Schreiben an den Kreisvertreter des Bayrischen Elternverbandes - BLV
Sehr geehrter Herr Professor, Dr. Magin


bezugnehmend auf unser Telefongespräch vom 18. 12. 2008 möchte ich Ihnen hiermit noch einmal schriftlich die Überlegungen und Wünsche des Stadtelternbeirats xxxx darlegen, von denen wir uns einen erheblichen Schub an mehr persönlicher Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft, als auch eine Hinwendung gesellschaftsförderlichen Gemeinsinns erwarten.
Die nachfolgenden Überlegungen/Anregungen sind seit längerem auf Beobachtungen in den Medien und statistischen Werten zurückzuführen, die mit steigender Tendenz

  1. Die Auflösung historischer Familien- und Gemeinschaftsstrukturen nachweisen.
  2. Die zunehmende Hilflosigkeit und teils verheerende Überforderung von Eltern in grundlegenden Erziehungsfragen dokumentieren, deren destruktiven Auswirkungen einer abwärtsgerichteten Spirale gleichen.

Diese Tendenzen wurden bzw. werden durch wachsende Mobilitätsanforderungen der Arbeitsmärkte und einer sich spreizenden Einkommensschere noch ständig weiter verschärft.

Hier könnte mit der Einführung eines zukunftsgerichteten Unterrichtsfachs oder entsprechend veränderter Lehrinhalte für unsere gesamte Gesellschaft effektive Hilfe geleistet werden, um

Allein dieser Bereich umfasst ein weites Spektrum.
Angefangen von kontinuierlicher Gewaltprävention, um Kindern möglichst frühzeitig die verschiedenen Facetten von Gewalt zu erklären. Beinhaltend wie Gewalt entsteht - wie sie sich auswirkt und wie man ihr gewaltvermeidend begegnen kann.
Allein dieser Part würde vielen Kindern helfen (u.a. häusliche Gewalt - physische/psychische Vernachlässigung als auch sexueller Missbrauch) sich selbst als mögliche Gewaltopfer wahrzunehmen und ihnen damit helfen, schneller notwendige Hilfen abzurufen.
Eine derartige Aufklärung hätte zudem den unschlagbaren Vorteil, dass allein das Wissen um die Entstehung und psychologischen Abläufe von Gewaltkaskaden, durch die vorausschaubare Berechenbarkeit eine gewisse "Waffengleichheit" herbeiführen und allein schon damit gewaltmindernd wirken würde.

Im Rahmen eines neuartigen Unterrichtsfaches könnten Kinder z.B. in Rollenspielen angeleitet werden, eigen- und sozialverantwortungsbewusstes Handeln zu üben, indem sie u.a. die Überlegenheit von Teamgeist gegenüber weitverbreiteter Ichbezogenheit kennen und schätzen lernen. Dazu bieten sich nahezu alle Schulfächer für Übungszwecke an. Sei es im Sport, in Hauswirtschaft, oder in Nachhilfebemühungen gegenüber schwächeren Schüler/innen.

Es wäre ein ideales Feld, um soziales Verantwortungsbewusstsein zu generieren, wie es sich später deutlich auf dem Arbeitsmarkt, im Sozialwesen und Politik widerspiegeln müsste.
Womit sicher ein unschätzbarer Beitrag zu mehr Gerechtigkeit und sozialen Frieden verbunden wäre.

Als Kernstück unserer Überlegungen, streben wir die Einführung eines elternvorbereitenden Schulfaches an.
Dabei geht es nicht darum, elterliche Verantwortlichkeiten an den Staat zu delegieren, sondern eher darum, junge Menschen besser auf ihre Rolle als zukünftige Eltern vorzubereiten, bzw. ein tiefgründiges Verantwortungsbewusstsein gegenüber sich selbst, als auch gegenüber möglichen eigenen Kindern herauszubilden.

Eine derartige Zielsetzung ist zwar bekanntermaßen in der Bayrischen Landesverfassung verbindlich vorgesehen, spiegelt sich real jedoch so gut wie nicht mehr in bestehenden Lehrplänen wieder.

Dieser Themenkomplex ist so umfangreich und wichtig, dass es illusorisch erscheint, damit gegenwärtige Lehrkräfte zu betrauen. Vielmehr erscheint es angemessen, hierfür ein neu zu bildendes Lehrfach einzurichten, mit dem künftige Lehrkräfte zunächst mal durch ausgebildete Fachleute hinreichend für solch eine Aufgabe qualifiziert werden.
Damit würde nicht nur der pädagogische Anspruch von Lehrkräften wieder einen realen Anspruch gewinnen, sondern den Menschen, die sich zunehmend voneinander isolieren, eine gesellschaftsfördernde Orientierung ermöglichen.

In diesem Rahmen wäre ohnehin zu hinterfragen, ob unser selektives Bildungssystem mit dem akkordmäßigen Einpauken weitgehend lebensferner und theorielastiger Lehrinhalte noch zeitgemäß ist, oder ob es nicht sinnvoller wäre, das individuelle Leistungspotenzial unter Berücksichtigung der entsprechenden Neigungen des Einzelnen zu fördern?

Hier könnte sicher noch erhebliches Leistungs- und Motivierungspotenzial gefördert werden, das dem einzelnen Menschen, der Gesellschaft, wie auch unserer Wirtschaft zugute kommen würde.
Diese Vorstellungen könnten verhältnismäßig einfach umgesetzt werden, indem gegenwärtiger Unterrichtsstoff zugunsten einer individuelleren Förderung der jeweiligen Stärken und Neigungen von Schülerinnen und Schülern auf ein allgemeinbildungsdienendes Maß ausgedünnt wird.
Diese Maßnahme macht unsere Mitmenschen sicher nicht dümmer, da vertiefender Unterricht in der später folgenden Berufsausbildung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von den Auszubildenden, die dann eher wissen, warum sie ihren Berufswunsch aufgegriffen haben, mit weit höherer Motivation angenommen wird.

Wenn es sich dazu einrichten läßt, den Unterrichtsstoff praxisbezogener und fächerübergreifend abgestimmt bzw. miteinander verzahnt anzubieten, brächte dies sicher auf allen Seiten, sowohl für den Lehrkörper, Schüler/innen und Eltern eine erhebliche Entspannung im Lehrbetrieb mit sich. Immerhin sollte Schule keinem Selbstzweck dienen, sondern sich an Zielen orientieren die heranwachsende Menschen auf ein, erfülltes, eigenverantwortliches und selbstgenügsames Leben vorbereiten sollte.

Die bisherigen Gespräche zu diesem Themenkomplex mit den unterschiedlichsten Menschen, Lehrern, Eltern und auch Jugendlichen stoßen nahezu einhellig und gesellschaftsübergreifend auf ein positives Echo, weswegen wir davon überzeugt sind, dass hier klarer Handlungsbedarf besteht.
Doch wie bei allen innovativen Fortschritten, dauert es halt gerade gegenüber politischen Gremien verhältnismäßig lange, bis Bürgerwille in Regierungsdirektiven mündet.
Ja, dort gewöhnlich erst mal mit dem bekannten Betonargument abgewiesen wird, man wolle doch zunächst mal am Bewährten festhalten.
Das mag wohl auch in vielen Dingen angebracht sein, doch hier besteht eindeutig die Gefahr, dass sich das einst Bewährte als Bremse einer zukunftsorientierten Gesellschaft von Morgen entwickelt.

Derartige Gedankenansätze sind vermutlich nicht mal neu, doch um etwas zu bewegen, bedarf es erst mal Menschen, die bereit sind, etwas anzustoßen.

Der Stadtelternbeirat xxxx möchte etwas bewegen und würde sich freuen, wenn sich über und mit diesem Thema eine Zusammenarbeit mit dem bayrischen Elternverband arrangieren ließe, mit der es möglich wird, gegenwärtige Eltern und Schüler/innen für eine rückmeldende Meinungsbildung zu erreichen.

Parallel dazu könnten bereits sozialpolitischen Gremien und Führungskräften mit derartigen Gedanken vertraut gemacht, als auch optional entsprechende Petitionen an den Land- und Bundestag gestellt werden.

Um hierzu eine möglichst effiziente Durchsetzungskraft zu entfalten, bedarf es natürlich erst mal weiterer Absprachen, hinsichtlich der Übereinstimmung in den Zielsetzungen, der möglichen Zusammenarbeit und Feinabstimmung in künftigen Aktionen.
Wir würden uns daher sehr über Ihre Rückmeldung freuen, ob Sie als Regionalvertretung des bayrischen Elternverbandes eine gedankliche Übereinstimmung erkennen und diese für ausreichend förderungswürdig halten, um eine gemeinsame Zusammenarbeit anzustreben.

Weiter notwendige Gespräche oder Termine zu einem ersten persönlichen Kennenlernen lassen sich bestimmt recht kurzfristig via Emailaustausch oder telefonischer Absprache einrichten.
Dazu stehe ich Ihnen in gern zur Verfügung und verbleibe einstweilen mit
vorzüglicher Hochachtung

Klaus Klüber