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Heimerfahrungen
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Gesamtbiografien Haus - Heim & die Zeit danach |
häusliche
Gewalt
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Wenn sich die Verantwortlichen
aus Staat- Sozialwesen und Kirchen gemäß ihren eigenen
ethischen/moralischen Ansprüchen so verhalten würden, wie
sie diese einst innerhalb ihrer Heimeinrichtungen in unbarmherziger
Weise von schutzbedürftigen Kindern abverlangten, gäbe es
heute keine beschämenden Diskussionen um Entschuldigungs- und
Entschädigungsbestrebungen durch ehemalige Heimkinder.
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Doch die gravierenden Versäumnisse und notwendigen Konsequenzen finden sich im Abschlussbericht nur unzureichend wieder.
Dafür sticht in
diesem 67-seitigen Machwerk die klar erkennbare Handschrift all jener
Teilnehmer/Innen
des RTH hervor, die heute als Rechtsnachfolgeverantwortliche
der einstigen Täterinstitutionen personell den runden Tisch dominierten
und mit diesem Missverhältnis von 3 Heimbetroffenen gegen 17 Staats-
und Kirchenvertretern, ihre substanziellen Interessen durchsetzen, um die
Ergebnisse aller zusammengetragenen Erfahrungsberichte aus Gründen
der Staatsräson nicht zu ver-heerend ausfallen zu lassen, bzw. sich
mit opferverhöhnenden Entschädigungsempfehlungen aus der Verantwortung
zu stehlen.
Denn wie hätte dieser Staat im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit
erklären sollen, dass es innerhalb seiner rechtstaatlichen Grenzen,
über Jahrzehnte hinweg ein systematisches Unrechtsystem gab, dem nahezu
alle Heimkinder in einem Umfeld permanenter Bedrohungen körperlicher
seelischer Misshandlungen, wie auch tiefgreifender Vernachlässigungen
hilflos ausgeliefert waren?
Folgerichtig stehen obige Zitate in dem Bemühen, weiterhin die Augen vor dem unermesslichen Leid der vielen Opfer dieser nationalen Tragödie zu verschließen, die durch das Unrechtsystem Heimerziehung hervorgebracht wurden. Dessen Dimensionen dank bemühter Baggatellierungsversuche der Verantwortlichen aus Kirchen und Staat, selbst heute noch nicht in ihrem wahren Ausmaß in unserer Gesellschaft angekommen sind.
Diesem Verdrängungsphänomen
bin ich bei meinen Versuchen, Kontakt zu anderen ehemaligen Weggefährten
zu knüpfen, immer wieder in ähnlicher Weise begegnet, indem sie
ihre eigene Heimzeit ähnlich wie ich zuvor, trotz einstiger Prügelorgien,
Herabwürdigungen, Ängsten und Bedrohungen, in gütiger Verklärung
als gar nicht mehr so fürchterlich in Erinnerung hatten.
Geradezu erschüttert hat mich ein Gästebucheintrag eines ehemaligen
Weggefährten in unserem gemeinsamen Heim, von dem mir explizit bekannt
ist, dass auch er als einstiger Bettnässer zu den ausgewiesen "schwarzen
Schafen" gehörte, an denen nahezu jeder ungestraft seinen Frust
abreagieren durfte, der sich darin tatsächlich noch für die gute
und schöne Heimzeit bedankte.
Unglaublich, aber dennoch traurig wahr.
Dem stehen allerdings Nacherfahrungen von wenigstens drei Weggefährten/Innen
gegenüber, die bereits sehr frühzeitig von eigener Hand verstorben
sind. Einige die bereits gleiches versucht haben, oder von Alkoholismus
geprägt ein Schattendasein auf Harz IV-Nieveau führen und noch
einige mehr, die von diesem einstigen Lebens-kapitel weder mehr etwas hören,
sehen, sprechen, oder wissen mochten.
Bedarf es noch weiterer
Angaben, um zu demonstrieren wie hoch auch heute noch bei den meisten ehemaligen
Heimkindern, ähnlich wie bei schweren Missbrauchsopfern, der unglaublich
lang andauernde Verdrängungseffekt wirksam ist?
Deshalb wundert es mich nicht im Geringsten, warum sich von den ca. 800.000
betroffenen Menschen nicht mal 1000 Stimmen bei der Anlaufstelle des runden
Tisches zu Wort gemeldet haben und noch weniger den Wunsch verspüren,
sich zusammen zu schließen, um heute gemeinsam für die öffentliche
Anerkennung all des erlittenen Unrechts und Rehabilitation einzutreten.
Wozu sollten sie auch? Hier verweise ich gern auf meine persönlichen
Erfahrung, die den Nachweis belegen, dass der runde Tisch nicht einmal auf
anspruchsvolle Eingaben reagierte und damit kaum deutlicher denonstrieren
konnte, wie viel ihm an einer aufklärenden Zusammenarbeit mit ehemaligen
Heimkinder gelegen war.
Nun ja, zumindest läßst sich sagen, dass sich ähnlich wie bei Missbrauchsopfern das schwere Trauma der einstigen Macht- und Hilflosigkeit in negativer Hinsicht dermaßen bei den Betroffenen verfestigt, um kaum ein Verlangen zu entwickeln, um noch einmal auf jene elenden Zeiten und Gefühle von Erniedrigungen, Demütigungen und Verletzungen zurückzublicken. Zeiten, die für nicht betroffene Menschen meist zeitlebens als besonders schöne Erinnerungen ihrer beschwingten Kinder/Jugendzeiten erhalten geblieben sind.
Die betroffenen Kinder und Jugendlichen, also überwiegend Einrichtungen vorfanden, die alles andere als eine vertrauensvolle oder anheimelnde Atmosphäre vermittelten, in denen sie im Geiste staatlicher Fürsorge (= Sorge um das persönliche Wohl des zu betreuenden Kindes) zu aufrechten und gesellschaftsfähigen Mitgliedern unseres Staates heranwachsen konnten.
Dieser selbsterklärte Anspruch konnte von Anbeginn an nur zum Scheitern verurteilt sein, da der Staat mit seinen überwachenden Fürsorgeorganen in sträflichster Weise versäumte, die finanziellen, personellen, fachlichen und räumlichen Vorraussetzungen zum erfolgreichen Gelingen seines eigenen Erziehungsanspruches zu schaffen.
So waren die allermeisten
Heime mit einem zugestandenen Tagespflegesatz (1950) von etwa 1,50€
pro Kind/Jugendlichen hoffnungslos unterfinanziert, um aus diesem Betrag,
auskömmliches Essen, Kleidung, Betreuungskosten, Verwaltung, und Instandhaltung
der Räumlichkeiten zu gewährleisten. Mehr waren dem Staat demnach
die Kinder, die er zu besseren und vollwertigen Mitgliedern dieser Gesellschaft
zu erziehen beabsichtigte, nicht wert.
Hier hätten die Heimträgerschaften, zu rund 80% unter kirchlicher
Leitung, bereits jede Verantwortung, bzw. Obhut dieser zugewiesenen Kinder
zwingend zurückweisen, oder angemessene finanzielle Ausstattungen einfordern
müssen!
Dies geschah jedoch nicht, so dass hunderttausende eingewiesene Kinder und Jugendliche für diese schwerwiegenden staatlichen und kirchlichen Versäumnisse gleich in mehrfacher Weise büßen mussten.
So wurden die Kinder
und Jugendlichen - auch wieder aus den gleichen finanziellen Erwägungen
heraus - in viel zu großen Gruppenstärken von 15- 35 Kindern,
in äußert spartanisch eingerichtete Liegenschaften kaserniert.
Dieser Vergleich ist durchaus wörtlich zu nehmen.
Siehe nachstehende Bilder.


Die Aufnahmerituale
werden sich zwar im Detail unterschieden haben, sie dürften indes auch
bei jenen Kindern/Jugendlichen, die aus widrigen Familienverhältnissen
kamen, einen traumatischen Eindruck hinterlassen haben.
Der häufig mit der ersten Entwürdigung der eintreffenden Kinder/Jugendlichen
einherging.
Angefangen, dass sie sich einer Untersuchung unterziehen mussten, in der
z.B. Mädchen und junge heranwachsende Frauen in einem äußert
peinlichen Prozess, von völlig fremden Menschen in fremder Umgebung
auf ihre Jungfräulichkeit und/oder mögliche Geschlechtskrankheiten
untersucht wurden.
(Wir behalten stets im Sinn, dass die Volljährigkeit bis 1975 erst
mit 21 Jahren eintrat. Entsprechend wurden damals noch Menschen in einem
Alter in Heimefürsorge gezwungen, die wir heute als erwachene Persönlichkeiten
zu respektierem hätten.
Weiter ging es häufig damit, dass ihnen ihre persönliche Kleidung und Mitbringsel abgenommen wurden, um mit einheitlicher Anstaltskleidung, Anstaltsfrisur und Personennummer versehen, den anderen kurz als neues Gruppenmitglied vorgestellt zu werden, um sie danach sich selbst, ihrem Trennungsschmerz und all den Widrigkeiten zu überlassen, die nun mal in gruppendynamischen Prozessen von meist schon vorgeschädigten Kindern hervorgehen, die mit all ihren unterschiedlichen Charakteren gezwungen waren, auf engsten Raum zusammenleben zu müssen.
Ähnlich schwerlich
war es den Kindern sich in solch riesigen Räumlichkeiten heimelig zu
fühlen, in denen sich der Hall der zahlreichen Stimmen noch lauter
und befremdender verstärkte und bei neu eintreffenden Kindern oder
Besuchern ein nachhaltiges Gefühl der Beklemmung hinterließ.
Wobei es Eltern/Verwandten, sofern sie die Kinder besuchen konnten/wollten,
ohnehin kaum gestattet war, die normalen Aufenthaltsräume der Stationen
zu betreten.
Hierfür gab es meist der Heimverwaltung angeschlossen eigens eingerichtete
Besucherzimmer, in deren sterilen Büroatmosphäre Eltern für
kurze Zeit mit ihren Kindern zusammenkommen durften.
An dieser Stelle sei
die ohnehin familienfeindliche Unterbringungspraxis zu erwähnen, in
dem zur damaligen Zeit die zu betreuenden Kinder möglichst weit, von
ihren Familienwohnorten untergebracht wurden. Ganz offensichtlich, um den
Kontakt von Eltern zu ihren Kindern möglichst zu erschweren. Denn da
es sich hierbei fast ausschließlich um Kinder aus ärmeren Arbeiterhaushalten
oder alleinerziehender Mütter handelte, waren Besuche der Eltern nur
mit beschwerlichen Einbußen an Zeit und Geld verbunden. Entsprechend
selten bis gar nicht erhielten Heimkinder Besuch von ihren Familienangehörigen.
Ein Umstand, der in letzter Konsequenz zur vielfachen Entfremdung zwischen
langjährigen Heimkindern und ihren Angehörigen führte und
damit erheblich zur zeitlebenden sozialen Isolation dieser betroffenen Heimkinder
beitrug. Etwa, wenn diese später nahezu unvorbereitet und ohne jede
weitere Begleitung in ihr "selbstständiges" Leben entlassen/ausgespuckt
wurden.
Aber auch innerhalb vieler Heimeinrichtungen wurden in einer rigiden Trennung
von Jungen und Mädchen selbst Geschwister konsequent voneinander getrennt,
die sich zwar hin und wieder im selben Heimgelände sehen konnten, teils
aber nicht mal mehr miteinander sprechen durften.
Hier nur einige wenige Beispiele, mit welchen Mitteln bereits geringfügige
Verstöße gegen geltende Gebote - Verbote oder sonstige Regeln
geahndet wurden.
Dazu gehörten z.B. Verfehlungen, wie etwa während der angeordneten
Mittagsschlafenszeit zu Flüstern, Nichteinhaltung einer ordnungsgemäßen
Liegeposition im Bett, Nachts auf den Gang zur Toilette erwischt zu werden,
Bummelei oder Reden während der Arbeit, oder sonst zu lautes Reden,
Rangeleien untereinander, unerlaubtes Spielen, oder zeitweiliges Entfernen
von der Gruppe, schlecht ausgeführte Dienste, schlecht gemachte Betten,
vermeintlich böse Blicke, eingerissene Kleidung, ungewaschene Hände,
oder gar Bremsspuren in den Unterhosen. frivole Witze, Widerworte, oder
Andeutungen die als Beleidigungen erfasst werden konnten, Begriffsstutzigkeit
in der Schule/Hausaufgaben. Das Versäumnis die wöchentlich einzuübenden
Gebete/Kirchenlieder nicht auswendig zu können. Das Fallenlassen von
Geschirr. Oder gar das reflexartige Heben einer gegen die Erziehungskräfte
gerichteten Hand. Zu dick geschälter Kartoffeln und und und .............,
viele weiterer Gründe mehr.
Nämlich gewalttätigste
Misshandlungen wie sie selbst Jesus Christus nicht über so lange Zeiträume
hinweg zu ertragen hatte.
In Falle von hier beschriebenen Heimkindern mussten indes die besonders
schutzbedürftigsten Kinder unserer Gesellschaft gleichwohl völlig
auf sich allein gestellt, das Kreuz vielfältigster Schmerzen und beißender
Seelenqualen ertragen, die erwachsene Menschen nur zu ersinnen imstande
sind.
Hierin spiegelte sich
in Verbindung mit der eigenen Überforderung ein völlig verschrobenes
Gottesbildnis wieder, welches in unehelich geborener Kindern, oder Kindern
alleinerziehender Mütter ausgewiesene Bastarde des Teufels erachteten,
deren Seelen nur mit harter Hand gerettet werden mussten. Siehe "Schläge
im Namen des Herrn"
So leiteten religiös ver(w)irrte Menschen aus der biblischen "Weisheit"
- "Wer seine Kinder liebt, der züchtigt es," völlig
illegitim für sich das Handlungsrecht ab, um hemmungslos auf die ihnen
anvertrauten Kinder einzuprügeln. Vergessen oder nicht mehr existent
war demnach all der umgebende bibliche Kontext, der Kindern gegenüber
ein besonders hohes Maß an liebvoller Rücksicht abverlangt.
Doch es war niemand da, der diesen entfesselten Furien die Grenzen mitmenschlichen
Anstands aufwies.
So wurden die der Fürsorge anheim gegebenen Kinder in allen erdenklichen Positionen und Formen malträtiert, die man sich nur vorstellen kann und jedes Maß verbindlicher Menschrechte und Fürsorgegesetze bei weitem überschritt. Die nur deshalb keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich zogen, weil niemand da war, der seitens der überwachenden Behörden, noch ausführenden Heimbetreiber die verbindlich gültigen Rechte aller Heimkinder anerkannte, oder sich in ihrem Sinne einsetzte.
Dabei hatte es schon
immer genügend Kinder und Jugendliche gegeben, die aus ihren "Heimen"
entflohen
und gegenüber Angehörigen, Sozialstellen, oder Polizeibehörden
die unhaltbaren Heimzustände beklagten.
Doch trotz des öffentlichen Bewusstseins, dass Heimkinder nicht gerade
zimperlich behandelt werden, konnte oder wollte sich dennoch niemand so
richtig vorstellen, wie sehr die Klagen der Entflohenen tatsächlich
den realen Gegebenheiten entsprachen. Man gab sich statt dessen mit der
zu nichts verpflichtenden Erklärung zufrieden, dass es sich hierbei
um allzu lebhafte Phantasien von renitenten Heimkindern handelte und sie
schnurstracks wieder zurück in ihre Leidensstätten verfrachtete.
Bettnässer, zumal
welche von denen bekannt war, dass sie keine oder wenige Angehörigen
hatten, die sich um sie sorgten (die sich berechtigterweise bereits vor
Angst ins Hemd/Hose machten) traf es oft besonders hart und unbarmherzig.
Nicht etwa nur darin, dass sie nahezu regelmäßig für ihr
Bettnässen Prügel bezogen, oder vor der Gruppe herabgewürdigt
wurden, indem sie verspottet, oder mit dem übern Kopf gezogenen nassen
Bettuch so lange ausharren mussten, bzw. alternativ vor anderen Gruppen
die im Hof Spalier standen, so lange umherlaufen mussten, bis das Laken
getrocknet war.
Besonders beliebt war auch deren morgendliches Abduschen oder Baden mit/in
kaltem Wasser.
Dabei ist mir ein besonders markante Abscheulichkeit bekannt geworden, in
der die betroffenen Kinder so lange nackt und mit einer an ihrem Glied befestigten
Wäscheklammer vor dem Badezimmereingang niederzuknien hatten, bis sie
an der Reihe waren, um in das kalte Wasser untergetaucht zu werden.
Da derlei Prozeduren von erheblichen Abwehrverhalten und nervenaufreibenden
Gekreische der Kinder begleitet waren, dürfte wohl verständlich
machen welch ein wahnsinniger Kraft- und Nervenverschleiß zur Umsetzung
solcher menschenrechtswidriger "Strafrituale" aufgewandt werden
mussten, in der mit der zunehmenden Gereiztheit natürlich auch die
Aggressivität und Rohheit anstieg, mit der das Personal zu Werke ging.
Dies hatte in einem Fall zur Folge, dass ein damals 5/6-jähriger Junge,
der sich genauso verzweifelt vor dem Bad ins kalte Wasser wehrte, mit so
heftigen Schwung in die Wanne geschmissen wurde und dabei so unglücklich
mit dem Kopf auf den Wannenrand aufschlug, um augenblicklich die Besinnung
zu verlieren. Ein Moment, den er als Nahtoderlebnis nie mehr vergessen hat,
weil er sich in diesem Augenblick in gänzlich friedvoller Umgebung
und liebvoller Begleitung seiner Mutter wiederfand.
Doch leider blieb es nur ein kurzes Glücksgefühl, da er anschließend
zähneklappernd und mit dröhnendem Kopf in seinem Bett erwachte.
Um ihn herum aufgeregte Ordensschwestern denen die Verwerflichkeit ihres
Tuns nunmehr unmissverständlich ins Gesicht geschrieben stand.
Bedarf es noch weiterer Detailbeschreibungen, welche Eindrücke derart
martialische Strafexzesse auf die anderen Kinder/Jugendlichen ausüben
mußten?
Es musste niemanden
selbst treffen, um von derlei Erfahrungen zutiefst eingeschüchtert
zu werden, denn irgendwen traf es allein schon überforderngsbedingt
nahezu jeden Tag.
Um die Ängste noch weiter zu steigern, wurden Strafen gar nicht mal
immer sofort vollzogen, sondern wurden oftmals für einen besonderen
Tag in der Woche aufgespart, wo alle "Wochensünder" der Reihe
nach ins "Vollzugszimmer" bestellt wurden, um sich angstbibbernd
dem unvermeidlichen Schicksal zu ergeben. Auch der Aspekt auf die systematischen
Konditionierung, sich als Kind schuldig fühlen zu müssen, dass
all die zahlreichen Misshandlungen ja selbst zu verantworten hatte, trug
maßgeblich zur Verdrängung einer früheren Auseinandersetzung
dieses gesamtgesellschaftlichen Skandals all dieser menschenrechtsverachtenden
Verbrechen an wehrlosen Kindern und Jugendlichen bei.
Geprügelt wurde
mit allem was sich nur zum Schlagen einsetzen ließ. Die Schlag-Palette
reichte von der ringbewährten Hand, Schlüsselbunden, Holzlinealen,
Rohrstöcken, Kleiderbügeln, Holz-, oder Gummilatschen, Gummischläuchen,
ja selbst von echten Ochsenziemern und mit Nägeln bestückten Leisten
wurde stellenweise berichtet.
Nicht selten erbarmungslos wurden Kinder wegen Nichtigkeiten an den Haaren
durch Zimmer und Flure gezerrt und dabei büschelweise Haare ausgerissen,
bzw. genossen die lieben "Schwestern und Brüder" die schmerzverzehrten
Gesichter, wenn sie die Kinder am Haaransatz ihrer Kotletten auf die Zehenspitzen
trieben. Gleiches galt fürs exzessive Ohrumdrehen und gleichzeitige
Hochziehen, bis es an den Ohransätzen knackte.
Schallende Ohrfeigen gehörten hierbei nahezu überall zum selbstverständlichen
Standartprogramm, deren Wirkung dadurch eine weitere Steigerung an Perfidität
erzielten, indem die Delinquenten zuvor die Brillen abzusetzen, die Hände
nach unten zu halten hatten und nun in aufrechter Haltung die mit voller
Wucht verabreichten Ohrfeigen einzustecken hatten, bei denen selbst gestandenen
Jugendliche zur Seite flogen und die nächste Zeit mit glühenden
Handabdrücken im Gesicht herum liefen.
Gar nicht so selten mit blutenden Nasen verbunden, wie auch von geplatzten
Trommelfellen berichtet wurde.
Die Tatsache, dass vereinzelt von gewaltfreien Heimerfahrungen
berichtet wurde, lässt indes den Schluss zu, dass trotz aller ungünstigen
Umstände eine humanerer Arbeitsweise im Umgang mit Heimkindern möglich
gewesen wäre, jedoch nicht oder zu selten angewandt wurde.
Doch wie bereits weiter
oben zu den räumlichen Bedingungen angeschnitten wurde, kann auch hier
aufgrund der durchgängigen Unterfinanzierung aller Heimeinrichtungen
ein erheblicher Anteil all der fürchterlichen Misshandlungen der Überforderung
der hoffnungslos unterbesetzten und durch unqualifiziertes Personal besetzen
Arbeitsplätze zugeschrieben werden.
Besonders aus katholischen Einrichtungen wurde wiederholt von haarsträubenden
Begebenheiten berichtet, in denen eine bis zwei von christlicher Nächstenliebe
durchdrungene Ordenschwestern sich ihrer übertragenen Aufgaben mit
voller Inbrunst hingaben und den Kindern 24 Stunden rund um die Uhr zur
Verfügung standen. Einziger Privatbereich bildete dabei oft ein kleiner
Verschlag inmitten des Schlafsaals, in dem ihr eigenes Bett und ihre wenige
Habe Platz hatten.
Doch selbst unter "normalen schichtdienstabwechselenden Umständen"
in denen 2-4 Gruppenbetreuer/innen zur Verfügung standen, dürfte
jedem normalen Menschen einleuchten, dass mit diesem Personalschlüssel
gegenüber 15-35 verhaltensauffälligen Kindern kaum noch an eine
pädagogisch sinnvolle Arbeit zu denken war, wenn die verfügbaren
Kräfte in erster Linie zur Aufrechterhaltung eines streng geordneten
Tagesablaufs aufgewandt werden mussten. Dies war natürlich auch den
aufsichtspflichtigen staatlichen Kontrollorganen bekannt gewesen.
Dennoch wurden sie nicht
aktiv und überließen die Kinder/Jugendlichen lieber schweigend
ihrem Schicksal.

©: Stephanie Hofschlaeger /
pixelio.de
Der, auch dies sei
an dieser Stelle gesagt, ebenfalls unter dem erkennbaren Mangel der finanziellen
Ausstattung aller Heime gestanden hat. Anders ist in der heutigen Nachbetrachtung
wohl kaum der unzulässige hohe Einsatz der Kinder zu Selbstverwaltungs-
und Selbstversorgungszwecken und leider wohl auch regelrecht gewinnorientierten
Ausrichtung mancher Heimträgerschaften zu erklären.
Hier wurden Kinder und Jugendliche klar erkennbar für Aufgabenbereiche
missbraucht, die eindeutig in den Hoheitsbereich der überwachenden
Fürsorgeorgane gehörten, um den Heimeingewiesenen solche Lebensumgebungen
zu ermöglichen, innerhalb derer sie tatsächlich in ihrer Persönlichkeitsentwicklung
gefördert hätten werden sollen und müssen, zu
dessen einzigen Zweck sie ja nun schlussendlich auch in staatlich/kirchliche
Fürsorge genommen wurden.
Dies ist aber nicht, bzw. nur unzureichend geschehen.
Womit zu Recht beklagt werden kann, dass der Staat immense Kosten auf dem
Rücken der Betroffenen für ausreichend Nahrung, Kleidung, einem
sauberen Umfeld, Bildung, Spiele und therapeutischen Ansätzen einsparte,
die heute zusammengerechnet einen hunderte Milliarden hohen Euro-Betrag
ergeben würden.
So wurden z. B. hilflos anmutend versucht, grassierende Mangelernährungserscheinungen
mit der massenhaften Zwangsverabreichung ekelerregendem Lebertrans zu begegnen.
Aus diesem Mangel heraus, lässt sich wohl auch die ausgewiesene Verpflichtung
zum vollständigen Leeren aller Teller und Speisen ableiten, dessen
Edikt zu hochdramatischen und widerwärtigsten Szenen führten,
wenn Betroffene mit brutalen Mitteln zum Essen der Teils ekligen Speisen
wie z.B. fettwabbelnden Schweineschwarten gezwungen wurden und das Personal
kein Erbarmen kannte, um selbst wiedererbrochenes Essen zurück in die
Münder zu stopfen.
Unhaltbare Zustände,
die auch aus früherer Sicht als völlig inakzeptabel hätten
erkannt werden müssen. Aber an wen hätten sich die Kinder/Jugendlichen
wenden sollen?
So gesehen bewegten sie sich in einem vollkommen rechtsfreien Raum, der
ihnen nicht den Hauch einer Chance bot, von irgendeiner Seite Zuspruch oder
Beistand zu erhalten.
Doch was wäre
der Mensch, wenn in ihm zumal wenn jung und lebenshungrig nicht auch ein
unbändiger Lebenswille verankert wäre. So dass er schon aus Überlebensgründen
gezwungen ist, sich den widrigsten Lebensbedingungen anzupassen.
Und so wie trotz unmittelbarer Todesbedrohung die ausgemergelten Insassen
von Konzentrationslagern des dritten Reiches mit sichtbarer Freude und Lachen
an Lageraufführungen teilnahmen und an einer weiteren Zukunft festhielten,
passten sich auch Heimkinder in ähnlicher Weise ihrem düsteren
Lebensumfeld in der Art an, indem sie lernten, all die negativen und erniedrigenden
Begleiterscheinungen ihres Heimlebens als Teil ihrer Normalität zu
verinnerlichen.
Den seelischen Schmerz und Pein wie in einer Stahlkammer des Herzen einschlossen
und in diesem Prozess kaum die eigene seelische Verhärtung wahrnahmen,
die sich schleichend jenen Vorbildern anpasste, die ihnen in ihrer eigenen
seelischen Verhärtung oder religiösen Verirrung all die bedrückenden
Seelenqualen zufügten.
So herrschte eigentlich
ein beständiges System roher Unterdrückung, indem die Stärkeren
die Schwächeren beherrschten. Etwa indem sie als Gegenleistung vor
Gewalt bewahrt zu werden z.B. den Nachtisch, oder sonntags ihr Stück
Kuchen abzutreten hatten.
Ähnliches galt für etwaige Päckchensendungen von Daheim,
dessen Inhaltsanteile in aller "Freundschaft" geteilt wurden.
Oder die, die es sich Dank ihrer Überlegenheit leisten konnten sich
ihrer lästigen Dienstverpflichtungen entledigten.
Kaum vorstellbar, dass den "Erziehungskräften solche Machenschaften
verborgen blieben, weil es einfach zum unbarmherzigen System Heimerziehung
gehörte, wo zu viele rechtlose Menschen auf zu engen Raum zusammengepfercht
wurden und aufbauende Zuwendung mehr von individuellen Sympathien der Erziehungskräfte
abhing, als dass hierfür ein pädagogisch durchdachter Arbeitsansatz
vorgesehen, oder zum Tragen gekommen wäre. Diese begannen sich erst
im Laufe der 70er Jahre mit ernstzunehmenden pädagogischen Ansprüchen
zu entwickeln.
Bis dahin wurden Heimkinder weniger gefördert, als vielmehr verwaltungsmäßig
aufbewahrt.
Dies wird auch daran
ersichtlich, dass es nur geringe Bemühungen gab, die jungen Menschen
so angemessen zu bilden, um ihnen später eine erfolgreiche gesellschaftliche
Teilhabe zu ermöglichen.
Denn im Gegensatz strenger amtlicher Auflagen zum Betrieb von Privatschulen,
wurde Heimträgerschaften ohne nennenswerte Qualitätskontrollen
der Betrieb heimeigener Schulen genehmigt, zu deren Besuch die meisten eingewiesenen
Heimkinder verpflichtet wurden.
Ernstzunehmende Bildungsansprüche oder entsprechend angemessene Förderungen
der Kinder/Jugendlichen konnten auch hier wieder aus Gründen der fachlichen
und räumlichen Unterfinanzierung kaum verbunden gewesen sein, wenn
man weiß, dass in solch behelfsmäßigen Klassenräumen
von einer Lehrkraft, bis zu drei Jahrgangsstufen gleichzeitig anspruchslos
aber dafürweit häufiger von roher Gewaltanwendung begleitet unterrichtet
wurden.
Und dort, wo Heimkinder auswärtige Regelschulen besuchten, bestanden
in den Heimen kaum die personellen Voraussetzungen, um lernschwächelnde
Schüler/Innen in positiver Weise zu fördern.
Mit entsprechend niedrigen Bildungsabschlüssen versehen, sah dann auch das fragwürdige Ergebnis aus, mit der diese Heimkinder später aus der staatlich verordneten "Heimfürsorge" in ihre ungewisse, meist zuvor bereits vielfach beschworenen fragliche Zukunft entlassen wurden.

Wundert es wirklich jemanden, dass vielen Ehemaligen zeitlebens große bis unüberwindliche Schwierigkeiten hatten gesellschaftlich Fuß zu fassen, wenn ihnen zuvor nicht einmal eine zukunftsträchtige Berufsausbildung ermöglicht wurden, sondern die jugendlichen Arbeitskräfte von deren Hilfsschulentlassung an, bis zum Erreichen ihrer Volljährigkeit, von den Heimträgerschaften in eigennütziger Weise zur finanziellen Bereicherung und Aufrechterhaltung der Heimbetriebe ausgenutzt wurden?
Heute würde die
Weltpresse vor Entrüstung schäumen, wenn sie wüssten, dass
schutzbedürftige Heimkinder in ihren jeweiligen Heimen unter Androhung
schwerster Repressalien zu Zwangsarbeiten verpflichtet würden, an deren
Arbeitserträgen sich die überwiegend christlichen Heimträgerschaften
bereicherten und damit gleichzeitig den Fortbestand ihrer unglückseligen
Heimbetriebe sicherstellten.
Hierzu muss man sich wirklich mal die Frage auf der
Zunge zergehen lassen, wer hier eigentlich für wen zu sorgen hatte?
Doch genau diese unglaublichen Zustände, waren
für Abertausende Heimkinder/Jugendliche bittere Realität, derer
sie sich nicht zu erwehren vermochten, da niemand sie über die grundgesetzliche
Unvereinbarkeit ihrer zu leistenden Zwangsarbeiten aufklärte.
So schufteten und plagten
sich diese Menschen ab ihrem jugendlichen Alter von etwa 14/15 Jahren, bis
zu ihrer Entlassung mit damals 21 Jahren innerhalb und außerhalb der
Heimeinrichtungen für ein beschämend geringes Taschengeld ab,
von denen sie anschließend auch noch notwendige Toilettenartikel zu
bestreiten hatten.
Heranwachsende Mädchen wurden dabei meist als Putzkräfte, oder
Haushaltshilfen, die Burschen hingegen als Hilfskräfte an umliegende
Bauern und Handwerker vermietet.
Wer sich zu weigern versuchte, fand sich umgehend in sogenannten Besinnungszimmern
wieder. Die nichts anderes als teils fensterlose Gefängniszellen darstellten,
in denen sie nicht erst als ältere Jugendliche bei spärlichem
Wasser und Brot regelrecht ausgehungert wurden, um ihren Willen und Persönlichkeit
zu brechen.
So isoliert sollten Kinder zur Besinnung kommen.

©: David.Kungsholmen - everystockphoto.com
Und ja, sie wurden gebrochen/zerbrochen und teils so gründlich in ihrer Selbstachtung zerstört, bzw. daran gehindert eine lebensbejahende Selbstständigkeit zu erreichen, dass sich manche von ihnen, noch nicht mal zur Blüte ihres Lebens gereift, bereits innerhalb ihren Heimeinrichtungen das Leben nahmen und noch viele viele Abertausende mehr, nach ihrer Entlassung aus diesen Fürsorgehöllen, nie mehr in der Lage waren sich an ihrer gewonnenen Freiheit unbeschwert zu erfreuen.
Warum?
Ungeheuerlich.
Denn auf welcher Grundlage
sollten Eltern unserem Staat und Kirchen ihre Kinder anvertrauen, deren
Rechtsnachfolge-verantwortliche der hier beschriebenen Verbrechen an einst
schutzbedürftigen Kindern, sich heute unter Hinweis ihrer Rechtstaatlichkeit
und versäumter Verjährungsfristen in erbärmlichster Weise
aus ihrer Verantwortung zu stehlen versuchen?
Etwa indem versucht wird, den Opfern heute die entwürdigende Beweispflicht
aufzuerlegen, wie und wo sie geschädigt wurden und in welcher Weise
sie dadurch heute noch konkret in ihrer Lebensführung beeinträchtigt
werden.
Hier gehört
viel mehr die Beweisumkehrlast angewandt, indem Kirchen und Staat den Nachweis
zu erbringen haben, was konkret sie denn geleistet haben, um jenen Fürsorgeanspruch
zu erfüllen, mit dem es den einst betreuten Kindern und Jugendlichen
ermöglicht worden wäre, eine erfolgreiche, selbstbewusste und
selbstbestimmte Lebensführung zu erreichen!!
Die meisten von ihnen haben es nicht geschafft und
vegetieren mehr schlecht als Recht als soziales Treibgut am Rande unserer
Gesellschaft dahin, über denen noch immer das beschämend schwere
Stigma "Heimkind" lastet, die selbst Schuld daran tragen, warum
aus ihnen nichts geworden ist.
Wenn ich daran denke, wie viele Jugendliche mit dem Vermerk der Unverbesserlichkeit
in die Volljährigkeit entlassen wurden, die bereits als Säuglinge
ihre gesamte Kindheit und Jugend in Heimeinrichtungen verbrachten, dann
kann dieser Stempel kaum sinnhafter das erbärmliche Versagen einst
staatlicher und christlich gedachter Heimfürsorge demonstrieren.
Siehe auch der gelungene Beitrag
von Erika Tkocz, in der Sie herausstellt warum die frühere
Heimerziehung keinesfalls dem gängigen Zeitgeist einer gewaltbetonten
gesellschaftlichen Erziehung entsprach.
Klaus Klüber 2011

Ich bitte um Nachsicht,
wenn es mir mit dieser groben Zusammenfassung an Heimkinder-
erfahrungen noch immer nicht gelungen ist alle wichtigen Aspekt aufzuführen,
die es
Wert gewesen wären hier angesprochen zu werden. Wie etwa der Aspekt,
dass die Heim-
unterbringung für zahlreiche Kinder, bis auf den heutigen Tag trotz
aller Widrigkeiten im
Vergleich zu ihren gewalttätigen, oder vernachlässigenden Elternhäusern,
oft noch immer
das kleinere Übel darstellt.
Trotz der sich daraus ableitenden Berechtigung Kinder einer Heimfürsorge
anzuempfehlen, sollten die hier erwähnten Heimerfahrungen gerade in
Verbindung der noch immer wütenden häuslichen Gewalt gegen Kinder,
die Notwendigkeit vor Augen führen, uns als soziale Gemeinschaft, weit
mehr, weit früher und auch kontinuierlicher für eine gedeihliche
Entwicklung ausnahmslos aller Kinder in diesem Land einzusetzen.
Damit die Mitlesenden die Möglichkeit bekommen, sich mit detaillierten
Erfahrungsberichten in die Problematik fremdbestimmter Heim- oder Pflegerziehung
hineinzuversetzen, möchte ich Betroffene bitten, mir soweit möglich,
Eure persönlichen Erfahrungen zur Verfügung zu stellen, die ich
gern auf dieser Webseite allen interessierten Menschen in übersichtlicher
Weise zugänglich machen möchte.
Alternativ reicht mir auch die Übermittlung entsprechender Links, um
wie in diesem Fall die geradezu sadistischen Behandlungen gegenüber
besonders benachteiligten, weil körperbehinderten Kindern herauszustellen.
Deren erschütternde Erinnerungen ich hier nur zu gern zum lesen empfehlen
möchte, wie sie auf der Webseite der freien
Arbeitsgruppe des Johanna-Helenen-Heim als niederschmetterndes Zeugnis
christlichen Versagens an Mitmenschlichkeit und Mitgefühl dokumentiert
wurden.
Anregungen, Kritiken oder weitere Ergänzung bitte ich an folgende Adresse
zu richten: Email