Selbst stationäre Kliniken weichen nur geringfügig von dieser unseligen Praxis ab.
Dieser Mangel an Selbstverständlichkeit hängt natürlich auch, mit der fehlenden Transparenz psychologischer Arbeit zusammen.
Denn während im medizinischen Sektor soweit es körperliche Beschwerden anbelangt, von Betroffenen und Außenstehenden noch real nachvollzogen werden kann, mit welchen Behandlungen entsprechende Heilungen voranschreiten, bleibt die therapeutische Arbeit weitgehend im Dunkeln.
Macht sie also zu etwas Mysteriösen Ungreifbaren. Von dem allenfalls überzogenen Vorstellungen über den seelischen Striptease kursieren, dem sich Patienten aussetzen müssten.
Dies trifft aber nur insofern zu, da Patienten z.B. traumabedingt, die Ursachen ihrer Beschwernisse häufig bis zur kompletten Vergessenheit verdrängen mussten, um an ihren erlitten Erlebnissen nicht zu zerbrechen.
Ziel einer Traumatherapie besteht demnach nicht darin jemanden zu entwürdigen, indem er oder sie gezwungen ist alle möglichen Intimitäten preiszugeben, sondern im gemeinsamen Bemühen, die Ursachen für die Beschwernisse zu finden und deren Auswirkungen für die Betroffenen zu erklären.
Dazu gehören weitere Hinweise, Anreize und Übungen zu bestehenden Denk- und Verhaltensdefiziten, um z.B. Zugang zu verlorenen Gefühlen zurückzugewinnen. Ein teilweise sehr langwieriger Prozess, wenn man bedenkt, dass in relativ kurzer Zeit ein neues (selbst)Bewusstsein gebildet werden muss, das schon seit Kinderzeiten in Trümmern lag.
Der Gewinn einer Therapie liegt demnach hauptsächlich in der Vermittlung von Ursache und Wirkungen. Weil Betroffene damit die Gelegenheit bekommen, sich nicht mehr als gesellschaftliche Außenseiter zu definieren, wenn sie erfahren, dass ihre bisherigen Denk und Verhaltensmuster für traumabetroffene Menschen typisch und damit völlig normal war.
Allein dieses Wissen, .........eine erhebliche Erleichterung.

Natürlich werden deswegen keine Erinnerungen ausgelöscht. Aber man kann sich daran gewöhnen schlimme Erinnerungen als Teil seiner Erfahrung zu akzeptieren. Wenn es darüber hinaus gelingt, sich selbst belastender Denk- und Verhaltensmuster bewusst zu werden, dann steigen nicht nur die Chancen für deren Veränderung, sondern trägt nachfolgend zu mehr Selbstbewusstsein und Lebensfreude bei.


Quelle: Microsoft.com

Quelle: Microsoft.com
Ob psychologische Praxen mit üppigen Freikapazitäten zu empfehlen sind, sollte mit Blick auf andernorts aus den Nähten platzender Wartezimmern schon etwas hellhörig machen.
Womit nicht gesagt ist, dass dahinter zwangsläufig eine unqualifizierte Fachkraft agiert.
Denn was Mensch1 gut tut, muss Mensch2 noch lange nicht gut tun und umgekehrt.
Grundsätzlich ist in jeder Klinik, Praxis oder Beratungsstelle eigene Wachsamkeit gefragt, um zu erspüren, ob Mensch sich hier angenommen, wohl und verstanden fühlt.
Denn es gibt durchaus gravierende Unterschiede, die für Patienten kaum zu erkennen sind.

Dieser besteht unter anderem im Umstand, dass ein Großteil der niedergelassenen therapeutischen Kräfte zuvor selbst behandlungsbedürftige Probleme hatten, auf die sie nur unzureichend fachliche Hilfe fanden und nun den therapeutischen Berufszweig mit der Intention ergriffen, wenigstens ihren Mitmenschen helfen zu wollen. (ich las davon, dass dieser Anteil ca. 70% beträgt)
Im Prinzip eine sehr ehrbare wie auch gute Angelegenheit, wenn sich eine therapeutische Kraft in die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Patienten hineinzuversetzen vermag und mit dieser vertrauensbildenden Basis dem Gegenüber hilft, eigene Gefühle und Handlungsweisen zu erkennen und zu verstehen.
Weniger ideal könnte sich hingegen das gegenseitige Verständnis entwickeln, wo Patienten auf therapeutische Kräfte mit eigenen Traumahintergund treffen, deren Problematik kaum zum Erfahrungsbild der therapeutischen Kraft passt. Hier fehlt es mitunter an Einfühlungsvermögen, um eine vertrauensbildende Basis zu finden.
Dies kann zur unterschwelligen Ablehnung und weiteren Verletzungen von Patienten durch die therapeutischen Kraft beitragen, wenn diese ihren Patienten die Schwarze Peter Karte mit dem gängigen Argument zuspielen, zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit nicht genug willens zu sein, oder ihnen später jegliche Zusammenarbeit mit dem Argument der Therapieresistenz aufgekündigt wird.
Dergleichen kommt gar nicht mal so selten vor. Zumindest ist dies ein Resultat eigener Erfahrungen und Beobachtungen verschiedener Foren, in denen ich mich im Zuge meiner eigenen Aufarbeitung über mehrere Jahre hinweg aufhielt und beteiligte.
Während dieser Zeit habe ich unglaublich viele Geschichten anderer Traumabetroffenen lesen und verfolgen können, deren Erfahrungen ich nun in dieser recht zutreffenden Aussage zusammengefasst habe.
Deshalb würde ich jedem empfehlen, gleich in den ersten Gesprächen abzuklären ob und mit welcher Schwerpunktausrichtung die jeweilige Praxis vertraut ist.

Überhaupt fällt in diesem Zusammenhang die patientenfeindliche Praxis im therapeutischen Sektor auf, dessen Risiken einseitig den Klienten aufgebürdet werden. So müssen sich diese nach ersten Befunden durch den Hausarzt auf den Weg machen und binnen weniger Probestunden entscheiden, welcher fremden Person sie gegenüber ihre innersten Nöte darlegen sollen.
Schon für gesunde Menschen eine schwere Hürde. Die für Personen mit nachhaltig geschädigten Grundvertrauen nahezu unüberwindbar bleibt.
So erweist sich meist erst jenseits der zugebilligten 5 Probestunden, und bereits genehmigter Therapie, ob sich eine gemeinsame Vertrauensbasis herausbilden konnte oder nicht. Wenn ja, hat Mensch Glück und Aussicht auf echte Hilfe. Falls nicht wird der genehmigte Zeitrahmen der Therapie zwar oft bis zum Ende ausgeschöpft, aber auch nur deshalb, weil solche Patienten häufig nicht in der Lage sind Kritik zu äußern, um einen gewünschnten Abbruch zu erzielen.
Ohne ansprechenden Erfolg ist es demnach nur eine Frage von zwei Jahren, nach der Mensch eine erneute Therapie beantragen darf und die Tingelei nach einer guten Therapeutin/Therapeuten wieder von vorne beginnt.

Auch die praktische Form der angebotenen Gesprächstherapien halte ich für wenig patientenfreundlich. Einmal weil es an jeder Kontrolle fehlt, um therapeutischen Kräfte nach der Qualität ihrer Arbeit zu überprüfen, wie es z.B. ein Erfolgsregister am Ende einer durchlaufenden Behandlung durch eine gemeinsame Bewertung seitens des behandelnden Therapeuten, dem behandelten Patienten und einer neutralen Fachkraft zu erzielen wäre und damit folgenden Patienten eine leichtere Orientierung erlauben würde.

Im gegenwärtigen Zustand bleibt dem therapeutischen Missbrauch jedenfalls Tür und Tor geöffnet, dem sich Patienten mit ohnehin angeknacksten Selbstbewusstsein geradezu hilflos ausliefern müssen. Nicht zuletzt, weil ihnen nahezu jede Vergleichsmöglichkeit fehlt.
So mangelt es an nachvollziehbaren Daten über Zeiträume, Abbruchsraten, oder anderer Merkmale, aus denen heraus Qualitätsmerkmale über Erfolge oder Misserfolge ablesen ließen.

So habe ich 2007 sowohl örtliche Krankenkassen, wie auch alle kassenärtzlichen Vereinigungen mit der Bitte um statistisches Material angeschrieben. Vergebens. Weil es dergleichen angeblich nicht gibt, oder geführt wird, bzw. wie ich eher vermute, man sich nicht gern in die Karten schauen lassen möchte. Dies nur zum Thema Transparenz. Worauf sich jeder seinen eigenen Reim machen darf.


©: Tobias Bräuning / pixelio.de

Im Nachhinein kann ich heute zugeben. Zu jener Zeit 2003/2004 als mir Vergangenes so unvermittelt ins Bewusstsein kam, ging es mir außerordentlich schlecht. Schwerste Depressionen rollten wie stampfende Meereswogen, im Wechsel fassungsloser Wut über mich hinweg. Und brachten damit nahezu alle privaten und beruflichen Initiativen zum erliegen.

Doch ich habe die Zeit überstanden. Nicht zuletzt, weil ich mich in dieser Zeit in Foren aufhielt, in denen ich unabhängig von starren Öffnungszeiten, oder Terminen rund um die Uhr, meine Sorgen loswerden konnte.
Auf die ich von anderen Forumsteilnehmern/innen Antworten erhielt. Die mich mit ihrer Anteilnahme auffingen und im Wechselspiel mit ihren Erlebnissen dazu beitrugen, mich intensiv mit meiner eigenen Geschichte auseinander zusetzen. Und nicht zuletzt auch Dank meiner eigenen Familie.
An dessen Ende, ich mit einem deutlich veränderten Selbstverständnis hervorgegangen bin. Ja zurückblickend und einigem Wehmut bedauere, warum ich nicht schon viel früher aus meinem "Dornröschenschlaf" erwacht bin.
Hier haben finanzorientierte Lobbyisten ganze Arbeit geleistet. Nur eben nicht für jene, die gemäß des eigenen Selbstverständnisses den Mittelpunkt ihrer Arbeit darstellen.
Schade, aber wohl nicht mehr zu ändern.
Wenngleich ich diese kritischen Betrachtung nicht generalisiert verstanden wissen möchte, immerhin hörte ich auch von allerbesten Erfahrungen, betrachte ich die bestehenden Therapieverhältnisse aus dargelegten Gründen als sehr unbefriedigend.

Zum Teil spiegeln sich darin auch persönliche Erfahrungen wieder, die in keinem meiner drei Anläufe über die Probestunden hinausgingen.

Beim ersten Versuch überraschte mich eine sehr freundliche aber unsicher wirkende Therapeutin, auf meine konzeptionelle Frage hinsichtlich der zu erwartenden Behandlung mit der völlig irritierenden Antwort, "ich müsse selbst wissen was mir gut tut".
Was unter dieser Prämisse wohl nichts andere bedeutet hätte, mich selber zu behandeln?
Seis drum.

Beim zweiten mal, hatte ich vermutlich einen jungen Studiumabsolventen vor mir, der mich wohl als eine Art Versuchskaninchen zu missbrauchen versuchte, indem er mich beim ersten Treffen einfach nur stumm anstierte. Als er meinen wiederholten Wunsch, diesen Unsinn sein zu lassen nicht nachkam, bin ich aufgestanden und gegangen.
Gar nicht auszudenken, wie jemand mit weniger Selbstbewusstsein völlig eingeschüchtert mit solch einer Provokation in ein unseliges Abhängigkeitsverhältnis geraten wäre.

Der dritte und letzte Versuch scheiterte an einem "Therapeuten", der mir mit seiner Selbstdarstellung als Kapazität seines Faches und anerkannter Schriftsteller, dem ich dankbar zu sein hätte, dass er sich meiner annahm, jeden Vertrauensvorschuss verspielte. Gerade er hinterließ bei mir ein nachdenkliches Gefühl, wer von uns beiden wohl dringender einer Behandlung bedurfte.


Quelle: Microsoft.com

Doch wann jemand aus einem Trauma erwacht, darauf haben wir kaum Einfluss, sofern nicht bereits in jungen Jahren durch verantwortliche Menschen darauf hingewirkt wird.
Ich habe mir sagen lassen, dass dieses "Erwachen" gewöhnlich umso später erfolgt, je früher und tiefer einst die seelischen Verletzungen erfolgten.
Meine Erfahrung zeigt indes, dass Menschen mit seelischen Beschwernissen nicht zwangsläufig einer konventionellen, oder professionellen Therapie bedürfen, um Vergangenes positiv aufzuarbeiten.

Besonders hilfreich bieten sich hier auch Selbsthilfegruppen (optional mit fachlicher Begleitung) an, da kaum jemand die eigene Befindlichkeiten so gut nachvollziehen kann, wie jene mit ähnlichem Erfahrungsschatz.
Wenn sich aber keine Selbsthilfegruppe finden, oder durch Zeitungsannoncen bilden lässt, dann könnten auch thematisch ausgerichtete Foren einen ähnlich hilfreichen Zweck erfüllen. Und sei es nur, indem sie für Betroffene einen Wiedererkennungswert aufweisen. Auf diese Weise werden nicht selten die ersten Weichen für eine künftige Therapie gestellt, oder im Foren begleitend unterstützt.

Eine schöne Sache aus der zuweilen auch ganz reale Freund- und Partnerschaften hervorgehen.
Ja es gibt eben auch alternative Wege um neue Einsichten, Perspektiven und tiefere Lebensfreude zu gewinnen. Womit nicht gesagt ist, welcher Weg als der bessere zu empfehlen ist. Allein wichtig ist, dem Wunsch nach Veränderungen Raum zu geben, wenn Du Dich zunehmend isoliert und in Deiner Lebensgestaltung eingeengt fühlst.

Auf diesem Weg ist der erste Schritt stets der Schwerste. Doch es lohnt sich, sich selbst zu bewegen, damit sich in Deinem Leben wieder etwas in Bewegung setzen kann.
Die Erinnerungen indes werden zwar bleiben, aber Sie werden für Betroffene ihre Schrecken verlieren und dahingehend sensibilisieren, andere Menschen vor ähnlichen Erfahrungen zu bewahren.

Ich wünsche Euch auf Euren Wegen alles Beste
und viel Erfolg im Weiterkommen.


Klaus Klüber 2006


©: Rolf van Melis / pixelio.de