
Deutschland im Strudel schamloser
Heuchelei,
im Umgang von einstigen wie gegenwärtigen Gewalt- & Missbrauchsopfern.
Die mit Anfang des Jahres bekannt gewordenen Missbrauchs- und Misshandlungsfälle in Deutschlands Eliteschulen sind schlicht ausgedrückt. . . : einfach nur schlimm zu nennen.
Doch statt ernsthaft darüber nachzudenken
wie man dieser gesellschaftlichen Geißel Herr werden kann, wird das
Missbrauchsthema in einer öffentlichen Weise aufbereitet, die meiner
Ansicht nach einer weiteren Vergewaltigung aller Betroffenen gleicht.
Zu durchsichtig ist die Heuchelei, mit der
die unterschiedlichen Interessensgruppen um gesellschaftliche Einflussnahmen
ringen. In dessen Gemenge den Betroffenen allenfalls eine nachgeordnete
Statistenrolle zugewiesen wird.
Doch worum geht es eigentlich?
Klar, es geht zunächst mal "nur" um exzessive Gewalt und
sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, wie sie schon seit Jahrhunderten
in allen Gesellschaften praktiziert wurden, ohne dass groß ein Hahn
danach krähte.
Wer es arg zu doll trieb und erwischt wurde, sah sich dann zwar irgend wann
aufgrund angepasster Gesetzesvorlagen vor dem Kadi wieder. Aber ein real
gesellschaftsübergreifendes Problembewusstsein wurde selbst bis heute
nicht erreicht. . . . . , und eigentlich auch noch nie so richtig angestrebt.
Immerhin lässt sich mit der Leidensverwaltung vernachlässigter,
misshandelter und missbrauchter Kinder jede Menge Geld aus staatlichen Kassen
abgreifen, wie unsere obersten Wohlfahrtinstitutionen im geschäftstüchtigem
Gewand unserer evangelischen und katholischen Kirchen nur zu gut wissen,
in deren Händen nahezu jedes Geschäft zur Gemeinnützigkeit
erhoben wird.
Immerhin haben sie sich im Umfeld von "Betreuungsaufgaben" ein
geradezu monopolistisches Alleinstellungsmerkmal verschafft. Innerhalb dessen
die vor Ort Beschäftigten zwar nicht mehr nur mit Gotteslohn bezahlt
werden, aber bekanntlich auf kirchlichen Arbeitsplätzen vergleichsweise
gering bezahlt
werden und erhebliche Einschränkungen
allgemeiner Arbeitnehmerrechte
in Kauf nehmen müssen. Eben,
weil es gilt, mit möglichst geringem Aufwand, möglichst hohe Profite
zu erwirtschaften.
Aber das sei hier nur am Rande erwähnt.
Es gab zwar die 68er-Bewegung, der eine Umkehr allzu gewaltbetonter Erziehungsmethoden
in Kinderheimen zu verdanken ist, aber seither hat es keine nennenswerte
Gewaltthematisierung in der Öffentlichkeit mehr gegeben. Opfer von
Gewalt und Missbrauch, blieben vor Scham weitgehend zum Stillschweigen verdammt,
sich selbst überlassen.
Dann 2003 begannen, durch einen irischen
Filmbericht
inspiriert, mehrere ehemalige Heimkinder, ihre Stimmen über ihr erlittenes
Leid besonders in kirchlich getragenen Einrichtungen zu erheben.
Doch wurden ihre Forderungen um Entschuldigungen und Entschädigungen
sowohl von kirchlichen, als auch staatlichen Verantwortungsträgern
mit ebenso herablassender Gleichgültigkeit abgewiesen, wie sie einst
behandelt wurden.
Erst als der Spiegelredakteur Peter
Wensierski mit gewaltiger Medienkraft entsetzliche Heimschicksale
in seinem Buch "Schläge
im Namen des Herrn" veröffentlichte und nahezu gleichzeitig
mehrere Petitionen
von Heimkindern im Bundestag eingingen, begannen derart öffentlich
vorgeführt, Kirche und Staat wie kapriziöse Mimosen mehr widerwillig,
statt von Aufrichtigkeit getragen, ihre jeweiligen Anteile von Gewalt und
Missbrauch an Kindern unter ihrer Verantwortung aufzugreifen.
Der runde Tisch
in Berlin ist demnach das Resultat wenigstens 5 Jahre andauernden
Anrennens hunderter Betroffener um öffentliches Gehör zu finden.
Doch statt nun gemeinsam reinen Tisch zu machen, haben sich zum Leidwesen
unserer gesamten Gesellschaft, verantwortliche Vertreter aus Kirche und
Staat darauf verständigt, die Konsequenzen ihres zu verantwortenden
Unrechts, unter Ausschluss der Öffentlichkeit miteinander auszukungeln.
Warum, wenn man nichts zu verbergen hat?
Ja nicht mal die drei ex-Heimkinder,
die in einer Alibifunktion ohne jeden Rechtsbeistand die Interessen aller
Heimkinder wahrnehmen "dürfen", sind selbst gegenüber
den organisierten Heimkindern zum Stillschweigen
der Verhandlungsinhalte verpflichtet worden.
Was haben solche Gebaren noch mit einer aufrichtigen Aufarbeitung
zu tun?
In dessen Zwischenbericht
geleistete Zwangsarbeiten und eindeutige Menschenrechtsverletzungen aus
durchsichtigen Entschädigungsabwägungen heraus nicht mal mehr
als solche bezeichnet werden dürfen?
Denn nein, Entschädigungen für sprichwörtlich erschlagene
Kindheiten und ebenso zerrüttete Folgebiografien, die vielen Betroffenen
nur mehr ein Leben am sozialen Randbereich unserer Gesellschaft erlauben,
weisen Kirchen und Staat unter dem fadenscheinigem Hinweis, fehlender Rechtsgrundlagen
bisher noch weit von sich.
Allein dieser abweisende Akt
ist an gottloser Heuchelei
kaum mehr zu überbieten !
! !
Denn niemand verbietet ihnen, die innerhalb
ihrer Institutionen Geschädigten, gemäß ihres christlichen
/ sozialen Gewissens zu entschädigen
! ! !
Selbstverständlich wird kein Geld der Welt, erfahrenes Unrecht ungeschehen
machen, wie in heuchlerischer Absicht gern
vorgeschoben
wird, um jede Anspruchserwartungen bereits im Keim zu ersticken.
Heuchlerisch. Das wissen die Geschädigten
nur zu gut.
Aber wer geschädigt wurde, hat sicher nicht nur nach meinem humanistisch
geprägten Demokratieverständnis ein absolutes und vor allem moralisches
Anrecht auf Entschädigung.
Es würde den vielfach biografisch Gezeichneten helfen, wenigstens noch
ihren Lebensabend in Würde und finanzieller Sicherheit zu verbringen.
Dazu gehören auch mal Annehmlichkeiten, die für andere Menschen
mit ungebrochenen Lebensläufen geradezu selbstverständlich sind.
Wohingegen mir unbegreiflich scheint,
warum unsere christlichen Vorbilder, die heute unseren Kirchen vorstehen
und nach christlicher Lesart Gottes Schafe in bescheidener Demut dienen
möchten, dennoch fürstliche Saläre von 8000
Euro im Monat und mehr
aus Steuermitteln einstreichen. Was für eine dekadente Vorstellung:
Jesus residierte in pompösen Bischofssitzen oder gar im Vatikan.
Nun was Entschädigungen anbelangt, so musste allein die katholische
Kirche ihren Opfern in Amerika jeweils mehr als 1 Millionen Dollar zahlen.
Hier in Deutschland ist man hingegen nicht mal zu einer geforderten Durchschnittsentschädigung
von 50000
Euro bereit.
Dies nur mal, um eine Größenordnung anzuzeigen, worum es hier
geht.
Ach ja wie war das noch mit Entschädigungen für prominentere Opfer,
deren verletzte Eitelkeiten durch unautorisiert veröffentlichte Fotos
schon mal mit 150000 Euro entschädigt
wurden?
Tja, so sieht halt das christliche Gewissen im Spiegelbild unseres sozialen
Rechtstaats aus.
--------------------------------- Erbärmlich ------------------------------------
Die öffentliche Aufmerksamkeit über das Grauen der einst gequälten Heimkinder war schon wieder auf dem besten Weg in der Tristesse des gewohnten Alltags unterzugehen, als das Thema Anfang des Jahres mit Missbrauchs- und Misshandlungsvorwürfen gegenüber Kindern innerhalb hochgeschätzter Eliteschulen unter kirchlichen Leitungen erneute Nahrung fand.
Man konnte sich nur verwundert die
Augen reiben, mit welch fulminanter Vehemenz die mediale Keule auf die Kirchen,
insbesondere gegen die der katholischen fortan niedersauste.
Fast konnten einem diese schändlichen Kirchen schon Leid tun, auf die
es mit nie dagewesener Brachialgewalt hereinbrach.
Eine mediale Heuchelei, die noch lange ihresgleichen suchen wird!
Eine schamlose Inszenierung vom Feinsten,
wenn man nur mal die nackten Zahlen zu ihrer tatsächlichen Relation
von Gewalt setzt, denen nicht nur Schüler in Eliteschulen ausgesetzt
waren, sondern zuvor geschätzte 800000 Heimkinder, innerhalb kirchlicher
Einrichtungen und noch weit mehr Kinder häuslicher Gewalt Jahr um Tag
zum Opfer fallen.
Wie etwa:
wöchentlich 2-3 Kinder, die ihr
stilles Martyrium nicht
überleben.
32000 Kinder jährlich (2009), die in stationäre Heimeinrichtungen
untergebracht werden.
15000 Kinder jährlich sexuell missbraucht, die angezeigt wurden. Dunkelziffer:
200000
100000 Interventionen jährlich, die durch Jugendamtbehörden erforderlich
wurden.
Wo bleibt hier der angemessene Aufschrei öffentlicher Entrüstung???
Heuchler ! ! !
Dem
stehen, so schlimm es auch für diese Opfer ist, innerhalb der letzten
50 Jahre, kaum mehr als 500 Betroffenen gegenüber, die jetzt aus sogenannten
besseren Familien bekannt wurden und dank medialer Unterstützung Deutschland
zu kollektiver Betroffenheit verholfen hat.
Heuchlerisch, weil sich diese weitgehend auf
den elitären Nachwuchs und der Häme über die Kirchenführungen
beschränkt, die in altbewährter Manier glaubten, auch diesen Kelch
durch Abweisen, Leugnen und Schweigen schadlos zu überstehen.
Doch dieses Mal ging ihre Rechnung nicht auf. Denn das ist eben der kleine
aber feine Unterschied. Bei verübtem Unrecht gegenüber Unterschichtkindern
kräht kaum ein Huhn oder Hahn, doch wehe dem, wenn sich da wer erdreistet,
Hand an den Nachwuchs unseres Geldadels anzulegen, deren 74 bekannt gewordenen
Täter über den Gesamtzeitraum eines halbes Jahrhunderts hinweg,
hier und da ihr Unwesen trieben. Ja, da bekommen selbst unsere sattsamen
Kirchenführungen die Muskeln unserer Eliten zu spüren. Als folgend
bekannt wurde:
01. 02. 2010 Hildesheim Vorwürfe
gegen Pater in Hildesheim
- 3 Täter
01. 02. 2010 Göttingen wird bekannt
- 1 Täter
05. 02. 2010 Bonn Aloisius-Kolleg
- 6 Täter
09. 02. 2010 Aachen Anschuldigungen
gegen - 8 Täter
12. 02. 2010 Werl Collegium
Aloysianum - 3 Täter
19. 02- 2010 Mainz: Internat
Biesdorf - 1 Täter
21. 02. 2010 Augsburg Salesianer
Don Bosco - 1 Täter
21. 02. 2010 Oggelsbeuren Kinderheim
der Vinzentinerinnen - 1 Täter
21. 02. 2010 Essen Franz-Sales-Haus
- 2 Täter
22. 02. 2010 München Benediktinerkloster
Ettal - 10 Täter
22. 02. 2010 Würzburg Würzburger
Franziskanerkloster - 2 Täter
23. 02. 2010 Homburg/Saar Johanneum
Gymnasium - 2 Täter
03. 03. 2010 Limburg Mehrere
Fälle von sexuellem Missbrauch - 1
Täter
04. 03. 2010 Fulda Domsingknaben
- 6 Täter
04. 03. 2010 Regensburg:Regensburger
Domspatzen - 2 Täter
08. 03. 2010 Heppenheim Odenwaldschule
(ging auch Weizsäckers Sohn zur Schule) - 8
Täter
10. 03. 2010 Bensheim Jungen-Internat
- 2 Täter
12. 03. 2010 Bad Tölzer Pfarrer, der zuvor wegen Missbrauch in Nordrhein-Wesfahlen
vom Münchener Erzbischof
Ratzinger Asyl in Bayern erhielt, erneute Jugendlichen missbraucht
und seit 2008 in Bad Tölz als hochgeachteter Pfaffe in Amt und Würden
tätig ist. - 1 Täter
-----------------------------------------------------
= 74 Täter
innerhalb eines halben Jahrhunderts
------------------------------------------
So folgte stehenden Fußes die nächste Heuchelei.
Denn wir erinnern uns, wie viele Jahre
ehemalige Heimkinder brauchten, um in verantwortlichen Ebenen Gehör
zu finden? (5J)
Nicht mal vier Wochen bedurfte es der Klagen von Erster-Klasse-Opfern, bis
ihnen unaufgefordert höchste politische Persönlichkeiten zur Seite
sprangen, um ihnen runde
Tische
und Entschädigungen
anzudienen..
Gegenüber gelittenen Heimkindern, die seit Jahren vergebens um ein solches Zeichen nachsuchten, stellt diese Brüskierung eine weitere erniedrigende Ohrfeige dar.
Denn so gut sind unsere Gutmenschen
nun mal doch nicht, um weiter als über ihren eigenen goldenen Tellerrand
hinweg zu schauen.
So können wir mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass sich
am neuen Runden Tisch unter dem Etikett Missbrauchsprävention mit höchstrangiger
Besetzung
schon sehr bald und in aller Stille ein schweres entschädigungswirksames
Füllhorn über die Hochwohlgeborenen ergießen wird, während
die gelittenen Heimkindern am Berliner Katzentisch nicht mal einen symbolischen
warmen Händedruck der Entschuldigung zu erwarten haben.
Das war´s denn auch, unser Erdenrund will sich schließlich weiter drehen.
Doch noch einmal zurück, zu den eiligst bemühten Präventionsbemühungen:
So lange keine eindeutigen Entscheidungen
dahingehend gefasst werden, um vorbeugenden Schutz durch früh ansetzende
Bildungsangebote in Kindergärten und Schulen einzusetzen, werden auch
diese neuerlichen Bemühungen als weiterer Beweis elender Heuchelei
in die Geschichte eingehen.
Denn wenn sich eine Gesellschaft verändern will/muss/möchte, dann
kann sie jedes Ziel mit spielerischer Leichtigkeit durch ein enges Netzwerk
an kommunikativer Aufklärung erreichen.
So lange kein Bemühen erkennbar wird, um jeden Mitbürger durch Bildung und Aufklärung vor Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung zu schützen, sollte sich jeder von uns fragen, wer und warum jemand Interesse daran haben kann, unsere Mitbürger weiter in bequemer Unmündigkeit gefangen zu halten?
Dann entpuppen sich die Potentaten
und ihre Ziele fast von selbst, wie das negative Paradebeispiel der katholischen
Kirche gerade wieder unter Beweis gestellt hat, die allen Ernstes zu glauben
meint, das Problem pädophiler Machenschaften in ihren Kreisen durch
intensivere interne Schulungen
vorzubeugen.
Lachhaft und an Heuchelei bereits zu durchsichtig.
Denn unsere Kirchen können gar nicht anders, als ein vitales Interesse
an weiteren Leiden zu haben.
Schließlich lassen sie sich bereits seit Beginn an mit der Leidensverwaltung
auf dem Rücken
vernachlässigter, misshandelter und missbrauchter Kinder, ihre heuchlerischen
Heiligenscheine vergolden, statt sich mit allem Nachdruck ihres Machteinflusses
aktiv zum Schutz
von Kindern zu beteiligen.
Klaus Klüber
24. 4. 2010 . . . . . . . . . . . . . Meinungen
dazu? - Diese dürfen im angeschlossenen Forum
geäußert werden. . . . . . . . . . . . . . . . . . .