

Liebe Besucher
Ich freue mich sehr, Ihnen auf dieser Webseite auch mal eine andere Sicht pädagogischer Erfahrungen vorstellen zu dürfen.
Während der Schwerpunkte dieser Webseite darum bemüht ist, aus vergangenen Fehlern positiv gerichtete Konsequenzen zu fordern, dürfen Sie hier seit dem 24. Oktober 2009 Anteil an den täglich aktualisierten Erziehungsbemühungen, einer verantwortungsbewussten Pflegemutter mit ihren beiden Pflegekindern nehmen (3 + 5 Jahre alt), die aus katastrophalen Verhältnissen kommend, bei ihr und ihrem Lebenspartner eine neue Heimat und Familie gefunden haben.
Sie werden erfahren, welche Hürden und Vorraussetzungen erfüllt werden mussten, um behördlich anerkannt, eine derart verantwortungsvolle Aufgabe ausfüllen zu dürfen.
Sie werden Anteil am Glück, Erfolgen
und Fortschritten dieser beiden Kinder nehmen dürfen.
Sie werden aber auch erfahren, welche Belastungen und Schwierigkeiten eine Familie mit der Annahme schwer milieugeschädigter Kinder zu tragen hat.
Pflege von fremden Kindern ist eben nicht
nur vom Glorienschein leuchtender Kinderaugen begleitet. Nein, Pflegeeltern
führen oft mit ihren Sorgen und Nöten ein einsames Schattendasein.
Es eröffnen sich Fragen wie:
Werden sie gesellschaftlich genauso anerkannt wie normale Eltern? Welche Unterstützung
erhalten sie, wenn sie bis an die Grenzen herausgefordert werden?
Auf diese und weitere Fragen werden Sie
in diesem fortlaufend aktualisierten Tagebuch einer Pflegefamilie hoffentlich
einige interessante Aspekt und richtigstellende Antworten bekommen.
Sie haben hier zudem mehrere Möglichkeiten, um mit der Pflegefamlie in
Kontakt treten zu können.
1. über den verlinkten Blog, in dem die Einträge täglich aktualisiert werden.
2. über direkten Email-Kontakt mit der Pflegemutter
3. können Sie sich gleichfalls im angeschlossenen Forum an bestehenden Diskussionen beteiligen.
Wir sind alle sehr gespannt, wie sich
dieses langfristig angelegte Tagebuch entwickeln wird und wünschen der
Pflegefamilie alles erdenklich Gute, um in Harmonie zu einer starken und liebevollen
Gemeinschaft zusammenzuwachsen.
Es versteht sich von selbst, dass alle Beteilgten anonymisiert dargestellt
werden.
Für die Anteilnahme der Besucher möchten wir uns schon an dieser
Stelle herzlich bedanken und beginnen nun mit der Einleitung zum virtuellen
Tagebuch.
Wie alles begann:
Ein Vorwort der Pflegemutter - Benita - die
einst selbst in einem Heim aufwuchs.
Ja eigentlich ist das
Thema Kinderkriegen schon lang kein Thema mehr, zwischen mir und meinem
Mann.
Wenn da nicht ständig
diese Bemerkungen aus unserem privaten Umfeld auf uns niedergehen würden.
"Wann ist es denn bei Euch so weit?" und ähnliche Fragen,
welche uns ständig daran erinnern, wir haben unsere Pflicht noch
nicht erfüllt!
Doch was gibt es an Alternativen, wenn man selbst keine Kinder bekommen
kann?
Adoption? - Da läuft uns die Zeit aufgrund der langen Wartelisten
davon und im Nu hätten wir das Höchstalter überschritten.
Ein Pflegekind? - Das wäre noch einmal eine Chance, zumal ich selbst
als Heimkind aufwuchs und sehr wohl weiß, wie schlimm Kinder leiden
müssen, wenn in ihrem Elternhaus alles schief geht.
Nach reichlichem hin und her der Gefühle, wagten wir den ersten Schritt
und baten um ein Beratungsgespräch mit einer Jugendamtssachbearbeiterin.
Es folgte ein Seitenlanger Fragebogen und noch viele weitere Sitzungen,
in denen wir auf Herz und Nieren geprüft wurden. Auch gab es die
Auflage, an einem Pflegeelternseminar teilzunehmen, welches sich über
4 Wochenenden erstreckte und wenig informativ für uns war. Anschließend
der Endspurt: Psychologentermin und Eignungstest! - Geschafft und Bestanden
- Gutachten erstellt für die sich bewerbenden Pflegeeltern, zur Aufnahme
von 2 Kindern.
Nun folgten unsere Bewerbungen bei verschiedenen Jugendämtern, um
dort auf die Warteliste gesetzt zu werden. Mittlerweile ist allerdings
schon fast ein Jahr vergangen und meine Nerven sind äußerst
gespannt!
Wann kommt endlich der Anruf mit dem Kindesvorschlag? Haben wir irgendetwas
übersehen? Wie wird unser Leben mit einem Kind weitergehen?
Viel Zuspruch seitens der Familie gibt es nicht. Eher das Gegenteil; "da
holt ihr euch den Teufel ins Haus", hieß es nun.
Zweifel, Sorge und Zukunftsangst gebündelt und weiterhin bei den
Jugendämtern anrufen, damit wir ja nicht vergessen werden! Eine grausame
Zeit für uns, welche ich beendete, indem ich wieder einmal mit einer
Dame vom Jugendamt telefonierte (sie hatte die Abteilung kurz vorher übernommen)
und sie fragte, wann sie denn beginnen würde zu arbeiten. Schließlich
wartet irgendwo ein Kind auf ein neues Heim! - Eine Woche später
bekamen wir endlich den erlösenden Anruf; da wäre ein Kind für
uns ob wir noch interesse haben?
Was für eine Frage???
Mein sehnlichster Wunsch geht in
Erfüllung
Endlich, der Kennenlerntermin steht und mein Mann kann sich auf der Arbeit
frei nehmen! Es soll ein kleiner Junge sein, sehr verängstigt und in
der Entwicklung 1 1/2 Jahre zurück; tatsächliches Alter jedoch
knapp 3 Jahre. Abnahmegrund: Vernachlässigung, Misshandlung und Verwahrlosung.
Über den Gesundheitszustand konnte uns nicht viel gesagt werden, doch
wären wir die Einzigen für dieses Kind, andernfalls wäre
er für eine Behinderteneinrichtung vorgemerkt. Das er dort noch nicht
untergebracht ist, läge an den Bemühungen der Krisenpflegestelle,
welche auf so kleine Kinder garnicht ausgerichtet ist.
Wir wollen das Kind kennenlernen, deshalb sind wir hier! Das geht derzeit
nicht, er hält Mittagsschlaf und wenn er vorzeitig geweckt wird ist
er nicht mehr zugänglich. Sobald er wach ist, wird er gebracht!
Unsicherheit macht sich breit und doch können weder mein Mann noch
ich, in diesem Moment aufstehen und gehen.
Da geht die Tür auf und auf einem Bobbycar wird dieses kleine durchsichtige
Bündel Mensch hindurch geschoben. Er ist nicht in der Lage auch nur
eine von den anwesenden Personen anzuschauen und würde am liebsten
kehrt machen.
Kein Wunder, da sitzen 7 Erwachsene und dann auch noch Fremde; und alle
sehen nur ihn an. Wem würde es in dieser Situation anders gehen?
Um die Lage etwas zu entspannen beschliessen wir, einen Spaziergang im Park
zu machen. Während des allgemeinen Anziehens entdeckt dieses Kind zwischen
den ganzen Leuten einen Mann (heute ist es sein Papa), der ist nun Auserkoren,
dieses Kind zu beschützen, während seiner wilden Bobbycartouren,
bergab durch den Park. Anschließend ist es für das Kind an der
Zeit, zu baden, weil er dann bald ins Bett muß. Gerne übernehme
ich diese Aufgabe, gibt sie mir doch Gelegenheit mit dem Jungen in Kontakt
zu treten. Danach fahren wir nachdenklich zurück nach Hause. Im Gepäck
unsere Eindrücke und Bedenkzeit!
Nach 2 Tagen steht unser Entschluß und wir vereinbaren einen weiteren
Besuchskontakt, welchen wir ganz für uns haben und geniessen die Stunden
auf einem Spielplatz. Wieder bade ich das Kind am Abend; und ich habe das
Gefühl, es könnte gutgehen, mit uns dreien. Am nächsten Tag
haben wir ihn schon für ein paar Stunden mit heim genommen, damit er
sich nicht ganz so stark fürchten muß, wenn er, wie schon von
mir mit den Behörden geklärt, eine Woche später bei uns einziehen
wird.
Der Tag der Abholung ist nach 2 weiteren Besuchen von uns, endlich gekommen.
Das Zimmer des Kindes ist fertig eingerichtet und auch verschiedene Spielsachen
warten schon auf ihn.
Vorab müssen wir allerdings die Formalitäten auf dem Jugendamt
erledigen, sonst wird uns der Junge nicht übergeben. Dort lernen wir
nun auch die leibliche Mutter kennen, welche mit der Situation sehr schwer
zurechtkommt. Um so mehr freute sich aber unser Sohn (denn nun war er es
wirklich), als wir dann endlich auftauchten und seine 4 Plastiktüten,
mit seinen Habseligkeiten in unser Auto luden. Vor Aufregung hat der Junge
einen 1/4 Liter Saft getrunken und weil er Autofahren fast garnicht kannte,
anschließend in's Auto gespuckt.
Hallo Eltern, jetzt bin ich da!
Wir aber sind glücklich, denn für uns ist er unser Sonnenschein!
Benita