
Mit untenstehender Pressemeldung
warb heute 16. 03. 2009 mit Blick auf den Amoklauf in Winnenden der deutsche
Philologenverband um eine Gefahrenzulage für seine Lehrer und Lehrerinnen.
Aufgrund einer einsetzenden Protestwelle
(siehe Kommentare) hinsichtlich der Geschmacklosigkeit, die viele Leser
in dieser Forderung erkannten, beeilte sich der Verbandsvorsitzende Herr
Heinz-Peter Meidinger nur wenige Stunden später mit einer nachgeschobenen
Pressenote
seine Forderungen zu relativieren, indem er sich dagegen verwahrte, die
Ereignisse in Winnenden im Interesse seiner Mitglieder instrumentalisieren
zu wollen.
Dennoch steht die Forderung im Raum und hat mich dazu bewogen dem Verbandsvorsitzenden
in einem offenen Brief mein Befremden über diese Forderung, sowie Kritik
zum inaktiven Verhalten (siehe meine Umfrage)
seiner Mitglieder zum Ausdruck zu bringen.
Denn gerade von der hochgeschätzten und gebildeten Lehrerschaft erwarte
zumindest ich richtungsweisende Ansätze im Bemühen den offen sichtbaren
gesellschaftlichen Missständen innovative Ideen zu entwickeln und entsprechende
Aktivitäten entgegenzusetzen.
Doch ausgerechnet aus dieser Richtung habe ich bisher kaum bis nichts vernommen.
Stattdessen werden öffentlichkeitswirksame Scheindebatten über
Ballerspiele geführt, als wären diese maßgeblich am ethischen
oder moralischen Werteverfall in unserem Land Schuld.
Mitnichten.
Ich bin eher davon überzeugt, dass die sogenannten Killerspiele keinen
nennenswerte Anteile an einem gesellschaftlichen Werteverfall, oder an ohnmächtigen
Amokläufen haben. Denn mit diesen Spielen leben meiner Ansicht nach
vor allem männliche Kinder, Jugendliche und teils auch Erwachsene noch
immer so etwas wie einen angebornen Jagdtrieb aus, wie er bei Tieren noch
deutlicher zu beobachten ist. (Beispiel Fuchs, der sofern er in einen Hühnerstall
gelangt nicht etwa nur ein zwei Hühner reißt, um seinen Hunger
zu stillen, sondern in einem regelrechten Blutrausch alle Hühner tötet,
die er bekommen kann.)
Die so verteufelten Killerspiele
spiegeln lediglich ein verändertes Freizeitverhalten wieder. Denn wer
von den Erwachsenen wüsste nicht, dass früher, als es noch keine
PC´s gab, Kinder mit fantasiereich geschnitzten Ästen und Lattenstücken
bereits Counter Strike spielten, einst auch "Räuber und Gendarm"
genannt.
Ich habe noch nie gehört, dass daraus jemand eine gesellschaftliche
Gefährdung abgeleitet hätte.
Der einzige Unterschied zwischen diesen beiden "Jagdformen" besteht
darin: Während früher im realen Spielen noch der eigene gesellschaftliche
Stellenwert herausgebildet wurde und Kinder unbewusst lernten, gemeinsam
Konfliktlösungen zu verhandeln, sitzen die meisten Kinder heute - voneinander
isoliert - an ihrem heimischen PC, um ihren Spiel und Jagdtrieb zu befriedigen.
Der mit Sicherheit angeboren ist, wie nahezu alle Eltern von kleinen Jungen
wissen müssten, die von sich aus alle möglichen oder unmöglichen
Gegenstände in Waffen umstilisieren und damit auf imaginäre Ziele
ballern.
Daher erachte ich Diskussionen über die Gefährlichkeit von sogenannten
Killerspielen, wenn sie nicht unwissender Gedankenlosigkeit entspringen,
als bewusste Ablenkungsmanöver, um die echten Ursachen einer in Auflösung
begriffenen Gesellschaft keiner öffentlichen Diskussion zu stellen.
Denn das hieße Gefahr zu laufen, kenntlich zu machen, wer sich für
die Allgemeinheit wirklich gefährlich und damit asozial verhält.
Nämlich jene, die sich in einem wahren Machtrausch auf Kosten der "normalschichtigen"
Bevölkerung völlig irrational bis zum Erbrechen bereichern.
Sie sind es, die in Wahrheit
krank sind, weil ihnen jedes Gefühl für ein maßvolles und
verantwortungsbewusstes Handeln abhanden gekommen ist, wenn ihnen ein
gutes Ein- und Auskommen nicht mehr zu einem erfüllten Leben reicht.
Sondern gierig darum bemüht sind, ihrem Vermögen ständig
weitere Millionen und Milliarden hinzuzufügen, (siehe Beispiel Zumwinkel
Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, der sich zum Dank auch noch mit
einer ausgezahlten 20
Millionen-Euro-Rente zur Ruhe setzen durfte) während normalen
Arbeitnehmern zunehmend familienfeindliche Arbeitsverhältnisse aufgenötigt
werden, die ihnen kaum noch eine gescheite Lebensplanung- und Führung
ermöglichen. Siehe zunehmend befristete Arbeitszeitverträge, Leiharbeit,
Niedriglöhne, die öffentlich subventioniert werden müssen.
Selbstverständlich haben solche Verhaltensweisen auf andere Menschen
in unserem Staat Signalwirkung. Entsprechend rasant ist ein erodierender
Werteverfall und gleichzeitig emotionale Verarmung bzw. Abstumpfung zu beobachten,
die alle gesellschaftlichen Schichten durchzieht, siehe Beispiele Erfurt,
Winnenden etc.
Wenn es also darum geht, derartige Gewaltfanale zu vermeiden, dann sollte
sich die wirtschafthörigen Volksvertreter in Bund und Ländern
schnellstmöglich überlegen, wie die finanziellen Einkommen wieder
gerechter verteilt werden und über zeitgemäße Bildungsangebote
den Menschen gesellschaftsförderliche und familienfreundliche Lebensperspektiven
geboten werden können.
Und hier vermisse ich gerade auch von Lehrer- und Sozialverbänden aktive
und vor allem erkennbare Korrekturbemühungen.
Hier dürften, ja müssten Sie sogar mit gutem Recht ihre öffentliche
Stimme erheben und eindeutige Forderungen gegenüber Kultus- und Bildungsministerien
geltend machen.
Von daher hoffe ich mit diesem offenen Brief wenigstens zum Nachdenken der
eigenen gesellschaftlichen Stellung und Aufgaben angestoßen zu haben.
So hier zunächst die Pressemeldung des deutschen Philologenverbandes:
Meldung vom 16.03.09
Philologenverband regt Gefahrenzulage für Lehrer an
Der
deutsche Philologenverband hat vor dem Hintergrund des Amoklaufs von Winnenden
eine Gefahrenzulage für Lehrer ins Gespräch gebracht.
"Der Amoklauf hat erneut gezeigt, dass Lehrer in ihrem Beruf immer
öfter zum Hassobjekt werden", sagte der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter
Meidingert der "Bild"-Zeitung.
"Man könnte jetzt über eine Art Gefahrenzulage nachdenken."
Zumindest müssten die Lehrer "finanziell besser gestellt werden",
sagte Meidingert.
Damit würde auch deutlich gemacht, wie schwierig und komplex der Lehrerberuf
geworden sei.
Die Bildungsexpertin der Union, Katerina Reiche (CDU), zeigte sich offen
für den Vorschlag.
"Der Lehrerberuf wird auch vor dem Hintergrund von Gewalt immer schwieriger"
sagte sie dem Blatt. "Eine Diskussion über spezielle Gehälter
halte ich deshalb für richtig."
Ja
klar doch. Da sieht man mal, wie schnell sich sogenannte Experten dafür
hergeben, ihr Mäntelchen in den Wind zu halten, oder sich dazu benutzen
lassen, um eigennützige Wünsche in Direktiven umzusetzen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte als Konsequenz
aus dem Amoklauf mit 16 Toten unangemeldete Waffenkontrollen angeregt. "Wir
müssen alles tun, um zu schauen, dass Kinder nicht an Waffen kommen",
sagte sie mit Blick auf die Aufbewahrung von Waffen und Munition dem Deutschlandfunk.
Wieder
nur flüchtige Luftblasen!
Der 17-jährige Tim K. hatte am Mittwoch an der
Albertville-Realschule in Winnenden neun Schüler und drei Lehrerinnen
so wie bei seiner anschließenden Flucht drei weitere Menschen erschossen,
bevor er sich selbst tötete.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/2/20090316/tde-philologenverband-regt-gefahrenzulag-a4484c6.html
Passend
zu diesem Vorgang wurde zwei Tage später, am 18. 03. 2009 eine Pressemeldung
veröffentlicht, die einer schallenden Ohrfeige gegenüber dem bayrischen
Bildungssystem gleicht. (andere sind auch nicht besser)
In der externe Bildungsexperten nach einer Untersuchung des bayrischen Schulwesens
der Staatsregierung eine umfassende und radikale Bildungsreform nahegelegt
haben!
Als Gäste haben Sie im angeschlossenen Forum, nach einer kurzen und
anonymen Registrierung die Möglichkeit zu den hier eingestellten Themen
Ihre Meinung zu äußern.
Über Link-1
gelangen Sie zum Thema offener Brief.
Über Link-2
zum Thema überfällige Bildungsreform, sowie dem vollständigen
Pressetext.
Sobald eine Reaktion
vom Verbandsvorsitzenden erfolgt, wird auch diese hier hereingestellt.
Gäste, dürfen im angeschlossenen Forum
gern Ihre Meinung zu diesem dort thematisierten Vorgang äußern.
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. Sehr geehrter Herr Meidinger .
hiermit möchte
ich Ihnen mein Unverständnis und Fassungslosigkeit, ob dieser
populistischen Forderung zum .
Fassungslos
bin ich auch aus dem Grund, da bereits seit langem die gesellschaftlichen
Notlagen .
Denn genau diese Defizite tragen bekanntermaßen vordergründig
zu den sichtbaren .
Dabei, ich kann es kaum fassen, würde ich ein ähnliches
Bemühen, wie ich es seit geraumer Zeit .
Daher möchte ich mit allem Nachdruck an Ihren Verband appellieren:
Machen Sie bitte Ihre .
Wenn Sie keine Vorstellungen davon haben, was und wie geändert
werde könnte/müsste, dann ..Insbesondere
unter den Rubriken: .
Selbstverständlich dürfen Sie die Anregungen aufgreifen,
um sie in Ihren Kreisen oder - besser |
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Offener
Brief an den Verbandsvorsitzenden des deutschen Philologenverbandes
Herrn Heinz-Peter Meidinger |