Heimerfahrungen

Gesamtbiografien

Haus - Heim & die Zeit danach
häusliche Gewalt

©: by-sassi pixelio.de
Wenn sich die Verantwortlichen aus Staat- Sozialwesen und Kirchen gemäß ihren eigenen ethischen/moralischen Ansprüchen so verhalten würden, wie sie diese einst innerhalb ihrer Heimeinrichtungen in unbarmherziger Weise von schutzbedürftigen Kindern abverlangten, gäbe es heute keine beschämenden Diskussionen um Entschuldigungs- und Entschädigungsbestrebungen durch ehemalige Heimkinder.

"Es gab sehr viele Orte des Bösen, in denen auf allen Stufen Unrecht geschehen ist."

"Es gab ein System der Heimerziehung und heute muss es dafür eine kollektive Verantwortung der ehemaligen Betreiber geben."

So lautet das noch harmlos umschriebene Fazit der Vorsitzenden des Runden Tisches Heimerziehung (RTH), Frau Vollmer, der über einen Zeitraum von zwei Jahren daran arbeitete, all die Verbrechen zu erfassen, denen Kinder und junge Heranwachsende einst schutz-/wehr-, nicht jedoch rechtlos, in ihren jeweiligen Heimeinrichtungen ausgeliefert waren.
Denn das Recht stand schon immer unmissverständlich auf Seiten aller Kinder und Jugendlichen, denen eine Heimfürsorge, aus welchen Gründen auch immer, auferlegt wurde.
Das Dilemma bestand nur darin, dass die Heimbetroffenen nie von ihren Rechten in Kenntnis gesetzt wurden und sich weder unsere staatlichen Überwachungsorgane, noch die meist "christlich" geführten Heimeinrichtungen um Beachtung bestehender Grund- und Fürsorgegesetze scherten.

Doch die gravierenden Versäumnisse und notwendigen Konsequenzen finden sich im Abschlussbericht nur unzureichend wieder.

Dafür sticht in diesem 67-seitigen Machwerk die klar erkennbare Handschrift all jener Teilnehmer/Innen des RTH hervor, die heute als Rechtsnachfolgeverantwortliche der einstigen Täterinstitutionen personell den runden Tisch dominierten und mit diesem Missverhältnis von 3 Heimbetroffenen gegen 17 Staats- und Kirchenvertretern, ihre substanziellen Interessen durchsetzen, um die Ergebnisse aller zusammengetragenen Erfahrungsberichte aus Gründen der Staatsräson nicht zu verheerend ausfallen zu lassen, bzw. sich mit opferverhöhnenden Entschädigungsempfehlungen aus der Verantwortung zu stehlen.

Denn wie hätte dieser Staat im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit erklären sollen, dass es innerhalb seiner rechtstaatlichen Grenzen, über Jahrzehnte hinweg ein systematisches Unrechtsystem gab, dem nahezu alle Heimkinder in einem Umfeld permanenter Bedrohungen körperlicher seelischer Misshandlungen, teils auch sexuellen Missbrauch und verbrecherischen Medikamentenversuchen hilflos ausgeliefert waren?

Folgerichtig stehen obige Zitate in dem Bemühen, weiterhin die Augen vor dem unermesslichen Leid der vielen Opfer dieser nationalen Tragödie zu verschließen, die durch das Unrechtsystem Heimerziehung hervorgebracht wurden. Dessen Dimensionen dank bemühter Baggatellierungsversuche der Verantwortlichen aus Kirchen und Staat, selbst heute noch nicht in ihrem wahren Ausmaß in unserer Gesellschaft angekommen sind.

Hingegen sind bis auf wenige Ausnahmen nahezu alle ehemaligen Heimkinder Opfer ihrer Heimerziehung geworden.
Nur ist dieses Bewusstsein aufgrund traumatisch bedingter, noch hochaktiver Verdrängungsmechanismen, wiederum nun auf der Betroffenenseite ebenfalls noch gänzlich unzureichend realisiert worden.
Ich muss gestehen, dass selbst ich, obwohl ich "schon" 2003 aus meinem Dornröschenschlaf erwachte, noch Jahre benötigte, um ein realistisches Gefühl für all die menschenrechtswidrigen Heimerziehungspraktiken zu entwickeln, die ich bis dahin noch als verhältnismäßig normale Erfahrungsbestandteile verinnerlicht hatte.

Diesem Verdrängungsphänomen bin ich bei meinen Versuchen, Kontakt zu anderen ehemaligen Weggefährten zu knüpfen, immer wieder in ähnlicher Weise begegnet, indem sie ihre eigene Heimzeit ähnlich wie ich zuvor, trotz einstiger Prügelorgien, Herabwürdigungen, Ängsten und Bedrohungen, in gütiger Verklärung als gar nicht mehr so fürchterlich in Erinnerung hatten.
Geradezu erschüttert hat mich ein Gästebucheintrag eines ehemaligen Weggefährten in unserem gemeinsamen Heim, von dem mir explizit bekannt ist, dass auch er als einstiger Bettnässer zu den ausgewiesen "schwarzen Schafen" gehörte, an denen nahezu jeder ungestraft seinen Frust abreagieren durfte, der sich darin tatsächlich noch für die gute und schöne Heimzeit bedankte.
Unglaublich, aber dennoch traurig wahr.

Dem stehen allerdings Nacherfahrungen von wenigstens drei Weggefährten/Innen gegenüber, die bereits sehr frühzeitig von eigener Hand verstorben sind. Einige die bereits gleiches versucht haben, oder von Alkoholismus geprägt ein Schattendasein auf Harz IV-Niveau führen und noch einige mehr, die von diesem einstigen Lebens-kapitel weder mehr etwas hören, sehen, sprechen, oder wissen mochten.

Bedarf es noch weiterer Angaben, um zu demonstrieren wie hoch auch heute noch bei den meisten ehemaligen Heimkindern, ähnlich wie bei schweren Missbrauchsopfern, der unglaublich lang andauernde Verdrängungseffekt wirksam ist?
Deshalb wundert es mich nicht im Geringsten, warum sich von den ca. 800.000 betroffenen Menschen nicht mal 1000 Stimmen bei der Anlaufstelle des runden Tisches zu Wort gemeldet haben und noch weniger den Wunsch verspüren, sich zusammen zu schließen, um heute gemeinsam für die öffentliche Anerkennung all des erlittenen Unrechts und Rehabilitation einzutreten.
Wozu sollten sie auch? Hier verweise ich gern auf meine persönlichen Erfahrungen, die den Nachweis belegen, dass der runde Tisch nicht einmal auf anspruchsvolle Eingaben reagierte und damit kaum deutlicher denonstrieren konnte, wie viel ihm an einer aufklärenden Zusammenarbeit mit ehemaligen Heimkinder gelegen war.

Nun ja, zumindest läßst sich sagen, dass sich ähnlich wie bei Missbrauchsopfern das schwere Trauma der einstigen Macht- und Hilflosigkeit in negativer Hinsicht dermaßen bei den Betroffenen verfestigt, um kaum ein Verlangen zu entwickeln, um noch einmal auf jene elenden Zeiten und Gefühle von Erniedrigungen, Demütigungen und Verletzungen zurückzublicken. Zeiten, die für nicht betroffene Menschen meist zeitlebens als besonders schöne Erinnerungen ihrer beschwingten Kinder/Jugendzeiten erhalten geblieben sind.

Doch worin konkret bestanden denn nun all die destruktiven Erfahrungen, die heute noch bei den Betroffenen vielfach mit gravierenden Folgeschäden, wie sozialer Isolation, Bindungsunfähigkeit, Misstrauen, Minderwertigkeitskomplexen, Armut, Depressionen, Suiziden und anderen Auffälligkeiten mehr nachwirken?
Um es vorweg zu nehmen, ist es die banale Aneinanderkettung und Summe aller persönlichkeitsverletzenden Erfahrungen, die sicher nicht jeden Tag mit besonders brutalen Ereignissen einher gehen mussten, aber dennoch im Spannungsfeld permanenter Bedrohung und trostloser Lieblosigkeit allgegenwärtig war, auch ohne sich dessen so explizit bewusst zu sein, wie es mir heute
in der Nachbetrachtung sehr viel besser möglich geworden ist.
Die betroffenen Kinder und Jugendlichen, also überwiegend Einrichtungen vorfanden, die alles andere als eine vertrauensvolle oder anheimelnde Atmosphäre vermittelten, in denen sie im Geiste staatlicher Fürsorge (= Sorge um das persönliche Wohl des zu betreuenden Kindes) zu aufrechten und gesellschaftsfähigen Mitgliedern unseres Staates heranwachsen konnten.

Dieser selbsterklärte Anspruch konnte von Anbeginn an nur zum Scheitern verurteilt sein, da der Staat mit seinen überwachenden Fürsorgeorganen in sträflichster Weise versäumte, die finanziellen, personellen, fachlichen und räumlichen Vorraussetzungen zum erfolgreichen Gelingen seines eigenen Erziehungsanspruches zu schaffen. Ähnlich wie trotz eindeutiger Erkenntnisse auch heute noch zu wenig unternommen wird, um Kinder im präventiven Sinne vor meist überforderungsbedingter Gewalt, Heimerfahrungen und all den weiteren Negativauswüchsen einer gesamtheitlich vorgeschädigten Gesellschaft zu schützen.

So waren die allermeisten Heime mit einem zugestandenen Tagespflegesatz (1950) von etwa 1,50€ pro Kind/Jugendlichen hoffnungslos unterfinanziert, um aus diesem Betrag, auskömmlich Essen, Kleidung, Betreuungskosten, Verwaltung, und Instandhaltung der Räumlichkeiten zu gewährleisten. Mehr waren dem Staat demnach die Kinder, die er zu besseren und vollwertigen Mitgliedern dieser Gesellschaft zu erziehen beabsichtigte, nicht wert.
Hier hätten die Heimträgerschaften, zu rund 80% unter kirchlicher Leitung, bereits jede Verantwortung, bzw. Obhut dieser zugewiesenen Kinder zwingend zurückweisen oder angemessene finanzielle Ausstattungen einfordern müssen!
Dies geschah jedoch nicht, so dass hunderttausende eingewiesene Kinder und Jugendliche für diese schwerwiegenden staatlichen und kirchlichen Versäumnisse gleich in mehrfacher Weise büßen mussten.

So wurden die Kinder und Jugendlichen - auch wieder aus den gleichen finanziellen Erwägungen heraus - in viel zu großen Gruppenstärken von 15- 35 Kindern, in äußert spartanisch eingerichtete Liegenschaften kaserniert.
Dieser Vergleich ist durchaus wörtlich zu nehmen.

Siehe nachstehende Bilder.

Quelle: Wikipedia

Die Aufnahmerituale werden sich zwar im Detail unterschieden haben, sie dürften indes auch bei jenen Kindern/Jugendlichen, die aus widrigen Familienverhältnissen kamen, einen traumatischen Eindruck hinterlassen haben.
Der häufig mit der ersten Entwürdigung der eintreffenden Kinder/Jugendlichen einherging.
Angefangen, dass sie sich einer Untersuchung unterziehen mussten, in der z.B. Mädchen und junge heranwachsende Frauen in einem äußert peinlichen Prozess, von völlig fremden Menschen in fremder Umgebung auf ihre Jungfräulichkeit und/oder mögliche Geschlechtskrankheiten untersucht wurden.
(Wir behalten stets im Sinn, dass die Volljährigkeit bis 1975 erst mit 21 Jahren eintrat. Entsprechend wurden damals noch Menschen in einem Alter in Heimefürsorge gezwungen, die wir heute als erwachsene Persönlichkeiten zu respektierem hätten.

Weiter ging es häufig damit, dass ihnen ihre persönliche Kleidung und Mitbringsel abgenommen wurden, um mit einheitlicher Anstaltskleidung, Anstaltsfrisur und Personennummer versehen, den anderen kurz als neues Gruppenmitglied vorgestellt zu werden, um sie danach sich selbst, ihrem Trennungsschmerz und all den Widrigkeiten zu überlassen, die nun mal in gruppendynamischen Prozessen von meist schon vorgeschädigten Kindern hervorgehen, die mit all ihren unterschiedlichen Charakteren gezwungen waren, auf engsten Raum zusammenleben zu müssen.


Für Kinder/Jugendlichen, die oftmals ohne jede Vorankündigung oder Erklärungen aus ihrer vertrauten Familie gerissen wurden und damit in Verbindung mit Heimerziehung ihr erstes Trauma erlitten, fanden sich nunmehr in einer abartig fremden Umgebung riesiger Gemeinschaftsräume wieder, in der sie sich angesichts der Weite und lärmenden Umgebung noch kleiner und verlorener fühlen mussten, als sie sich ohnehin schon in ihrer Verwirrung und heimwehverzehrenden Zustands der unfassbaren Heimeinweisung befanden.
Vielleicht hilft Ihnen als Leser/In der Dimensionsvergleich, ob es ihnen wohl gelingen würde, sich in einer ehrfurchtseinflößenden Kathedrale/Kirche "gemütlich" einzurichten und sich dort dauerhaft aufgehoben zu fühlen?

Ähnlich schwerlich war es den Kindern sich in solch riesigen Räumlichkeiten heimelig zu fühlen, in denen sich der Hall der zahlreichen Stimmen noch lauter und befremdender verstärkte und bei neu eintreffenden Kindern oder Besuchern ein nachhaltiges Gefühl der Beklemmung hinterließ.
Wobei es Eltern/Verwandten, sofern sie die Kinder besuchen konnten/wollten, ohnehin kaum gestattet war, die normalen Aufenthaltsräume der Stationen zu betreten.
Hierfür gab es meist der Heimverwaltung angeschlossen eigens eingerichtete Besucherzimmer, in deren sterilen Büroatmosphäre Eltern für kurze Zeit mit ihren Kindern zusammenkommen durften.

An dieser Stelle sei die ohnehin familienfeindliche Unterbringungspraxis zu erwähnen, in dem zur damaligen Zeit die zu betreuenden Kinder möglichst weit, von ihren Familienwohnorten untergebracht wurden. Ganz offensichtlich, um den Kontakt von Eltern zu ihren Kindern möglichst zu erschweren. Denn da es sich hierbei fast ausschließlich um Kinder aus ärmeren Arbeiterhaushalten oder alleinerziehender Mütter handelte, waren Besuche der Eltern nur mit beschwerlichen Einbußen an Zeit und Geld verbunden. Entsprechend selten bis gar nicht erhielten Heimkinder Besuch von ihren Familienangehörigen. Ein Umstand, der in letzter Konsequenz zur vielfachen Entfremdung zwischen langjährigen Heimkindern und ihren Angehörigen führte und damit erheblich zur zeitlebenden sozialen Isolation dieser betroffenen Heimkinder beitrug. Etwa, wenn diese später nahezu unvorbereitet und ohne jede weitere Begleitung in ihr "selbstständiges" Leben entlassen/ausgespuckt wurden.

Aber auch innerhalb vieler Heimeinrichtungen wurden in einer rigiden Trennung von Jungen und Mädchen selbst Geschwister konsequent voneinander getrennt, die sich zwar hin und wieder im selben Heimgelände sehen konnten, teils aber nicht mal mehr miteinander sprechen durften.

Hier nur einige wenige Beispiele, mit welchen Mitteln bereits geringfügige Verstöße gegen geltende Gebote - Verbote oder sonstige Regeln geahndet wurden.
Dazu gehörten z.B. Verfehlungen, wie etwa während der angeordneten Mittagsschlafenszeit zu Flüstern, Nichteinhaltung einer ordnungsgemäßen Liegeposition im Bett, Nachts auf den Gang zur Toilette erwischt zu werden, Bummelei oder Reden während der Arbeit, oder sonst zu lautes Reden, Rangeleien untereinander, unerlaubtes Spielen, oder zeitweiliges Entfernen von der Gruppe, schlecht ausgeführte Dienste, schlecht gemachte Betten, vermeintlich böse Blicke, eingerissene Kleidung, ungewaschene Hände, oder gar Bremsspuren in den Unterhosen. frivole Witze, Widerworte, oder Andeutungen die als Beleidigungen erfasst werden konnten, Begriffsstutzigkeit in der Schule/Hausaufgaben. Das Versäumnis die wöchentlich einzuübenden Gebete/Kirchenlieder nicht auswendig zu können. Das Fallenlassen von Geschirr. Oder gar das reflexartige Heben einer gegen die Erziehungskräfte gerichteten Hand. Zu dick geschälter Kartoffeln und und und ............., viele weiterer Gründe mehr.

Deren außerordentlich schwierigen Umstände stets der fehlenden finanziellen Ausstattung zuzuschreiben war.
Denn neben den kärglich eingerichteten Räumlichkeiten, zweckmäßig robuster Tische, harter Bänke oder Stühle, ähnlich wie sie dem Charme von Jugendherbergen bekannt sind (heute wohl sicher um einiges besser), boten die Einrichtungen kaum bis nichts, um auch nur annähernd den Hauch einer häuslichen Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen.
Bekannt wurden etwa Räumlichkeiten, in denen bis auf martialisch leidende und furchteinflößend gekreuzigte Jesusbildnisse nicht mal selbstgemalte Kinderbilder an den Wänden von "Kinderheimen" hängen durften!
Sieht so eine Umgebung aus, von der Sie sich vorstellen können, dass Sie sich oder Ihre Kinder darin fröhlich und wohlgemut entwickeln könnten?
Wohl kaum.
Auch trug das Fehlen jeder persönlichen Rückzugsmöglichkeit, die man im weitesten Sinne als Wahrung einer Privatsphäre bezeichnen könnte, ähnlich wie die maskenhaft erstarrte Uniformierung der Nonnen, Padres, Ordens-schwestern alles andere als zur Steigerung eines vertrauensvollen Lebensumfeldes bei.
Nein, viele Ehemalige verbindet noch heute beim Anblick derartiger Maskeraden ein reflexartiges Gefühl abweisenden Widerstands.
Stehen sie doch als Synonym, unnahbarer Unmenschlichkeit, körperlicher und seelischer Torturen, die ihnen von dieser Spezies Mensch einst in voller Inbrunst das Rechte im Sinne Gottes zu tun, angetan wurden.

Nämlich gewalttätigste Misshandlungen wie sie selbst Jesus Christus nicht über so lange Zeiträume hinweg zu ertragen hatte.
In Falle von hier beschriebenen Heimkindern mussten indes die besonders schutzbedürftigsten Kinder unserer Gesellschaft gleichwohl völlig auf sich allein gestellt, das Kreuz vielfältigster Schmerzen und beißender Seelenqualen ertragen, die erwachsene Menschen in ihrer eigenen Verblendung zu ersinnen imstande sind.

Hierin spiegelte sich in Verbindung mit der eigenen Überforderung ein völlig verschrobenes Gottesbildnis wieder, welches in unehelich geborener Kinder, oder Kindern alleinerziehender Mütter ausgewiesene Bastarde des Teufels erachteten, deren Seelen nur mit harter Hand gerettet werden mussten. Siehe "Schläge im Namen des Herrn"
So leiteten religiös ver(w)irrte Menschen aus der biblischen "Weisheit" - "Wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie," völlig illegitim für sich das Handlungsrecht ab, um hemmungslos auf die ihnen anvertrauten Kinder einzuprügeln. Vergessen oder nicht mehr existent war demnach all der umgebende bibliche Kontext, der Kindern gegenüber ein besonders hohes Maß an liebvoller Rücksicht abverlangt.
Doch es war niemand da, der diesen entfesselten Furien die Grenzen mitmenschlichen Anstands aufwies.

So wurden die der Fürsorge anheim gegebenen Kinder in allen erdenklichen Positionen und Formen malträtiert, die man sich nur vorstellen kann und jedes Maß verbindlicher Menschrechte und Fürsorgegesetze bei weitem überschritt. Die nur deshalb keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich zogen, weil niemand da war, der seitens der überwachenden Behörden, noch ausführenden Heimbetreiber die verbindlich gültigen Rechte aller Heimkinder anerkannte, oder sich in ihrem Sinne einsetzte.

Dabei hatte es schon immer genügend Kinder und Jugendliche gegeben, die aus ihren "Heimen" entflohen und gegenüber Angehörigen, Sozialstellen, oder Polizeibehörden die unhaltbaren Heimzustände beklagten.
Siehe diesen vergeblichen Versuch einer Strafanzeige von 1971, um Heimkindern zu ihrem Recht zu verhelfen.
Doch trotz des öffentlichen Bewusstseins, dass Heimkinder nicht gerade zimperlich behandelt werden, konnte oder wollte sich dennoch niemand so richtig vorstellen, wie sehr die Klagen der Entflohenen tatsächlich den realen Gegebenheiten entsprachen. Man gab sich statt dessen mit der zu nichts verpflichtenden Erklärung zufrieden, dass es sich hierbei um allzu lebhafte Phantasien renitenter Heimkinder handelte und sie schnurstracks wieder zurück in ihre Leidensstätten verfrachtete.

Bettnässer, zumal welche von denen bekannt war, dass sie keine oder wenige Angehörigen hatten, die sich um sie sorgten (die sich berechtigterweise bereits vor Angst ins Hemd/Hose machten) traf es oft besonders hart und unbarmherzig.
Nicht etwa nur darin, dass sie nahezu regelmäßig für ihr Bettnässen Prügel bezogen, oder vor der Gruppe herabgewürdigt wurden, indem sie verspottet, oder mit dem übern Kopf gezogenen nassen Bettuch so lange ausharren mussten, bzw. alternativ vor anderen Gruppen die im Hof Spalier standen, so lange umherlaufen mussten, bis das Laken getrocknet war.
Besonders beliebt war auch deren morgendliches Abduschen oder Baden mit/in kaltem Wasser.

Dabei ist mir ein besonders markante Abscheulichkeit bekannt geworden, in der die betroffenen Kinder so lange nackt und mit einer an ihrem Glied befestigten Wäscheklammer vor dem Badezimmereingang niederzuknien hatten, bis sie an der Reihe waren, um in das kalte Wasser untergetaucht zu werden.

Da derlei Prozeduren von erheblichen Abwehrverhalten und nervenaufreibenden Gekreische der Kinder begleitet waren, dürfte wohl verständlich machen welch ein wahnsinniger Kraft- und Nervenverschleiß zur Umsetzung solcher menschenrechtswidriger "Strafrituale" aufgewandt werden mussten, in der mit der zunehmenden Gereiztheit natürlich auch die Aggressivität und Rohheit anstieg, mit der das Personal zu Werke ging. Dies hatte in einem Fall zur Folge, dass ein damals 5/6-jähriger Junge, der sich genauso verzweifelt vor dem Bad ins kalte Wasser wehrte, mit so heftigen Schwung in die Wanne geschmissen wurde und dabei so unglücklich mit dem Kopf auf den Wannenrand aufschlug, um augenblicklich die Besinnung zu verlieren. Ein Moment, den er als Nahtoderlebnis nie mehr vergessen hat, weil er sich in diesem Augenblick in gänzlich friedvoller Umgebung und liebvoller Begleitung seiner Mutter wiederfand.
Doch leider blieb es nur ein kurzes Glücksgefühl, da er anschließend zähneklappernd und mit dröhnendem Kopf in seinem Bett erwachte. Um ihn herum aufgeregte Ordensschwestern denen die Verwerflichkeit ihres Tuns nunmehr unmissverständlich ins Gesicht geschrieben stand.
Bedarf es noch weiterer Detailbeschreibungen, welche Eindrücke derart martialische Strafexzesse auf die anderen Kinder/Jugendlichen ausüben mußten?

Es musste niemanden selbst treffen, um von derlei Erfahrungen zutiefst eingeschüchtert zu werden, denn irgendwen traf es allein schon überforderungsbedingt nahezu jeden Tag.
Um die Ängste noch weiter zu steigern, wurden Strafen gar nicht mal immer sofort vollzogen, sondern wurden oftmals für einen besonderen Tag in der Woche aufgespart, wo alle "Wochensünder" der Reihe nach ins "Vollzugszimmer" bestellt wurden, um sich angstbibbernd dem unvermeidlichen Schicksal zu ergeben. Auch der Aspekt auf die systematischen Konditionierung, sich als Kind schuldig fühlen zu müssen, dass all die zahlreichen Misshandlungen ja selbst zu verantworten hatte, trug maßgeblich zur Verdrängung einer früheren Auseinandersetzung dieses gesamtgesellschaftlichen Skandals all dieser menschenrechtsverachtenden Verbrechen an wehrlosen Kindern und Jugendlichen bei.

So verausgabten sich im Rahmen solcher Prügelorgien die "Erziehungskräfte" teils tatsächlich so weit, dass sie irgendwann vor lauter Erschöpfung außer Atem und Kraft den restlich "bußbereiten Sündern in einem großzügigen
Akt persönlicher Gnade an solchen Tagen von weiteren Bestrafungen absahen.
Die Anwendung gewalttätlicher Erziehungsmaßnahmen waren indes bereits ab 1950 grundsätzlich untersagt! Und dennoch wurden weiterhin in nahezu allen Einrichtungen der Kinderfürsorge bedenkenlos auf Kinder eingedroschen und somit in schwerster Form fortgesetzt und menschenrechtswidrig misshandelt.

Geprügelt wurde mit allem was sich nur zum Schlagen einsetzen ließ. Die Schlag-Palette reichte von der ringbewährten Hand, Schlüsselbunden, Holzlinealen, Rohrstöcken, Kleiderbügeln, Holz-, oder Gummilatschen, Gummischläuchen, ja selbst von echten Ochsenziemern und mit Nägeln bestückten Leisten wurde stellenweise berichtet.
Nicht selten erbarmungslos wurden Kinder wegen Nichtigkeiten an den Haaren durch Zimmer und Flure gezerrt und dabei büschelweise Haare ausgerissen, bzw. genossen die lieben "Schwestern und Brüder" die schmerzverzehrten Gesichter, wenn sie die Kinder am Haaransatz ihrer Kotletten auf die Zehenspitzen trieben. Gleiches galt fürs exzessive Ohrumdrehen und gleichzeitige Hochziehen, bis es an den Ohransätzen knackte.
Schallende Ohrfeigen gehörten hierbei nahezu überall zum selbstverständlichen Standartprogramm, deren Wirkung dadurch eine weitere Steigerung an Perfidität erzielten, indem die Delinquenten zuvor die Brillen abzusetzen, die Hände nach unten zu halten hatten und nun in aufrechter Haltung die mit voller Wucht verabreichten Ohrfeigen einzustecken hatten, bei denen selbst gestandenen Jugendliche zur Seite flogen und die nächste Zeit mit glühenden Handabdrücken im Gesicht herum liefen.
Gar nicht so selten mit blutenden Nasen verbunden, wie auch von geplatzten Trommelfellen berichtet wurde.

Die Tatsache, dass vereinzelt von gewaltfreien Heimerfahrungen berichtet wurde, lässt indes den Schluss zu, dass trotz aller ungünstigen Umstände eine humanerer Arbeitsweise im Umgang mit Heimkindern möglich gewesen wäre, jedoch nicht oder zu selten angewandt wurde.

Es würde jeden zulässigen Rahmen diese Seite sprengen, wollte ich hier alle Niedertracht, Gemeinheiten, Gewaltexzesse und seelischen Herabwürdigungen im Detail aufführen, denen einstige Heimkinder ausgesetzt waren, die ja eigentlich genau vor solchen Widrigkeiten geschützt werden sollten, denen sie vielfach bereits familiär ausgesetzt waren und hier nun unter staatlicher und christlicher Fürsorge, wir erinnern uns:
in ihrer persönlichen Entwicklung zu gesellschaftsfähigen Mitgliedern unserer staatlichen Gemeinschaft gefördert werden sollten!

Doch wie bereits weiter oben zu den räumlichen Bedingungen angeschnitten wurde, kann auch hier aufgrund der durchgängigen Unterfinanzierung aller Heimeinrichtungen ein erheblicher Anteil all der fürchterlichen Misshandlungen der Überforderung der hoffnungslos unterbesetzten und durch unqualifiziertes Personal besetzen Arbeitsplätze zugeschrieben werden.
Besonders aus katholischen Einrichtungen wurde wiederholt von haarsträubenden Begebenheiten berichtet, in denen eine bis zwei von christlicher Nächstenliebe durchdrungene Ordenschwestern sich ihrer übertragenen Aufgaben mit voller Inbrunst hingaben und den Kindern 24 Stunden rund um die Uhr zur Verfügung standen. Einziger Privatbereich bildete dabei oft ein kleiner Verschlag inmitten des Schlafsaals, in dem ihr eigenes Bett und ihre wenige Habe Platz hatten.
Doch selbst unter "normalen schichtdienstabwechselenden Umständen" in denen 2-4 Gruppenbetreuer/innen zur Verfügung standen, dürfte jedem normalen Menschen einleuchten, dass mit diesem Personalschlüssel gegenüber 15-35 verhaltensauffälligen Kindern kaum noch an eine pädagogisch sinnvolle Arbeit zu denken war, wenn die verfügbaren Kräfte in erster Linie zur Aufrechterhaltung eines streng geordneten Tagesablaufs aufgewandt werden mussten. Dies war natürlich auch den aufsichtspflichtigen staatlichen Kontrollorganen bekannt gewesen.
Dennoch wurden sie nicht aktiv und überließen die Kinder/Jugendlichen lieber schweigend ihrem Schicksal.


©: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Hier ein Beispiel aus einer Festschrift zum 100-Jährigem Bestehen eines Erziehungsheimes, in der solch ein Tagessablauf aus Heimbetreiberperspektive in selbstverklärter und hoch weichgezeichneter Sicht dargestellt wird. Der wache Leser dürfte hier indes genügend Gelegenheiten finden, um Eindruck eines realeren Tagesablaufs für die betroffenen Kinder zu bekommen.

Der, auch dies sei an dieser Stelle gesagt, ebenfalls unter dem erkennbaren Mangel der finanziellen Ausstattung aller Heime gestanden hat. Anders ist in der heutigen Nachbetrachtung wohl kaum der unzulässige hohe Einsatz der Kinder zu Selbstverwaltungs- und Selbstversorgungszwecken und leider wohl auch regelrecht gewinnorientierten Ausrichtung mancher Heimträgerschaften zu erklären.

Hier wurden Kinder und Jugendliche klar erkennbar für Aufgabenbereiche missbraucht, die eindeutig in den Hoheitsbereich der überwachenden Fürsorgeorgane gehörten, um den Heimeingewiesenen solche Lebensumgebungen zu ermöglichen, innerhalb derer sie tatsächlich in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert hätten werden sollen und müssen,
zu dessen einzigen Zweck sie ja nun schlussendlich auch in staatlich/kirchliche Fürsorge genommen wurden.

Dies ist aber nicht, bzw. nur unzureichend geschehen. Womit zu Recht beklagt werden kann, dass der Staat immense Kosten auf dem Rücken der Betroffenen für ausreichend Nahrung, Kleidung, einem sauberen Umfeld, Bildung, Spiele und therapeutischen Ansätzen einsparte, die heute zusammengerechnet einen hunderte Milliarden hohen Euro-Betrag ergeben würden.
So wurden z. B. hilflos anmutend versucht, grassierende Mangelernährungserscheinungen mit der massenhaften Zwangsverabreichung ekelerregendem Lebertrans zu begegnen.
Aus diesem Mangel heraus, lässt sich wohl auch die ausgewiesene Verpflichtung zum vollständigen Leeren aller Teller und Speisen ableiten, dessen Edikt zu hochdramatischen und widerwärtigsten Szenen führten, wenn Betroffene mit brutalen Mitteln zum Essen der Teils ekligen Speisen wie z.B. fettwabbelnden Schweineschwarten gezwungen wurden und das Personal kein Erbarmen kannte, um selbst wiedererbrochenes Essen zurück in die Münder zu stopfen.

Unhaltbare Zustände, die auch aus früherer Sicht als völlig inakzeptabel hätten erkannt werden müssen. Aber an wen hätten sich die Kinder/Jugendlichen wenden sollen?
So gesehen bewegten sie sich in einem vollkommen rechtsfreien Raum, der ihnen nicht den Hauch einer Chance bot, von irgendeiner Seite Zuspruch oder Beistand zu erhalten.

Welche Gefühle unbeschreiblicher Einsamkeit, Trostlosigkeit, Schmerz, Ohnmacht und Scham damit verbunden waren, kann sich kaum ein Mensch vorstellen, der nicht selbst einmal solchen grauenvollen Lebensbedingungen ausgesetzt war.

Doch was wäre der Mensch, wenn in ihm zumal wenn jung und lebenshungrig nicht auch ein unbändiger Lebenswille verankert wäre. So dass er schon aus Überlebensgründen gezwungen ist, sich den widrigsten Lebensbedingungen anzupassen.
Und so wie trotz unmittelbarer Todesbedrohung die ausgemergelten Insassen von Konzentrationslagern des dritten Reiches mit sichtbarer Freude und Lachen an Lageraufführungen teilnahmen und an einer weiteren Zukunft festhielten, passten sich auch Heimkinder in ähnlicher Weise ihrem düsteren Lebensumfeld in der Art an, indem sie lernten, all die negativen und erniedrigenden Begleiterscheinungen ihres Heimlebens als Teil ihrer Normalität zu verinnerlichen.
Den seelischen Schmerz und Pein wie in einer Stahlkammer des Herzen einschlossen und in diesem Prozess kaum die eigene seelische Verhärtung wahrnahmen, die sich schleichend jenen Vorbildern anpasste, die ihnen in ihrer eigenen seelischen Verhärtung oder religiösen Verirrung all die bedrückenden Seelenqualen zufügten.

Als Notwehr oder dem Überlebenswillen geschuldet, müssen demnach alle Auswüchse erachtet werden, mit denen alle innerhalb ihrer emotionalen Wüstenei unbewusst darauf fixiert waren, selbst auf Kosten der eigenen Mitgefährten/Innen kleinste Privilegien, oder Aufmerksamkeiten zu ergattern.
So erklärt sich die Teils unbarmherzige Gruppendynamik, in der die Stärksten der sich ständig wechselnde Allianzen die Schwächeren dominierten. Hier dürften zuweilen Grundlagen späterer krimineller Karrieren geschaffen worden sein, wenn bereits jugendliche Heranwachsende anhand ihrer physischen oder intellektuellen Überlegenheit schon frühzeitig ein falsches Gefühl sicherer Machtüberlegenheit erhielten.
Denn selbstverständlich wurde dieses gruppeninterne Machtgefüge, ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt, von den Erziehungskräften dahingehend instrumentalisiert, um sich durch kleine Privilegien, oder unverhohlene Ermunterungen, ihre "dienstbaren Geister" heranzuziehen, die zur eigenen Bequemlichkeit als entlastende Ordnungskräfte missbraucht wurden.
Ohnehin wurde die nahezu ständig spürbare Gruppenaggressivität von vielen Erziehungskräften recht offensichtlich auf schwache, bzw. unbeliebte Gruppenmitglieder gelenkt, wie etwa Bettnässer, oder Kinder, die geistig nicht so hell waren, um sich den offenen oder subtilen Angriffen zu erwehren.
Dies ging ganz einfach, indem sie der Gruppenmeute mit abfälligen oder beleidigenden Bemerkungen gegenüber solch bekannten schwarzen Schafen signalisierten, gleichfalls mit erniedrigenden Schmähungen bis hin zu physischen Schlägen, daran beteiligen zu dürfen, an diesen armen "Schweinen" den eigenen Frust abzuladen, statt die Aggressivität gegen die maßgeblich ungerechten, bzw. gewalttätlichen Erziehungskräfte zu richten.

So herrschte eigentlich ein beständiges System roher Unterdrückung, indem die Stärkeren die Schwächeren beherrschten. Etwa indem sie als Gegenleistung vor Gewalt bewahrt zu werden z.B. den Nachtisch, oder sonntags ihr Stück Kuchen abzutreten hatten.
Ähnliches galt für etwaige Päckchensendungen von Daheim, dessen Inhaltsanteile in aller "Freundschaft" geteilt wurden. Oder die, die es sich Dank ihrer Überlegenheit leisten konnten sich ihrer lästigen Dienstverpflichtungen entledigten.
Kaum vorstellbar, dass den "Erziehungskräften solche Machenschaften verborgen blieben, weil es einfach zum unbarmherzigen System Heimerziehung gehörte, wo zu viele rechtlose Menschen auf zu engen Raum zusammengepfercht wurden und aufbauende Zuwendung mehr von individuellen Sympathien der Erziehungskräfte abhing, als dass hierfür ein pädagogisch durchdachter Arbeitsansatz vorgesehen, oder zum Tragen gekommen wäre. Diese begannen sich erst im Laufe der 70er Jahre mit ernstzunehmenden pädagogischen Ansprüchen zu entwickeln.
Bis dahin wurden Heimkinder weniger gefördert, als vielmehr verwaltungsmäßig aufbewahrt.

Es erklärt im Nachhinein auch, warum das Ausmaß sexuellen Missbrauchs in Heimeinrichtungen durch Erziehungskräfte, oder auch untereinander verübt, erst mit jahrzehntelanger Verspätung bekannt wurden.

Dafür ist in jedem Fall das geschlossene Heimsystem der emotionalen Auszehrung verantwortlich zu machen, dass den idealen Nährboden bereitete, mit dem es Missbrauchstätern ein leichtes war Besitz über ihre Opfer zu ergreifen und nie oder selten etwas davon publik wurde, obwohl in den Jungenschlafsälen allgemein bekannt war, was die "Auserwählten" erwartete , die nächstens von nunmehr betont freundlichen Ordensbrüdern und Erziehern in die Dienstzimmer geleitet wurden.

Doch wer glaubt, dass solche Taten stets eine Domäne männlicher Täterschaften ist irrt.
Denn es wurden gleichfalls Erfahrungen bekannt, die belegen, dass sich auch weibliche Ordensschwestern-Erzieherinnen an entblößten Jungen und Mädchen erregten und sie nicht nur beim Waschen/Duschen in un-zulässiger Weise zu manipulieren und stimulieren versuchten.

Was den Missbrauch unter den Kindern/Jugendlichen anbetrifft, so trifft hier einzig die staatlich überwachenden Fürsorgeorgane und Heimträgerschaften Schuld, die durch all die negativen Begleitumstände der einstigen Heimerziehung, solche Missbrauchsauswüchse erst möglich gemacht und somit ganz allein zu verantworten haben.


Was in diesem Rahmen an einzigartigen Menschenseelen zerschunden wurde, kann nur als furchtbar traurige Tragödie und schwerster Verbrechen an jungen Menschen bezeichnet werden, die unter den Augen eines Rechtstaates mit christlich gesinnten Anspruch systematisch für ihr weiteres Leben zerstört wurden.

Dies wird auch daran ersichtlich, dass es nur geringe Bemühungen gab, die jungen Menschen so angemessen zu bilden, um ihnen später eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Denn im Gegensatz strenger amtlicher Auflagen zum Betrieb von Privatschulen, wurde Heimträgerschaften ohne nennenswerte Qualitätskontrollen der Betrieb heimeigener Schulen genehmigt, zu deren Besuch die meisten eingewiesenen Heimkinder verpflichtet wurden.
Ernstzunehmende Bildungsansprüche oder entsprechend angemessene Förderungen der Kinder/Jugendlichen konnten auch hier wieder aus Gründen der fachlichen und räumlichen Unterfinanzierung kaum verbunden gewesen sein, wenn man weiß, dass in solch behelfsmäßigen Klassenräumen von einer Lehrkraft, bis zu drei Jahrgangsstufen gleichzeitig anspruchslos aber dafürweit häufiger von roher Gewaltanwendung begleitet unterrichtet wurden.
Und dort, wo Heimkinder auswärtige Regelschulen besuchten, bestanden in den Heimen kaum die personellen Voraussetzungen, um lernschwächelnde Schüler/Innen in positiver Weise zu unterstützen.

Mit entsprechend niedrigen Bildungsabschlüssen versehen, sah dann auch das fragwürdige Ergebnis aus, mit der diese Heimkinder später aus der staatlich verordneten "Heimfürsorge" in ihre ungewisse, meist zuvor bereits vielfach beschworenen fraglichen Zukunft entlassen wurden.

Heiminterne Lutherschule Kleinenbremen

Wundert es wirklich jemanden, wenn die meisten Ehemaligen zeitlebens große bis unüberwindliche Schwierigkeiten behielten um gesellschaftlich Fuß zu fassen, wenn ihnen zuvor nicht einmal zukunftsträchtige Berufsausbildungen ermöglicht wurden, sondern die jugendlichen Arbeitskräfte von deren Hilfsschulentlassung an, bis zum Erreichen ihrer Volljährigkeit, von den Heimträgerschaften in eigennütziger Weise zur finanziellen Bereicherung und Aufrechterhaltung der Heimbetriebe ausgenutzt wurden?

Heute würde die Weltpresse vor Entrüstung schäumen, wenn sie wüssten, dass schutzbedürftige Heimkinder in ihren jeweiligen Heimen unter Androhung schwerster Repressalien zu Zwangsarbeiten verpflichtet würden, an deren Arbeitserträgen sich die überwiegend christlichen Heimträgerschaften bereicherten und damit gleichzeitig den Fortbestand ihrer unglückseligen Heimbetriebe sicherstellten.
Hierzu muss man sich wirklich mal die Frage auf der Zunge zergehen lassen, wer hier eigentlich für wen zu sorgen hatte?

Doch genau diese unglaublichen Zustände, waren für Abertausende Heimkinder/Jugendliche bittere Realität, derer sie sich nicht zu erwehren vermochten, da niemand sie über die grundgesetzliche Unvereinbarkeit ihrer zu leistenden Zwangsarbeiten aufklärte.

So schufteten und plagten sich diese Menschen ab ihrem jugendlichen Alter von etwa 14/15 Jahren, bis zu ihrer Entlassung mit damals 21 Jahren innerhalb und außerhalb der Heimeinrichtungen für ein beschämend geringes Taschengeld ab, von denen sie anschließend auch noch notwendige Toilettenartikel zu bestreiten hatten.
Heranwachsende Mädchen wurden dabei meist als Putzkräfte, oder Haushaltshilfen, die Burschen hingegen als Hilfskräfte an umliegende Bauern und Handwerker vermietet.
Wer sich zu weigern versuchte, fand sich umgehend in sogenannten Besinnungszimmern wieder. Die nichts anderes als teils fensterlose Gefängniszellen darstellten, in denen sie nicht erst als ältere Jugendliche bei spärlichem Wasser und Brot regelrecht ausgehungert wurden, um ihren Willen und Persönlichkeit zu brechen.

So isoliert sollten Kinder zur Besinnung kommen.

©: David.Kungsholmen - everystockphoto.com

Und ja, sie wurden gebrochen/zerbrochen und teils so gründlich in ihrer Selbstachtung zerstört, bzw. daran gehindert eine lebensbejahende Selbstständigkeit zu erreichen, dass sich manche von ihnen, noch nicht mal zur Blüte ihres Lebens gereift, bereits innerhalb ihren Heimeinrichtungen das Leben nahmen und noch viele viele Abertausende mehr, nach ihrer Entlassung aus diesen Fürsorgehöllen, nie mehr in der Lage waren sich an ihrer gewonnenen Freiheit unbeschwert zu erfreuen.

Warum?


Weil sie an einem Leben scheiterten, scheitern mussten, deren destruktive Grundlagen durch schwerste Versäumnisse an Verantwortung und christlicher Nächstenliebe von staatlichen und kirchlichen Organen verursacht wurden, die noch heute den Anspruch erheben, Kinder und Jugendliche zu besseren Menschen zu erziehen, als es den eigenen Müttern und Vätern zugetraut wird.

Ungeheuerlich.

Denn auf welcher Grundlage sollten Eltern unserem Staat und Kirchen ihre Kinder anvertrauen, deren Rechtsnachfolge-verantwortliche der hier beschriebenen Verbrechen an einst schutzbedürftigen Kindern, sich heute unter Hinweis ihrer Rechtstaatlichkeit und versäumter Verjährungsfristen in erbärmlichster Weise aus ihrer Verantwortung zu stehlen versuchen?
Etwa indem versucht wird, den Opfern heute die entwürdigende Beweispflicht aufzuerlegen, wie und wo sie geschädigt wurden und in welcher Weise sie dadurch heute noch konkret in ihrer Lebensführung beeinträchtigt werden.

Hier gehört viel mehr die Beweisumkehrlast angewandt, indem Kirchen und Staat den Nachweis zu erbringen haben, was konkret sie denn geleistet haben, um jenen Fürsorgeanspruch zu erfüllen, mit dem es den einst betreuten Kindern und Jugendlichen ermöglicht worden wäre, eine erfolgreiche, selbstbewusste und selbstbestimmte Lebensführung zu erreichen!!

Die meisten von ihnen haben es nicht geschafft und vegetieren mehr schlecht als Recht als soziales Treibgut am Rande unserer Gesellschaft dahin, über denen noch immer das beschämend schwere Stigma "Heimkind" lastet, die selbst Schuld daran tragen, warum aus ihnen nichts geworden ist.
Wenn ich daran denke, wie viele Jugendliche mit dem Vermerk der Unverbesserlichkeit in die Volljährigkeit entlassen wurden, die bereits als Säuglinge ihre gesamte Kindheit und Jugend in Heimeinrichtungen verbrachten, dann kann dieser Stempel kaum sinnhafter das erbärmliche Versagen einst staatlicher und christlich gedachter Heimfürsorge demonstrieren.
Siehe auch der gelungene Beitrag von Erika Tkocz, in der Sie herausstellt warum die frühere Heimerziehung keinesfalls dem gängigen Zeitgeist einer gewaltbetonten gesellschaftlichen Erziehung entsprach.

Klaus Klüber 2011

Sehr geehrte Gäste, liebe Mitbetroffene

Ich bitte um Nachsicht, wenn es mir mit dieser groben Zusammenfassung an Heimkinder-
erfahrungen noch immer nicht gelungen ist alle wichtigen Aspekt aufzuführen, die es
Wert gewesen wären hier angesprochen zu werden. Wie etwa der Aspekt, dass die Heim-
unterbringung für zahlreiche Kinder, bis auf den heutigen Tag trotz aller Widrigkeiten im
Vergleich zu ihren gewalttätigen, oder vernachlässigenden Elternhäusern, oft noch immer
das kleinere Übel darstellt.

Trotz der sich daraus ableitenden Berechtigung Kinder einer Heimfürsorge anzuempfehlen, sollten die hier erwähnten Heimerfahrungen gerade in Verbindung der noch immer wütenden häuslichen Gewalt gegen Kinder, die Notwendigkeit vor Augen führen, uns als soziale Gemeinschaft, weit mehr, weit früher und auch kontinuierlicher für eine gedeihliche Entwicklung ausnahmslos aller Kinder in diesem Land einzusetzen.

Damit die Mitlesenden die Möglichkeit bekommen, sich mit detaillierten Erfahrungsberichten in die Problematik fremdbestimmter Heim- oder Pflegerziehung hineinzuversetzen, möchte ich Betroffene bitten, mir soweit möglich, Eure persönlichen Erfahrungen zur Verfügung zu stellen, die ich gern auf dieser Webseite allen interessierten Menschen in übersichtlicher Weise zugänglich machen möchte.

Alternativ reicht mir auch die Übermittlung entsprechender Links, um wie in diesem Fall die geradezu sadistischen Behandlungen gegenüber besonders benachteiligten, weil körperbehinderten Kindern herauszustellen. Deren erschütternde Erinnerungen ich hier nur zu gern zum lesen empfehlen möchte, wie sie auf der Webseite der freien Arbeitsgruppe des Johanna-Helenen-Heim als niederschmetterndes Zeugnis christlichen Versagens an Mitmenschlichkeit und Mitgefühl dokumentiert wurden.

Anregungen, Kritiken oder weitere Ergänzung bitte ich an folgende Adresse zu richten:
Email

Bettensaal mit Aufsichtszimmer und Kontrollluke
Speise- und Aufenthaltsraum um 1960

©: Huber / pixelio.de