Sehr geehrter Herr Klüber,

Sie haben mit Ihrer Mail vom 04.01.2012 fünfzehn globale Fragen zu dem Hilfefonds für ehemalige Heimkinder gestellt. Die gewünschten Informationen entnehmen Sie bitte der offiziellen Seite des Fonds "Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975". Die Internetadresse lautet: www.fonds-heimerziehung.de

Zur Situation in Hamburg kann ich Ihnen mitteilen, dass die Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder ab 02.01.2012 alle Betroffenen individuell über die Hilfsmöglichkeiten des Fonds berät.

Sie können mit Herrn Rohde, Telefon 428 63 7171 oder Frau Petermann Telefon 428 63 7166 einen Beratungstermin vereinbaren.

Mit freundlichen Grüßen
Christel Schneider

Versorgungsamt Hamburg
Tel. 040 42863 7164
E-Mail: christel.schneider@basfi.hamburg.de

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Meine Antwort:

Sehr geehrte Frau Schneider

Trotz der Freude, Sie selbst an einem Samstag im Interesse ehemaliger Heimkinder beschäftigt zu wissen, habe ich Ihre wenig hilfreiche Antwort mit Bedauern zur Kenntnis genommen.

Denn wie Ihnen bekannt sein müsste, hält die Webseite der zentralen Anlaufstelle www.fonds-heimerziehung.de für betroffene ex-Heimkinder keine Informationen bereit, die ihnen eine ernsthafte Orientierung erlauben, wie sie sich aus der Beantwortung meiner gestellten Fragen ergeben würden.

Ich kann hier nur mehr mein Erstaunen zum Ausdruck bringen, was denn die Beantwortung meiner Fragen für eine regionale Anlaufstelle so schwierig macht? Gehe ich doch davon aus, dass Sie derlei allgemein gehaltene Fragen auch jedem Antragsteller gegenüber zu beantworten haben.

Warum also so eine Geheimniskrämerei? Oder sollen Betroffene bewusst über das Leistungsspektrum dieses "Hilfefonds" im Unklaren gelassen werden?
Dies wäre ein fatales Signal und würde dem Sinn des Fonds doch geradezu widersprechen.

Ihnen müsste eigentlich bekannt sein, dass Vertrauen und Glaubwürdigkeit nur durch größtmögliche Transparenz hergestellt werden kann.
Ich möchte daher an Sie appellieren, durch eine bereitwillige Informationsgestaltung einen wichtigen Beitrag zur Vertrauensstärkung dahingehend schwer geschädigter Heimkinder beizutragen.

Im Vertrauen auf Ihr entgegenkommendes Verständnis und Beantwortung meiner leicht ergänzten Fragen verbleibe ich weiterhin,

mit freundlichen Grüßen
Klaus Klüber

 

Um Betroffenen auf meiner Webseite www.ex-Heimkinder.de Orientierungshilfen hinsichtlich des Hilfefonds für ehemalige Heimkinder anbieten zu können, habe ich nachfolgend einige Fragen zusammengestellt, die mich auch persönlich interessieren.

  1. Welches Bundesland ist für die Antragstellung zuständig? Die des gegenwärtigen Wohnortes, oder Bundesland der einstigen Heime?

  2. Ist es zutreffend, dass der Fond für anspruchsberechtigte Antragssteller nur bis zum 31.12.2014 zur Verfügung steht?

  3. Ist es zutreffend, dass der Fond spätestens Ende 2016 eingestellt wird?

  4. Wie werden in diesem Fall Anspruchsberechtigte behandelt, die z.B. erst in 10 Jahren hilfsbedürftig werden?

  5. Gesetz den Fall, jemand nimmt eine Therapie in Anspruch, die zeitlich und kostenmäßig über das 10000 Euro-Limit hinausreicht. Muss die betreffende Person dann die Therapie abbrechen?

  6. Wer und nach welchen Kriterien wird unterschieden, ob es sich bei in Heimen verrichteten Tätigkeiten um versicherungsrelevante Arbeit, oder Teil des pädagogischen Anspruch "Erziehung zur Arbeit" gehandelt hat?

  7. Wie werden Haus- und Gartenarbeiten gewertet die innerhalb der Heimeinrichtungen verrichtet wurden?

  8. Wie bemessen sich die Rentenersatzleistungen, sind diese variabel, pauschal, wenn ja in welcher Höhe?

  9. Werden Rentenersatzleistungen auf anderen Sozialleistunggsbezüge wie Hartz-IV angerechnet?

  10. Welches Spektrum an Hilfsmaßnahmen könnte beantragt werden, die nicht von regulären Krankenkassen getragen werden?

  11. Können nach Ablehnung eines Hilfsantrages weitere Anträge gestellt werden?

  12. Können verschiedene Leistungen beantragt werden?

  13. Wie wird sichergestellt, dass beantragte Leistungen nicht gemäß willkürlicher Gnadenakte gewährt werden?

  14. Haben Antragsteller im Fall einer Ablehnung die Möglichkeit einer Beschwerde, wenn ja wo?

  15. Was geschieht mit jenen Anträgen deren Antragsteller aufgrund fehlender Akten, weder ihren Heimaufenthalt, oder einstigen Arbeitszwang nachweisen können?

  16. Werden die nicht beanspruchten Fondsanteile wieder zurück an die einzahlenden Institutionen fließen?

  17. Wie stehen Sie persönlich zu dieser Fondslösung?

  18. Was würden Sie Betroffenen raten, wenn abzusehen ist, dass sich der Menschengerichtshof noch mit der Frage bezgl. Zwangsarbeit und menschenrechtsverletzenden Heimerziehungspraktiken befassen wird?

Ihrer Antwort sehe ich mit großem Interesse entgegen und verbleibe einstweilen

mit freundlichen Grüßen
Klaus Klüber

 


Antwort der regionalen Anlaufstelle Hamburg vom 7. 1. 2012