
Hier eines der individuellen Anschreiben die ich über Email an bisher 9 namhafte Personen gesandt habe.
Email vom 28. 01.2008
Sehr geehrter Herr
Professor Schrapper
Vielleicht können Sie sich noch an unser Gespräch im Anschluss
der Idsteiner Tagung vom 9. Juni 2006 erinnern?
In dessen Verlauf ich Ihnen die Idee, eines aus meiner Sicht erforderlichen
neuen Pflichtschulfachs darstellte, um dem Tagungsmotto: "Aus der
Geschichte lernen", gesellschaftsdienlich wie auch konsequent Rechnung
zu tragen.
Dieses sollte drei tragende Säulen beinhalten:
1. Gewaltprävention
Aus meiner eigenen Erfahrung heraus weiß ich heute, dass es längst
nicht damit getan ist, in kurzen Workshops, die so nebenbei im Schulunterricht
abgehandelt werden, Kindern ein fundiertes Basiswissen zu vermitteln,
um zu verstehen was Gewalt überhaupt ist. Wie sich Gewalt auf den
Einzelnen auswirkt. Welche Folgen Gewalt hat und wie man auf herannahende
Gefahren gewaltvermeidend reagieren kann.
So ein Unterrichtsfach, das idealerweise bereits in Kindergärten
ansetzen könnte, hätte neben dem präventiven Charakter
den unschlagbaren Vorteil, dass sich gewaltbetroffene Kinder im Rahmen
solch einer Unterrichtung selbst als Opfer wahrnehmen und damit frühzeitig
entsprechende Hilfsangebote abrufen könnten. Womit bereits auf die
Zukunft gesehen erhebliche Folgekosten in der Behandlung ( möglicher
Heimversorgung, Kriminalkarriere, psychosomatisch Beschwerden etc.) solcher
Opfer reduziert würden.
2. Vermittlung von Eigen- und Sozialverantwortungsbewusstsein.
Dieser Part erscheint mir nicht nur im Hinblick auf den eigenverantwortlichen
Umgang, beispielsweise mit der eigenen Sexualität hin, sondern besonders
zur Förderung eines rücksichtsvollen Umgangs innerhalb unsrer
staatlichen Gemeinschaft, wie auch mit einem verantwortlich geprägten
Umgang mit unsrer Umwelt erforderlich zu sein.
Damit z.B. jene Menschen, die später einmal führende Positionen
in Wirtschaft, Politik und Sozialwesen einnehmen, in ihrem Handeln möglichst
gemeinschaftsdienliche Komponenten im Sinn behalten.
3. Elternvorbereitung.
Ich denke, dazu brauche ich Ihnen als Experten kaum etwas zu sagen.
Weil sicher auch Sie längst die Notwendigkeit erkannt haben, jungen
Menschen mehr Kompetenzen zu vermitteln, die sie dazu befähigt sich
nicht nur als verantwortliche und liebevolle, sondern auch als fachliche
Experten ihrer zukünftigen Kinder zu bilden.
Wenn ich daran denke, dass in unserem Land inzwischen nahezu jede zweite
Ehe geschieden wird, dann erscheint mir nicht nur im Hinblick auf die
zumindest von einem Elternteil verlassenen Kinder, die Einführung
eines entsprechend verantwortungsfördernden Unterrichtsfaches längst
als überfällig.
Für mich als selbst Betroffener widrigster familiärer Verhältnisse
stellt die Einführung solch eines Unterrichtsfaches die einzige logische
Konsequenz aus dem inzwischen hundert und tausendfachen Leid dar, dessen
Versäumnis nicht nur Kinder in ihren Familien zum Opfer fielen, sondern
dessen Leid zum Teil selbst in öffentlichen Fürsorgeeinrichtungen
eine tragische wie auch gesellschaftlich kostenträchtige Fortsetzung
erfuhr.
Bisher habe ich eine ähnliche Forderung nur von dem bekannten Kriminologen
Professor Pfeifer von der Uni Hannover vernommen, der sich jedoch mit
seiner Forderung lediglich auf Schulische Seminare beschränkte.
Für mich persönlich ist es ohnehin schier unbegreiflich, warum
sich führende Persönlichkeiten aus dem Sozialwesen, oder der
Forschung, wie z.B. die Professoren Amendt und Schwarz (Uni Bremen) mit
ihren Forschungsergebnissen (Das Leben unerwünschter Kinder) nicht
längst nachhaltiger für eine Verbreitung und Anwendung ihrer
eigenen Ergebnisse einsetzen.
Mit Professor Amendt habe ich bereits persönlich telefoniert und
war ehrlich gesagt perplex, dass er selbst kaum noch an diesem Thema interessiert
ist und sich schon längst wieder einem neuen Forschungsthema zugewandt
hat.
Nun, vielleicht ist da das letzte Wort noch nicht gesprochen, um ihn z.B.
für ein gemeinsames öffentliches Symposium zu dieser Thematik
zu gewinnen.
Womit Sie Herr Professor Schrapper bereits erkennen dürften, wie
wichtig mir dieses Thema am Herzen liegt.
Ich bedauere zutiefst, dass sich der Verein ehemaliger Heimkinder aufgrund
der internen Zerwürfnisse noch nicht für diesen Themenkomplex
erwärmen konnte.
Denn hier könnte sich der Verein, mit dem Nimbus der öffentlichen
Betroffenheit, hervorragend als anerkannt gemeinnütziger Träger
dieser wichtigen Botschaft empfehlen.
Denn es dürfte verständlich sein, dass ich als einzelne Privatperson
zu diesen Forderungen kaum bis gar nicht wahrgenommen werden dürfte.
Um dies zu ändern suche ich auf diesem Weg ja auch Verbündete
und würde mich sehr freuen, wenn Sie diesen Wunsch in Ihren Tätigkeiten
im weiten Feld der Aufarbeitung einstiger Heimerziehungspraktiken aufgreifen
und möglichst an die Öffentlichkeit tragen könnten, damit
wenigstens schon mal eine ernsthafte Diskussion darüber in Gang gesetzt
wird und weitere Fachleute, wie auch politische Vertreter, für dieses
Thema sensibilisiert werden.
Liebend gern stehe ich Ihnen auch persönlich für weitere Rückfragen
zur Verfügung.
Falls Sie sich hingegen noch ein wenig über die Hintergründe
meiner Ambitionen informieren möchten, dann kann ich Sie gern auf
einem Besuch meiner Webseite: www.ex-Heimkinder.de einladen.
Möglicherweise können Sie dieses Anliegen, bzw. diese Webseite
in Ihren Kreisen weiter empfehlen.
Jedenfalls wäre ich froh, wenn sich über diese Gedanken/Forderungen/Wünsche,
egal wie Sie es nennen möchten, eine ernsthafte Diskussion entwickeln
könnte.
Damit will ich dieses Schreiben vorerst bewenden lassen und bin gespannt,
ob Sie hier Möglichkeiten erkennen, dieses Anliegen auch öffentlich
zu thematisieren.
Einstweilen bedanke ich mich herzlich für Ihr bisheriges Engagement
zugunsten ehemaliger und ich denke sicher auch gegenwärtiger Heimkinder
und verbleibe mit besten Wünschen für Sie und Ihrer Familie.
Mit besten Grüßen aus Alzenau
Klaus Klüber